.
 Neuevangelisierung: wie soll das vor sich gehen?
von
S.E. Bischof Yves Le Saux von Le Mans (Frankreich)

Mit sechs anderen französischen Bischöfen hatte ich das Glück, an der Synode über die Neuevangelisierung und die Verkündigung des Glaubens teilnehmen zu dürfen. Es war eine intensive kirchliche Erfahrung, eine Erfahrung der bischöflichen Kollegialität. 262 Bischöfe aus Europa, Amerika, Afrika, Asien und Ozeanien und viele kirchliche Würdenträger, Laien und geladene Gäste von anderen christlichen Konfessionen, alle mit ihrer eigenen Geschichte, ihrer eigenen Kultur und aus sehr unterschiedlichen kirchlichen Situationen versammelten sich um den Nachfolger Petri. Der Papst war bei den meisten Versammlungen anwesend. Ich möchte hier nicht auf alle Punkte der Synode eingehen, sondern einige Themen herausgreifen, die mir für das Verständnis der Neuevangelisierung und für deren Verwirklichung wichtig erscheinen.
Ich empfehle Ihnen, den Schlussbericht der Synode zu lesen, bis dann in den kommenden Monaten ein Dokument des Heiligen Vaters veröffentlicht werden wird.
Die Begegnung der Synode war geprägt von der Wahrnehmung, einen besonderen Augenblick im Lichte des 50. Jubiläums des Konzils zu erleben, aber auch der drin­genden Notwendigkeit, die missionarische Tätigkeit der Kirche zu erneuern.

I. Der fünfzigste Jahrestag des Konzils und das Jahr des Glaubens
Die Synode fand zu dem Zeitpunkt statt, zu dem der 50. Jahrestag der Eröffnung des Konzils und der 20. Jahrestag der Veröffentlichung des Katechismus der Katholischen Kirche begangen wurde. Zudem eröffnete der Papst am 11. Oktober auch das Jahr des Glaubens. Dieses zeitliche Zusammentreffen dieser Termine war natürlich gewollt und war von einer tiefen Bedeutung erfüllt.
1. Die Dynamik der Neuevangelisierung hat ihren Ausgangspunkt im Konzil. Sie war das Anliegen von Papst Johannes XXIII., der das Konzil einberufen hatte „als Bekenntnis der Freude der Kirche, Christus zu verkünden und ihn den Menschen bekannt zu machen..." Oder, wie es in Instrumentum Laboris heißt, „Auch wenn der Plan zur Wiederbelebung des evangelisierenden Handelns der Kirche seinen jüngsten Ausdruck in den Entscheidungen Papst Benedikt XVI. gefunden hat, an die gerade erinnert wurde, reichen die Ursprünge dieses Planes doch weiter zurück: dieser Plan hat nämlich in der Tat das Lehramt und den apostolischen Dienst Papst Paul VI. und Papst Johannes Paul II. beseelt. Und darüber hinaus ist der Ursprung dieses Plans im Zweiten Vatikanischen Konzil zu finden, und in seiner Absicht, Antworten auf die Orientierungslosigkeit zu geben, die auch von den Christen angesichts der starken Umwälzun­gen und der Zerrissenheiten, mit denen die Welt in dieser Zeit zu tun hatte, empfunden wurde."'
Andererseits ist es unmöglich, über die Neuevangelisierung nachzudenken, ohne Bezug zu nehmen auf die Textdokumente, die nach dem Konzil veröffentlicht wurden: das Apostolische Schreiben Evangelii nuntiandi von Paul VI. und Redemptoris missio und Novo millennio ineunte von Jo­hannes Paul II.
Damit wir uns als wahrhaftig in der Nachfolge des Konzils stehend fühlen können, muss auch unsere Beziehung zum Konzil wahrhaf­tig sein. Und deshalb müssen wir auch auf den Text des Konzils Bezug nehmen. Lassen Sie mich hier eine längere Passage aus der Pre­digt Benedikt XVI. am 11. Oktober 2012 zitieren.
„Während des Konzils herrschte eine bewegende innere Spannung angesichts der gemeinsamen Aufgabe, die Wahrheit und die Schönheit des Glaubens im Heute unserer Zeit erstrahlen zu lassen, ohne sie den Ansprüchen der Gegenwart zu opfern, noch sie an die Vergangenheit gefesselt zu halten [...] Darum halte ich es [...] für das Wichtigste, in der ganzen Kirche jene positive Spannung, jenes tiefe Verlangen, Christus dem Menschen unserer Zeit erneut zu verkünden, wieder zu beleben. Damit aber dieser innere Antrieb zur neuen Evangelisierung nicht auf der Ebene der Vorstellungen stehenbleibt und nicht zu Verwirrungführt, muss er sich auf ein konkretes und präzises Fundament stützen, und dieses Fundament sind die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils, in denen er zum Ausdruck gekommen ist. Darum habe ich mehrmals auf der Notwendigkeit bestanden, sozusagen zum „Buchstaben" des Konzils zurückzukehren - d. h. zu seinen Texten -, um seinen authentischen Geist zu entdecken, und habe wie­derholt, dass in ihnen das wahre Erbe des Zweiten Vatikanums liegt. Die Bezugnahme auf die Dokumen­te schützt vor den Extremen anachronistischer Nostalgien einerseits und eines Vorauseilens andererseits und erlaubt, die Neuheit in der Kontinuität zu erfassen."2
Offensichtlich kommt der Geist des Konzils in den Texten, die man kennen, lesen und studieren muss, deutlich zum Ausdruck. Ich muss gestehen, dass ich mich manchmal über Menschen ärgere, die mit mir über das Konzil reden wollen - dafür oder dagegen - aber die Texte nie von A bis Z gelesen und nicht wirklich durchgearbeitet haben.
2. Das Jahr des Glaubens Wir haben gerade die Eröffnung des Jahres des Glaubens erlebt. Ich möchte Sie daran erinnern, dass auch Paul VI. unmittelbar nach dem Ende des Konzils ein Jahr des Glaubens eröffnet hat.
Natürlich steht dieses Jahr des Glaubens auch in einer Verbindung mit der Neuevangelisierung. Das Dikasterium zur Förderung der Neuevangelisierung wurde mit der Koordination des Jahres des Glaubens beauftragt.
Es gibt im vorgeschlagenen Weg mindestens zwei Elemente, die sich gegenseitig ergänzen.
Der Glaube ist eine Begegnung nicht mit einer Idee oder einem Projekt, sondern mit einer lebendigen Person, die uns zutiefst verwandelt und uns unsere wahre Identität enthüllt. Er ist eine Begegnung mit Jesus, der uns die Liebe Gottes offenbart. Er ist eine Beziehung mit, ein Bekennt­nis zu Jesus. „ Wir haben der Liebe geglaubt: So kann der Christ den Grundentscheid seines Lebens ausdrücken. Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluss oder eine große Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt."3
Christsein ist also weder eine große Idee noch die Entscheidung, sich ethisch zu verhalten, und auch keine große Hochherzigkeit, sondern - wie der Papst sagt - die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person. Dieses Ereignis ist das Osterereignis: Das Leiden, der Tod und die Auferstehung des Herrn, seine Himmelfahrt und die Herabkunft des Heiligen Geistes zu Pfingsten. Diese Person ist Jesus, wahrer Gott und wahrer Mensch, das Fleisch gewordene Wort, der gestorbene und auferstandene Jesus, der auch heute lebendig ist und uns die Liebe Gottvaters offenbart. Ziel des Jahres des Glaubens ist, allen Getauften eine neue, eine tiefere Begegnung mit Christus anzubieten. Diese Begegnung steht in der Neuevangelisierung zentral. (Ich werde noch darauf zurückkommen.)
Der Glaube ist auch ein Inhalt. Gott offenbart sich in der ganzen Geschichte durch Worte und Werke. Und diese Offenbarung findet ihren Höhepunkt in der Menschwerdung des Sohnes Gottes und in seinem Tod und seiner Auferstehung. Gott sprach, und sein Wort ist jemand: Jesus. Der Inhalt desjenigen, was Gott von sich selbst offenbart, ist das Glaubensbekenntnis. „Nicht zufällig waren die Christen in den ersten Jahrhunderten angehalten, das Credo auswendig zu lernen. Das diente ihnen als tägliches Gebet, um die mit der Taufe übernommene Verpflichtung nicht zu vergessen."4 Jesus reduziert sich nicht auf die Empfindung, die ich diesbezüglich habe, oder auf die Meinung, die ich mir darüber gebildet habe. In einer Welt, in der wir die Subjektivität zentral gestellt haben, in der man alles von sich selbst aus beurteilt, empfinden wir uns selbst als das einzige Kriterium der Wahrheit. Es fällt uns oft schwer zuzuhören, wirklich hinzuhören. Auch Christen haben manchmal dieses Problem. Man sucht im Wort Gottes und in der Offenbarung das, was einem gefällt, und verwirft das, was einem nicht geällt. Die eigene Subjektivität wird zum Kriterium für die Auslegung der Schrift, obwohl es eigentlich umgekehrt sein sollte: Die Schrift und der objektive Glaubensinhalt sollten der Schlüssel zu unserem Leben sein.
Im Jahr des Glaubens geht es auch darum, die Inhalte des Glaubens in einem größeren Zusammenhang wiederzuentdecken. Es geht nicht darum, den Inhalt so anzupassen, dass man es damit bequemer hat, sondern darum, das eigene Leben dem Inhalt des Glaubens anzupassen. Unsere Wallfahrtsorte sind besondere Orte oder sollten es zumindest sein, um Jesus zu begegnen und die Erfahrung dieser Begegnung mit dem Erlöser und der Liebe Gottes zu machen. Es ist auch eine besondere Gelegenheit, das Kerygma zu verkünden und in einer schlichten Weise den Inhalt des Glaubens weiterzugeben.

II. Was ist die Neuevangelisierung?
Diese Frage hat die Diskussionen der Synode beherrscht. Inwieweit ist sie neu? Betrifft sie nur die Länder der alten Christenheit? Oder auch Länder, die sich noch in einer ersten Phase der Evangelisierung befinden?
Es scheint notwendig zu sein, den Inhalt des Begriffs „Neuevangelisierung" zu klären. Zunächst einmal handelt es sich weder um ein Verwerfen dessen, was man bisher gemacht hat, noch um einen Rückzug aus einer feindlichen Welt (diese Versuchung gibt es) und noch weniger um einen Kreuzzug oder eine Wiedereroberung. Es ist auch kein Slogan, der alles, was wir bereits getan haben, abdecken würde, ohne etwas Neues hinzuzufügen.
Die Neuevangelisierung ist die Verkündigung der ewigen Neuheit Gottes, seiner Liebe und seiner Barmherzigkeit, der Neuheit des Heils, des Todes und der Auferstehung Jesu in einer sich radikal ändernden Welt. Gott ist Liebe, Gemeinschaft der Liebe, Dreifaltigkeit, und von Natur aus teilt er sich mit. Gott offenbart sich dem Menschen in Liebe und spricht zu ihm. Sein Wort ist ein Mensch: Jesus, der gestorben und auferstanden ist, der die Liebe Gottvaters ist. Evangelisierung heißt, dass wir uns in diesen Strom der Liebe, auch der Barmherzigkeit hineinbegeben, der von der Dreifaltigkeit selbst ausgeht, um Zeugen dieser Liebe zu werden, weil sie uns als Ersten zugutegekommen ist. Neuevangelisierung heißt, sich auf eine neue Art in diesen Strom der Liebe hineinzubegeben.
Dabei muss man sich über etwas Entscheidendes im Klaren sein: Nicht wir lenken das Werk der Evangelisierung, sondern Gott. „Das erste Wort, die wahre Initiative, das wahre Tun kommt von Gott, und nur indem wir uns in diese göttliche Initiative einfiigen, nur indem wir diese göttliche Initiative erbitten, können auch wir - mit ihm und in ihm - zu Evangelisierern werden."5 Die Neuevangelisierung ist eine Einladung an uns, auf eine radikalere Weise in das Mysterium der Liebe Gottes zu den Menschen einzutauchen. „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird."6 Letztlich geht es darum, die Welt zu lieben und bereit zu sein, sich wie Jesus in Liebe hinzugeben. Wenn wir die Welt nicht lieben, können wir auch nicht evangelisieren. Es geht nicht um eine Strategie oder eine Vorgehensweise und auch nicht darum, stärker als unser Gegenüber zu sein, sondern darum, zu lieben. Das Vorbild sind die Heiligen. Sie wurden von der Liebe Gottes zu den Menschen ergriffen.
Ein neuer Eifer. Es geht nicht darum, ganz von vorne anzufangen, sondern sich auf neue Art und Weise dem langen Weg der Verkündigung des Evangeliums anzuschließen, die von den ersten Jahrhunderten an die christliche Geschichte durchlaufen hat. Die veränderten sozialen, kulturellen, politischen und religiösen Szenarien rufen uns aber zu etwas Neuem auf: unsere gemeinsame Erfahrung des Glaubens und der Verkündi­gung auf eine erneuerte Weise zu leben, durch eine Evangelisierung „neu in ihrem Eifer, in ihren Methoden, in ihren Ausdrücken"7. „Neu nicht dem Inhalt, sondern dem inneren Antrieb nach, offen für die Gnade des Heiligen Geistes, der die Kraft des neuen Gesetzes des Evangeliums ist und der die Kirche stets erneuert"8
Neuevangelisierung, weil sich die Welt ändert. Die Mission der Kirche muss den sozialen und kulturellen Wandel - Säkularismus, Globalisierung, neue Technologien und in einigen Ländern auch Sektenbildung - beachten. Dieser Wandel ändert die Wahrnehmung, die ein Mensch von sich und sei­ner Umwelt hat, grundlegend und wirkt sich auch auf die Art und Weise aus, wie der Mensch an Gott glaubt.
Besonders in Europa ist für Gott kein Platz mehr. Wir leben in einer Welt „wie wenn Gott nicht existieren würde"9. Manche gehen so weit zu sagen, dass wir es mit einem generellen Abfall von Gott zu tun haben. Zum Teil stimmt das sicherlich. Wir leben in einer Welt, die vorgibt, ohne Gott oder eine Transzendenz auszukommen und die nicht mehr weiß, was den Menschen ausmacht. Wir leben in einer Welt, die mit einer tiefen inneren Leere und zugleich einer tiefen Trauer konfrontiert ist. In seiner Predigt zur Eröffnung des Jahres des Glaubens spricht der Papst darüber, dass „in diesen Jahrzehnten eine geistliche „Verwüstung" vorangeschritten ist [...] Es ist die Leere, die sich ausgebreitet hat. Doch gerade von der Erfahrung der Wüste her, von dieser Leere her können wir erneut die Freude entdecken, die im Glauben liegt, seine lebensnotwendige Bedeutung für uns Menschen. In der Wüste entdeckt man wieder den Wert dessen, was zum Leben wesentlich ist... ",0
Die Neuevangelisierung möchte natürlich die Verkündigung des Evangeliums denjenigen näherbringen, die Jesus Christus und seine Botschaft noch nicht kennen. Diese Menschen gibt es nicht nur in fernen Ländern - sie sind auch in unseren Familien, unseren Straßen, unseren Städten, manchmal sogar bei unseren Wallfahrten zu finden. „Die neue Evangelisierung, die sich hauptsächlich an die Menschen richtet, die zwar getauft sind, sich aber von der Kirche entfernt haben und in ihrem Leben keine Beziehung zur christlichen Praxis haben [...] um in jenen Menschen eine neue Begegnung mit dem Herrn zu begünstigen, der allem in unserem Leben einen tiefen Sinn verleiht und es mit Frieden erfüllt."" Die Verarmung des Glaubens unter den vielen Getauften lässt uns die traditionellen Formen der Weitergabe des Glaubens und der Zugehörigkeit zur Kirche in Frage stellen.

HI. Die Herausforderungen der Neuevangelisierung
Die Neuevangelisierung hat mehrere Herausforderungen zu bewältigen. Natürlich wurde bereits damit begonnen, diese anzugehen. Es wäre sicherlich hilfreich, sich
über die dabei gemachten Erfahrungen auszutauschen.
Die Herausforderung derer, die Gott nicht kennen und ohne ihn leben. Viele Menschen kommen nicht in unsere Kirchen. Sie sind oft ganz ahnungslos. Sie haben keinen religiösen Hintergrund oder nur eine religiöse Kultur, die bloß von den Medien verbreitet wird. Zu diesen müssen wir hingehen. Sie suchen, sie leiden, sie sind großherzig, sie denken nach. Wir müssen neue Räume schaffen oder bestehende namhaft machen, um mit denjenigen in einen Dialog zu kommen, die zwar ohne Gott leben, aber lieber mit ihm leben möchten. Räume, in denen man den Mut aufbringt, die Frage nach Gott zu stellen, um im Herzen der Menschen die Sehnsucht nach Gott zu wecken. Denn die Suche nach Gott ist tief in jeder menschlichen Seele verankert und wird nicht von ihr weichen. Einige Zeit kann man Gott sicherlich vergessen, ihn beiseiteschieben, sich mit anderen Dingen beschäftigen, aber Gott verschwindet niemals. Viele Menschen, vor allem Jugendliche, nehmen heutzutage die Hohlheit dessen wahr, was man ihnen anbietet. Der Mensch ist für die Unendlichkeit geschaffen. Alles, was endlich ist, ist zu wenig. Die Sinnfrage wird wieder gestellt. Darin liegt eine Hoffnung.
Die Herausforderung derjenigen, die ich „die getauften Nichtgläubigen" nenne. Sie wenden sich noch an unsere Pfarreien, um ihre Kinder taufen oder sich trauen zu lassen, aber sie verstehen die Bedeutung dessen überhaupt nicht mehr, worum sie bitten. Man muss sie nicht nur Nicht-Praktizierende, sondern auch Nicht-Gläubige nennen. Sie hängen dem Glauben nicht mehr an. Wie nehmen wir sie wieder auf und bieten ihnen oder ermöglichen ihnen eine neue Begegnung mit Christus auf einem katechumenalen Weg? Es muss eine neue Kunst der Verkündigung Christi entwickelt werden, ein Weg mit verschiedenen Etappen. Es muss uns klar werden, dass wir noch viel Erfindungsgabe brauchen.
Wir leben nicht mehr in einer Christenheit. Wir leben in einer Welt, in der die Denk- und Lebensweisen keinen Bezug mehr zum Evangelium haben. Die Gewohnheiten, unsere Denkmäler und einige Rituale zeugen noch von unseren christlichen Wurzeln, aber unsere Lebensweise ist keine christliche mehr. Dennoch funktionieren und arbeiten unsere kirchlichen Organisationen noch in einer Weise, wie wenn wir noch in einer Christenheit leben würden. Wir können nicht mehr in Begriffen wie Gebietsabdeckung oder der Bereitstellung von Personal denken, um die gleichen Dinge zu tun, wie wenn ein Priester da wäre. Wir müssen darauf verzichten, alles behalten zu wollen, sondern lebendige, fröhliche christliche Gemeinschaften schaffen, die von einer missionarischen Dynamik durchdrungen sind.
In vielen Situationen ist das Ver­hältnis zwischen Laien und Priestern von einer Verringerung der Zahl der Priester geprägt. Es wird über Ersatz nachgedacht. Erlauben Sie mir eine fast karikaturhafte Beschreibung. Es fängt damit an, dass man sich sagt, der Priester ist alt, er schafft es alleine nicht mehr, er braucht jemanden, der ihm hilft. Wenn es keinen Priester mehr gibt, sagt man sich: „Was hat der Priester gemacht? Was kann man tun, ohne Priester zu sein?" Manchmal sucht man dann jemanden, der vielleicht Diakon sein könnte. In diesem Fall wird die Beziehung zwischen Priester und Laie in Begriffen des Ersatzes definiert, wobei manchmal eine Unsicherheit oder Verwirrung über das Verhältnis zwischen der gemeinsamen Priesterschaft der Gläubigen und der Priesterschaft kraft Amtes herrscht.
Das gleiche gilt für ein Gebiet. Früher gab es in jedem Dorf einen Pfarrer. Heute ist das nicht mehr möglich. Mehrere Orte teilen sich einen Priester, um das Gleiche mit weniger Leuten zu tun. Und der nächste Schritt ist, dasselbe mit Laien zu tun. Wobei das Risiko besteht, das Modell des engagierten Laien auf jemanden zu reduzieren, der einen Dienst in der Kirche versieht. Natürlich ist das positiv. Aber der erste Ort des Laienengagements ist das familiäre, berufliche und politische Umfeld und das Vereinsleben. Die erste Aufgabe ist für ihn, sein Licht als Getaufter in die Welt strahlen zu lassen.
Die schwierigste Herausforderung ist, das missionarische Bewusstsein aller Getauften zu wecken. Jeder Getaufte ist in der Regel von Natur aus dazu berufen, das Evangelium zu verkünden. Wir müssen Trägheit und Müdigkeit bekämpfen. Lassen Sie mich Ihnen eine Geschichte erzählen. Ich war in einer kleinen Stadt in meiner Diözese und traf ein Dutzend Christen, die sich um die Pfarrei kümmern. Sie sind eher älter. In meiner Gegenwart reden sie über eine organisatorische Frage der Sakristei. Ich lade sie ein, Missionare zu sein. Ich habe sie gefragt: „Wie viele Menschen kommen am Sonntag zur Heiligen Messe?" Sie antworteten:„40" - „Wie viele Menschen wohnen im Gebiet der Pfarrei? Sie antworteten: „5.000". Die Frage ist, wie man eine Beziehung zu den Nachbarn und zu Verwandten aufbauen kann, in der man ihnen gegenüber die Freude des Christseins bezeugt. Einer antwortete mir: „Ich kann mit meinem Nachbarn nicht über meine Freude sprechen, denn er glaubt nicht." Aber eben weil er nicht glaubt, muss man mit ihm über die Liebe Gottes sprechen! Die Evangelisierung findet in erster Linie durch das einfache, fröhliche und mutige Zeugnis der Christen in ihrem täglichen Leben statt.
Diese Schwierigkeiten offenbaren oft, dass wir selbst von einer Form von Relativismus geprägt sind, ohne dass uns dies bewusst ist, was dazu führt, dass der Glaube auf eine bloße persönliche Wahl beschränkt wird. Aber ist Jesus der einzige Retter der Welt?
Lassen Sie mich Paul VI. aus Evangelii nuntiandi zitieren: „Es wäre sicher nicht ohne Nutzen, wenn jeder Christ und jeder Verkündiger folgenden Gedankengang im Gebet vertiefte: Die Menschen können durch die Barmherzigkeit Gottes auf anderen Wegen gerettet werden, auch wenn wir ihnen das Evangelium nicht verkünden; wie aber können wir uns retten, wenn wir aus Nachlässigkeit, Angst, Scham [...] oder infolge falscher Ideen es unterlassen, dieses zu verkünden?"12
Die Schlussbotschaft der Synode, in der zum Ausdruck gebracht wird, was die Neuevangelisierung ist, befasst sich mit der Begegnung Jesu mit der Samariterin. Es gibt keinen Menschen, der sich nicht in seinem Leben einmal wie die Samariterin mit einem leeren Gefäß neben einem Brunnen befände, in der Hoffnung, nicht irgendeine Antwort auf sein Sehnen zu finden, sondern die einzige, die dem Dasein seinen vollen Sinn verleihen kann. Wie Jesus am Brunnen von Sychar, so spürt auch die Kirche die Aufgabe, sich neben die Menschen dieser Zeit setzen zu müssen, um den Herrn in ihrem Leben gegenwärtig zu machen, damit sie ihm begegnen können, denn er allein ist das Wasser, das das wahre, das ewige Leben schenkt. Jesus allein ist fähig, in den Tiefen unseres Herzens zu lesen und uns unsere eigene Wahrheit zu enthüllen. Die bekehrte Sünderin wird zur Verkünderin des Heils und führt den ganzen Ort zu Jesus. Dies ist die Neuevangelisierung.

IV. Die Wege der Neuevangelisierung
Die Frage ist: Wie machen wir uns auf den Weg der Neuevangelisierung? In Wirklichkeit hat sie schon begonnen, viele von uns sind schon deren Zeuge. Aber ich will versuchen, Ihnen über einige Punkte zu berichten, die während der Synode sehr deutlich zutage traten.
1. Die persönliche Begegnung mit Jesus in der Kirche
Der Glaube entscheidet sich in der Begegnung mit der Person Jesu, in der Beziehung zu ihm. Das Werk der Neuevangelisierung besteht darin, den Menschen dieser Zeit, ihren Herzen und ihrem Verstand, die nicht selten zerstreut und verwirrt sind, aber vor allem uns selbst die ewige Schönheit und Neuheit der Begegnung mit Christus neu vor Augen zu führen.
Laden wir dazu ein, das Antlitz unseres Herrn Jesus Christus zu betrachten und in das Geheimnis seines Lebens einzutreten, das uns bis zum Kreuz geschenkt worden ist. Überwinden wir die Angst, über die Person Jesu zu reden, über sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung. Oft reden wir über alles, nur nicht über Jesus. Schlagen wir vor, das Wort Gottes zu lesen, und bieten wir Zeiten und Orte an, um in der Stille zu beten.
Die Liturgie ist eine besondere Gelegenheit, in der Gott zu seinem Volk spricht, das zuhört und antwortet. Christus selbst ist in seinem Wort gegenwärtig, denn „Christus selbst spricht, wenn in der Kirche die Heilige Schrift gelesen wird."'3 Wir wollen die Eucharistie nicht in erster Linie feiern, um Gott zu sagen, was er bereits weiß, sondern um zu hören, was er uns zu sagen hat und um uns von ihm verwandeln zu lassen.
Die Liturgie ist nicht der Ort, an dem wir unsere Meinungen kundtun, und schon gar nicht der Ort, an dem wir uns selbst feiern. Durch die liturgische Handlung
„Die Liturgie ist eine besondere Gelegenheit, in der Gott zu seinem Volk spricht, das zuhört und antwortet.
Hier feiern wir das Mysterium selbst, das uns gegenwärtig und zugänglich gemacht wird. Das Konzil geht so weit zu sagen: „In der irdischen Liturgie nehmen wir vorauskostend an jener himmlischen Liturgie teil"14. Die Liturgie ist natürlich einer der Orte, um Christus zu begegnen.
Dies bedeutet, dass wir selbst die Freude dieser Begegnung gekostet haben und dass wir darin leben. Diese Begegnung verpflichtet uns, uns zu bekehren und nach Heiligkeit zu streben. Die Neuevangelisierung geschieht durch die Bekehrung der Christen selbst, um in ihrem eigenen Herzen die Dynamik der Heiligkeit wiederzubeleben.
„Der Blick auf das Ideal des christlichen Lebens, das in der Berufung zur Heiligkeit zum Ausdruck kommt, drängt uns, demütig auf die Schwäche so vieler Christen, ja, auf ihre persönliche wie gemeinschaftliche Sünde zu schauen, die ein großes Hindernis für die Evangelisierung darstellt, und die Kraft Gottes zu erkennen, die im Glauben der menschlichen Schwäche entgegenkommt. Daher kann man nicht von der neuen Evangelisierung sprechen ohne eine aufrichtige Bereitschaft zur Umkehr. Sich mit Gott und dem Nächsten versöhnen zu lassen, ist der beste Weg der Neuevangelisierung. "'5
Zweifellos müssen wir unseren Zugang zum Sakrament der Versöhnung neu entdecken und erneuern. Die Neuevangelisierung geschieht durch ein Annehmen der Barmherzigkeit Gottes, durch eine Erneuerung der Praxis des Sakraments der Versöhnung, sodass Christen Botschafter der Barmherzigkeit sind. Das kam bei den Gesprächen während der Synode sehr deutlich zum Ausdruck.
Es geht auch um eine Umkehr der Kirche selbst. Die Umkehr betrifft das ganze Leben der Kirche selbst und jede unserer Gemeinden. „Wir haben gesehen, dass auf dem Acker des Herrn immer auch Unkraut ist. Wir haben gesehen, dass sich im Netz des Petrus auch schlechte Fische befinden. Wir haben gesehen, dass die menschliche Schwäche auch in der Kirche vorhanden ist."16 Wir müssen die Schwächen und die Mittelmäßigkeit erkennen, uns reinigen lassen, wenn es notwendig ist.
Der Heilige Vater brachte in einer improvisierten Betrachtung am ersten Tag der Synode ein Wort Jesu mit einer Aussage von Origenes in Verbindung: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!17. Origenes hat uns ein Wort des Herrn überliefert: 'Wer mir nahe ist, ist dem Feuer nahe.' Der Christ darf nicht lau sein."18 Kardinal Ratzinger hat diesen Text schon vor einigen Jahren kommentiert. Ich kann der Versuchung nicht widerstehen, Ihnen diesen zu zitieren: „Nachfolgen erfordert, dass wir den Mut haben, dem Feuer nahe zu sein, das er gekommen ist, auf die Erde zu werfen, damit es brenne [...] Wer nicht gebrannt sein will, der wird vor ihm zurück schrecken. Zum Ja der Nachfolge gehört der Mut, sich brennen zu lassen von dem Feuer der Passion Jesu Christi, das zugleich das rettende Feuer des Heiligen Geistes ist. Nur wenn wir den Mut haben, diesem Feuer nahe zu sein, wenn wir selbst uns zu Brennenden machen lassen, dann kön­nen wir auch in dieser Erde sein Feuer entzünden, das Feuer des Lebens, der Hoffnung und der Liebe. Dies ist im Grunde immer wieder der Kern des Rufes: dass wir bereit sein müssen, uns von ihm brennen, zu Brennenden machen zu lassen, deren Herz brennt von der Kraft seines Wortes. "'9
Gestatten Sie mir auch das folgende Bild. Kerzen entzündet man nicht dadurch, dass man zu ihnen spricht. Es wäre sinnlos, zu ihnen zu sagen: „Entzündet euch." Um eine Kerze zu entzünden, braucht man ein Streichholz, eine kleine Flamme.
Es genügt also nicht, die seelsorglischen Methoden zu erneuern, sie besser zu organisieren und die Kräfte der Kirche besser zu bündeln, oder die biblischen und theo­logischen Grundlagen des Glaubens noch genauer zu erkunden. Es muss ein neues „glühendes Verlangen nach Heiligkeit" angestrebt werden.20 Die Heiligkeit ist die Ant­wort. „In den schwierigsten Situationen der Geschichte der Kirche standen am Ursprung der Erneuerung immer Heilige. Heute brauchen wir notwendig Heilige, die wir uns beharrlich von Gott erbeten müssen."21 Die Heiligkeit darf das Martyrium nicht ausschließen. Viele unserer Brüder und Schwestern in der heutigen Welt sind mit dieser Möglichkeit konfrontiert. (Es gab noch nie so viele Märtyrer wie im 20. Jahrhundert.) Manchmal sind Menschen erstaunt darüber, dass sie auf Widerspruch stoßen. Aber das ist normal. Der Herr hat uns nie allgemeine Zustimmung versprochen, sondern Widerspruch. Er hat nie zu uns gesagt, dass alle unserer Meinung sein würden. Aber er hat uns versprochen, dass er in unserer Mitte, dass er bei uns sein würde. Er hat die Unterstützung seines Heiligen Geistes für diejenigen versprochen, die er als Zeugen in die Welt gesandt hat.

2. Eine seelsorgerische Umkehr
Benedikt XVI. sagte 2007 in Aparecida, dass es an der Zeit ist, dass die Kirche die christlichen Gemeinschaften zu einer seelsorglichen Erneuerung des missionarischen Sinns ihres Handelns und ihrer Strukturen aufruft. Bei dieser Konferenz startete die Kirche von Lateinamerika eine große Mission Lateinamerikas.
Was muss man sich unter pastoraler Bekehrung vorstellen? Es ist vor allen Dingen der Mut, sich über die Tatsache Gedanken zu machen, dass unsere Strukturen, unsere pastoralen Pläne, wie gut sie auch organisiert sind, nicht immer viele Früchte tragen. Das Instrumentum laboris der Synode hat dazu aufgerufen, sich über die Gründe Gedanken zu machen, warum unsere Werke nicht immer die Frische des Evangeliums zu vermitteln scheinen. „Manchmal hat man den Eindruck, dass diese Werke unserer Geschichte nicht nur der Vergangenheit angehören, sondern darin fast gefangen sind. "22
Sie wissen doch, man hat das immer so gemacht, oder wir wenden Analysen auf Situationen an, die aus der Zeit vor zehn oder zwanzig Jahren stammen. Die Welt hat sich aber verändert. Wie oft habe ich nicht darüber, was mit den Jugendlichen zu tun sei, von Leuten reden gehört, die offensichtlich mit diesen seit zehn Jahren nichts mehr zu tun hatten. Die Jugendlichen sind nicht mehr dieselben wie vor zehn Jahren.
Wir müssen den Mut haben, Dinge bleiben zu lassen, um etwas Neues zu machen. Wir müssen manchmal neue Charismen an­nehmen. Manchmal haben wir mit Trägheit zu tun, mit Erstarrung. Es ist natürlich einfacher, das bestehende System beizubehalten, als das missionarische Projekt auf eine neue Grundlage zu stellen. „Das haben wir schon immer so gemacht"; „Warum nicht mit dem weitermachen, was man kennt?" „Das ist schon versucht worden, aber es hat nicht funktioniert", „Es ist eine spezielle Situation". Vorschläge von außen werden grundsätzlich abgelehnt.
Ein gewisser Relativismus hat sich im Herzen der Christen selbst festgesetzt. Man möchte niemanden aufschrecken. Man möchte nett sein und verweigert sich dem Bruch, den das Evangelium fordert. Unsere Verbundenheit mit Christus wird auf eine private Meinung reduziert. Jesus ist nicht mehr der Erlöser aller Menschen. Und im Namen der Toleranz verfällt man einem Relativismus.
Manchmal gibt es auch eine Form des Funktionalismus. Wir fügen uns demjenigen, was von uns erwartet wird. Die Kirche wird zu einem Dienstleister für Gottesdienste und Sakramente. Aber wir sind kein öffentlicher Dienst.
Aber es gibt auch einen Aktivismus auf der Suche nach Effizienz und Rentabilität. Man verwechselt einen „vollen Terminkalender" mit missionarischem Leben. Aktivismus führt zum Streben nach Erfolg und Selbstverwirklichung. Wenn man den Ort der Betrachtung, der Freigebigkeit und des Sinnes des Leidens verliert, vergisst man, dass der Heilige Geist der erste Initiator der Mission ist.
Ich werde jetzt nicht alle Versuchungen aufzählen. Aber ich denke auch an den Individualismus; an den Missionar, der alleine wirkt und nur für sich selbst; an den Klerikalismus, sei es derjenige der Priester oder derjenige von Laien; an die Verlockung der Macht und der Kontrolle über Menschen und Gemeinden; und ganz zu schweigen von unseren Trennungen, Empfindlichkeiten, Missgunst und Konflikten jeglicher Art.
Wir müssen das Geschenk Gottes unter neuen Bedingungen annehmen und zugleich die ursprüngliche Evangelisierung wiederfinden. Der Pastoral des Empfangs muss eine Pastoral der Verkündigung zur Seite gestellt werden, und die Kirche darf sich nicht scheuen, die Initiative hierzu zu ergreifen. Bei dieser seelsorglischen Umkehr möchte ich zwei Aspekte besonders hervorheben (die nicht die einzigen sein müssen).
Die Dimension der Verkündigung des Kerygmas scheint zentral zu stehen. Die Erstverkündigung muss schlicht und einfach sein: Jesus, der für uns gestorben und auferstanden ist, um die Liebe Gottes, das Heil und die Vergebung zu bezeugen. Es ist die klare Verkündigung des Heils, die sich durch die verschiedenen Methoden der Predigt hindurchziehen muss.
Oft möchten wir katechisieren, Menschen formen, die die Erstverkündigung nicht empfangen haben. Die Erstverkündigung steht nicht im Widerspruch zur bescheidenen Begleitung von Menschen, noch zur täglichen und freundlichen Nähe - im Gegenteil, sie unterstützt sie.
Diese Verkündigung des Kerygmas stützt sich auf das Zeugnis des Lebens und der Verkündigung des Wortes Gottes. „Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden. Wie sollen sie nun den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt?"23

Wege der katechumenalen Art erfinden und vorschlagen.
Oft neigen wir dazu, sofort das sakramentale Leben vorzuschlagen, während die Menschen eher das Bedürfnis haben, einen mehr oder weniger langen Weg zu gehen. Für die Nicht-Getauften gibt es den Weg des Katechumenats mit seinen verschiedenen Etappen. Wir sollten uns wohl von diesem Weg inspirieren lassen, um den Getauften etwas Ähnliches anzubieten, damit sie Christus entdecken oder wiederentdecken. Mir schwebt ein Katechumenat des Sakraments der Versöhnung vor, bei dem im Laufe einiger Monate zum Sakrament der Vergebung von neuem hingeführt wird.
Papst Paul VI. sprach schon im Jahre 1975 in Evangelii nuntiandi von einem Integrationsprozess. Der Missionsprozess muss mehrere aufeinander folgende Stufen berücksichtigen: die Verkündigung des Kerygmas, Katechese und der katechumenale Weg mit Etappen
der Bekehrung, des Glaubensbekenntnisses und des Zugangs zum liturgischen und sakramentalen Leben, damit der Betreffende selbst zum Missionar und Diener werden kann. Dies setzt Begleitung, Integration in eine herzliche und dynamische christliche Gemeinschaft auf dem ganzen Wege voraus.
Diesbezüglich haben die Synode und der Heilige Vater selbst betont, dass das Bewusstsein für die Natur der Sakramente der christlichen Initiation (Taufe, Firmung, Eucharistie) und deren Einheit geschärft werden müsse. Durch sie werden wir in den Tod und die Auferstehung Christi eingetaucht. Wir empfangen das göttliche Leben. Wir treten in die Gemeinschaft mit der Dreifaltigkeit ein. Ich denke insbesondere daran, wie manchmal das Sakrament der Firmung vorbereitet und gelebt wird. Die jungen Menschen sagen zur mir: „Als ich ein Kind war, haben meine Eltern die Taufe für mich beschlossen. Jetzt entscheide ich selbst. Ich möchte meinen Glauben bestätigen." Und ich gebe dann zur Antwort: „Nein. Nicht du bestätigst - ich bestätige." Man hat die Firmung auf ein Bekenntnis des Glaubens reduziert. Aber sie ist vielmehr der Empfang eines Geschenks. „Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist." Die Art, wie wir die Sakramente der christlichen Initiation anbieten und spenden, hat einen Einfluss auf die Neuevangelisierung.
Offensichtlich ist es erforderlich, Beziehungen der Nähe zu den Menschen, freundschaftliche Beziehungen zu schaffen, es zu wagen, seinen Glauben zu bekennen, von der Person Jesu zu sprechen, Menschen während dieser Zeit bei jeder neuen Etappe zu begleiten, zur rechten Zeit die Katechese anzubieten, damit sie Zugang zum sakramentalen Leben erhalten, sie zu führen, damit sie ihrerseits Missionare und Diener ihrer Brüder und Schwestern werden.
Die Neuevangelisierung hat zwei Aspekte. Papst Benedikt XVI. hat in seiner improvisierten Betrachtung am ersten Tag der Synode gesagt, dass es zwei Formen gibt, in denen Gott uns einbezieht: Bekenntnis und Liebe. Das Bekenntnis des Glaubens darf nicht nur ein Lippenbekenntnis sein. Zum Bekenntnis gehört auch, dass man bereit ist, sein Leben hinzugeben, Leiden anzunehmen und bis zum Tod zu leiden. Die Liebe: Die zweite Säule der Evangelisierung ist die Liebe. Der Glaube wirkt durch die Liebe. Es ist klar, dass der Prüfstein des missionarischen Lebens, der Ort seines Ausdrucks, die Liebe untereinander ist. „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele", heißt es in der Apostelgeschichte.24 Liebe ist auch das Bemühen, Andere nicht zu verletzen, Güte, Vergebung und Nähe zu den Armen.
3. Neue missionarische Felder In einer im Umbruch befindlichen Welt eröffnen sich uns neue mis­sionarische Felder, oder wir erkennen zumindest ihre Bedeutung besser. Angesichts einer Welt, die uns in vielerlei Hinsicht beunruhigt und ängstigt, müssen wir den Blick positiv und voller Hoffnung nach vorn richten. Manchmal haben wir das Gefühl, vor einer unüberwindlichen Mauer zu stehen. Aber wenn wir gut hinsehen, gibt es in dieser Mauer Fenster und sogar Türen. Wir müssen sie erkennen und mit Freude und Hoffnung durchschreiten.
Das Evangelium kann man nur durch die Liebe verkündigen. Wir müssen die Welt lieben, „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, [...] nicht damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird."25
Ich möchte gerne auf einige Bereiche eingehen (das Vorbereitungsdokument zur Synode spricht von neuen missionarischen Schauplätzen).
Die Herausforderungen und Dramen der Welt sind auch Chancen, Aufrufe Gottes, die wir hören müssen. Wir müssen die neuen Chancen der Evangelisierung in der heutigen Welt ergreifen. Lassen wir uns nicht von den aktuell herrschenden Zuständen einschüchtern. Wir wissen, dass der Herr den Tod überwunden hat, und dass der Heilige Geist in der Welt wirkt.
In einer säkularisierten Welt, der jegliche Bezugnahme auf Gott oder auf eine wie auch immer geartete Transzendenz ein Gräuel ist, in der der Relativismus herrscht, gibt es keine Wahrheit mehr. Das hat zu einer großen Leere geführt. Man wartet auf uns. Ich denke da an die Welt der Kultur und Kunst. Das Streben nach Schönheit, das im Herzen vieler Menschen ist, ist ein Streben nach Gott. Wir müssen in einen Dialog mit der Welt der Kultur eintreten und in der Welt der Kunst gegenwärtig sein.
Das große Phänomen der Migration, das von vielen nur als Problem wahrgenommen wird, ist eine weltweite Tatsache; ganze Völker sind gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Hierin liegt eine Einladung, Menschen aufzunehmen, die manchmal der Evangelisierung bedürfen, aber viele von ihnen sind auch Christen, die am Leben unserer Kirchen teilnehmen möchten. Sie sind unsere Brüder und Schwestern. Erinnern wir uns an die Worte Jesu: „Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen."26
Die Wirtschaftswelt wird von einer weltweiten Krise heimgesucht. Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst. Wir können nicht mehr weiterleben wie bisher; wir sind zu einem Leben der Bescheidenheit und des Teilens eingeladen. Wo sind die heiligen Vinzenz von Paul unserer Zeit? Wir müssen sie hervorbringen.
Die politische Welt ist nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Ideologie geprägt von der Krise des liberalen und kapitalistischen Denkens. Wir befinden uns in einem völligen Umbruch, mit dem Risiko der Errichtung von Diktaturen. Die Soziallehre der Kirche gewinnt neue Aktualität. Es ist eine Einladung an die Christen, dem Gemeinwohl zu dienen.
Vor allem gibt es die neue Welt der Kommunikation mit ihren neuen technischen Mitteln - E-Mail und Internet. Aber das sind ja nicht nur technische Mittel, es ist wirklich eine neue Welt mit ihrer eigenen Sprache und Kultur, in der Wahrheit und Lüge, das Beste und das Schlechteste dicht beieinander liegen. Als wir Amerika entdeckten, schickten wir Missionare. Wir müssen nun auch in diesen neuen „Kontinent" Missionare entsenden.
Natürlich gibt es auch andere Räume, aber die Zeit ist begrenzt. Ich möchte noch erwähnen, was in den Gesprächen der Synode breit diskutiert wurde: die Konfrontation mit der muslimischen Welt, die auch in der westlichen Welt manchen Angst macht. Die Synode hat in der Dynamik des II. Vatikanischen Konzils mit Nachdruck die Notwendigkeit eines Dialogs mit den Muslimen wie auch mit den anderen Religionen bekräftigt. Dieser Dialog ist ein Grundstein der Neuevangelisierung. Um Synkretismus, Relativismus und Proselytenmacherei vorzubeugen, erfordert dieser Dialog eine solide Ausbildung, klare kirchliche Wurzeln und eine Haltung des Respekts und des Zuhörens, trotz aller Schwierigkeiten.

V. Die Akteure der Neuevangelisierung
Wie Ihnen klar geworden sein dürfte, sind die führenden Akteure der Neuevangelisierung alle Getauften. Jeder Getaufte muss das Evangelium verkünden. Der Daseinsgrund der Kirche ist die Verkündigung des Evangeliums, der Liebe Gottes zur Welt. Die Kirche besteht nicht um ihrer selbst willen, sondern muss das Instrument Gottes sein, um die Menschen mit ihm zu vereinen. Eine Kirche, die nur für sich selbst lebt, ist überflüssig (das gilt auch für die Pfarreien).
Unter den Getauften muss der Bischof der erste Verkünder des Evangeliums seiner Diözese sein. Der Bischof ist der Nachfolger der Apostel. Die Apostel wurden in die Welt gesandt, um das Evangelium zu verkünden. Das muss sein Leben, seine Art zu predigen, seine Beziehung zu den Menschen prägen. Die Väter der Synode haben auf diesen Punkt als Aufruf zur Umkehr des Bischofs großen Wert gelegt.
Ein weiterer wichtiger Akteur der Evangelisierung isr die Familie. Die Familie ist der erste Ort der Weitergabe des Glaubens und der Unterweisung im christlichen Leben. Heute wird die Familie, die durch die Ehe eines Mannes und einer Frau entsteht, die für das Geschenk des Lebens offen sind, in Frage gestellt. Andere Lebensmodelle werden als gleichrangig erachtet. Von der Politik oft im Stich gelassen, ist die Familie der erste Ort der Neuevangelisierung. Die christliche Familie wird heute selbst zu einer frohen Botschaft. Sie beinhaltet eine prophetische Dimension.
Und natürlich ist einer der Akteure auch die katholische Schule. Schulen sind besondere Orte der Evangelisierung.
Dann haben wir vor allem die Pfarrei. Sie ist die Gegenwart der Kirche vor Ort. Selbst wenn sie in ganz kleinen christlichen Gemeinschaften organisiert ist, in kleinen Zellen der Nächstenliebe und der Mission, bleibt sie unersetzbar, insofern sie missionarisch ist.
Ich möchte auch an die jungen Menschen erinnern. Sie sind die Zukunft. Sie müssen die Ersten sein, die zur Begegnung mit Christus hingeführt werden. Aber sie sind auch die Akteure der Neuevangelisierung. Wir müssen an ihre Großherzigkeit appellieren und sie einladen, Christus mit Einsatz und Vertrauen zu dienen.
Es ist mir nicht möglich, hier alle Akteure zu nennen.
Es bleibt noch, an die Rolle des heiligmäßigen Lebens zu erinnern. Das Zeugnis der evangelischen Räte ist wichtig. Dies nicht nur deshalb, weil vielerorts nur Ordensleute Zugang zu Menschen haben. Sondern auch wegen des Mysteriums ihres Lebens. Und sie erinnern die Welt daran, dass nur Gott das Sehnen des menschlichen Herzens stillen kann. Sie sind Gegenwart des ewigen Lebens inmitten der Welt.

Schluss
Es gäbe noch viele Punkte, auf die man eingehen müsste. Ich möchte Ihnen abschließend nur von einigen kleinen Erlebnissen berichten, die ich entweder selbst hatte oder die mir erzählt wurden und die mein Anliegen veranschaulichen können.
Einige Tage nach meiner Bischofsweihe empfing ich eine Frau, die seit einigen Jahren für die Diözese arbeitet. Wir hatten ein kurzes Gespräch, und nach einigen Augenblicken sagte sie zu mir: „Herr Bischof, mit Ihnen kann man über Gott sprechen. Wissen Sie, das tut mir sehr gut." Wagen wir, von Gott zu sprechen.
Einige Monate nach meiner Ankunft in der Diözese kam an einem Sonntag am Ausgang der Kathedrale eine Gruppe von Gläubigen zu mir, die an der Eucharistie teilgenommen hatten: „Herr Bischof, Sie glauben wirklich an Gott!" Seien wir Christen, die an Gott glauben.
Die folgende Begebenheit wurde mir erzählt. Ein Obdachloser mit AIDS im Endstadium wurde von den Schwestern der Nächstenliebe von Mutter Teresa aufgenommen. Er bat um die Taufe. Als ihn der Priester fragte: „Warum möchten Sie getauft werden?", antwortete er: „Ich weiß nur, dass ich unglücklich bin und dass die Ordensschwestern sehr glücklich sind, selbst wenn ich sie beleidige und vor ihnen ausspucke. Gestern habe ich sie gefragt, was der Grund für ihr Glück ist. Und sie antworteten: „Jesus". Ich möchte diesen Jesus, damit ich auch glücklich bin." Seien wir glücklich darüber, Christen zu sein.
Vor einigen Jahren habe ich eine Sendung im Fernsehen gesehen, zu der zwei Ordensschwestern eingeladen waren. Die Moderatorin interviewte sie mit einer gewissen Ironie und fragte sie: „Fehlt ihnen denn nicht die Liebe eines Mannes?" Die Jüngste antwortete mit einem schönen Lächeln und verwies auf ihre Verbindung mit Christus. Eine gute, aber sehr bekannte Antwort. In diesem Augenblick wandte sich die Ältere direkt an die Moderatorin und sagte zu ihr: „Darf ich Sie auch etwas fragen? Haben Sie in Ihrem Leben schon einmal die Liebe Gottes erlebt?" Die Journalistin wurde verlegen, zögerte und antwortete: „Nein". Die Ordensschwester sagte: „Und da fehlt Ihnen nichts?". Applaus im Saal. Fehlt Ihnen die Liebe Gottes nicht? Das ist die Frage, die wir der Welt stellen müssen.
Die Neuevangelisierung beinhaltet „die Glut des Heiligen Geistes", um einen Ausdruck aufzugreifen, den Papst Paul VI. in Evangelii nuntiandi verwendete: „Bewahren wir also das Feuer des Geistes. Hegen wir die innige und tröstliche Freude der Verkündigung des Evangeliums, selbst wenn wir unter Tränen säen sollten. Es sei für uns - wie für Johannes den Täufer, für Petrus und Paulus, für die anderen Apostel und die vielen, die sich in bewundernswerter Weise im Lauf der Kirchengeschichte für die Evangelisierung eingesetzt haben - ein innerer Antrieb, den niemand und nichts ersticken kann. Es sei die große Freude unseres als Opfer dargebrachten Lebens.   Die Welt von heute, die sowohl in Angst wie in Hoffnung auf der Suche ist, möge die Frohbotschaft nicht aus dem Munde trauriger und mutlos gemachter Verkünder hören, die keine Geduld haben und ängstlich sind, sondern von Dienern des Evangeliums, deren Leben voller Glut erstrahlt, die als erste die Freude Christi in sich aufgenommen haben und die entschlossen sind, ihr Leben einzusetzen, damit das Reich Gottes verkündet und die Kirche in das Herz der Welt eingepflanzt werde."27
Wir müssen zum Heiligen Geist flehen. Der erste Bewirker der Evangelisierung ist der Heilige Geist. Einige Väter der Synode haben vorgeschlagen, die Kirche und alle christlichen Gemeinschaften dafür beten zu lassen, dass uns ein neues Pfingsten gewährt werde.
Möge uns das Vertrauen in Gott geschenkt werden, das die Frucht von Demut und Nächstenliebe ist. Mögen wir die Herausforderun­gen unserer Welt als Einladung annehmen, Antworten mit Mut und Optimismus zu suchen, indem wir mit Wagemut und Erfindungsreichtum die ständige Neuheit des Evangeliums verkünden."
„Die Welt dürstet nach Erkenntnis, nicht nach unseren kirchlichen Problemen, sondern nach dem Feuer, das Jesus auf die Erde gebracht hat (Lk 12,50). Nur dann, wenn wir Mitmenschen mit Christus geworden sind und dieses Feuer in uns entzündet ist, berührt das verkündigte Evangelium die Herzen unserer Mitmenschen. Diese Verkündigung verlangt den Mut zur Wahrheit und die Bereitschaft, für die Wahrheit zu leiden (vgl. Th 2,2).2B ?
1 - Instrumentum laboris, Nr. 10
2 Benedikt XVI., Predigt am 11. Okt. 2012
3 - Benedikt XVI., Deus caritas est, Nr. 1
4 - Benedikt XVI., Nr. 9
5 - Benedikt XVI., Meditation zur Eröffnung der Synode am 8. Oktober 2012
6 - Joh 3,16-17
7 - Johannes Paul II., Rede an die XIX. Versammlung der CELAM, Port-au-Prince, 9. März 1983, Nr. 3
8 - Predigt von Papst Benedikt XVI. zum Hochfest der Heiligen Apostel Petrus und Paulus, 28. Juni 2010
9 - Johannes Paul II. in Ecclesia in Europa, Nr. 9
10 - Benedikt XVI., Predigt zur Eröffnung der Synode am 7. Oktober 2012
11 - Benedikt XVI., Segen am Abend, 11. Oktober 2012
12 - Paul VI., Evangelii nuntiandi, Nr. 80
13 - II. Vatikan. Konzil, Sacrosanctum Concilium, Nr. 7
14- II. Vatikanisches Konzil. Sacrosanctum Concilium, Nr. 8
15 - Benedikt XVI., Predigt zur Eröffnung des Jahres des Glaubens, 11. Oktober 2012
16 - Benedikt XVI., Predigt zur Eröffnung der Synode am 7. Oktober 2012
17 - Lk 12,49
18 - Benedikt XVI., Meditation zur Eröffnung der Synode am 8. Oktober 2012
19 - Kardinal Ratzinger, Diener eurer Freude, Herder 1988, S. 34
20 - Johannes Paul II., Redemptoris missio, Nr. 90
21 - Johannes Paul II., Christi fideles laici, Nr. 16
22 - Instrumentum laboris, Nr. 32
23 - Rom 10,13-14
24 - Apg 4, 32.
25 - Joh 3, 16-17.
26 - Mt 25. 36.

Videos mit den Vorträgen finden Sie unter www.lourdes-france.org
- Paul VI., Evangelii nuntiandi, Nr. 80
- Kardinal Josef Ratzinger, Synode über die Bischöfe, 6. Oktober 2001.

(Quelle: "Lourdes-Magazine Nr. 192/2013, S. 44 - 57, Lourdes/Frankreich )



Impressum
zurück zur Hauptseite