.
Fastenzeit - die österliche Bußzeit 

Fasten, büßen - Worte, die man heute selten hört. In unserer Zeit des Überflusses leiden die Menschen eher an Sinnleere und Reuelosigkeit. Bevor wir Gläubigen uns jedoch über das größte Geschenk das uns Christus gemacht hat, seine Auferstehung, freuen dürfen, wollen wir uns innerlich darauf einstimmen. Denn wir wollen reinen Herzens sein an diesem hohen Feiertag. So hat diese Vorbereitung auf Ostern eine lange Tradition.
Vorbild für die Fastenzeit war Jesus selbst, der 40 Tage nach der Taufe im Jordan auf Nahrung verzichtete, und der Versuchung widerstand, wie die Evangelisten Matthäus und Lukas berichten. Und vierzig Jahre ist das Volk des Alten Bundes durch die Wüste gezogen, um das Land der Verheißung geläutert betreten zu können. Vierzig Tage verbrachte Moses auf dem Berg, um Gottes Zehn Gebote entgegenzunehmen. Darum bereiten auch wir uns vierzig Tage vor, um den Tod und die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus würdig zu feiern.
Diese „Österliche Bußzeit" soll ganz der innerlichen Vorbereitung auf die Osterfeier gewidmet sein. Die Fastenzeit dauert von Aschermittwoch bis zum Beginn der Abendmahlsmesse am Donnerstag in der Karwoche. Am Karfreitag und am Karsamstag bis zur Osternachtfeier wird das Osterfasten eingehalten. Dieses Osterfasten ist ein Trauerfasten zum Gedächtnis der Passion Christi sowie seiner Grabesruhe und unterstützt die besondere Festfreude des Auferstehungstages Ostern.
Uns auf die Quellen unseres Glaubens zu besinnen und die Wochen der „österlichen Bußzeit" als eine Zeit der geistlichen Erneuerung anzunehmen, so lautet unser Auftrag. Wir brauchen die Fastenzeit, um das Wesentliche in unserem Leben nicht aus den Augen zu verlieren. Als Christen fragen wir uns, wie wir die Fastenzeit besonders sinnvoll gestalten können. Denn die Kirche, das sind immer wir. Wir einzelne Menschen, wir Gläubige, die die Liebe zum Nächsten und zu Christus auch tatsächlich leben. Fastenzeit lebt man nie für sich alleine, sondern immer auch mit dem Blick auf den Anderen: was kann ich für meinen Bruder, für meine Schwester tun?
In vielen dieser Fälle bringt allein schon die Nähe eines anderen Menschen Trost. Das ermutigende Wort kann Menschen aufrichten. Es kann Hoffnung und Zuversicht geben im Hinblick auf die Gegenwart und die Zukunft.
Nicht nur während dieser Bußzeit sollen wir uns fragen, wie unser Leben nach christlichen Grundsätzen zu ordnen ist. Wo finden wir den richtigen Wegweiser zum Leben in geistlicher Fülle? So mancher Gläubige sollte sich fragen: Gebe ich der inneren Stimme Raum, in der der Herr heute zu mir spricht? Lasse ich es zu, Geborgenheit bei Gott zu finden, oder sind mir mein Lebensstil und die Bewunderung der anderen für meinen materiellen Erfolg wichtiger? Bin ich mir bewusst, dass in der hl. Hostie der ewige Schatz, das größte Gut auf mich wartet, und dass der Herr im Tabernakel gegenwärtig ist, und zwar unseretwegen, nicht seinetwegen? Wenn wir uns wirklich Zeit nehmen und uns darüber Gedanken machen, so erleben wir mit einem tiefen inneren Staunen, was sich die ewige Liebe an Schönem für uns ausgedacht hat. Wir sind nicht alleine mit unseren Sorgen und Nöten, mit unseren Ängsten vor Krankheit und Tod, vor Kränkung und Verlusten. Wenn wir unser Herz für Christus öffnen, so sind wir mit allen Ängsten und Sorgen nicht mehr allein. Denn Gottes Liebe, die wir in uns spüren dürfen, wenn wir sie zulassen, hat die erlösende Macht.
Viele Menschen hinterfragen erst dann die Werte des modernen Lebens, wenn Schicksalsschläge wie große Armut, Scheidung, Krankheit und Tod in ihrem Leben auftauchen. Erst Krisen führen viele zum Nachdenken. Es verschieben sich die Wertigkeiten und wir werfen einen anderen Blick auf unser Leben. Dann wollen wir wissen, worauf es wirklich ankommt. Menschen, die nach Orientierung suchen, finden am ehesten den Weg, wenn sie sich an anderen orientieren können, die auf dem gleichen Weg sind. Sie suchen nach Wegbegleitung. Bieten wir doch als gläubige Mitmenschen diese Orientierung und Begleitung an, denn es steht geschrieben: "Wer Gott liebt, soll auch seinen Bruder lieben" (1 Joh 4,21). Als Christen können wir nicht fremd nebeneinander her leben. Wir tragen Verantwortung füreinander. Und es steht auch: "Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen" (Gal 6,2).
Für uns Christen ist es eine hohe Aufgabe, mit wachen Augen und einem offenen Herzen durch die Welt zu gehen und sie mit dem Geist der Nächstenliebe zu betrachten. Einsame, alte Menschen, die sich über einen Besuch, einen Einkaufsdienst freuen, kranke Nachbarinnen, die über ein paar Stunden Betreuung froh und erleichtert sind, das sind nur einige Beispiele. Gerade in der Fastenzeit sollten wir uns innerlich einen kleinen Stoß geben, das Zögern überwinden und dem Anderen Hilfe anbieten. Die unmittelbare Hilfe von Mensch zu Mensch, die Familien- und Nachbarschaftshilfe, ist ein Zeugnis unseres Glaubens. Zugleich ist gerade die Fastenzeit auch die richtige Zeit, Überfluss abzubauen und Konsum zu hinterfragen. Und durch die Einschränkung des eigenen Konsums als Hilfe für die Armen in aller Welt erhält die Fastenzeit eine soziale Dimension. Jeder gläubige Christ kann sich selbst überlegen, wie er seine Fastenzeit gestalten will, und welche Opfer er bringen kann.
Bestimmte Fastenregeln sind jedoch immer aktuell: Strenge Fast- und Abstinenztage sind heute noch in der Katholischen Kirche der Aschermittwoch als erster Tag der Fastenzeit sowie der Karfreitag, an dem die Kirche des Leidens und Todes Christi gedenkt. In diesen Tagen sollen sich die katholischen Gläubigen nur einmal sättigen und ein weiteres Mal eine kleine Stärkung zu sich nehmen. Dem Abstinenzgebot müssen alle Gläubigen ab dem vollendeten 14. Lebensjahr folgen, dem Fastengebot dagegen alle Volljährigen bis zum Beginn des 60. Lebensjahres. Die Sonntage in der Fastenzeit sind (wie alle Sonntage) vom Fasten immer ausgenommen. Die bewusste Einschränkung soll bewirken, das wir immer vor Augen haben: Fastenzeit ist eine Zeit der Buße und der Umkehr! Je ernsthafter man seine Fastenvorsätze genommen hat, umso größer ist die Freude über die Selbstdisziplin, zu der man fähig ist, wenn man sie aus tiefem Herzen bejaht. Wir dürfen spüren: Mit Gottes Hilfe sind wir stark!
Jesus hat gesagt: "Nicht Opfer will ich, sondern Barmherzigkeit". Äußere Opfer sind gut, wenn sie das Herz für Gott und den Nächsten öffnen, aber es geht um das, was uns zur Besinnung, zum wachen Glauben verhilft. Dann erfahren wir den Reichtum der Fastenzeit.
(Quelle: "Der Gefährte", Heft Nr.  2-2016, S. 8-10,  St. Andrä)   - Mediatrix-Verlag  -  LINK



Bete täglich den Rosenkranz!


Impressum
zurück zur Hauptseite