Weihwasser und Kreuzzeichen

Auf dieser Seite finden Sie beachtenswerte Ausführungen zum Gebrauch des Weihwassers von Bischof Dr. Rudolf Graber (+). Sie sollen dazu beitragen, die uralte katholische Praxis, Weihwasser zu spenden, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Wir bitten, diese fromme Übung neu zu beleben, sofern sie in unseren Familien und Gemeinschaften abhanden gekommen sein sollte.

Kreuzzeichen und Weihwasser
Beim Betreten der Kirche nehmen wir Weihwasser und bekreuzigen uns. Mit dem Kreuzzeichen beginnt die Eucharistiefeier zu Ehren des dreifaltigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Weihwasser und Kreuz gehören in jede katholische Familie. Wichtiger aber noch ist dies, daß wir mit dem Kreuzzeichen das Morgengebet und damit den Gebetsgottesdienst in der Hauskirche beginnen. Wir haben schon gehört, wie sehr der Heilige Vater auf das Gemeinschaftsgebet in der Familie dringt. Man möge ja nicht mit der Entschuldigung kommen, daß dies im Industriezeitalter unmöglich ist. Irgendwann muß die Familie sich zu einem gemeinsamen Gebet zusammenfinden, und wenn der Vater abwesend ist, muß die Mutter es tun. In dem marianischen Rundschreiben „Marialis cultus" hat Papst Paul VI. auf zwei gemeinschaftliche Gebetsübungen hingewiesen, auf den täglichen dreimaligen „Engel des Herrn" und den „Rosenkranz". Wenn die frommen Moslems dem Ruf des Muezzin von den Minaretts Folge leisten und die vorgeschriebenen Gebetszeiten einhalten, müßten dann nicht erst recht wir Christen beim Glockenläuten innehalten und des großen Geheimnisses unserer Erlösung gedenken, um „durch Christi Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung zu gelangen"? Gewiß können Angelus und Rosenkranz auch vom Einzelnen gebetet werden, aber sie gehören zum festen Bestandteil des Gebetsdienstes in der Familie, ebenso wie das Tischgebet und die anderen Gebete, die im „Gotteslob" für die Familie, Eltern und Kinder, aufgeführt sind. Niemals sollte die Weihe des Tages, früher gute Meinung genannt, vergessen werden, um die ganze Tagesarbeit zu segnen und zu heiligen.

Weihwasser
1. Das Weihwasser steht in besonderer Beziehung zum Taufwasser. Das wird so recht deutlich in der Osternachtfeier. Hier erfolgt die Besprengung der Anwesenden mit dem kurz vorher geweihten Taufwasser.
2. Daran erinnerte und erinnert heute noch die sog. Austeilung des Weihwassers vor dem Pfarrgottesdienst am Sonntag. Dazu wird in der österlichen Zeit das „Vidi aquam" und während der übrigen Zeit des Jahres das „Asperges me" gesungen.
3. Das Weihwasser ist ein Sakramentale. Wer es mit Glauben und Vertrauen gebraucht, darf berechtigterweise Gottes Segen für Leib und Seele des Menschen, ebenso für die ganze übrige Schöpfung erbitten und diese Fürbitte ausdehnen auf die Seelen im Reinigungsort. „Wenn man daher mit einem Tropfen Weihwasser entweder sich, eine gegenwärtige Person damit besprengt oder auch einer abwesenden Person dies zuwenden will, so steigt gleichsam von neuem das Gebet der Kirche zum Himmel empor und zieht Gnaden auf jene Personen (und Sachen) herab. Das Weihwasser verscheucht die Gewalt der bösen Geister; daher das Sprichwort: "Der fürchtet dies oder jenes wie der Teufel das Weihwasser."
4. In „Geschichte einer Seele" (Kap. XII) ist von der kleinen hl. Theresia nachzulesen: Eines Nachts bat sie die Krankenschwester, ihr Bett mit Weihwasser zu besprengen und sagte: „Der Teufel ist um mich herum. Ich sehe ihn zwar nicht, aber ich fühle ihn; er quält mich und hält mich wie mit einer eisernen Hand fest, um mich zu hindern, mir die geringste Erleichterung zu verschaffen. Er steigert meine Leiden, um mich zur Verzweiflung zu bringen. Und ich kann nicht beten. Nur auf die allerseligste Jungfrau vermag ich zu schauen und zu sagen: Jesus! O, wie notwendig ist doch das Gebet der Komplet: Befreie uns von den Traumgebilden der Nacht!"
5. Die hl. Theresia von Avila war ungemein treu im Gebrauch des Weihwassers; sie drängte auch ihre Schwestern dazu. Sie versicherte: „Oft habe ich erfahren, daß es kein wirksameres Mittel gibt, um die bösen Geister zu vertreiben und ihr Wiedererscheinen zu verhindern als das Weihwasser.
Vor dem Kreuz fliehen sie zwar auch, kommen aber wieder.
Es muß also das Weihwasser eine große Kraft haben ..."
6. „Im Weihwassernehmen begegnen sich die erlöste Seele und die erlöste Natur im Zeichen des Kreuzes" (Romano Guardini, Liturgische Zeichen).
7. „Ich habe noch Gebete, denen die Flur lauscht, ich weiß noch, wie man die Gewitter fromm macht und das Wasser segnet... Denn ich bin Mutter aller Kinder dieser Erde; was schmähest du mich, Welt, daß ich groß sein darf wie mein himmlischer Vater?" (Gertrud von Le Fort, Hymnen an die
Kirche).
(aus: Bischof Dr. Rudolf Graber, Die Familie als häusliches Heiligtum : in "Bote von Fatima" Nr. 3/2006, S. 48)

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