Blicke in eine andere Welt

Die polnisch-ukrainische Widerstandskämpferin Stefanie („Fulla") Horak wurde 1909 im ostpolnischen Tarnopol geboren, das heute zur Ukraine gehört. Auf der Flucht vor dem Einmarsch der Russen kam die 7-jährige Fulla mit ihrer Familie nach Wien. Später studierte sie Philosophie und wirkte als Musiklehrerin in Lemberg. Ihre unruhige Kindheit und Jugend, gepaart mit der aufrichtigen Suche nach Wahrheit, ließen sie, die nicht einfach „traditionell glauben" konnte, lange Jahre in spiritueller Dunkelheit verbringen.
Gott aber erhörte das Gebet, das sich immer wieder aus ihrer gequälten Seele erhob: „Gott! Wenn es dich gibt - schenke mit Licht!" So betete sie auch vor dem Bild der Gottesmutter von Tschenstochau. Das Licht kam, wenn auch nicht sofort, und auf unerwartete Weise. Die durch Krankheit geläuterte Fulla sah und hörte plötzlich die hl. Magdalena Sophia Barat, Gründerin der Ordensgemeinschaft von Sacre-Ceur. Ihr folgten andere Heilige, u. a. Don Bosco, Theresia von Lisieux, Januaris, Nikolaus ...
Nach ihrer Bekehrung mit 26 Jahren erlaubte Gott Fulla, durch den Besuch dieser Heiligen „aus einer anderen Welt" im Glauben zu wachsen. Er schenkte ihr mystische Einblicke in Himmel, Hölle und Fegefeuer. Der Zweite Weltkrieg brach aus, Fulla schloss sich dem polnischen Widerstand im Untergrund an und half u. a., Gefangenen heimlich die hl. Kommunion zukommen zu lassen.
Sie wurde verhaftet und zu zehn Jahren sibirischer Verbannung verurteilt. Zehn Jahre verbrachte sie in Kälte, mit Zwangsarbeit, im Kampf gegen Wanzen u.v.m. Als sie an Magengeschwüren erkrankte, wurde sie unter primitiven Bedingungen ohne Narkose sieben Stunden lang operiert, Magen und Zwölffingerdarm entfernt.
Als sie nach Ende der Verbannung mit ruinierter Gesundheit nach Polen zurückkehrte, führte sie ihr mystisches Leben fort. Immer mehr Besucher kamen, denen die Leidende beistand. Im März 1993 starb Fulla, mit großer Sehnsucht nach dem Himmel. Aus ihren mystischen Einblicken in das Jenseits, die ihr Neffe, Pfarrer Tomasz Horak, veröffentlichte, stammt folgender Auszug über das Jenseits:

Lernen, Gott zu lieben:
 Manche glauben, dass ein Mensch unmittelbar nach seinem Tod in das Himmelreich eingehen kann, wenn er nur vorher eine ehrliche Beichte abgelegt hat. Sie irren sich. Das Fegefeuer ist nicht nur ein „Ort" der Läuterung, sondern auch der Reifung für alle, die zu Lebzeiten ihre inneren Lichter vernachlässigt oder gar nicht beachtet und dadurch ihren Geist nicht ausreichend entwickelt haben. Im Fegefeuer entwickeln sie sich weiter durch das Leiden, das sie schließlich dazu fähig macht, den höchsten Punkt der Glückseligkeit zu erfassen, also zu erleben. Dieses Glück wartet seit ewigen Zeiten nach dem Willen Gottes auf sie. Da sie im Lauf ihres Lebens nicht reifen wollten, müssen sie nun, oft jahrhundertelang, im Leiden verharren und so erst nach ihrem Tode reifen.
Aus demselben Grund müssen selbst die Menschen, die in ihrem Leben gut, opferbereit und edelmütig waren und stets nach ethischen Grundsätzen handelten - wenn das Motiv ihres Handelns nicht in erster Linie in der Liebe zu Gott zu finden ist - im Fegefeuer zunächst lernen, Gott zu lieben. Dann erst wird es ihnen - trotz ihrer zahlreichen und sogar verdienstvollen, jedoch aus anderen Beweggründen verrichteten Taten - gegeben sein, Ihn zu sehen.

Die Seelen der Verstorbenen
In einigen Kreisen des Fegefeuers haben die Seelen manchmal nach dem Willen Gottes die Möglichkeit, den Menschen im Traum oder am Tag zu erscheinen. Nur auf diese Art können sie um Hilfe bitten. Die Mensehen beachten jedoch ihre eigenen Träume meistens nicht, und vor diesen Erscheinungen haben sie oft solche Angst, dass es nur selten jemandem in den Sinn kommt, für diese Seele zu beten, eine hl. Messe lesen zu lassen, ein Leid auf sich zu nehmen oder eine gute Tat zu vollbringen. Die Menschen kommen nicht darauf, dass uns ein Zeichen aus dem Jenseits nur mit dem Willen und der Erlaubnis Gottes gegeben werden kann und wir es aus diesem Grund nicht missachten dürfen.

Vergebung befreit
Nichts belastet eine Seele im Fegefeuer mehr als Groll oder Hass der auf der Erde Zurückgebliebenen. Im Gegensatz zu dem beiderseitigen Nutzen, den das Gebet für den Verstorbenen bringt, ist ein solcher Hass für beide Seiten schädlich. Wer in seinem Herzen Hass nährt, auch wenn dieser durch einst erlittenes Unrecht begründet ist, wird seinen Schöpfer nicht eher sehen, bis er die gleichen Qualen durchlitten hat, die er seinem Missetäter durch diesen Groll beschert hat.
Aus: Fulla Horak, Besuche aus einer anderen Welt
(Quelle: "Maria - das Zeichen der Zeit", Nr. 199 - 2021, S. 8f., Hrsg. Rosenkranz-Aktion e.V., Jestetten)   -  Miriam-Verlag



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