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Die Offenbarung Gottes ist ganz wichtig für unser Leben

Der liebe Gott gibt seine Majestät zu erkennen: in der Natur und durch seine Offen-
barung.
In der Natur, das ist in der sichtbaren Welt, sieht man die Spuren Gottes. Denn alle
Wesen, ob leblos oder lebendig, geben Zeugnis von Gottes Majestät. Die bewunde-
rungswürdige Einrichtung des menschlichen Leibes, namentlich das Herz mit dem
Blutumlauf, das Auge, das Ohr des Menschen usw. zeigen uns Gottes Weisheit; die
Entwicklung der einzelnen Wesen aus dem Samen, und das Firmament zeigen uns
Gottes Allmacht; der große Reichtum in der Natur zeigt die Güte Gottes usw. Die
Natur predigt uns sogar viele Wahrheiten der Religion, so das dreifarbige Licht die hl.
Dreifaltigkeit, das Erwachen der Natur am Morgen und im Frühjahr die kommende
Auferstehung. Daher kommt es, daß die Heilige Schrift so oft auf die Natur hin-
weist, so auf die Gestirne des Himmels, auf die Ameise, die Biene u. dgl. Daher pflegte
unser Heiland so gern auf die Gegenstände in der Schöpfung hinzuweisen: auf die Li-
lie und das Gras auf dem Felde, auf das Samenkorn und die Ernte, auf den Weinstock
und die Reben, auf die Schafe und den Hirten, auf die Sonne und das Licht usw. Von
der Natur entnahm er die schönsten Gleichnisse. In seiner Vorliebe zur Natur wählte
er sich das schön gelegene Nazareth, die „Blume von Galiläa" zu seiner Heimstätte,
den herrlichen See Genezareth zum Zeugen seiner größten Wunder, den anmutigen
Ölberg zu seinem üblichen Ruheplätzchen und zur Stätte seines nächtlichen Gebe-
tes. Auch die hl. Väter waren Freunde und Lobredner der Natur: Sie studierten mit
großer Aufmerksamkeit die Natur und zeigten, wie diese die Majestät Gottes und die
Wahrheiten der Religion verkündet. Der hl. Bernard erklärt, daß uns die Bäume und
Flüsse mehr lehren, als uns die geschicktesten Meister lehren können. Wenn wir heute
Priestern und Mönchen großartige Entdeckungen verdanken, z. B. dem Kopernikus,
dem hl. Albert dem Großen, dem Jesuiten Sechi u. a., und wenn die Päpste so eifrig
der Astronomie und den Naturwissenschaften ihre Sorgfalt und Pflege angedeihen lie-
ßen, so war die Ursache davon das Bestreben, die Majestät Gottes aus seinen Werken
zu erkennen. Weil die Natur die Spuren Gottes zeigt, so kommt es, daß fast alle gro-
ßen Naturforscher fromm und gottesfürchtig waren. Der berühmte Newton, der bei
Nennung des Namens Gottes sein Haupt zu entblößen pflegte, soll einmal seine Hand
auf das Gras gelegt und ausgerufen haben: „Dieser kleine Fleck Erde genügt mir, um
die Majestät Gottes anzustaunen und zu bewundern." Linne erklärt: „Überall im Rei-
che der Gesteine, Pflanzen und Tiere finde ich die Spuren eines ewigen, allmächtigen,
weisen und liebenden Gottes. Voll Bewunderung und Staunen sinke ich vor ihm in den
Staub und bete ihn an." Man pflegt daher die Natur ein Buch zu nennen, worin man
die Majestät Gottes lesen kann. Ein zweites Buch, das über die Majestät Gottes noch
deutlicher Aufschluß gibt, ist die Offenbarung, die gewöhnlich die übernatürliche
Offenbarung genannt wird, im Gegensatze zur natürlichen, d. i. zur Verkündigung der
Majestät Gottes in der Schöpfung.

1. Der liebe Gott hat sich im Verlaufe der Jahrtausende sehr oft den Menschen
geoffenbart (Heb. 1, 1-2), d. h. er hat ihnen auf eine außergewöhnliche Weise Mittei-
lungen gemacht über sich und seine Werke.
Steht jemand in einem Zimmer hinter einem durchsichtigen Vorhange, so sieht er
die, welche auf der Straße vorübergehen; diese aber sehen ihn nicht. Tut er sich aber
durch seine Stimme kund, so können die Vorübergehenden schließen, wer hinter
dem Vorhange stehen mag. Ähnlich verhält es sich mit Gott, der uns sieht, sich selbst
aber unsern Augen verbirgt. Doch hat sich Gott oft den Menschen und auf vielfache
Weise kundgetan. Beispiele solcher Offenbarungen: Gott sprach zu Noah und sandte
ihn zu seinen Zeitgenossen; zu Abraham kam Gott in menschlicher Gestalt mit zwei
Engeln; zu Moses sprach Gott im brennenden Dornenbusche; zu den Israeliten am
Berge Sinai bei der Gesetzgebung; in einer Wolke, die tagsüber dunkel war und nachts
leuchtete, begleitete Gott die Juden beim Zuge aus Ägypten ins gelobte Land; in einer
Rauchwolke war Gott im heiligen Zelte und dann im Tempel zu Jerusalem zugegen.
Gott sprach zum Christen Verfolger Saulus vor Damaskus. Die wichtigste Offenbarung
geschah durch den Sohn Gottes Jesus Christus, der 33 Jahre auf Erden war. Durch diese
Offenbarungen wurden den Menschen Mitteilungen gemacht über die Eigenschaften und
Ratschlüsse Gottes, über den Willen Gottes, über die Bestimmung des Menschen u. dgl.
2. Die Offenbarung wurde gewöhnlich nur einzelnen auserwählten Männern zuteil,
die sie dann ihren Mitmenschen zu verkünden hatten.
Gott redete in der Regel nur zu einzelnen Männern, z. B. zu Noe, zu Abraham und
dessen Nachkommen, zu Moses, weil er bei diesen reinen Sinn vorfand, (hl. Chrys.)
Den Noe sandte Gott zu den vor der Sündflut lebenden lasterhaften Menschen, den
Moses hinwieder sandte er zu den bedrängten Israeliten und zu Pharao. Gott wollte
also nie, daß seine Offenbarungen geheim bleiben. - Ausnahmsweise geschah es,
daß Gott zu vielen Menschen auf einmal redete. Vielen Menschen auf einmal of-
fenbarte sich Gott bei der Gesetzgebung auf Sinai (hier sprach er zum ganzen israeliti-
schen Volke) und bei der Taufe Jesu. (Hier ließ Gott Vater die Worte hören: „Dieser ist
mein vielgeliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe.") - Auch durch Engel
offenbarte sich Gott; so sandte er Raphael zu Tobias. - Wenn Gott zu den Menschen
redete, so nahm er eine sichtbare Gestalt an, z. B. die eines Engels, eines Menschen,
oder er redete aus einer Wolke (so am Berge Sinai), aus dem Feuer (so zu Moses
aus dem brennenden Dornbusch), im strahlenden Lichte (so zu Paulus), im Säuseln
des Windes (so zu Elias) oder durch innere Erleuchtung. (4. Mos. 12, 6-8) - Jene
Männer, denen sich Gott offenbarte, und die dann vor anderen „Zeugnis ablegen"
(Joh. l, 7) mußten, nennt man gewöhnlich „Gottgesandte". Gott wählte sich hierzu
meistens nur sittlich vollkommene Geschöpfe und rüstete diese mit der Gabe der
Wunder und Weissagungen aus, damit man ihren Worten glaubte. Man denke an
die Wunder des Moses vor Pharao, an die Wunder der Propheten und Apostel.

3. Verkündiger der göttlichen Offenbarung waren insbesondere folgende Männer:
die Patriarchen, die Propheten, dann der Sohn Gottes Jesus Christus (Hebr. 1,1) und
die Apostel.
Die Offenbarung ist gewissermaßen die Erziehung des Menschengeschlechtes. Was
die Erziehung dem einzelnen Menschen ist, ist die Offenbarung dem ganzen Men-
schengeschlechte. Die ganze Offenbarung entspricht daher den stufenweise aufeinan-
der folgenden Bedürfnissen des menschlichen Alters: der Kindheit, des Jünglings-
alters und des Mannesalters. Die Patriarchen, die eine mehr kindliche Natur hatten,
bedurften weniger der Gesetze, und Gott verkehrte freundlich mit ihnen; das Volk der
Israeliten, bei dem sich wie beim Jünglinge Eigendünkel und Sinnlichkeit vorfanden,
mußte durch beständige Belehrung und harte Gesetze erzogen werden; als aber Gott
wollte, daß die Menschheit ins Mannesalter treten sollte, hörten die harten Gesetze
auf, und Gott gab durch seinen Sohn das Gesetz der Liebe, (1. Kor. 13, 11; Gal. 3,
24) - Unter allen Verkündigern der Offenbarung legte der Sohn Gottes das getreu-
este Zeugnis ab; er war der „getreue Zeuge" (Off. 1, 5) und ist deshalb in die Welt
gekommen, um der Wahrheit Zeugnis zu geben. (Joh. 12, 50) Er konnte getreuer
und deutlicher reden als alle anderen, weil er als der eingeborene Sohn im Schöße des
Vaters ist, daher, wie niemand anderer, Gottes Wesen sieht. (Joh. 1, 18) Er gab Zeug-
nis von dem, was er gesehen, aber die Menschen nahmen sein Zeugnis nicht an. (Joh.
3, 11) Auch die Apostel waren Verkündiger der Offenbarung. Sie sollten Zeugnis
geben von dem, was sie gesehen, insbesondere von der Auferstehung des Erlösers (Ap.
10, 39 ff.), und zwar nicht nur in Jerusalem, in ganz Judäa und Samaria, sondern bis an
die Grenzen der Erde. (Ap. 1, 8) Daher erklärte auch der hl. Paulus, sein Amt bestehe
darin, Zeugnis zu geben für das Evangelium. (Ap. 20, 24) - Die Offenbarung durch
Jesus Christus und durch die hl. Apostel geschah in der letzten Zeit, in der Gott zu
den Menschen gesprochen hat. (Hebr. 1,1) Mit dieser Offenbarung war die Offenba-
rung, die an die ganze Menschheit ergehen sollte, abgeschlossen.

4. Die göttliche Offenbarung, auf der unser Glaube beruht, geschah, um die wahre Re-
ligion zu gründen, und dauerte nur bis zum Tode der hl. Apostel.
Obzwar sich Gott auch später noch manchmal den Menschen geoffenbart hat, so sind
doch diese Offenbarungen nicht die Fortsetzung jener Offenbarung, auf denen unser
Glaube beruht. Offenbarungen haben, wie aus den Lebensgeschichten, namentlich aus
den Seligsprechungsprozessen der Heiligen bekannt ist, manchmal auch jetzt noch
Menschen, die sehr nach Vollkommenheit streben. Dem hl. Franz v. Assisi erschien
Christus in der Kirche (denke an die Entstehung des Portiunkula-Ablasses), dem hl.
Anton v. Padua erschien das Jesuskind (daher die bekannte Abbildung dieses Heiligen
mit dem Jesukinde), die hl. Theresia sah oft Christum, Heilige und Engel und sprach
mit ihnen usw. Diese Privat-Offenbarungen (Erscheinungen, Visionen u. dgl.) sind
Geschenke Gottes, die hauptsächlich den Zweck haben, dem nach Vollkommenheit
strebenden Menschen die Anhänglichkeit an diese Welt vollkommen zu benehmen
und ihn zu höherer Vollkommenheit zu führen. (Scar.) Doch besteht die Heiligkeit
keineswegs in Offenbarungen und Tröstungen, sondern in heroischen Tugenden und
Geduld in Leiden. Es kann sogar vorkommen, daß gottlosen Menschen Offenba-
rungen zuteil werden; man denke an Baltassar und die schreibende Hand an der
Wand. (Dan. 5) Daher könnte man aus dem Umstande, daß jemand eine Offenbarung
hatte, allein noch nicht mit Sicherheit schließen, daß der betreffende Mensch ein
tugendhaftes Leben führt. Auch geschehen Offenbarungen, um unter den Menschen
den Glauben zu heben. Das beweist z. B. das Entstehen des Wallfahrtsortes Lourdes
in Süd-Frankreich, wo die Mutter Gottes 1858 18-mal einem armen Hirtenmädchen
erschienen ist, sich die „Unbefleckte Empfängnis" nannte und eine Quelle entstehen
ließ, durch deren Wasser bis heute unzählige Krankenheilungen geschahen. Auffallen-
derweise hatte Papst Pius IX. vier Jahre zuvor (1854) den Glaubenssatz von der Unbe-
fleckten Empfängnis der Mutter Gottes feierlich verkünden lassen. (Spirago, Beispiele)
Wie man sieht, haben also derartige Offenbarungen den Zweck, bereits geoffenbarte
Wahrheiten zu bestätigen oder auch den Einzelnen verständlich zu machen. Die
Privat-Offenbarungen sind also keine neuen Offenbarungen, sondern nur eine
Auffrischung der alten Offenbarung. - Obwohl man einerseits derartige Offenbarun-
gen nicht zu schnell glauben soll (Sir. 19, 4), zumal in dieser Beziehung viel Betrug
unterlaufen ist, so darf man sie andererseits doch auch nicht ohne Prüfung verwerfen
(Thess. 5, 20 ff.), wie es leider die fleischlich gesinnten Menschen in der Regel ma-
chen. - Dabei ist auch zu erwähnen, daß bei vielen Privat-Offenbarungen Täuschun-
gen infolge Einwirkung des bösen Feindes unterlaufen. ...

5. Die Offenbarung Gottes war notwendig, weil die Menschen nach der Erbsünde
ohne eine Offenbarung Gott und dessen Willen nie richtig erkannt hätten; auch
deswegen, weil die Menschheit auf den Erlöser vorbereitet werden mußte.
Die Hl. Drei Könige im fernen Morgenlande hätten Christum nie gefunden, wenn er
sich ihnen nicht durch einen Stern geoffenbart hätte; so wäre auch die Menschheit, die
nach der Erbsünde weit vom Vaterlande entfernt lebte, nie zur richtigen Erkenntnis
Gottes gelangt, wenn sich Gott ihr nicht geoffenbart hätte. „Das leibliche Auge bedarf
des Lichtes, um das Irdische zu schauen; ebenso bedarf die Vernunft, die das Auge der
Seele ist, des Lichtes der göttlichen Offenbarung, um das Göttliche zu schauen." (hl.
Aug.) Durch die Erbsünde und durch sinnliche Ausschweifungen war die Vernunft der
Menschen getrübt, so daß sie Gott aus seinen Werken nicht mehr zu erkennen imstan-
de waren. (Weish. 9, 16) Das zeigt die Geschichte der heidnischen Völker. Diese
verehrten Tausende von Gottheiten, darunter sogar lasterhafte Menschen, Tiere
und Bildsäulen und zwar auf sittenlose, ja grausame Weise, man denke z. B. nur an die
Menschenopfer. Ihre Götter dachten sie sich mit allen Schwächen und Lastern behaftet,
ja sogar als die Beschützer dieser Laster. Sogar die größten Geister des Altertums
fielen in schwere Irrtümer (Cicero billigt den Selbstmord, Plato die Aussetzung
der Kinder, die Verachtung der Leute anderer Nationalität, die Trunkenheit zu Ehren
der Götter; betreffs der Schöpfung irren alle), widersprechen sich gegenseitig und än-
dern oft ihre Meinung; ihr Tun aber stand mit ihren Reden in auffallendem Gegensatz.
(Sokrates lehrte die Einheit Gottes und die Torheit des Götzendienstes, vor dem Ster-
ben aber opferte er dem Aeskulap einen Hahn.) Die meisten erkannten ihr Elend
und bekannten offen, daß sie mit ihrer Vernunft über Gott und göttliche Dinge nichts
Sicheres auffinden können, und daß Gott selbst eingreifen und seinen Willen mitteilen
müsse; so Sokrates und Plato. - Ohne eine vorausgegangene Offenbarung Gottes hätte
ferner die Menschheit den Erlöser weder erkannt noch gebührend geehrt. Gleich-
wie ein König der Stadt, in der er feierlich einziehen will, schon lange zuvor seine
bevorstehende Ankunft anzeigt, so hat es auch Gott gemacht. - Nun, wir haben bereits
die Offenbarung Gottes; für diese sind wir dem lieben Gott ebenso Dank schuldig,
wie ein Blinder dem Arzte, der ihn zum Augenlichte verholfen hat. Bemitleidenswert
aber, wer sich um die Offenbarung nicht kümmert; er gleicht einem Menschen, der am
hellen Tage die Fensterläden nicht aufmachen will und im Finstern sitzen bleibt.

6. Damit die geoffenbarten Wahrheiten allen Völkern der Erde bekannt
werden, sandte Christus die Apostel in die Welt.
Christus sprach nämlich bei seiner Himmelfahrt zu den hl. Aposteln: „Mir ist alle
Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker
und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes ... und
siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt." (Matth. 28, 18 ff.) Des-
halb haben sich die Apostel und ihre Nachfolger von keiner weltlichen Obrigkeit ver-
bieten lassen, das Evangelium zu verkünden. Als z. B. der Hohe Rat den Aposteln das
Predigen untersagte, erklärten Petrus und die anderen rundweg: „Man muß Gott
mehr gehorchen als den Menschen." (Ap. 5, 29) Daher läßt sich noch bis heute
die Kirche bei Ausübung des ihr von Christus übertragenen Lehramtes von weltlicher
Seite keine Behinderung gefallen. In manchen Ländern bestand nämlich noch bis in
unsere Zeit hinein das so genannte „landesherrliche Placet", es werden kirchliche Er-
lässe, sogar Verkündigungen der Glaubenslehren von der staatlichen Genehmigung
abhängig gemacht. Man kann es kaum für möglich halten, daß ein solches Gesetz fort-
bestehen kann zu einer Zeit, wo nach den freiheitlichen Vereins- und Pressegesetzen
jedermann berechtigt ist, seine Meinung offen an den Tag zu legen. Weil die Kirche,
die von Gott geoffenbarten Wahrheiten allen Völkern der Erde zu verkünden hat, so
führt sie mit Recht den Namen „Katholische" Kirche, d. h. Weltkirche, und sendet
stetig Missionare zu den Heiden.

Die Verkündigung der Offenbarung
1. Die Vorsteher der Kirche verkünden den Völkern der Erde die geoffenbarten
Wahrheiten mittels des lebendigen Wortes.
Während unsere Kirche mittelst der Predigt das Wort Gottes (die Offenbarungswahr-
heiten) verkündet, so verbreiten z. B. die M. ihren Glauben mit Feuer
und Schwert, die Protestanten mittels der Bibel.
Es sind jene im Irrtum, die meinen, die Hl. Schrift allein sei zu diesem Zwecke da,
allen Völkern der Erde die geoffenbarten Wahrheiten mitzuteilen.
Es war der Wille Gottes, daß die Menschen mittels der Predigt und keineswegs ...
nur mittelst der Schrift die geoffenbarten Lehren erfahren
und so zum Glauben an Gott gelangen. Denn 1) Christus selbst hat nur gepredigt und
nichts geschrieben. 2) Zu den Aposteln sprach er: „Gehet hin und lehret alle Völ-
ker" (Matth. 28, 19), nicht aber: „Schreibet allen Völkern." Daher haben die Apostel
mit Ausnahme von wenigen nicht etwa Bücher geschrieben, sondern nur gepredigt.
„Die Bücher der Gläubigen waren die Apostel selbst." (hl. Aug.) 3) Der hl. Paulus sagt:
„Der Glaube kommt vom Hören" (Rom. 19, 17), also nicht vom bloßen Lesen.
4) Die Belehrung mittels des lebendigen Wortes entspricht ganz den Bedürfnissen des
Menschen; ein jeder will lieber belehrt sein als sich durch mühsames Nachlesen und
Studieren die Sache selbst aussuchen. 5) Wäre die Schrift das alleinige Mittel, wodurch
wir zur Erkenntnis der geoffenbarten Wahrheiten gelangen, so hätten einerseits in der
Zeit, wo die Hl. Schrift noch nicht bestand (in den 2500 Jahren vor Moses und dann
wieder in der Zeit vor der Abfassung der Evangelien) die Menschen nicht zur Er-
kenntnis der geoffenbarten Wahrheiten gelangen können (trotz aller Predigt Christi und
der Apostel); andererseits könnten auch heutzutage jene Menschen nicht dazu gelangen,
die nicht gut lesen oder wegen ihrer Armut sich keine Bibel verschaffen können,
oder nicht die nötigen Kenntnisse haben, um die teilweise schwer verständliche Bibel
gut aufzufassen. Und doch will Gott, daß alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit
gelangen, (1. Tim. 2, 4) - Die Hl. Schrift würde in unseren Augen an Wert verlieren,
wenn uns nicht die Kirche mittelst des lebendigen Wortes bestätigen würde, daß sie
tatsächlich göttlichen Ursprungs und ganz unverändert ist. Der hl. Augustin sagt: „Ich
würde dem Evangelium nicht glauben, wenn mich nicht hiezu das Ansehen der
Kirche bewegen würde."
Eine solche Lehre, von der die Katholische Kirche feierlich erklärt hat, daß sie von Gott
geoffenbart ist, heißt Glaubenssatz oder Dogma.
Sowohl allgemeine Konzilien (die versammelten Bischöfe der ganzen Kirche), als
auch der Papst allein sind berechtigt, feierlich zu erklären, daß eine Wahrheit von
Gott geoffenbart ist. So stellte das Konzil v. Nicäa (325) die Gottheit Christi als Glau-
benssatz auf, desgleichen Papst Pius IX. im Jahre 1854 die Unbefleckte Empfängnis der
Mutter Gottes. Dadurch wurde aber keine neue Lehre gemacht, sondern es wurde nur
erklärt, daß jene Wahrheit wirklich von Gott geoffenbart und seit jeher von der Katho-
lischen Kirche gelehrt und geglaubt worden ist. Es gibt kein Dogma, das nicht schon
zu den Zeiten der Apostel gelehrt worden wäre. „Nicht neue Samenkörner werden in
den Acker der Kirche gestreut, sondern es gelangt nur die von den Aposteln gelegte
Saat zu weiterer Entfaltung." (Vinc. v. Lerin) Ebensowenig das Kind, wenn es in
seiner religiösen Erkenntnis fortschreitet, den Glauben verändert, ebenso nimmt die
Gemeinschaft der Christgläubigen, die Kirche, neue Lehren an, wenn sie beim Auftau-
chen von Irrlehren gewisse Religionswahrheiten nach sorgfältiger Prüfung klar vorstellt
und deren Annahme allen zur Pflicht macht. - Wer sagt, die Dogmen seien veraltet,
bedenke, daß sich die Wahrheit nicht ändern läßt. Wie sich der Satz: 2 mal 2=4, nicht
verbessern läßt, so können auch die religiösen Wahrheiten, die Dogmen, nicht verän-
dert werden. -  ...
Das Dogma hindert nicht, frei zu denken, sondern hält nur vor Irrtümern zurück.
Die Freidenker behaupten, das Dogma hindere im freien Denken; sie erklären, die
Wissenschaft müsse voraussetzungslos sein, das heißt, sie dürfe von keinen Vorausset-
zungen ausgehen. Hier die Antwort: Gleichwie das Geländer am Abgrund uns nicht
im Gehen hindert, sondern uns nur vor dem Absturze schützt, so verhält es sich auch
mit dem Dogma. Es hindert uns nicht im Denken, sondern bewahrt uns nur vor Fehl-
tritten. Keine Wissenschaft darf, wenn sie Erfolge erzielen will, voraussetzungslos
vorgehen. Es mußte sonst der Botaniker, wenn er die gemachten Erfahrungen der frü-
heren Zeit unberücksichtigt läßt, die Giftpflanze neuerdings verkosten, ob sie wirklich
todbringend sei; es mußte sich der Geograf erst an Ort und Stelle begeben und vom
wirklichen Dasein der Städte, Berge, Flüsse usw. überzeugen. Es mußte der Mathe-
matiker, Physiker, Astronom bei seinen Berechnungen erst mit dem Einmaleins
anfangen. Alle Erfindungen der Gegenwart sind keineswegs dadurch gewonnen worden,
daß man die früher als richtig erwiesenen Grundsätze ignorierte, sondern daß man mit
deren Hilfe zu weiteren Resultaten zu gelangen suchte; also die Erfindungen sind mit-
hilfe von Voraussetzungen gewonnen worden. Diese Voraussetzungen haben das freie
Denken nicht gehindert, sondern nur gefördert. Ein voraussetzungsloses Denken exis-
tiert also eigentlich nicht; es würde zu keinem Fortschritt, sondern zum Rückschritt
führen. Die Dogmen hindern die Männer der Wissenschaft schon deswegen gar nicht
im freien Denken, weil die Dogmen nicht die Wissenschaft als solche, sondern nur das
Seelenheil zum Ziele haben. Gerade die Freidenker, die ein voraussetzungsloses
Denken fordern, gehen nicht voraussetzungslos, sondern voreingenommen vor, weil
sie von dem Grundsatze ausgehen, daß es keinen Gott gibt. Sinnreich ist die Aufschrift
auf der Universität in Uppsala: „Frei denken ist schön, richtig denken ist besser."

2. Die Katholische Kirche schöpft die von Gott geoffenbarten Wahrheiten
aus der Heiligen Schrift und aus der Überlieferung.
Die Hl. Schrift und die Überlieferung haben den gleichen Wert und sind mit gleicher
Ehrfurcht aufzunehmen und zu verehren. (K. Tr. 4) Die Hl. Schrift ist das geschrie-
bene, die Überlieferung das ungeschriebene Wort Gottes. Der hl. Petrus ermahnt
daher die Christen, sich nicht nur an das zu halten, was ihnen brieflich, sondern auch an
das, was ihnen mündlich mitgeteilt worden ist. (2. Thess. 2, 14)
(Quelle: Franz Spirago, Volkskatechismus, 1914, zit. aus: "Dienst am Glauben", 1/2011,
S. 6-12, Innsbruck. Sehr empfehlenswerte Zeitschrift!)



Offenbarung in neuerer Zeit: z.B. sogar durch Kometen


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