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Das
furchtbarste Zeichen unserer Zeit, in der ein ganzer Kontinent ins Heidentum
zurückfällt, ist die Entgottung, der große Abfall, die
Gottvergessenheit. Eine Welt ohne Gott geht den Weg ins Verderben: "Breit
ist der Weg, der ins Verderben führt, und viele gehen auf ihm..."
Die Wahrheit des bekannten Wortes Papst Pauls VI. vom "Rauch Satans, der durch die Türritzen in das Innere der Kirche eingedrungen ist", ist heute allgemein erkennbar: Bischöfe stehen gegen Bischöfe auf, Kardinäle gegen Kardinäle. Die Lehre der Kirche wird umgedeutet, verdreht und ausgehöhlt. Die Feier des heiligen Meßopfers läßt häufig nicht mehr erkennen, daß es sich um die Vergegenwärtigung unseres Herrn und Heilandes handelt... Nach römischen Berichten, die teilweise in Presseorganen aufgegriffen wurden, sieht die dritte Auflage der "Institutio Generalis", der allgemeinen Einleitung zum römischen Meßbuch des Novus Ordo, vor, daß der "Volksaltar" für den reformierten Ritus verpflichtend wird. Unklar scheint gegenwärtig lediglich, mit welcher Verbindlichkeit eine solche Vorschrift erlassen wird. Selbst wenn in der Theorie Ausnahmen zugelassen werden, kann bei den gegenwärtigen Verhältnissen im deutschsprachigen Raum kaum ein Zweifel daran bestehen, daß modernistische Kreise erheblichen Druck auf jene Kirchen und Klöster ausüben werden, die sich bisher dem Trend zum "Volksaltar" entziehen konnten. Damit geraten manche wichtige "Glaubensinseln" in Gefahr. Die Zelebrationsrichtung ist nämlich keineswegs ein sekundäres gestalterisches Element...
Kardinal Ratzinger hat in seinem Buch "Der Geist der Liturgie" auf
vielen Seiten (S. 62 -73) eindringlich vor den Konsequenzen gewarnt: "Die
Zelebrationsrichtung versus populum erscheint heute geradezu als die eigentliche
Frucht der liturgischen Erneuerung durch das II. Vaticanum. In der Tat
ist sie die sichtbarste Folge von Neugestaltung, die nicht nur eine äußere
Anordnung liturgischer Orte bedeutet, sondern auch eine neue Idee vom Wesen
der Liturgie als gemeinschaftlichem Mahl einschließt." Es gelte aber,
"daß die Eucharistie der Christen mit dem Begriff 'Mahl' überhaupt
nicht zugänglich beschrieben werden kann. ... Immer weniger steht
Gott im Blickfeld, immer wichtiger wird alles, was die Menschen tun, die
sich hier treffen... Die Wendung des Priesters zum Volk formt nun die Gemeinde
zu einem in sich geschlossenen Kreis. Sie ist - von der Gestalt her - nicht
mehr nach vorne und oben aufgebrochen, sondern schließt sich in sich
selber." Alle Katholiken, die wissen, daß entsprechend der Lehre
der Kirche die Eucharistie die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers
Christi ist, wissen auch, was mit den geplanten Änderungen auf dem
Spiel steht...
Glaube wird nicht weitergegeben durch endlose Diskussionen, sondern
durch das lebendige Zeugnis. Im Gleichnis vom "schmalen und breiten Weg"
wird uns gezeigt, wie weit sich die Welt von Gott entfernt hat. Ja, wir
alle spüren, wie sehr wir einer neuen Hinwendung zu Christus bedürfen,
Erneuerung, Umkehr und Hinkehr zu Gott, zu den Quellen des Glaubens, Besinnung
auf den unverkürzten Glauben - das ist es, was wir heute ganz besonders
brauchen...
(Quelle: "Der Gefährte",
Heft Nr. 6, Nov./Dez. 2000, S. 8f., St. Andrä) -
Mediatrix-Verlag
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