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Mariä Heimsuchung   -  Festtag am 2. Juli 
Editorial:
Am 2. Juli - teils auch bereits zum Abschluss des Marienmonats am 31. Mai -, begeht die Christenheit das Fest Maria Heimsuchung. Kein geringerer als der hl. Bonaventura hat es als General der Franziskaner im Jahre 1263 für seinen Orden eingeführt. Danach wurde das Fest auf die ganze abendländische Kirche ausgedehnt. Erinnert wird an den Besuch Marias bei Elisabeth. Spätestens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand das herrliche Volkslied „Maria durch ein' Dornwald ging", das die biblische Erzählung von Marias Wanderung zu Elisabeth mit dem märchenhaften Motiv vom abgestorbenen Wald verbindet, der in der Gegenwart Mariens mit dem göttlichen Kind in ihrem Schoß nach sieben Jahren wieder zu grünen und blühen anhebt. Die Freude über die Begegnung der beiden Frauen gesegneten Leibes, das freudige „Hüpfen" des ungeborenen Johannesknäbleins im Mutterschoß, die geisterfüllte Anrede Elisabeths an Maria („Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?") sowie der Herz und Sinn ergreifende Lobgesang des Magnifikat (Lk 1,46-55) gehören zum Inhalt des Festes.
Ein so schönes Fest hat erwartungsgemäß auch viele Maler zu teils interessanten und teils auch sehr bewundernswerten Bildschöpfungen inspiriert - keines aber ist wundervoller (wunderlicher?) als die um 1528 entstandene „Visitazione" des Florentiner Künstlers Pontormo (1494-1557) in der Pfarrkirche San Michele in dem toskanischen Weinbau-Städtchen Carmigiano. Ein tänzerisch anmutender Reigen von vier Frauen ist vom Künstler wie zeitenthoben in eine irreal anmutende Architekturkulisse versetzt worden. Großflächig verteilte, selten sichtbare Farben leuchten dunkel auf; Maria und Elisabeth hängen liebevoll, Aug' in Aug', ineinander und der Betrachter fühlt sich selbst von zwei Augenpaaren ebenso innig wie intensiv angeblickt.
Das Erstaunlichste aber offenbart erst der zweite Blick auf das Gemälde: Die beiden aus dem Bild heraus, zum Betrachter hinschauenden Frauen, sind ja Maria und Elisabeth selbst, ganz dieselben, die wir auch davor im Profil dargestellt sehen können! Was mag diese seltsame und in der gesamten Kunstgeschichte womöglich singuläre Verdoppelung nur besagen? Meiner Vermutung nach, fragen mich - und einen jeden von uns - diese Blicke dies: „Und du? Trägst auch du bereits den Erlöser in dir? Will Christus nicht auch in dir, in deiner unsterblichen Seele, geboren werden?"

In Liebe zu Maria verbunden Ihr Diakon Sigmund Bonk

"Maria kommt zu uns nach Hause"
Mariologisches und Pastoraltheologisches zum Fest Mariä Heimsuchung
Des Ereignisses, von dem im Lukas-Evangelium (Lk 1,39-56) berichtet wird, dem Besuch der Gottesmutter Maria bei ihrer Verwandten Elisabeth, gedenkt die Katholische Kirche am Fest Maria Heimsuchung, lateinisch: „Visitatio Mariae". Seinen Ursprung hat das Fest im Orden der Franziskaner, dort wurde es im Jahre 1263 von deren Ordensgeneral, dem hl. Bonaventura (t 1274), eingeführt und am 2. Juli begangen. Der Termin stand im direkten Zusammenhang mit dem Geburtsfest Johannes des Täufers am 24. Juni, dessen schwangere Mutter Elisabeth ja von Maria besucht wurde. Das schnelle Anwachsen des Ordens verbreitete auch das Fest in der gesamten Westkirche, sodass es vom hl. Papst Pius V. (f 1572) in den allgemeinen römischen Kalender aufgenommen wurde. Im Rahmen der nachkonziliaren Liturgiereform wurde das Fest 1969 auf den 31. Mai vorgezogen, womit es auch den Abschluss des Marienmonats darstellt. „Mit Rücksicht auf die tiefe Verwurzelung in der Volksfrömmigkeit (Wallfahrten, Kirchentitel)", so der deutsche Liturgiewissenschaftler Prof. Dr. Theodor Maas-Ewerd, blieb das Fest im deutschen Regionalkalender jedoch auf seinem traditionellen Termin. Auch einem Frauenorden gab das Fest den Namen: Im Jahre 1610 gründeten der hl. Franz von Sales (+ 1622) und die hl. Johanna Franziska von Chantal (+ 1641) den „Orden von der Heimsuchung Mariens" (Ordo Visitatio Mariae), der im deutschen Sprachraum meist „Salesianerinnen" genannt und bei denen Maria Heimsuchung als Hochfest gefeiert wird. Zahlreiche Kirchen tragen dieses Patrozinium, besonders in Bayern, allen voran der Augsburger Dom. Auch die Bauernregel beschäftigt sich mit dem Festtag: „Regnet's am Marientage, gibt's zwei Wochen Regenplage!" oder auch „Maria Heimsuch wird's bestellt, wie's Wetter vierzig Tag sich hält". Um Blitzeinschläge abzuwehren, wurden früher an diesem Tag Haselzweige in die Fenster gehängt. Nicht nur Katholiken feiern dieses Fest, sondern auch evangelische, anglikanische und orthodoxe Christen, wobei teilweise der Festtermin ein anderer ist.

Was kann uns das Fest heute sagen?
Es stellt sich nun die Frage, was uns das Festgeheimnis in der heutigen Zeit bedeuten, welches Geschenk es für unseren Glauben dar­stellen kann? Die Frage erhebt sich auch deshalb, weil in unserem Sprachgebrauch eine Heimsuchung immer an etwas Negatives denken lässt.
Domvikar Monsignore Harald Scharf ist seit 2015 Leiter der Abteilung „Ehe und Familie" im Seelsorgeamt des Bistums Regensburg und er kann auch auf viele Jahre seelsorgerischer Erfahrung zurückblicken sowie daraus schöpfen. Er hat einmal über das Fest Maria Heimsuchung nachgedacht: „Maria Heimsuchung - die Gottesmutter Maria sucht heim, besucht ihre Verwandte Elisabeth. Dabei geht es hier in erster Linie nicht einmal um Maria, sondern um Elisabeth. Maria weiß, dass ihre Verwandte ein Kind erwartet und möchte ihr jetzt dabei beistehen. Sie geht zu Elisabeth, sucht sie in ihrem Heim auf, und möchte ihr helfen - ein ganz natürlicher, menschlicher Vorgang. Da ist jemand, der meine Hilfe benötigt und ihm stehe ich stützend zur Seite. Für mich ist noch ein Aspekt in der Überlegung sehr interessant, nämlich der, dass Maria in eine Familie hineintritt, sie geht zu Elisabeth, zu ihrer Verwandten, und tritt in die Familie ein, wird ein Teil davon. Das ist auch für unsere jungen Eheleute und
Familien in unserer heutigen Zeit ein ganz wichtiges Element, dass sie sich bewusst machen: Maria, die Gottesmutter, tritt auch in meine Familie helfend ein. Ich denke da an ein schönes barockes Altarbild in der Kirche von Ebnath im Fichtelgebirge, meiner Heimatgemeinde, wo Maria als Schwangere dargestellt ist. Es war dort Brauch, dass werdende Mütter zum Altarbild kamen und dort die Gottesmutter um eine gute und glückliche Geburt anriefen; in meiner Kinderzeit habe ich das noch nicht so verstanden. Dann kommt mir auch das alte oberbayerische Adventslied in den Sinn, ,Als Maria übers Gebirge ging, sie ihre Base Elisabeth empfing' - Maria kommt nicht, um etwas für sich zu erbitten, sie kommt um zu helfen und wird dabei ein Teil der Familie".
Darüber hinaus hört Domvikar Scharf aus dem Fest Maria Heimsuchung auch noch einen ganz wichtigen Apell an uns alle heraus: „Nehmen wir uns Zeit für die Familie: Auch das ist eine Botschaft des Festes. So wie Maria sich Zeit nahm für ihre Verwandte, um deren Familie beizustehen, um sie zu begleiten, in den schweren Momenten der Schwangerschaft genauso wie in den freudigen Augenblicken, so sollen wir uns auch heute Zeit nehmen für Ehe und Familie."
(Quelle: "Bote von Fatima" Juli-2016, S. 66-69, IMR Regensburg)



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