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In Liebe zu Maria verbunden Ihr Diakon Sigmund Bonk
"Maria
kommt zu uns nach Hause"
Mariologisches und Pastoraltheologisches zum Fest Mariä Heimsuchung
Des Ereignisses, von dem im Lukas-Evangelium (Lk 1,39-56) berichtet
wird, dem Besuch der Gottesmutter Maria bei ihrer Verwandten Elisabeth,
gedenkt die Katholische Kirche am Fest Maria Heimsuchung, lateinisch: „Visitatio
Mariae". Seinen Ursprung hat das Fest im Orden der Franziskaner, dort wurde
es im Jahre 1263 von deren Ordensgeneral, dem hl. Bonaventura (t 1274),
eingeführt und am 2. Juli begangen. Der Termin stand im direkten Zusammenhang
mit dem Geburtsfest Johannes des Täufers am 24. Juni, dessen schwangere
Mutter Elisabeth ja von Maria besucht wurde. Das schnelle Anwachsen des
Ordens verbreitete auch das Fest in der gesamten Westkirche, sodass es
vom hl. Papst Pius V. (f 1572) in den allgemeinen römischen Kalender
aufgenommen wurde. Im Rahmen der nachkonziliaren Liturgiereform wurde das
Fest 1969 auf den 31. Mai vorgezogen, womit es auch den Abschluss des Marienmonats
darstellt. „Mit Rücksicht auf die tiefe Verwurzelung in der Volksfrömmigkeit
(Wallfahrten, Kirchentitel)", so der deutsche Liturgiewissenschaftler Prof.
Dr. Theodor Maas-Ewerd, blieb das Fest im deutschen Regionalkalender jedoch
auf seinem traditionellen Termin. Auch einem Frauenorden gab das Fest den
Namen: Im Jahre 1610 gründeten der hl. Franz von Sales (+ 1622) und
die hl. Johanna Franziska von Chantal (+ 1641) den „Orden von der Heimsuchung
Mariens" (Ordo Visitatio Mariae), der im deutschen Sprachraum meist „Salesianerinnen"
genannt und bei denen Maria Heimsuchung als Hochfest gefeiert wird. Zahlreiche
Kirchen tragen dieses Patrozinium, besonders in Bayern, allen voran der
Augsburger Dom. Auch die Bauernregel beschäftigt sich mit dem Festtag:
„Regnet's am Marientage, gibt's zwei Wochen Regenplage!" oder auch „Maria
Heimsuch wird's bestellt, wie's Wetter vierzig Tag sich hält". Um
Blitzeinschläge abzuwehren, wurden früher an diesem Tag Haselzweige
in die Fenster gehängt. Nicht nur Katholiken feiern dieses Fest, sondern
auch evangelische, anglikanische und orthodoxe Christen, wobei teilweise
der Festtermin ein anderer ist.
Was kann uns das Fest heute sagen?
Es stellt sich nun die Frage, was uns das Festgeheimnis in der heutigen
Zeit bedeuten, welches Geschenk es für unseren Glauben darstellen
kann? Die Frage erhebt sich auch deshalb, weil in unserem Sprachgebrauch
eine Heimsuchung immer an etwas Negatives denken lässt.
Domvikar Monsignore Harald Scharf ist seit 2015 Leiter der Abteilung
„Ehe und Familie" im Seelsorgeamt des Bistums Regensburg und er kann auch
auf viele Jahre seelsorgerischer Erfahrung zurückblicken sowie daraus
schöpfen. Er hat einmal über das Fest Maria Heimsuchung nachgedacht:
„Maria Heimsuchung - die Gottesmutter Maria sucht heim, besucht ihre Verwandte
Elisabeth. Dabei geht es hier in erster Linie nicht einmal um Maria, sondern
um Elisabeth. Maria weiß, dass ihre Verwandte ein Kind erwartet und
möchte ihr jetzt dabei beistehen. Sie geht zu Elisabeth, sucht sie
in ihrem Heim auf, und möchte ihr helfen - ein ganz natürlicher,
menschlicher Vorgang. Da ist jemand, der meine Hilfe benötigt und
ihm stehe ich stützend zur Seite. Für mich ist noch ein Aspekt
in der Überlegung sehr interessant, nämlich der, dass Maria in
eine Familie hineintritt, sie geht zu Elisabeth, zu ihrer Verwandten, und
tritt in die Familie ein, wird ein Teil davon. Das ist auch für unsere
jungen Eheleute und
Familien in unserer heutigen Zeit ein ganz wichtiges Element, dass
sie sich bewusst machen: Maria, die Gottesmutter, tritt auch in meine Familie
helfend ein. Ich denke da an ein schönes barockes Altarbild in der
Kirche von Ebnath im Fichtelgebirge, meiner Heimatgemeinde, wo Maria als
Schwangere dargestellt ist. Es war dort Brauch, dass werdende Mütter
zum Altarbild kamen und dort die Gottesmutter um eine gute und glückliche
Geburt anriefen; in meiner Kinderzeit habe ich das noch nicht so verstanden.
Dann kommt mir auch das alte oberbayerische Adventslied in den Sinn, ,Als
Maria übers Gebirge ging, sie ihre Base Elisabeth empfing' - Maria
kommt nicht, um etwas für sich zu erbitten, sie kommt um zu helfen
und wird dabei ein Teil der Familie".
Darüber hinaus hört Domvikar Scharf aus dem Fest Maria
Heimsuchung auch noch einen ganz wichtigen Apell an uns alle heraus: „Nehmen
wir uns Zeit für die Familie: Auch das ist eine Botschaft des Festes.
So wie Maria sich Zeit nahm für ihre Verwandte, um deren Familie beizustehen,
um sie zu begleiten, in den schweren Momenten der Schwangerschaft genauso
wie in den freudigen Augenblicken, so sollen wir uns auch heute Zeit nehmen
für Ehe und Familie."
(Quelle: "Bote von Fatima"
Juli-2016, S. 66-69, IMR Regensburg)