|
|
Heilung
von Darmkrebs
Im Jahre 1853, Margrit war gerade 38 Jahre alt, bekam sie Darmbeschwerden.
Vielleicht war es die viele Arbeit, die äußerst knappen Mahlzeiten,
die sie zu sich nahm, oder auch die Anstrengung der unermüdlichen
Pilgerfahrten, die zu gesundheitlichen Störungen führten. Jedenfalls
bekam sie plötzlich heftige Schmerzen im Unterleib, hinzu kam eine
Übelkeit, die Erbrechen auslöste. Eigentlich wollte sie das vor
ihren Angehörigen verbergen, um ihnen keine Unannehmlichkeiten zu
bereiten. Doch das war nicht möglich.
Die Familie veranlasste schließlich, dass sie einen Arzt aufsuchte,
der dann die Diagnose „Darmkrebs" stellen musste. Da ihr Zustand sehr ernst
war, wurde Margrit sogleich einer Operation unterzogen, die jedoch erfolglos
blieb. Im Gegenteil, es kam eine Infektion hinzu und es ging ihr zusehends
schlechter.
Es war der 8. Dezember 1854. Papst Pius IX. hatte an diesem Tag
den Glaubenssatz von der Unbefleckten Empfängnis feierlich verkündet.
An diesem Tag nun betete Margrit Bays intensiv in ihrer Kammer in La
Pierraz um Heilung.
Robert Loup merkt dazu an: „Wir müssen hier zwei Wesenszüge
dieser Bitte hervorheben. Der erste besteht darin,
dass der bloße Gedanke, ihren Körper den Händen
eines Arztes überlassen zu müssen, der frommen Frau peinlich
ist. Körperliche Schmerzen oder gar den Tod fürchtet sie nicht;
aber in ihrem Schamgefühl ist sie tief beunruhigt.
Der zweite Wesenszug hängt mit dem ersten zusammen. Margrit
betet nicht eigentlich um Heilung, sondern um eine andere Krankheit. Bekanntlich
können Christen drei verschiedene Haltungen dem Leiden gegenüber
einnehmen. Der gewöhnliche Mensch versucht, ihm zu entgehen, andere
nehmen es gefasst auf sich, einige wenige sehnen sich danach, um zu sühnen
und unserem Heiland immer ähnlicher zu werden.
Margrit bittet um Leiden. Sie möchte von einem Übel geheilt
werden, durch das ihr empfindliches Gefühl für Reinheit verletzt
wird, aber sie will leiden, in welchem Grad und durch welche Krankheit
auch immer es Gott gefallen mag, wenn sie nur nicht die Demütigung
der ärztlichen Untersuchung auf sich nehmen muss. Das
ist das heroische Opfer, dessen Größe hier unterstrichen werden
muss."
Während die Familienangehörigen am Hochamt in der Pfarrkirche
Siviriez teilnahmen, lag Margit fiebernd und leidend auf ihrem Krankenlager.
Im innigen Gebet wandte sie sich also an die himmlische Mutter mit einem
ihrer Lieblingsgebete: „O
Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir
zu dir unsere Zuflucht nehmen!" Sie war fest überzeugt, hier
kann nur noch der Himmel helfen. Sie bat die Unbefleckt Empfangene, ihr
anstelle des so beschämenden Leides ein anderes zu geben. Sie nahm
eine Wunderbare Medaille zur Hand, richtete die Bitte an die Unbefleckte
und legte die Medaille in die schmerzende Wunde. Im gleichen Augenblick
fühlte sie einen Strom durch ihren Körper fließen, die
Schmerzen verschwanden, die Wunde schloss sich und Margrit Bays war ganz
vom Darmkrebs geheilt.
Als ihre Familie von dem Kirchgang zurückkam, saß sie
auf dem Steinofen und betete den Rosenkranz. Die Leiden sollten nun gewandelt
werden. Kurze Zeit darauf nahm Margrit an Händen, Füßen
und in der Seite gerötete Stellen wahr, die heftig zu brennen begannen.
Die Heilige, die vom Darmleiden geheilt worden war, bekam nun die Wunden
ihres Herrn, die sie von dem Moment an zu verbergen suchte, wie es ihr
nur möglich war.
Aus: Gottfried Egger OFM, Hl. Margrit Bays
-die stigmatisierte Näherin von La Pierraz