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Die Erlösung
Franz Spirago - Katholischer Volkskatechismus
1914
Vorbereitung
der Menschheit auf den Erlöser
1. Gott erwählte
sich ein eigenes Volk und bereitete es selbst auf den Erlöser vor;
dieses auserwählte Volk waren die Nachkommen Abrahams. Man
nannte sie gewöhnlich das israelitische oder jüdische Volk.
Etwa 1.650 Jahre nach der Erschaffung des Menschen fand die Sintflut
statt. 300 Jahre später kam Abraham zur Welt, also um 2.050 v. Chr.
Diesen berief der liebe Gott aus seiner Heimat ins heilige Land Palästina
(1. Mos 12). Seine Nachkommen, das jüdische Volk, sollten einst das
Priestervolk für alle Völker sein (2. Mos 19,6). Es war sonach
die Auserwählung eines Volkes keine Verwerfung der anderen Völker,
sondern gerade ein Beweis, dass Gott für sie sorgte. Daher erklärte
auch Gott bei jeder einzelnen Verheißung des Erlösers, dass
der Erlöser alle Völker glücklich machen werde (1. Mos 12,3;
29,4; 28,14).
Gott bereitete das auserwählte Volk in folgender Weise auf
den Erlöser vor: Er setzte es schweren Prüfungen aus, gab ihm
strenge Gesetze, wirkte vor seinen Augen viele Wunder und ließ es
durch die Propheten belehren.
Das auserwählte Volk war nämlich sehr sinnlich. Es liebte
die Fleischtöpfe Ägyptens mehr als seine Freiheit (2. Mos 16,3).
Daher schickte ihm Gott Prüfungen, welche die große Sinnlichkeit
des Volkes zerstören sollten. Solche Prüfungen waren zum Beispiel
der Befehl des Pharao, alle Knäblein zu töten; Hunger und Durst
in der Wüste; die Feuerschlangen; die Überfälle durch Feinde,
wenn das Volk Gott verlassen hatte; endlich später die Abführung
in die Gefangenschaft und die Bedrückung durch grausame Könige.
Weil das Volk roh und sinnlich war, gab Gott ihm auch die Gesetze durch
Donner und Blitz und fügte diesen gleich Drohungen und Verheißungen
hinzu (hl. Chrys.). - Auch war das Volk sehr zum Götzendienste geneigt.
Man denke nur zum Beispiel an die Anbetung des goldenen Kalbes (2. Mos
32,1). Die Wunder hatten nun den Zweck, den Glauben an den allein wahren
Gott und das Vertrauen auf ihn zu befestigen. Man denke an die Wunder in
Ägypten, an den wunderbaren Übergang durch das Rote Meer und
später durch den Jordan, an das Manna in der Wüste, an das Wasser
aus dem Felsen, an das Einstürzen der Mauern Jerichos usw. Auch die
Propheten sollten den Glauben an den allein wahren Gott im Volke befestigen
und zugleich die Sehnsucht nach dem künftigen Erlöser immer mehr
wachrufen.
Von der Geschichte
des jüdischen Volkes wissen wir Folgendes:
Die Nachkommen Abrahams waren zuerst in Palästina und kamen
dann nach Ägypten, wo sie 400 Jahre lang blieben und hart bedrückt
wurden.
Um das Jahr 2.000 v. Chr. berief Gott den Abraham und führte
ihn nach Palästina. Hier schlug Abraham zu Hebron (westlich vom jetzigen
Toten Meere) seinen Wohnsitz auf. Er hatte einen Sohn Isaak, den er am
Berge Moria schlachten sollte. Isaak hatte zwei Söhne: Esau und Jakob;
Jakob erhielt anstelle seines Bruders den väterlichen Segen und das
Recht der Erstgeburt und musste deshalb aus dem väterlichen Hause
fliehen. Jakob (auch Israel genannt) hatte zwölf Söhne; einer
von diesen, Josef, wurde König in Ägypten und berief dann seine
Verwandten, 66 an der Zahl, zu sich und schenkte ihnen das östlich
vom Nil-Delta gelegene fruchtbare Land Gossen (um 1.900 v. Chr.). Hier
vermehrten sich die Juden stark und hatten von den ägyptischen Königen
viel zu leiden. Man nannte sie gewöhnlich „Söhne Israels" oder
„Israeliten".
Unter Moses wurden die Israeliten aus Ägypten weggeführt
(um 1.500 v. Chr.) und blieben dann 40 Jahre lang in der Wüste.
Etwa zwei Millionen Menschen, darunter 600.000 Krieger, überschritten
das Rote Meer (um 1.500 v. Chr.) und kamen in die arabische Wüste;
hier wurden sie von Gott mit dem Manna gespeist und erhielten am Berge
Sinai die Zehn Gebote
Gottes. Gott wirkte vor ihren Augen sehr viele Wunder. Moses
starb am Berge Nebo.
Unter Josue unterwarfen sie das gelobte Land, mussten aber noch
über 300 Jahre mit Hilfe der Richter gegen die Feinde kämpfen
(1.450-1.100 v. Chr.).
Josue, der Nachfolger des Moses, ließ das ganze Land unter
die zwölf Stämme verteilen. Die Richter waren tüchtige Männer,
die Gott zur Zeit der Not erweckte; sie befehligten das Volk im Kriege
(sprachen auch Recht) und besiegten den Feind. Solche Richter waren: Gedeon,
Jephte, Samson, der Letzte war Samuel.
Hierauf wurden die Israeliten von Königen regiert, und zwar
von Saul, David und Salomon (1.100-975 v. Chr.).
Saul war ein grausamer Mann, der sich im Kampfe selbst tötete.
- Sein Nachfolger David (1.055-1015) zeichnete sich durch große Frömmigkeit
aus. Er verfasste viele Psalmen und erhielt von Gott das Versprechen, dass
aus seinem Geschlechte der Erlöser hervorgehen werde. Als er leichtsinnig
in zwei schwere Sünden gefallen war, verrichtete er eine strenge Buße.
Gegen ihn empörte sich sein Sohn Absalom ohne Erfolg. - Dem David
folgte sein Sohn Salomon; dieser erbaute zu Jerusalem einen prachtvollen
Tempel (1.012) und war bekannt durch die große Pracht seines Hofes.
Er besaß große Weisheit und verfasste das Buch der Sprichwörter.
Nach Salomons Tode spaltete sich das Reich in zwei Teile: in das
Königreich Israel im Norden (975-722) und das Königreich Juda
im Süden (975-588).
Dem Salomon folgte sein Sohn Roboam in der Regierung. Dieser legte
dem Volke noch höhere Steuern auf als sein Vater Salomon. Deshalb
fielen die zehn nördlichen Stämme von ihm ab und bildeten ein
eigenes Königreich namens Israel. Nur die südlichen zwei Stämme,
Juda und Benjamin, blieben dem Roboam treu und bildeten das Königreich
Juda.
Da die Bewohner beider Reiche den wahren Gott verließen, ließ
Gott beide Reiche nacheinander zerstören und deren Bewohner in die
Gefangenschaft führen.
Das Königreich Israel hatte 19 Könige; diese verführten
das Volk zum Götzendienste, damit es nicht nach Jerusalem wallfahrte.
Deshalb sandte Gott zu diesem Volke die Propheten und ließ ihm durch
diese Strafpredigten halten. Endlich kam im Jahre 722 der assyrische König
Salmanassar, zerstörte das Reich Israel und führte dessen Bewohner,
darunter Tobias, in die assyrische Gefangenschaft. Die Gefangenen kamen
im Jahre 606 nach der Zerstörung des assyrischen Reiches unter die
Herrschaft der Babylonier und im Jahre 538 unter die Herrschaft des persischen
Königs Cyrus. - Das Königreich Juda hatte 30 Könige und
erhielt sich länger. Erst der babylonische König Nabuchodonosor
unterwarf es seiner Herrschaft, und als es sich empörte, führte
er viele Juden, darunter auch Daniel, in die Gefangenschaft (606 und 599)
und zerstörte endlich im Jahre 588 Jerusalem und den Tempel. Doch
auch jetzt noch wurden auf den Ruinen des Tempels Opfer dargebracht (Bar.
1, 10).
Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft (536) lebten die Juden
im Frieden, bis sie endlich (203) unter die Herrschaft des grausamen Königs
Antiochus von Syrien kamen.
Seit 606 waren die Bewohner beider Reiche Israel und Juda unter
einem einzigen Herrscher und mussten nebeneinander wohnen; daher wurden
sie bald wieder gute Freunde. Man pflegte sie von nun an gewöhnlich
Juden zu nennen. Der persische König Cyrus, der sich im Jahre 538
das babylonische Reich unterwarf (König Balthasar
wurde in derselben Stadt getötet, in der er die hl. Gefäße
entweiht hatte), erlaubte den Juden im Jahre 536, in die Heimat
zurückzukehren und den Tempel wieder aufzubauen. Sogleich zogen 42.000
Juden unter dem Fürsten Zorobabel nach Jerusalem und begannen, Stadt
und Tempel (war 516 fertig) wieder aufzubauen. Man denke an die tröstenden
Worte des Propheten Aggäus bei der Grundsteinlegung des Tempels. Im
Jahre 453 erhielten die Juden vom persischen König Artaxerxes auch
die Erlaubnis, Jerusalem mit Mauern zu befestigen. (Man denke an die Weissagung
Daniels von den 70 Jahrwochen.) Unter der Herrschaft der Perser blieben
die Juden über 200 Jahre und hatten in dieser Zeit nichts zu leiden.
Im Jahre 330 kamen die Juden unter die Herrschaft Alexanders des Großen,
König von Macedonien, der das persische Reich zerstört hatte.
Nach seinem Tode kamen die Juden an verschiedene Herrscher, endlich (im
Jahre 203) wurden sie dem syrischen König Antiochus Epiphanes IV.
Untertan. Dieser verfolgte sie wegen ihrer Religion; er zwang zum Beispiel
die sieben machabäischen Brüder und den Eleazar, Schweinefleisch
zu essen, und ließ sie martern; auch stellte er im Tempel Götzenbilder
auf.
Nach heftigem Kriege erwarben sich die Juden ihre Freiheit und wurden
dann durch 100 Jahre von jüdischen Königen regiert (140-39 v.
Chr.).
Unter Anführung der tapferen Machabäer (Matthias mit seinen
fünf Söhnen) begannen die Juden den Freiheitskampf und schüttelten
das syrische Joch vollends ab. Im Kampfe fielen viele
Juden, die etwas von den Götzenopfern bei sich hatten; Judas
Mach, ließ für sie Opfer darbringen. Einer der machabäischen
Brüder, Simon, wurde König und Hoherpriester in Judäa (im
Jahre 140). Ihm folgten seine Nachkommen in der Regierung. Im Jahre 64
hielt sich der römische Feldherr Pompejus auf seinem Feldzuge im Morgenlande
in Judäa auf und unterwarf den jüdischen König der römischen
Herrschaft.
Im Jahre 38 v. Chr. wurde ein Heide namens Herodes König von
Judäa.
Als nämlich in Judäa eine Empörung ausgebrochen war,
setzten die Römer den jüdischen König ab und machten einen
Heiden namens Herodes den Großen zum König von Judäa (39.
v. Chr.). Herodes war also ein König im Judenlande, der kein Jude
war. Unter ihm kam der Messias zur Welt. Herodes rottete innerhalb neun
Jahren das ganze Königsgeschlecht der Machabäer aus; er war der
Mörder der Knaben von Bethlehem. Er starb 3 n. Chr. - Dem Herodes
folgte sein Sohn Herodes Antipas (3-49 n. Chr.). Dieser war es, der Johannes
den Täufer tötete und Christum verspottete. Ihm folgte ein Enkel
Herodes des Großen, Herodes Agrippa; dieser ließ den hl. Jakobus
den Älteren enthaupten und den hl. Petrus einkerkern. Er
ließ sich Gott nennen und wurde lebend von Würmern gefressen
(um 42). - Im Jahre 70 n. Chr. wurde Jerusalem von Titus zerstört,
und die Juden wurden unter alle Völker zerstreut.
2. Die übrigen
Völker der Erde ließ Gott teils durch das auserwählte Volk
oder edle Männer, teils auf außergewöhnliche Weise auf
den Erlöser vorbereiten.
Die Juden kamen schon durch ihren regen Geschäftsverkehr mit
den heidnischen Völkern sehr in Berührung. Daher kamen bald auch
die hl. Schriften in die Hände der Heiden und wurden in fremde Sprachen
übersetzt. Durch Gottes Zulassung geschah es, dass die Juden in die
Gefangenschaft gerieten und hier lange Zeit mit den Heiden zusammenleben
mussten. Durch sie lernten die Heiden den wahren Gott und die Weissagungen
vom Erlöser kennen. Daher sprach Tobias, vom Hl. Geiste erleuchtet:
„Lobet
den Herrn, ihr Kinder Israels ...; denn darum hat er euch unter die Heiden,
die ihn nicht kennen, zerstreut, damit ihr ihnen seine Wunder erzählet,
und ihnen zu wissen tut, dass kein anderer allmächtiger Gott ist als
er" (Tob 13,3 ff.). - Auch erweckte
Gott edle Männer unter den Heiden oder sandte solche zu ihnen.
Man denke an Sokrates in Griechenland (dieser lehrte, dass nur ein Gott
und dieser der Schöpfer der Welt sei, zeigte die Torheit des Götzendienstes,
zeichnete sich aus durch große Mäßigkeit, Uneigennützigkeit,
Sanftmut und Unerschrockenheit; er wurde seiner Lehre wegen 399 v. Chr.
zum Tode verurteilt); man denke ferner an Ijob in Arabien, an Josef in
Ägypten, an Jonas in Ninive, an Daniel in Babylon u. a. Durch die
hervorragenden Tugenden dieser Männer, teilweise auch durch das unerschrockene
Bekenntnis ihres Glaubens und durch die Wunder, die Gott zu ihrem Schutze
wirkte (man denke an die Beschützung der drei Jünglinge im Feuerofen,
des Daniel in der Löwengrube), musste den Heiden klar wer
den, welcher Gott der wahre ist. Daher kam es, dass sogar manche
Heiden zur jüdischen Religion übertraten; sie hießen Proselyten.
- Aber auch auf außergewöhnliche Weise hat Gott die Heiden belehrt;
so zum Beispiel die Hl. Drei Könige durch
einen wunderbaren Stern (Mt 2,3), den Hauptmann Cornelius zu
Cäsarea durch einen Engel (Apg 10,3), den König Balthasar durch
eine geheimnisvolle Hand an der Wand (Dan 5), den König Nabuchodonosor
durch ein wunderbares Traumgesicht, das sich auf den wahren Gott und den
Messias bezog (Dan 2), den Balaam durch eine Eselin (4. Mos 22,28 ff.).
Daher
finden wir wirklich bei den Heiden die Sehnsucht nach dem Erlöser.
Siehe das Folgende.
3. Bevor Gott den
Erlöser schickte, ließ er alle Völker der Erde in tiefes
Elend geraten, damit sie sich umso mehr nach dem Erlöser sehnen und
ihn umso freudiger aufnehmen.
Unter den Juden bestand die größte Uneinigkeit in religiösen
Dingen; es bekämpften sich hier drei religiöse Parteien oder
Sekten: die Saducäer, die reichen Leute des Landes, welche ein ewiges
Leben leugneten; die Pharisäer, welche äußerlich alle religiösen
Vorschriften aufs Strengste befolgten; die Essener, welche sich von der
Welt ganz zurückzogen und ein strenges Bußleben führten.
- Unter den Heiden herrschte trotz aller Philosophie eine gänzliche
Unwissenheit in religiösen Dingen und eine ungeheuere Sittenlosigkeit.
Die Zahl der heidnischen Götter war so groß, dass der Geschichtsschreiber
Hesiod sagt, man müsste verzweifeln, wenn man alle zählen sollte.
Bildsäulen, lasterhafte Menschen, ja sogar Tiere wurden angebetet.
Die Heiden hielten diese Götter für die Beschützer von Lastern
und glaubten sie am besten zu verehren durch lasterhafte und unsittliche
Handlungen, ja sogar durch Menschenopfer. Die
Heiden erkannten aber ihr tiefes Elend und sehnten sich nach Hilfe.
Der Heide und römische Dichter Horaz beklagt (in einer Ode) die Bürgerkriege
und sagt: „Komm endlich,
du Sohn der erhabenen Jungfrau, bleib lange unter deinem Volke, kehre spät
in den Himmel zurück und finde deinen Gefallen, hier Vater und Fürst
genannt zu werden." Schon zuvor
sprach bei den Griechen Sokrates die Hoffnung aus, es werde ein Mittler
vom Himmel herabsteigen und uns die Pflichten gegen Gott und die Menschen
ohne Irrtum lehren. Mit Recht hatten also einst der sterbende
Jakob (1. Mos 49,10) und die Propheten (Agg 2,7) den Erlöser „den
von allen Völkern Ersehnten" genannt. - Die Völker des Erdkreises
glichen vor der Ankunft Christi einem Kranken, der deshalb nach dem Arzte
verlangte, weil er seinen Schmerz sehr fühlt; den welken Pflanzen,
die nach dem erfrischenden Tau verlangen; einem Menschen, der in eine Grube
gefallen, sich nach dem Retter sehnt, weil er trotz aller Anstrengungen
nicht heraussteigen kann (A. Stolz); einem Königssohne, der im größten
Elende leben muss und mit seinem Lose unzufrieden ist, weil er weiß,
dass er zu etwas Besserem bestimmt ist (A. Stolz). - Noch
bis heute macht es Gott in seiner Weisheit so; er lässt manche Menschen
zuerst in tiefes Elend fallen, bevor er durch den Heiligen Geist auf sie
einwirkt. Das zeigt die Lebensgeschichte eines Paulus, eines
Augustinus. Menschen, die sich nämlich in einem so elenden Zustande
befinden, sind für die Einwirkung des Heiligen Geistes empfänglicher
und dienen nach ihrer Bekehrung Gott viel eifriger.
(Quelle: "Dienst am Glauben",
Heft 1-2017, S. 10-14, A-6094 Axams)
Auch heute muß
sich das Volk Israel, ja die ganze Welt auf die baldige Wiederkunft unseres
Herrn Jesus Christus vorbereiten: Die untrüglichen Zeichen am Himmel
gemäß Offenbarung des hl. Apostels Johannes sind schon sichtbar
und finden bald ihre Erfüllung! Lassen Sie sich nicht von anderen
in die Irre führen!
Vgl.: https://www.youtube.com/watch?v=IzvrWko0E9M