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Maria geht mit Leib und Seele in den Himmel ein 

                                                                                                        von Maria v. Agreda

Wie wir aus der Offenbarung wissen, ist die Glorie des Himmels für jeden unaussprechlich. Was soll man dann von der Glorie der heiligen, Allerseligsten Jungfrau sagen, als ihre allerreinste Seele in der Glorie des Himmels erstrahlte?

1. Bereits war es der dritte Tag, daß sich die heiligste Seele Mariens der Himmelsherrlichkeit erfreute.
Da eröffnete der Herr aller Heiligen seinen göttlichen Willen, daß die Seele Mariens auf die Erde zurückkehre, sich mit ihrem Leib, der noch im Grabe lag, vereinige, um dann mit Seele und Leib zur Rechten ihres göttlichen Sohnes erhoben zu werden.

2. Als nun die Zeit, da dieses Wunder geschehen sollte, gekommen war, stieg unser Herr und Heiland Jesus Christus, die Seele seiner heiligsten Mutter zur Rechten, mit vielen Legionen heiliger Engel vom Himmel herab.
Sie kamen zum Grabe Mariens.
Alle Heiligen des Alten Bundes brachten durch neue Lob- und Preisgesänge dem Herrn ihren Dank.
Dann ging auf Befehl ihres göttlichen Sohnes die reinste Seele Mariens in den jungfräulichen Leib ein
beseelte
und erweckte ihn.
Sie verlieh ihrem wiedererweckten Leib neues
unsterbliches
glorreiches Leben
und teilte ihm jene vier Gaben mit, die von der Seele auf den Leib überströmten:
die Gabe der Klarheit
die Gabe der Leidensunfähigkeit
die Gabe der Behendigkeit
die Gabe der Feinheit.

3. Ausgerüstet mit diesen Gaben kam Maria
mit Leib und Seele
aus dem Grabe hervor, ohne daß der Stein, mit welchem es verschlossen war, entfernt werden mußte.
Der Herr hat bei dieser Auferweckung seiner heiligen Mutter eine Glorie und Schönheit verliehen, welche der seinigen ähnlich; und ihr soviel von der eigenen Glorie mitgeteilt, als sie, ohne die Grenzen eines bloßen Geschöpfes zu überschreiten, empfangen konnte.

4. Nun ordnete sich eine höchst feierliche Prozession, unter himmlischer Musik, vom Grabe an durch die Lüfte empor.
Die Heiligen und Engel zogen in der gleichen Ordnung, in welcher sie emporstiegen, in den Himmel ein.
Den Schluß bildete, den göttlichen Heiland zu ihrer Rechten, die Himmelskönigin.
Da war, wie David sagt,
Maria in goldenem und buntem Gewande.
Und von solcher Schönheit,
daß alle Himmelsbewohner mit Bewunderung erfüllt wurden.
Aller Augen waren auf sie gerichtet,
und alle stimmten neue Loblieder an, Maria zu preisen.

5. Hier war es nun, daß das Lob Salomons in Erfüllung ging: Wer ist die, welche heraufsteigt aus der Wüste
wie eine Rauchsäule von Myrrhe und Weihrauch?
Wer ist die, die heraufkommt, wie die Morgenröte
schön wie der Mond
auserkoren wie die Sonne?
Wer ist die, die heraufsteigt aus der Wüste
gestützt auf ihren Geliebten?
O Wunder, wie man noch keines im Himmel gesehen!

6. Unter solchen Lobpreisungen gelangte Maria mit Leib und Seele zum Thron der Allerheiligsten Dreifaltigkeit.
Die drei göttlichen Personen empfingen sie in ewiger Umarmung.

Der ewige Vater: „Steige empor! - höher als alle Geschöpfe -
Du meine Auserwählte, meine Tochter!"

Das menschgewordene Wort: „Meine Mutter, von Dir habe ich meine menschliche Natur empfangen.
Empfange darum aus meiner Hand den Lohn, den Du verdienst!"

Und der Heilige Geist: „Meine liebevollste Braut!
Gehe ein in die ewige Freude,
die Deiner treuesten Liebe gebührt!"
So wurde Maria in das unermeßliche Meer der Gottheit versenkt.

(Quelle: "Dienst am Glauben", Heft 2 - Juli-Sept.- 2003, S. 68f.,  A-6094 Axams)



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