Ein sehr altes Gebet
 Um Gottes Schutz auf die Fürbitte der Heiligen Drei Könige, in Goldbuchstaben geschrieben und in Köln am Rhein aufbewahrt. Rückübersetzung aus dem Englischen von Frau Christine Beaumont. Bei jedem + bezeichne dich mit dem Zeichen des Kreuzes.
Heute erhebe ich mich und verbeuge mich gen Osten,
zu Dir, o Gott, Dessen gnadenvollen Ruf ich erhalten habe.
Der Erste ist Gott der Vater +
Der Andere ist Gott der Sohn +
Der Dritte ist Gott der Heilige Geist +

Möge die hochgelobte, höchstgebenedeite Dreifaltigkeit unsere Seele und unseren Leib behüten.
Ich wünsche gesegnet zu werden, wie Unser lieber Herr Jesus Christus Selbst Seine Jünger gesegnet hat und uns gnädig durch Sein Hochheiliges Sakrament Seines Fleisches und Kostbaren Blutes segnet,
Ich gehe ein und aus dem Haus durch die Straßen und auf Wegen.
Mögen Jesus + Maria + und Josef + die Drei Heiligen Könige,
Mensor + Sair + und Theokono + unsere lieben Reisebegleiter sein, die Himmel unser Hut und die Erde unsere Schuhe.
Mögen die namentlichen sechs Heiligen Personen uns begleiten und beschützen, zusammen mit allem, was wir haben, sei es im Hause oder außerhalb des Hauses und jedermann schließen wir in unsere Gebete ein, besonders ...
Mögen sie uns vor Dieben, Mördern und bösen Menschen beschützen, alle, die uns begegnen, müssen freundlich zu uns sein und uns als Personen achten und uns darin helfen.
Gott der Vater + Gott der Sohn + Gott der Heilige Geist +
Jesus + Maria + Josef + Mensor, Sair, Theokono und die vier Heiligen Evangelisten.
Durch Ihre Fürbitte möge der Allmächtige Gott ununterbrochen mit uns sein, in allem, was wir tun, in unserem Betragen, unserem Kommen und Gehen, bei der Arbeit, in der Ruh; sei es auf dem Land oder auf dem Wasser, im Feuer oder in der Flut, möge der liebe Gott uns mit Seiner Mächtigen Hand beschützen.
Gott dem Vater + übergeben wir uns,
Gott dem Sohn + anvertrauen wir uns,
Gott der Heilige Geist + sei in uns, über uns und um uns.
Die Allerheiligste Dreifaltigkeit sei über uns,
Jesus, Maria und Josef seid vor uns,
Mensor + Sair + und Theokono + seid mit uns allezeit bis wir die Ewige Glückseligkeit und das Seelenheil erreichen.
Verhelft uns zu diesem Ende,
Jesus, Maria und Josef!                            Amen
(Quelle: "Dienst am Glauben" Nr. 1/2007, S. 7, Höttinger Gasse 15a, A-6020 Innsbruck)



 
Ziel und Stufen des Gebetes 
(Achte Betrachtung im Buch des Lebens) 

Angela v. Foligno unterweist uns über das Ziel des Gebetes und über den Weg, der zu diesem Ziel führt - drei Stufen des Gebetes - das Beispiel Jesu - Notwendigkeit des Gebetes und Frucht des Gebetes.

1. Ziel und Weg
Das Ziel des Gebetes ist „Umwandlung des Gemütes in die Liebe Gottes". Der Weg, der zu diesem Ziel führt, ist Erkenntnis des gekreuzigten Gottmenschen. Das ist zur Erreichung dieses Zieles unbedingt notwendig. Zu dieser Erkenntnis gelangt man aber nur durch eifriges Lesen im „Buch des Lebens" (Leben und Leiden Christi). Um fruchtbringend im Buch des Lebens lesen zu können, braucht es aber das andächtige, reine, demütige, bestürmende und beharrliche Gebet.

2. Drei Stufen des Gebetes
Das Gebet ist es, das uns zu Gott führt. Es ist dreifach: körperlich, geistig und übernatürlich.
a) Das körperliche Gebet
„Das körperliche Gebet ist immer mit Worten und körperlichen Übungen, wie die Kniebeugung, verbunden. Diese Art des Gebetes unterlasse ich niemals, denn es bereitet vor zum geistigen; und führt wieder dazu, wenn man es wegen Trägheit oder Schlaf verloren hat. Es muß mit Aufmerksamkeit verrichtet werden, so daß man wohl betrachtet, was man sagt."
b) Das Gebet des Geistes
„Das Geistesgebet, wobei die Betrachtung Gottes den Geist so einnimmt, daß er nichts anderes denkt als Gott. Denn wenn irgendein anderer Gedanke in den Geist eindringt, so nenn ich es nicht mehr Geistesgebet. Dieses Gebet bindet die Zunge, so daß sie nicht reden kann. Denn der Geist ist dabei dermaßen voll von Gott, daß er an nichts anderes denken kann als an Gott. Dies ist auch die Ursache, warum man aus dem Geistesgebet ins übernatürliche Gebet kommt."
c) Das übernatürliche Gebet
„Wenn die Seele durch den Gedanken an Gott über ihre Natur erhaben wird und Dinge erkennt und begreift, die sie im natürlichen Zustand nicht erkennen und begreifen kann. Das, was sie da erkennt, kann sie nicht erklären, weil fast alles, was sie sieht und fühlt, über die Natur ist."
„Die göttliche Weisheit hat angeordnet, daß niemand zum Geistesgebet kommt, der nicht vorher das körperliche Gebet übt; und sie will niemandem das übernatürliche Gebet geben, der nicht das körperliche Gebet und das Geistesgebet hat. Durch diese drei Stufen lernt jeder sich selbst und Gott erkennen; und so viel er Gott kennt und liebt, so viel wünscht und liebt er den zu haben, den er liebt. Und das ist das Zeichen wahrer Liebe, daß der, welcher liebt, sich nicht nur zum Teil, sondern ganz in den Geliebten umgestaltet." „Bete also. Und bete beharrlich! Denn je mehr du betest, umso mehr wirst du erleuchtet, umso tiefer und klarer wirst du das höchste Gut schauen; je mehr du es siehst, umso mehr wirst du es lieben; und je mehr du es liebst, umso mehr wirst du es in dich aufnehmen und darin umgestaltet werden."

3. Das Beispiel Jesu
„Wir haben auch das Beispiel und den Auftrag zum Gebet vom Sohn Gottes, von Jesus Christus selbst, der uns durch Wort und Tat vielfach zu beten ermahnt hat. Wachet und betet, sagt er zu seinen Jungem, damit ihr nicht in Versuchung fallet. In vielen Stellen des Evangeliums muntert er dazu auf und gibt dadurch zu verstehen, wie teuer es ihm sei. Damit wir keine Entschuldigung hätten, wenn er uns seine Gnade nicht verleiht, setzt er den Erfolg der Erhörung in unser Gebet, indem er spricht: Bittet, so werdet ihr erhalten. Er wollte selbst beten, damit wir durch sein Beispiel bewogen werden, das Gebet vor allem zu lieben. Und welch ein aufopferndes Gebet war es, das er verrichtete. Als er einmal länger betete, ward sein Schweiß wie Tropfen Blutes, die auf die Erde rannen. Diesen Spiegel stelle dir vor Augen. Und so ein Beispiel von Beharrlichkeit im Gebete suche nachzuahmen. Damals sprach er auch: Vater, wenn es möglich ist, so laß diesen Kelch an mir vorübergehen; aber nicht mein Wille, sondern der deine geschehe! Und zum Beispiel, daß auch wir unseren Willen immer dem Willen des Vaters unterwerfen, wie auch er sich ganz und gar dem Vater ergeben mit den Worten: Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist. Sein ganzes Leben war Gebet. Denn er beschäftigte sich ständig mit der Erkenntnis Gottes und seiner selbst und mit der Offenbarung dieser doppelten Erkenntnis. Sollte Christus vergebens gebetet haben? Warum vernachlässigest du das Gebet, da man ohne Gebet nichts erhalten kann. Christus, der wahre Gottmensch, betete nicht für sich, sondern damit du durch ihn das Musterbild des wahren Gebetes erhieltest. Und wenn der wahre Gott selbst nur durch Gebet, durch demütiges Flehen das erhalten wollte, was ihm gefiel, willst du elendes Geschöpf ohne flehentliches Bitten etwas erhalten?"

4. Notwendigkeit des Gebetes
„Du weißt, daß kein Mensch ohne das Licht und die Gnade Gottes die Frucht der Erlösung empfangen kann. Denn nur durch das göttliche Licht fängt der Mensch an, gut zu werden, Fortschritte zu machen und wird zum Gipfel der Vollkommenheit geführt. Aber Licht und Gnade erhalten wir von Gott nur durch ein demütiges Gebet."
a) „Wenn du also dieses örtliche Licht erhalten willst, dann bete. Wenn du Fortschritte machen und dieses göttliche Licht in dir vermehrt haben willst, dann bete. Wenn du auf dem Gipfel der Vollkommenheit bleiben und von Gnade zu Gnade geführt werden willst, dann bete! Willst du Glaube, bete! Willst du Hoffnung, bete! Willst du Liebe, dann bete! Willst du Gehorsam, bete! Willst du Keuschheit, bete! Willst du welche Tugend immer, dann bete! Damit aber dein Gebet von Frucht sei, mußt du im Buch des Lebens, im Leben des Gottmenschen Jesus Christus, lesen, welches Armut, Schmerz und wahrer Gehorsam war."
"Wer immer vom Geist Gottes geleitet werden will, der bete. Denn als die Apostel beteten kam der Heilige Geist am Pfingstfest über sie herab."
b) Wenn du dieses Leben des Gottmenschen begonnen hast, werden viele Versuchungen des Fleisches, der Welt und des Teufels dich quälen und belästigen, aber durch das Gebet wirst du sie überwinden."
c) „Bete also und habe acht, daß du deinen Feinden, die du deinen Feinden, die dich ständig beobachten, keine Blöße gebest. Du wirst ihnen Blöße geben, wenn du aufhörst zu beten. Je mehr du Versuchungen erleidest, desto beharrlicher sei im Gebete; obwohl auch öfter Versuchungen des Gebetes wegen kommen, indem der böse Feind das Gebet zu hindern sucht. Achte diese Störung nicht, sondern bete weiter. Dann wirst du verdienen, von den Versuchungen befreit zu werden."

5. Um gut beten zu können
"Wenn jemand gut beten will, ist es notwendig, daß man vor Gott mit großer Reinheit des Geistes und mit Ehrfurcht trete. Man durchforsche alles Gute und Böse, was man getan; auch die Absicht der guten Werke, die man verrichtet hat; man betrachte, wie man die Werke Gottes nachlässig, mangelhaft und ohne Ehrfurcht, dagegen aber das Böse mit großem Fleiß geübt; man beichte die Sünden, suche sie zu erkennen und genugsam zu bereuen. In reumütiger Beichte wird die Seele gereinigt, und so gereinigt kann sie ans Beten gehen, gleich jenem Zöllner, der ob seiner bußfertigen Gesinnung erhört, während der Pharisäer in seiner Selbstgerechtigkeit verworfen worden ist."

6. Frucht des Gebetes
"Durch das Gebet wirst du erleuchtet, durch das Gebet von Versuchungen befreit, durch das Gebet gereinigt, durch das Gebet mit Gott vereinigt.
Im Gebet liegt die deutlichste Offenbarung Gottes und seiner selbst (Der betende Mensch lernt Gott erkennen und sich selbst). Eben deshalb findet die Seele im Gebet auch die wahre Demut.
Denn je näher sie Gott sieht, desto deutlicher sieht sie auch ihr Nichts.
Je mehr sie sich im Glanz dieses Lichtes erkennt, desto mehr sieht sie auch ihr Nichts; und desto mehr wird sie erleuchtet, so daß Wachstum in der Demut zugleich Wachsen in der Gnade ist. So wächst die Seele, die betet, in der Gnade, vorzüglich wenn ihr Gebet Betrachtung im Buch des Lebens, im Leben und Leiden Jesu Christi ist, denn dann erkennt sie am besten Gottes Größe und die eigene Geringheit, in welcher Erkenntnis all unsere Vollkommenheit liegt."
"Fern sei also alle Nachlässigkeit im Gebete. Bete, wache, strenge dich an, wenn dir die spürbare Gnade, der brennende Eifer zum Gebet entzogen ist; es ist Gott angenehm wenn du in spürbarem Eifer betest, wachest, arbeitest. Aber du wirst Gott ein noch angenehmeres Opfer darbringen, wenn du auch, ohne Gnade und Eifer zu spüren, betest. Daher, wenn dich göttlicher Eifer zum Beten antreibt, so wirke in diesem göttlichen Feuer. Wenn es aber Gott gefällt, dir den spürbaren Eifer zu entziehen, dann wache und bete nicht minder. Durch deine Beharrlich- keit im Gebete, durch die Gewalt, die du dir selber antust, wirst du Gott bewegen, dir den Eifer und die Wärme seiner Gnade wieder zu geben. Tue also, was dein ist. Und Gott wird gewiß tun, was sein ist.
Denn ein mühsam sich abgerungenes Gebet ist Gott sehr angenehm."
(Quelle: ebd.: S. 4ff.)
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