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 Die weinende Madonna von Syrakus
 
In einem kleinen Haus auf Syracus in Sizilien wohnen die Eheleute Angelo und Antonia Ian-nuso. Sie besitzen, damals wie heute, ein kleines Marienbildnis, ein Halbrelief aus Gips, bunt be­malt mit verschiedenen für solche Herz-Maria-Bildnisse üblichen Farben. Innen ist die zierliche Madonna hohl. Die starke suggestive Wirkung der Skulptur rührt nicht zuletzt daher, dass sie auf einer ovalen schwarzen Glasplatte befes­tigt ist.
Es ist der Morgen des 29. August 1953. Das hel­le Licht des Tages durchflutet die sonnenselige Insel. Frau Iannuso macht einen ersten Rund­gang durch die ordentlich gehaltene Wohnung und wie jeden Tag hält sie vor dem Herz-Maria-Bildnis inne, um sich davor zu sammeln. Da fällt der jungen Sizilianerin in die Augen, dass auf dem unteren Lid des rechten Auges der Marienfigur irgendetwas hell glänzt! Das Licht der Sonne scheint sich in einem Diamanten oder Tropfen verfangen zu haben, genau so, dass das Funkeln und Brillieren des reflektierten Lichts der jungen Frau auffällt. Sie geht näher heran. Tatsächlich hängt da ein dicker Wassertropfen an dem Lid. Wo kommt der her? Es scheint ihr so, als ob die wunderschöne Madonna recht trau­rig wäre und weinen würde. Bald ist der Tropfen zu schwer und fällt zur Erde. Auf dem Parkett des Fußbodens bleibt er als kleiner Fleck sichtbar. Woher kam er? Antonia will von solchen unerklärlichen Dingen eigent­lich nichts wissen, sie will sich wieder dem All­tag zuwenden ...
Doch dann sieht sie tatsächlich einen neuen Wassertropfen, diesmal am anderen Auge. Auch der fällt zu Boden und nun sieht Antonia, dass ganz ohne Zweifel dicke Tränen aus beiden Au­gen der kleinen Marienfigur rinnen, wässrige Perlen, die schließlich in einen ununterbroche­nen Tränenfluss übergehen. Wie traurig musste die Madonna sein.
Antonia läuft, erschrocken und erschüttert, aus dem Haus, sucht ihren Mann Angelo am Ar­beitsplatz, erzählt ihm alles. Schon hören einige umstehende Neugierige interessiert und gebannt mit. Eine weinende Madonna? Hier am Ort! Bald weiß die ganze kleine Stadt davon. Noch am selben Abend strömt eine erregte Men­schenmenge zu dem Haus in der Straße Degli Orti di S. Giorgio. Einige schimpfen, andere knien auf der Straße - alle sind auf ihre Weise erregt. Angelo und Antonia ist das Ganze eher peinlich. Mit ihrer Ruhe ist es nun auch end­gültig vorbei.
Doch es sollte noch schlimmer kommen. Gegen 21 Uhr ist die Polizei da. Erregte Beamte dringen in das Haus. Sie reden von Betrug und wollen den Schwindel auffliegen lassen. Kurzerhand wird die Madonna zur Polizeidirektion mitge­nommen. Bevor höhere Beamte und Spezialisten eintreffen, untersuchen anwesende Polizisten auf dem Revier die wunderbare Statue. »Nichts Besonderes«, murmelt der Revierleiter. Recht hat er: keine Tricks, keine Flüssigkeitsvorrich­tung, nichts.
Aber unaufhörlich weint die Gnadenmutter wei­ter. Auf der abgewetzten Holzplatte des Revier­schreibtisches glänzt der gleiche Tränensee wie in der Straße Degli Orti di S. Giorgio. Die Beamten hier sind jedoch ebenfalls fromme Katholiken! Sie sinken auf die Knie, beten und wollen nähere Umstände von Antonia erfahren. Diesmal nicht in inquisitorischer Absicht, son­dern aus unmittelbarer Glaubenserfahrung. An­gela darf gegen Mitternacht wieder nach Hause gehen. Die liebenswerte Madonna nimmt sie mit.
Die Madonna weint weiter. Mit der Ruhe in der beschaulichen Wohnung ist es nun für immer vorbei. Die Presse rückt an, erst schreibende Reporter, bald auch das Radio und schließlich auch das Fernsehen. Denn die Geschichte schlägt Wellen, weit über Syrakus und ganz Sizilien hinaus. Jeder glaubt, das Rätsel lösen zu können. Da muss doch ein Trick sein, ein Schwindel, wenigstens eine rational fassbare Erklärung! Die Kirche verhält sich, wie stets in solchen Fällen, diskret und zurückhaltend. Die Sache wird wis­senschaftlich untersucht, zunächst vom be­hördlichen Gesundheitsamt. Am 1. September 1953 findet eine akribische chemische Analyse der Tränen statt. Ergebnis: die Flüssigkeit, wie sie aus beiden Augen der Madonna quillt, hat die gleiche Zusammensetzung wie menschliche Tränen! Erklärung: Unmöglich. Erst nachdem wissenschaftlich die Echtheit des Vorgangs gesichert ist, beginnen kirchliche Untersuchungen. Man weiß bis zu diesem Zeit­punkt nur, dass dies Phänomen unumstößlich wahr ist - eine Erklärung gibt es nicht. Im September 1953 beginnt das kirchliche Ge­richt mit offiziellen Untersuchungen. 189 Per­sonen werden akribisch vernommen. Alle sagen aus, sie hätten mit eigenen Augen die Madonna gesehen. Dazu existieren mehrere Filmauf­nahmen.
Der Zeichenlehrer Vittorio Lussa: »Zuerst stand ich allem Gesagten skeptisch gegenüber (...). Wir sahen die Tränen wirklich aus den Augen, aus den Augenhöhlen hervorquellen.« In der Zeitung »La Sicilia« vom 2. September schreibt der Journalist Aldo Carratore: Es ist offensichtlich, dass es sich nicht um das Phäno­men reiner Suggestion handeln kann, da die Feststellung auch von Personen gemacht wurde, die aus eingewurzeltem Vorurteil nicht glauben und die sich dem wunderbaren Bild nur aus Neugier näherten, um sich um jeden Preis eine natürliche Erklärung des Phänomens zu geben. (Zitiert aus: Harald Grochtmann: Unerklärliche Ereignisse, überprüfte Wunder und juristische Tatsachenfeststellung.)
Die sizilianische Bischofskonferenz fällte bereits am 12. Dezember 1953 in Palermo ein positives Urteil. Daraus ein wörtliches Zitat: »Sie [die Bi­schöfe] wünschen, dass diese Kundgebung der himmlischen Mutter bei allen heilsame Buße und größere Verehrung des unbefleckten Her­zens Mariens bewirke, somit den beschleunigten Bau einer Wallfahrtskirche zum fortdauernden Andenken an das Wunder.«
Ein bedeutender Teil sogenannter unerklärlicher Phänomene konnte und kann spielend sämt­lichen wissenschaftlichen Härtetests stand­halten. Man findet dann, paradoxerweise, die Tatsache des Wunders wissenschaftlich und empirisch fassbar bestätigt, eine Erklärung kann jedoch keiner angeben. So wie auch hier festge­stellt wurde, dass die Madonna wirklich weint, niemand jedoch sagen kann, warum und wie.


(Quelle: Dr. Fritz Fenzl: "Marienwunder aus aller Welt" - nymphenburger)   -   Herzlichen Dank für Ihre Erlaubnis!


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