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P. + Fridolin Außersdorfer OFM Auch in jedem Teil
und jedem Teilchen der heiligen Hostie
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Die
Kirche nennt das heilige Sakrament des Altares das „wunderbare" Sakrament.
- Das bewunderungswürdige Sakrament, weil es tatsächlich aller
Bewunderung würdig ist! Das wundervolle Sakrament, weil es, wie Papst
Leo XIII. gesagt hat, „alle übernatürlichen Wirklichkeiten in
einzigartiger Fülle und
Vielfalt" enthält. Diese Artikelreihe möchte mit Gottes Gnadenhilfe
diese wunderbare, bewunderungswürdige Fülle des Mysteriums, soweit
möglich, menschlicher Fassungskraft nahe bringen. Wenn wir also unsere
Aufmerksamkeit nun in besonderer Weise auf die wundervolle Tatsache der
Realpräsenz richten, dann ist auch hier noch wahrhaft Erstaunliches
zu beachten; daß sich nämlich die wunderbare Gegenwart unseres
Herrn Jesus Christus als Gott und Mensch nicht darauf beschränkt,
allein in einer Kirche (Gotteshaus) gegenwärtig zu sein: Der Herr
des Himmels und der Erde ist als Gott und Mensch überall dort, wo
das heilige Sakrament aufbewahrt wird, ganz zugegen. Jesus Christus ist
auch - wie jeder Christ wissen sollte, in jeder heiligen Hostie ganz zugegen.
Noch mehr: Auch in jedem Teil und jedem Teilchen
der heiligen Hostie und in der Gestalt von Wein ist Jesus Christus als
Gott und Mensch ganz gegenwärtig! Damit
ist das Thema genannt: Erstens, was ist diesbezüglich Lehre der heiligen
Kirche? - Zweitens, wie stellt sich der Mensch von heute zu dieser Glaubenswahrheit?
- Drittens, Aufhellendes Licht vom Ursprung her.
Bild links: Hauskalender 2010, Mediatrix-Verlag, m. frdl. Genehmigung v. hw. H. Pfr. J. Stocker
I. Der Glaube der
Kirche
Im
Hinblick auf die wunderbare Gegenwart ihres göttlichen Bräutigams
auch in allen Teilen und Teilchen der eucharistischen Gestalt:
1.
Das Konzil von Trient (1551) erklärt: „Unter jeder Gestalt ist gleichviel
enthalten: Der ganze Christus ist unter der Gestalt des Brotes und in jedem
Teil dieser Gestalt - und der ganze Christus ist in der Gestalt des Weines
und in jedem Teil dieser Gestalt."
2.
Der Römische Katechismus Auf die Frage: Wie ist Jesus Christus im
heiligen Sakrament des Altares gegenwärtig? - antwortet der Römische
Katechismus: „Jesus Christus ist
unter einer jeden Gestalt von Brot und Wein und in jedem auch dem kleinsten
Teil dieser Gestalt ganz, das ist als Gott und Mensch, gegenwärtig."
3.
Was hat die heilige Katholische Kirche bisher im Hinblick auf diese Glaubenswahrheit
verlangt? Die Heilige Katholische Kirche ist nicht dabei stehen geblieben,
diese Glaubenswahrheit mit wunderbarer Klarheit und Entschiedenheit zu
verkünden - sie hat - in eindrucksvoller und konsequenter Weise -
dieser Glaubenswahrheit auch entsprechende Formen geschaffen. Und deren
Beobachtung strengstens verlangt. Daß man nämlich auch kleinsten
Teilchen der eucharistischen Gestalt die gleiche Ehrfurcht und Sorgfalt
erweise, und sie vor dem Verstreuen schütze:
a)
Der Priester mußte nach der heiligen Wandlung bis nach der Kommunion
- Daumen und Zeigefinger geschlossen halten, damit auch nicht das kleinste
etwa daran haftende Teilchen verstreut werde.
b)
Der heilige Römische Ritus kennt in diesem Anliegen noch eine ganze
Reihe ähnlicher Weisungen, von denen noch gesprochen werden wird.
c)
Bei Spendung der heiligen Kommunion: Der heilige Leib Christi durfte -
aus verschiedenen Gründen - den Empfängern nicht auf die Hand
gegeben werden; ein Grund war der, daß keine Teilchen achtlos verstreut
werden.
II. Wie stellt sich
der Mensch von heute zur Glaubenswahrheit: Auch in Teil und Teilchen ganz?
Niemand
wird in Abrede stellen können, daß der Feind in die Kirche eingedrungen
an heiliger Stätte Verwüstungen angerichtet und hohnlachend „aufgeräumt"
hat
1.
mit genannten liturgischen Formen. Welcher Priester des Ritus modernus
hält nach der heiligen Wandlung noch Daumen und Zeigefinger geschlossen?
Wie
wird das heilige Sakrament des Altares, das Heiligste, was die Kirche hat,
behandelt? Wie wird die heilige Kommunion gespendet?
a)
Zum Schrecken tiefgläubiger Katholiken ist die Form des Empfanges
dem Belieben des Empfängers überlassen mit der Begründung,
daß Glaube und Ehrfurcht mit äußeren Formen nichts zu
tun hätten; wobei aber der Beweis für die Richtigkeit dieser
Behauptung nicht erbracht werden kann.
b)
„Gute Katholiken sind mit Recht schockiert, wenn sie sehen müssen,
wie aus dem Glauben sich ergebende liturgische Formen, die von der heiligen,
Katholischen Kirche immer heilig gehalten worden sind, heute außer
Acht gelassen werden! Es wird zu wenig beachtet, wie sehr im Bewußtsein
der Gläubigen katholische Lehre und bestimmte Formen der Frömmigkeit
zusammenfallen: Änderung der überlieferten Formen bedeutet für
viele Änderung des Glaubens." Klaus Gamber
c)
„Durch schrittweises Vorgehen hat es der Progressismus verstanden, zahllose
Werte der Tradition, nämlich das liturgische Erbe, zu eliminieren
(auszuschalten)." Hohnlachend hat der Feind auch
2. Verwüstungen
angerichtet im Hinblick auf den rechten Glauben
Weithin
verloren gegangen ist der Glaube an die Wesenswandlung von Brot und Wein;
Und damit auch
a)
der Glaube an die Realpräsenz unseres Herrn Jesus Christus im heiligen
Sakrament überhaupt: Nach einer Umfrage in Frankreich ist es dort
so, „daß 27 Prozent der Priester nicht mehr an die wirkliche Gegenwart
Christi in der konsekrierten Hostie und noch weniger an eine solche in
den Partikeln glauben". „Man kann sich des sicheren Eindrucks nicht erwehren,
daß der Glaube an die Realpräsenz immer mehr preisgegeben wird."
Walter Hoeres Schon im Jahre 1977 schrieb Dozent Dr. Franz Gölles,
Graz: „Die neue Liturgie ist nicht mehr katholisch: Statt einer Opferung
haben wir eine ,Gabenbereitung', ähnlich wie man vor Tisch das profane
Essen zubereitet. Statt einer Wesenswandlung von Brot und Wein in Christi
Fleisch und Blut durch den geweihten Priester - haben wir lediglich noch
einen ,Einsetzungsbericht', der nichts bewirkt. Infolgedessen, statt einer
heiligen Kommunion, der realen Vereinigung mit Gott dem Herrn mit Fleisch
und Blut, mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit - nur noch ein
Mahl mit Brot zur Erinnerung an das letzte Abendmahl, wie bei den Protestanten.
Ganz folgerichtig ist die ehrfurchtslose Form der Kommunionspendung. Allgemein
wurde der Gottesdienst in einen Menschendienst umfunktioniert."
b)
Besonders in Verlust geraten ist der Glaube an die Realpräsenz auch
in kleinen und kleinsten Teilchen der eucharistischen Gestalt: „Wenn man
früher für die Ehrfurcht gegenüber dem präsenten Leib
des Herrn es für angemessen hielt, daß der Priester bei der
Feier der heiligen Geheimnisse nach vollzogener Konsekration die Finger,
die den Leib des Herrn berührt hatten, nicht mehr öffnete - und
wenn das Gleiche heute nicht mehr für angemessen und erforderlich
erachtet wird, dann hat sich offenbar in der Meinung bezüglich der
Weise der Gegenwart des Herrn in den Eucharistischen Gestalten etwas geändert."
3. Der tiefste Grund:
Dämonische Empörung gegen Gott und Gottes Offenbarung
„Der
schwerwiegendste Vorwurf, der gegen die progressistische Theologie erhoben
werden muß, daß sie (soweit es auf sie ankommt) Gott abgesetzt
hat:
Nicht
Gott, sondern sie bestimmt, was zu glauben ist und was zu tun ist.
Nicht
Gott offenbart, wie er ist, sondern sie schreibt vor, wie er zu sein hat!"
Prof.
Dr. Georg May
Besonders
im Hinblick auf das Mysterium prallen heute Licht und Finsternis: Wahrheit
und Irrtum - hart aufeinander. Blinder Unverstand oder wahnsinniger Hochmut,
der Meinung zu sein, im Bereich des Mysteriums hätte der Mensch zu
bestimmen: Der Mensch könne bestimmen, was die heilige Messe in ihrem
Wesen sei, Opfer oder Mahl. Der Mensch hätte Art und Weise der Realpräsenz
zu bestimmen. Er könne bestimmen, ob Jesus Christus auch noch in winzigen
Teilchen der eucharistischen Gestalt gegenwärtig sei oder nur noch
in solchen, die man noch kauen könne. Ist es nicht Hochmut, wenn sich
der Mensch zur Behauptung erkühnt, daß in Partikeln unterhalb
einer von ihm selbst bestimmten Größe Christus nicht mehr gegenwärtig
sein könne?! Ist es nicht Hochmut, wahnsinniger Hochmut, die Gegenwart
Christi, des himmlischen Königs, von menschlichem Ermessen abhängig
machen zu wollen?! Ist es nicht vielmehr so, daß menschlicher Verstand
und Wille sich demütig vor dem unendlichen Gott zu beugen hat!? Daß
der Mensch sich vor der unendlichen Majestät und Allmacht Gottes in
den Staub werfen soll! Demütig lauschend entgegennehmen soll, was
Gott der Herr in der Offenbarung kundtut! Was im Licht des Ursprungs im
Hinblick auf das Altarmysterium zu beachten ist! Der in die Kirche eingebrochene
Feind hat bewirkt, daß die Kirche heute „tief gespalten ist". (S.
B. vom 9. 2. 89)
Verlust
der immer wieder beschworenen „Einheit"
Greuel
der Verwüstung an heiliger Stätte!
Zusammenbruch
der sakralen Atmosphäre!
Was
wir heute erleben, ist die Stunde des geistlichen Kampfes, der mit wachsender
Zuversicht Licht und Kraft vom Ursprung empfängt.
(Quelle:
"Dienst am Glauben", Heft 2, 2009, S. 54ff., Innsbruck; sehr
empfehlenswerte Zeitschrift!) Impressum