Maria, die Mutter Gottes (in Deutschland)

1. Maria, die Mutter Gottes
Als Gottes Zorn gegen die ersten Eltern wegen ihrer Sünde entbrannt war und ewiges Verderben sie erwartete, da erbarmte sich Gottes eingeborener Sohn der gefallenen Menschen und bot sich dem himmlischen Vater als Lösegeld für die Schuld der Menschenkinder dar. Gott der Vater nahm dieses Opfer an und gab, da, wie David sagt, die Barmherzigkeit die Gerechtigkeit versöhnte, der gefallenen Welt den Frieden. Die Erlösung der Menschheit von der Schuld konnte sich nur in Christus durch die Annahme der menschlichen Natur vollziehen; denn als Gott war er leidensunfähig, als Mensch hatte sein Erlösungswerk, weil endlich, nur einen endlichen Wert. Obgleich nun Jesus Christus, als zweite Person in der Gottheit, sich dem himmlischen Vater als Lösegeld dargeboten hatte, so wäre die Erlösung nie geschehen, wenn sich in Maria nicht die Vermittlerin zwischen der Menschheit und der Gottheit gefunden hätte. Jene Worte des himmlischen Vaters, welche er in dem Momente an die ersten Menschen richtete, als der eingeborene Sohn sich als Lösegeld für die zu sühnende Schuld darbot:  fanden in dem „Mir geschehe nach deinen Worten" ihre Erfüllung. Maria wurde die Mutter Gottes und in Christus die Siegerin über Satan und die Sünde. Als Mutter Gottes nahm sie teil an der Erlösung und wurde so die Mutter der Menschheit, der sie sich stets annahm. Auf der Hochzeit zu Kana bat sie um Wein für die Brautleute; unter dem Kreuze stand sie in jenem Augenblicke, als sich der Sieg über die Schlange und somit die Erlösung der Menschheit vollzog. Sie war bei den Aposteln vor der Ankunft des Hl. Geistes, um ihnen für ihren Sohn Mut einzuflößen, auszuharren im Glauben an ihren Sohn, bis der Hl. Geist käme. Sollte sie, welche sich während ihres Erdenlebens der Menschheit so augenscheinlich annahm, jetzt, wo sie im Himmel ist, aufhören, Mutter der Menschheit zu sein? Nein, denn, wie der hl. Bernard sagt, ist sie im Himmel dieselbe, wie sie auf Erden war. Auf der Hochzeit zu Kana offenbarte sie den Brautleuten, was sie tun sollten, um von Jesus Wein zu erhalten; unter dem Kreuze flehte sie zu ihrem Sohne, in den Leiden auszuharren, damit die Menschheit erlöst würde. So auch zeigte sie sich in allen Jahrhunderten als die Mutter der Offenbarungen und der Barmherzigkeit. Hatte Jesus Christus auch die Menschen durch seinen Kreuzestod erlöst, so ist jeder Mensch an und für sich nicht erlöst. Zwar hat Jesus Christus durch seinen Kreuzestod der Gerechtigkeit Gottes genug getan und jedem Menschen die Erlösungsgnade verdient, aber dennoch kann jeder Mensch noch sündigen, ja ganze Länder können sich durch ihre Sünden gleich den ersten Menschen Gottes Zorn zuziehen und sich großer Strafen schuldig machen. Dann aber bewies sich Maria, wie zu Kana und unter dem Kreuze, als die Mutter der Offenbarung und Barmherzigkeit. In den ersten Zeiten der Christenheit gibt es keine in die Augen springenden Beweise von der Hilfe Mariens für die Menschheit. Ganz natürlich! Denn in der ersten Zeit der Christenheit trat die Person Jesu Christi mehr in den Vordergrund. Seine Lehre und ihre Anhänger zu vernichten, war die Absicht der Welt. Doch das Kreuz siegte, und jetzt trat auch Maria wegen ihrer innigen Beziehung zu dem Gottessohne und Erlösungswerke in Erscheinung; denn in der herrlichen Entscheidung der Väter des Konzils von Chalcedon 451 siegte Maria als Gottes Mutter über die Arglist des Nestorius. Die hl. Kirche ehrte sie als die Siegerin über die Irrlehren; Mariens Verehrung stieg im Volke sehr. Warum ließ es Gott zu, daß Maria ihre Macht zeigte? Die Antwort ist einfach. Weil, wie der hl. Chrysostomus, der um diese Zeit lebte, sagt, die Christenheit schon anfing, im Glauben lau zu werden. Seit Konstantin war die Kirche Staatsreligion, die Verfolgung hörte auf, und die Kirche war geehrt, der Glaube fing an zu erkalten.

2. Die Erscheinung Mariens bei dem hl. Dominikus
So war es im 13. Jahrhundert, als das südliche Frankreich von der Irrlehre der Waldenser und Albigenser schwer heimgesucht wurde. Auf die Ermahnung ihrer Bischöfe und Priester hörten sie nicht, sondern griffen sogar zu den Waffen, vertrieben und töteten sogar die Diener des Altares, zerstörten die Kirchen und richteten ein großes Blutbad an. Woher diese Wut gegen die Katholische Kirche? Wer dieser Sekte angehören wollte, mußte den ganzen römisch-katholischen Glauben abschwören. Der hl. Dominikus, von dem Elende des Volkes tief ergriffen, nahm sich der betörten Christen an; er predigte, er belehrte, er ermahnte, er bat, er flehte, doch alles half nichts; in einer Erscheinung, in der er Jesus Christus zur Rechten des Vaters sitzend sah, zur Vertilgung der Sünder in der Rechten drei Lanzen schwingend, wider die Hochmütigen, die Habsüchtigen, die Wollüstigen, fing er an zu zittern und zu beben; denn er liebte die Sünder. Wie will ich den Zorn Gottes besänftigen? Kaum hat er diesen Gedanken gefaßt, da sieht er Maria, wie sie sich flehend ihrem Sohne zu Füßen wirft, er sieht Maria, die Versöhnerin der Sünder, wie sie zu ihrem Sohne spricht: "Vergiß nicht, o Sohn, deine frühere Güte und Barmherzigkeit; du willst nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Ich selbst werde die Verirrten auf den rechten Weg zurückführen; ich selbst werde die Ungläubigen und Ketzer bekehren; ich selbst werde die Welt erneuern durch eine Andacht, die ich deinen Diener Dominikus lehren werde. Schicke ihn mit dem Rosenkranze in der Hand zu den Völkern, und bald wirst du die Sekten gebessert, den Irrtum ausgerottet, den heidnischen Aberglauben vernichtet sehen." Darauf sprach sie zum hl. Dominikus: "Nimm diesen Rosenkranz, geh, predige denselben an allen Orten; er wird ein schnellwirkendes, durchschlagendes Mittel gegen die zahlreichen Übel sein. Mit meinem Rosenkranze wirst du den Irrtum bewältigen, das Laster entfernen und auf die Erde zurückführen den schönen Chor der lieblichen Tugenden: mit demselben wirst du den Glauben befestigen, die Hoffnung der lauen Christen wieder beleben, die fast erloschene Liebe in den Herzen der Gläubigen entzünden; mit demselben wirst du die Abtötung der Sinne, die Frömmigkeit der Seelen, die Reinheit des Herzens wieder zur Blüte führen und ganz tierische und irdische Menschen zu himmlischen Sitten zurückführen." Der hl. Dominikus, überzeugt von der Wahrheit dieser Erscheinung, machte dieselbe sogleich bekannt; predigte mit einem Feuereifer über die Fürbitte und Liebe Mariens zu den Sündern, daß Tausende, wie damals bei der Predigt des hl. Petrus, fragten, was müssen wir tun? Auf den Befehl Mariens führte er das Rosenkranzgebet ein; in Folge dessen erwachte der Eifer unter den Gläubigen so, daß sich die ersten Zeiten des Christentums erneuerten und die Ketzer ausriefen: hier ist ein Wunder geschehen! Diese plötzliche Umkehr der Christen übte auf die Ketzer einen solchen Einfluß aus, daß sie fast alle in den Schoß der hl. Kirche zurückkehrten.

3. Erscheinung Mariens bei Pius V.
Ähnlich zeigte sich die Macht der Fürbitte Mariens und ihre Liebe zur Menschheit am 7. Oktober 1571, als sie dem Papste Pius V. in einer Erscheinung anzeigte, daß die Türken, welche das Kreuz vernichten und an seine Stelle in Europa den Halbmond setzen wollten, bei Lepanto geschlagen sind. Das jährliche Fest Mariens vom Siege ist der fortwährende Zeuge von der Tatsache dieser Erscheinung. Gleicherweise finden wir in den folgenden Jahrhunderten Erscheinungen Mariens,besonders in den schrecklichen Zeiten des 30jährigen Krieges und nach denselben; dafür zeugen die vielen Wallfahrtsorte aus diesen Zeiten. Doch scheint das 19. Jahrhundert vor allen anderen Jahrhunderten von Maria in ganz besonderer Weise dazu auserkoren zu sein, um der Menschheit ihre Liebe zu beweisen. Kein Jahrhundert der Kirche hat solche Erscheinungen wie das 19. Jahrhundert. Der Anfang des 19. Jahrhunderts sah die hl. Wissenschaft in den Händen einer falschen Philosophie- das kirchliche Oberhaupt lag in Fesseln, die Kirche Gottes war zum Gespötte der Menschheit geworden. In Frankreich streute man einer Buhlerin als Göttin der Vernunft Weihrauch. Der Unglaube nahm überhand. War auch der päpstliche Thron wiederhergestellt und Pius VII. im Triumphe in die ewige Stadt Rom eingezogen, so war seine äußere Wirksamkeit gehemmt; zwar gewährten die Konkordate Freiheiten, aber es war nur Schein. Indes wucherte der Unglaube als ein treffendes Gift fort; die geheimen Gesellschaften predigten in ihren geschlossenen Gesellschaften den Unglauben, und ihre Zahl vermehrte sich; denn das Menschenherz ist eher geneigt zum Bösen als zum Guten. Alles schlief, während der Feind das Unkraut säte. Man gab sich der Lauigkeit hin; doch sieh, Maria erscheint. Alle Herzen der Völker waren von einem Vorgefühl großer Ereignisse ergriffen; das Volk fühlte seine Strafbarkeit; die schreckliche Strafe, welche Gott über die Menschheit verhängt, ist der Krieg und eben diese Strafe ahnte das Volk. Ein Hoffnungsstrahl entzückte alle, als von Frankreich her die frohe Kunde erscholl: Maria ist bei La Salette zwei Hirtenkindern erschienen.

4. Erscheinung Mariens in La Salette
Es war im Jahre 1846, den 19. September, als die beiden Kinder Franziska Melanie Mathieu im Alter von 15 Jahren und Peter Maximin Geraud sich beim Kühehüten an einer versiegten Quelle schlafengelegt hatten und beim Erwachen einen ungewöhnlichen Glanz sahen, der gleich der Sonne blendete, ohne deren Farbe zu haben. Das Licht schien sich alsbald zu teilen, und sie erkannten darin eine in noch größerem Glänze strahlende Frauengestalt, welche nahe an der versiegten Quelle in einer Haltung, die den tiefsten Kummer ausdrückte, auf dem Felsen saß. Ihre Gestalt war in ein weißes mit Perlen geziertes Gewand und eine goldfarbene Schürze, wie die Kinder das Oberkleid bezeichneten, gekleidet; sie trug weiße Schuhe, und Rosen von mannigfacher Farbe umgaben ihre Füße. Um ihren Kopfputz, der aus einem hohen, etwas nach vorne geneigten Diadem oder einer Haube bestand, schlang sich ein Kranz von Rosen! Auf der Brust trug sie ein Kruzifix an einer feinen um den Hals geschlungenen Kette; links von dem Kruzifix befand sich ein Hammer und rechts eine Zange. Eine andere größere Kette umgab diese Marterwerkzeuge, und um alles dieses wand sich wieder ein noch größerer Kranz von Rosen. Die Kinder, anfangs sich fürchtend, näherten sich der Erscheinung, als sie eine sanfte liebliche Stimme hörten, die ihnen sagte, sie sollten sich nicht fürchten, sie sollten näherkommen, denn sie habe ihnen Wichtiges mitzuteilen. Wenn, sprach sie, mein Volk sich nicht unterwerten will, so muß ich die Hand meines Sohnes auf dasselbe niederfallen lassen; sie ist so stark, so schwer, daß ich sie nicht länger aufzuhalten vermag. Wie lange habe ich schon für euch gelitten! Wenn ich will, daß mein Sohn euch nicht verlasse, so muß ich ohne Aufhören zu ihm beten; und dennoch achtet ihr nicht darauf! Wieviel ihr auch betet, was ihr auch tun möget, so könnet ihr doch nie alle Mühe vergelten, die ich mir um euretwillen gegeben habe. Sechs Tage habe ich euch zur Arbeit gegeben, und den siebten mir vorbehalten, dennoch will man ihn mir nicht weihen. Dies ist es, was die Hand meines Sohnes so schwer macht. Die Fuhrleute können nicht pflügen, ohne den Namen meines Sohnes zu mißbrauchen. Diese beiden Dinge sind es, die die Hand meines Sohnes so schwer machen. Wenn die Ernte mißrät, so seid ihr selbst schuld daran. Ich ließ es euch dieses vorige Jahr durch die Kartoffeln fühlen; ihr aber machtet euch nichts daraus. Im Gegenteil, als ihr die Kartoffeln mißraten sähet, so fluchtet ihr und führtet den Namen meines Sohnes verderblich im Munde. Es wird damit fortgehen, wie es angefangen, und um Weihnachten werden keine mehr übrig sein. Die Dame fuhr fort: Habt ihr Korn, so müßt ihr es nicht säen. Alles, was ihr säet, werden die Tiere fressen; alles, was aufgeht, wird zu Staub zerfallen, wenn ihr es dreschet. Es wird eine große Hungersnot kommen, und vor der Hungersnot werden die Kinder unter sieben Jahren von einem Zittern ergriffen werden und in den Armen derer sterben, die sie halten. Die übrigen werden wegen der Hungersnot Buße tun.. Die Nüsse werden verderben, die Trauben faulen; doch, wenn das Volk sich bekehrt, so werden die Steine und Felsen in Kornhaufen sich verwandeln, und die Kartoffeln werden wachsen, ohne gepflanzt worden zu sein. Die Dame hielt hier inne; sie redete mit einem jeden Kinde abwechselnd, ohne daß das eine vor dem anderen wußte, was sie redete. Dies Geheimnis betraf die Leiden der Kirche Frankreichs und Italiens. Beim Offenbaren dieses Geheimnisses soll der Hl. Vater mit Tränen im Auge ausgerufen haben: !O Italien, welche Leiden stehen dir bevor!! Danach stellte die Dame mehrere Fragen an die Kinder: "Betet ihr auch ordentlich, liebe Kinder?" !Nicht zum Besten, Dame!! Die Dame: !Seid stets bedacht, liebe Kinder, morgens und abends zu beten. Wenn ihr nicht anders könnt, so betet wenigstens ein Vaterunser und ein Ave Maria. Habt ihr aber Zeit, so betet mehr. Nur einige alte Frauen gehen zur Messe, die übrigen arbeiten des Sonntags, so lange der Sommer dauert, und im Winter; wenn sie nicht wissen, wie sie die Zeit hinbringen sollen, gehen die jungen Leute in die Messe, doch nur, um über die Religion zu spotten. In den Fasten gehen sie zu den Fleischbänken wie die Hunde. Sahst du je verdorbenes Korn, liebes Kind?! Maximin: !Nein!! Melanie ebenfalls: !Nein!! doch leise, nicht wissend, ob die Frage an sie gestellt sei. Du, Maximin, hast es gesehen, als du eines Tages mit deinem Vater in Coin warest. Der Eigentümer eines Ackers forderte deinen Vater auf, seinen verdorbenen Weizen zu besehen, ihr beide ginget hin, nahmet einige Kornähren in die Hände, riebet sie und sie wurden zu Staub. Darauf kehrtet ihr heim, und als ihr noch ungefähr eine halbe Stunde bis nach Corps zu gehen hattet, gab dein Vater dir ein Stück Brot, sagend: "Nimm dieses, liebes Kind! Wir wollen es dieses Jahr noch essen, so lange wir es noch erzwingen können; ich weiß es nicht, wer nächstes Jahr noch Brot haben wird, wenn es mit dem Weizen so fort gehe." Maximin: "O ja, Dame, jetzt erinnere ich mich, ich hatte das alles vergessen." Indem die Dame den Kindern befahl: "Nun wohl, liebe Kinder, laßt mein ganzes Volk dieses wissen", verschwand sie. Die Mitteilung der Kinder über diese Erscheinung und die Worte Mariens machten auf alle, die davon hörten, einen großen Eindruck. Der Ortspfarrer wurde nach Anhörung der von den Kindern gemachten Aussagen so ergriffen, daß er am anderen Morgen nach seiner Messe den Anwesenden das Gehörte mitteilte, weshalb er, weil zu voreilig, versetzt wurde. An der Stelle, wo Maria gestanden, gab die Quelle, welche bis dahin oft versiegt war, reichliches Wasser und versiegte nie mehr. Durch den Gebrauch des Wassers geschahen viele Heilungen an Kranken. In Folge dieser wunderbaren Ereignisse nahm die Wallfahrt nach La Salette ihren Anfang. Tausende von Pilgern strömten nach La Salette. Innerhalb von 5 Jahren wurden die Kinder oft in ein sehr strenges Verhör genommen. Sie blieben stets bei ihren anfangs getanen Aussagen. Der Bischof setzte eine Kommission gelehrter Männer zur Prüfung der Aussagen der Kinder und der geschehenen Wunder ein. Sie entschied, vorläufig zu schweigen; doch die Tatsachen der Erscheinung traten je länger, je mehr in ein solches Licht der Wahrheit, daß der Bischof von Grenoble, in dessen Diözese La Salette liegt, die Tatsachen der Erscheinung noch einmal durch eine Kommission von 16 Geistlichen prüfen ließ und auf Grund der Entscheidung dieser Kommission in einem Hirtenbrief erklärte: Die Erscheinung sei eine zuverlässige und unbestreitbare Tatsache. Der jetzt regierende glorreiche Papst Pius IX., ein inniger Verehrer Mariens, wollte Maria mit dem Diadem der Unbefleckten Empfängnis krönen; deshalb berief er zum 8. Dezember 1854 die Bischöfe des Erdkreises nach Rom und erhob in Gegenwart von 200 Bischöfen und einer großen Anzahl Gläubiger unter dem Donner der Kanonen und dem Geläute der Glocken Roms die Meinung, Maria sei unbefleckt empfangen, zu einem Glaubenssatze. Wie nach dem Konzil zu Chalcedon, so jubelte jetzt die ganze Christenheit; Maria zu Ehren feierte man Feste, ihr zu Ehren errichtete man Ehrensäulen; ihre Verehrung nahm einen hohen Aufschwung. Die Erscheinung zu La Salette und ihre Mahnstimme ergriffen die Herzen der Hirten wie der Völker; die Bußstimme ertönte in den Missionen, die in der ganzen katholischen Welt gehalten wurden. Die Sitten besserten sich, der Glaube erwärmte die kalten Herzen, und das Antlitz der Erde wurde erneuert. Pius IX. hatte erklärt, Maria ist unbefleckt empfangen; Maria bestätigt diese Worte des Papstes, indem sie 1858 den 11. Februar in einer Erscheinung zu Lourdes in Frankreich erklärte: "Ich bin die Unbefleckte Empfängnis."

5. Erscheinung Mariens in Lourdes.
Am 11. Februar 1858 war Bernadette Soubirous, die Tochter armer Tagelöhner, 14 Jahre alt, stets schwächlich und kränklich, welche, weil die Mutter bei Bernadettens Geburt sehr erkrankte, einer bekannten Familie im Nachbarorte zur Pflege übergeben war, mit einer kleinen Herde Schafe, welche sie auf den steilen Hügeln des Dorfes hütete, bis zum Felsen Massabielle gekommen. Obgleich sie wenig gelernt, so daß sie nicht mal lesen noch schreiben konnte, hatte Gott ihr die Unschuld bewahrt; in Folge dessen liebte sie das Gebet und besonders den Rosenkranz; sie übte es fleißig; war liebevoll gegen alle, kindlich einfältig, offen und unbefangen; aus ihren Augen leuchtete Sanftmut und Frömmigkeit. Dieses arme unwissende Kind war von Gott dazu ausersehen, die großen Pläne seiner Erbarmung der Menschheit kundzutun. Sie war im Auftrage ihrer Mutter mit ihrer jüngeren Schwester und einer kleinen Nachbarin bis an das Ufer des Bergstromes Gare hinabgegangen, um dürres Holz zu sammeln; sie waren bis zum Felsen Massabielle gekommen; indes war Bernadette ein wenig zurückgeblieben, und sieh, auf einmal hörte sie ein Getöse, wie das Wehen eines heftigen Windes. Sie will weggehen; doch wieder hört sie das Getöse; sie schaut hin und sinkt nieder und sieht eine wunderbare Erscheinung, während in den Bergen zum Ave geläutet wurde. Vor den Augen des Kindes erscheint eine wunderbare Frauengestalt; es ist eine Jungfrauengestalt von wunderbarer Milde und Schönheit, von unvergleichlicher Majestät, umflossen von wunderherrlichem, überirdischem Lichte. Ihr blendend weißes Gewand leuchtete wie die Sonne, das in anmutiger Einfachheit herabfloß; auf ihren jungfräulichen Füßen, welche die Zweige eines wilden Rosenstrauches, der die Nische umrahmte, leicht berührte, erblühte die mystische goldfarbige Rose; um ihre Hüften schlang sich ein himmelblauer Gürtel, der fast bis zu ihren Füßen herabreichte; von ihrem Haupte wallte ein faltenreicher weißer Schleier herab, der die Schultern und den oberen Teil der Arme bedeckte und nach hinten fast bis zum Saume des Kleides herabfiel. Ihre beiden Hände waren zum Ausdrucke der Frömmigkeit vor der Brust zusammengefaltet, sie hielt einen langen weißen Rosenkranz, dessen Perlen durch eine Kette aus glänzendem Gold verbunden schienen; ein schönes goldenes Kreuz, leuchtend wie das Gold der Rosen, befand sich am Ende des Rosenkranzes. Ihr Gesichtsausdruck war ungemein sanft, ihr Blick entzückend, ihr Lächeln von unvergleichlicher Milde und innigster mütterlicher Zärtlichkeit. Es war kein Trugbild, sondern eine lebendige Wirklichkeit. Die Jungfrau lächelte das Kind an, grüßte es, Haupt und Hände gnädig neigend. Das Kind war ganz bestürzt, und war im Begriffe, nach seinem Rosenkränze zu greifen und das hl. Kreuzzeichen zu machen. Vor Schrecken war es dazu nicht im Stande, und sieh, die Jungfrau machte selbst das Kreuzzeichen, um das Kind zu ermuntern. Es fing an, den Rosenkranz zu beten, und als es das Gebet vollendet hatte, noch immer in die Betrachtung der himmlischen Frau ganz versunken, war die Erscheinung verschwunden. So glänzend war die Erscheinung, daß Bernadette, zeigte man ihr auch die glänzendsten Stoffe, nicht im Stande war, auch nur annähernd einen Begriff von der Erscheinung zu geben. Sich erhebend ging Bernadette zu ihren Gespielinnen, um zu erfahren, ob diese nichts gesehen hätten. Auf die Antwort: Nein! schwieg sie, den Rückweg antretend. Von ihrer Schwester gedrängt, das Geschehene zu erzählen, tat sie es mit dem Bemerken, nichts davon zu sagen. Die Mutter, welche es bald nachher erfuhr, hielt es für kindliche Einfalt und verbot Bernadette, zur Grotte zu gehen. Am Sonntag eilte sie mit Erlaubnis ihrer Mutter zur Grotte. Auf Wunsch der Gespielinnen hatte Bernadette Weihwasser mitgenommen, denn, falls die Erscheinung eine Teufelslist sei, würde sie weichen, sobald sie mit Weihwasser besprengt würde. Bernadette kniete, in der Grotte angekommen, nieder, und im Rosenkranzgebete sah sie die Jungfrau in ihrem Glanze. Gegen die Erscheinung Weihwasser sprengend, wich sie nicht, sondern lächelte sanft und sich verneigend verschwand sie. Bernadette begibt sich zum 3. Male zur Grotte und zwar mit Papier und Feder; denn die Jungfrau sollte aufschreiben, wer sie sei und was sie begehre. Die Erscheinung ist da; doch während das Kind sich ihr nähert, um ihr Papier und Feder zu geben, spricht die Jungfrau zum ersten Male: "Was ich dir zu sagen habe, brauch ich nicht zu schreiben, erweise mir nur die Freude, während 14 Tagen hierher zu kommen." "Ich verspreche es dir", sagte Bernadette. "Und ich", sprach die Jungfrau, "verspreche dir, dich glücklich zu machen, nicht in dieser Welt, sondern in der anderen." "Dürfen die Begleiterinnen mitkommen?", fragte Bernadette. "Ja!" sagte die Jungfrau. !Sie mögen mitkommen, sie und noch andere; ich wünsche viele Leute hier zu sehen." Tausende strömten jetzt zur Grotte; oft waren 12.000 Menschen zusammen. Für Bernadette begannen jetzt Tage schwerer Prüfung. Der Polizei-Kommissar ließ sie vorführen, wandte Drohungen und Versprechungen an. Vergebens! Man stellte dem Kinde die spitzfindigsten Fragen, um es zu verwirren. Alles umsonst; sie blieb bei ihrer Aussage, sie ließ sich nicht einschüchtern. Der berühmte Arzt Dozous von Lourdes, die Erscheinung anfangs aus krankhaften Zuständen erklärend, rief, als er die Bernadette in der Grotte beobachtet hatte, aus: Hier ist Wahrheit! Alle, welche Bernadette in der Grotte beobachtet hatten, wurden gezwungen, der Wahrheit Zeugnis zu geben.
Trotz dieser Nachstellungen erschien Bernadette in den 14 Tagen in der Grotte und sprach mit der Jungfrau. Wiewohl sich bei jeder Erscheinung das Gesicht des Kindes verklärte, so trat in der physischen Natur nach Aussage des Arztes Dozous keine Veränderung ein. Bernadette, eines Tages die Erscheinung schauend, erhielt von der Jungfrau diesen Auftrag: "Meine Tochter, geh und sage den Priestern, daß ich an diesem Orte eine Kapelle errichtet haben will und daß man in Prozessionen hierher ziehe. Bernadette ging gleich zum Ortspfarrer, um ihm den Auftrag Mariens mitzuteilen. Der Pfarrer, sie sehr strenge und ernst empfangend und sie einer scharfen Prüfung unterwerfend, verlangte von der Dame ein Zeichen der Macht und zwar, jener Rosenstrauch, der jetzt dürre sei und den sie mit ihren Füßen berührt habe, solle mitten im Winter grünen und blühen. Dann wolle er an die Dame glauben. In der nächstfolgenden Erscheinung offenbarte das Kind der Erscheinung die Antwort des Pfarrers. Die Jungfrau lächelte und forderte das Kind auf, für die Sünder zu beten, dreimal die Worte ausrufend: "Buße, Buße, Buße!" Sie gab ein Zeichen, aber nicht, wie der Pfarrer es wünschte, sondern sie ließ auf einen Wink an der Stelle, wo ihr Fuß gestanden, eine Quelle entspringen, die Tausenden zum Heile geworden ist. Am 4. März, als dem letzten Tage der Erscheinung, eilt Bernadette, wie ihr befohlen zur Grotte; 20.000 Menschen waren vor der Grotte. Die Jungfrau erscheint, Bernadettes Antlitz glänzt: sie trinkt aus der Quelle, und wieder erhält sie den Auftrag, den Priestern zu sagen, hier eine Kapelle zu bauen und in Prozessionen hierher zu ziehen. Am 25. März, als dem Feste ihrer Verkündigung, eilt Bernadette in Begleitung von vielen Menschen zur Grotte, und sieh, die Jungfrau erscheint und offenbart dem Kinde auf dreimaliges Bitten, wer sie sei, ihren Namen, indem sie spricht: "Ich bin die Unbefleckte Empfängnis." Am 5. April und 10. Juli erschien sie dem Kinde glanzvoll wie nie, gleichsam als Lohn für seinen Mut und seine Standhaftigkeit. Der Pfarrer von Lourdes, seine Vikare wie die Geistlichkeit der Diözese hatten von Anfang an tiefes Schweigen beobachtet über die Erscheinung. Schließlich konnten auch sie der Wahrheit nicht widerstehen. Ende Juli 1858 setzte der Bischof von Tarbes eine wissenschaftliche Kommission zur Prüfung der Erscheinung ein. Die Untersuchung dauerte 4 Jahre; darauf erließ der Bischof, nachdem Gott auf Mariens Fürbitte und zu ihrer Verherrlichung wunderbare Heilungen an Leib und Seele gewirkt hatte, anfangs 1862 einen Hirtenbrief mit der Entscheidung, daß die Erscheinung in Lourdes alle Merkmale der Wahrheit an sich trüge. Papst Pius bestätigte dieses Urteil durch ein Breve von 1864, in welchem er dem Geschichtsschreiber Lafferre seine Anerkennung für die Forschungen über Lourdes ausdrückte.

6. Erscheinung in Marpingen
Wie Frankreich, so sollte auch Deutschland in den Tagen schwerer Prüfung der Erscheinung Mariens gewürdigt werden; denn die Lage der hl. Kirche ist eine sehr traurige: die Diözesen ohne Hirten, viele Gemeinden ohne Priester, Kranke ohne den Trost der Priester, Sterbende ohne den Trost der Sakramente, die in den hl. Sakramenten geweihten Leichen ohne kirchliches Begräbnis, die Kinder ohne die Lehren der römisch-katholischen Kirche. Wir haben es verdient; ich erinnere an Heinrich IV., an Barbarossa und andere Fürsten Deutschlands, an die Emser Punkte (1786, bestritten grundsätzlich die päpstliche Jurisdiktion im Reich); an die Güntherianer (Wilhelm Arnold Günther, Verweser des 1836-42 verwaisten Bistums Trier) und Hermesianer (Georg Hermes, Philosoph u. Theologe, gest. 1831; seine Grundposition ist mit dem kath. Glauben unvereinbar), ja an die Antiinfallibilisten (Gegner des Dogmas von der Unfehlbarkeit der Kirche). Doch Gott liebt Deutschland, wenn es auch gefehlt hat; er hat es geschützt, als die Lehre Luthers die katholische Kirche Deutschlands zu vernichten drohte; er schützt sie auch jetzt vor dem Untergange. Eine Bürgschaft gibt uns die Erscheinung der Mutter Gottes in Marpingen, einem Dörfchen in der Diözese Trier, deren Bischof Eberhard als Märtyrer für die hl. Sache aus dem Leben geschieden ist. Am 3. Juli 1876, als in Lourdes unter dem Vorsitze des päpstlichen Gesandten, vor vielen Bischöfen und Priestern und einer nach Tausenden zählenden Menge die Statue der Mutter Gottes, wie sie Bernadette in der Erscheinung gesehen hat, gekrönt wurde und in der prachtvoll erbauten Kirche und in den zahlreich erscheinenden Prozessionen an der Grotte der Auftrag Mariens erfüllt war, stieg Maria in ihrer Liebe zu Deutschland von des Himmels Höhen auf Marpingens Waldfluren hernieder, um sich in Deutschland einen besonderen Sitz zu bereiten, von wo sie Trost und Stärke, Liebe und Versöhnung der streitenden Kirche spenden wollte.

Lage Marpingens
Marpingen, ein kleines Dorf, im Kreise St. Wendel, Regierungsbezirk Trier, hat eine romantische Lage; es liegt in einem kesselartig geformten Tale, welche von der herrlichen Als durchschnitten wird. Es ist ringsum von Bergen umgeben, welche wegen ihres guten Bodens den Bewohnern als Ackerland dienen. Die Wohnungen der Dorfbewohner sind feste und niedrige, meistens aus Steinen gebaute Häuser, die sich weder durch ihr Altertum, noch durch ihre Bauart auszeichnen. Die Bewohner von Marpingen sind römisch-katholisch; sie haben von den Schülern des hl. Petrus das Christentum empfangen; diese Gegend war den Römern sehr früh bekannt; sie hatten hier eine Veste für ihre Besatzung. Die Marpinger leben auch als Christen, indem sie die Vorschriften der hl. Kirche treu befolgen. Sie zeichnen sich aus durch fleißigen Besuch der Kirche, öftern Empfang der Sakramente, Entsagung von Lustbarkeiten, Arbeitsamkeit und Sparsamkeit. Doch der Mensch bleibt immer Mensch; er ist immer den Neigungen der Natur unterworfen; so wird es auch in Marpingen sein. Wer ist ohne Fehler! Eine Tatsache, und eine schwerwiegende, beleuchtet das vorhin Gesagte und das Nachfolgende, nämlich: daß sie seit Jahrhunderten Maria in hohem Grade verehrt haben. Sollte aber der, welcher die Mutter ehrt, nicht auch den Sohn und seine Heilsmittel ehren? Sie ehren die Kirche; denn wiewohl sie weder reich noch arm sind, unterhalten sie ihren gesperrten Pfarrer.

Der Marienbrunnen
Am nordwestlichen Abhange des Berges, auf dem die Pfarrkirche steht, befindet sich der Marienbrunnen, welcher nicht mit der Quelle im Härtelwalde zu verwechseln ist. Nach der Volkssage ist vor 500 Jahren in diesem Brunnen ein Muttergottesbild gefunden worden; dasselbe wurde feierlich aus dem Brunnen gehoben und neben dem Brunnen auf einer hohen Säule, welche auf einer Konsole ruht, aufgestellt. Das Bild stellt Maria dar mit einer Krone auf dem Haupte, das Jesuskind auf dem Arme; freundlich lächelnd. Um das Bild ist ein gläserner Kasten angebracht; vor demselben brannte immer ein Licht in einer vor demselben angebrachten Laterne; viele Kerzen werden hier geopfert; seitdem wurde das Wasser des Brunnens viel von Kranken gebraucht und in Folge des Gebrauches des Wassers kamen, wie die Volkssage berichtet, Heilungen vor. Der Brunnen kam sehr in Ehren, und man nannte ihn den Marienbrunnen. Derselbe ist hübsch ausgemauert in Form eines Gewölbes, mit einer eisernen Türe versehen, so daß die Pilger das Wasser aus demselben bequem schöpfen können. Von Gichtleidenden wird es jetzt noch viel gebraucht; hier versammeln sich die Marpinger jung und alt, nicht bloß an Sonn-, sondern auch an den Werktags-Abenden nach getaner Arbeit zur Verehrung Mariens, indem sie den Rosenkranz laut beten und Marienlieder singen. Nach Abbetung der Rosenkranzgebete schalten sie ein: "O Mutter der Barmherzigkeit! Bitt' für die ganze Christenheit". Zahllose Kerzen müssen hier geopfert werden; denn die Konsole war sehr angebrannt. Das Ganze ist von hohen schlanken Pappeln umgeben, so daß sich die Pilger wie in einer Marienkapelle befinden. Morgens um 5 Uhr findet man hier schon Beter.

Die Pfarrkirche in Marpingen
Vor dem Entstehen des Marienbrunnens, so geht die Volkssage, stand die Kirche mitten im Dorfe; nachher habe man sie auf den Berg neben dem Marienbrunnen verlegt; ein Zeichen, wie sehr der Marienbrunnen in Ehren stand. Hoch auf dem Berge, am Ende des Dorfes, gewährte die Kirche einen herrlichen Anblick; an der entgegengesetzten Seite südöstlich vom Dorfe liegt der Härtelwald; von hier aus kann der Pilger auch die Stelle sehen, wo Maria, die Unbefleckt Empfangene, am 3. Juli 1876 den Kindern erschien. Welchen Eindruck! Auf der einen Seite des Dorfes die Stätte des hl. Sakramentes, auf der anderen Seite die Stelle, wo die Unbefleckt Empfangene erschienen ist, aus der Jesus Fleisch angenommen hat. Ihrem Äußeren (1876) nach gleicht die Kirche dem Stalle in Bethlehem; sie ist niedrig, ihr Turm ist ohne Spitze; sie scheint ursprünglich ganz klein gewesen zu sein, später ist sie durch einen Anbau in dem Stile der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts erweitert worden. In derselben befindet sich ein Hochaltar, St. Annen-Altar und Marien-Altar, aber keine Orgel; in dieser Kirche wird der Pilger zur höchsten Andacht gestimmt. Das Hochamt, welches der Pfarrer an den Werktagen um 6 Uhr hält, ist sehr besucht; sämtliche Kinder, auch die Kleinen, besteigen jeden Morgen den Berg, um der hl. Messe beizuwohnen. Die Anwesenden machen durch ihr Benehmen während des hl. Opfers einen erbauenden Eindruck. Bis zur Wandlung werden von Alt und Jung Marienlieder gesungen; nach der Wandlung wird laut abwechselnd gebetet. Neben der Pfarrkirche liegt das Pfarrhaus, um die Kirche herum werden die Verstorbenen beerdigt.

Die Verehrung Mariens in Marpingen
Der Name Marpingen scheint schon anzudeuten, daß Maria hier verehrt sein wollte; denn das Wort "Mar" klingt nach Maria. Maria und ihre Himmelfahrt ist Patronin der Kirche und des Ortes. Die Marpinger haben von uralten Zeiten her ein großes Vertrauen auf die Fürbitte Mariens in allen Nöten und Bedrängnissen gesetzt. Im Jahre 1699 trat hier eine ansteckende Krankheit auf; viele wurden krank und starben; das Ende war nicht abzusehen. In dieser Not wandten sie sich an Maria und machten das Gelübde: jeden Samstag von dem Angelus-Läuten des Mittags an nach Art der Festtage zu feiern. Keiner durfte arbeiten; in der Kirche und am Marienbrunnen wurde gemeinschaftlich der Rosenkranz gebetet. Ihr Gebet wurde erhört, die Sterblichkeit hörte auf. Dieses heldenmütige Gelübde haben sie bis zur französischen Herrschaft, also bis zum Jahre 1806, treu gehalten, denn die Franzosen waren damals ungläubig. Nach Abzug der Franzosen, 1814, trat ein bösartiger Typhus auf; sie erneuerten jetzt das heldenmütige Gelübde ihrer Vorfahren in seiner ursprünglichen Strenge; die Krankheit hörte auf; doch wurden sie auf Antrag des Pfarrers wegen der veränderten Zeitverhältnisse durch den Bischof Arnoldi zu Trier von dem Gelübde entbunden, jedoch verpflichtet, in die Bruderschaft vom Herzen Mariens einzutreten; am Tage der ersten hl. Kommunion treten alle Kinder in die Herz-Mariä-Bruderschaft ein. Liegt hierin nicht der Schlüssel zu der Antwort auf die Frage, warum Maria gerade in Marpingen und nicht an einem anderen Orte erschienen sei? Sollte Maria nicht einem solchen Orte nahe sein? Sollte sie hier nicht gerne weilen? Ist die Mutter nicht am liebsten bei den Kindern, von denen sie geliebt und geehrt wird? (Man beachte: Am 16. Mai 1999 erneuerte der jetzige Pfarrer das Gelübde und stellte die Gemeinde unter den Schutz der Mantelmadonna, und am 17. Mai erschien die Muttergottes wieder! Zufall?)

Der Härtelwald in welchem sich die Erscheinungsstelle befindet
Im Südosten von Marpingen liegt an dem Abhange des Berges, der sich von Norden nach Süden längs des Dorfes erstreckt, ein herrlicher Fichtenwald; zu demselben führt vom Dorfe her ein schöner breiter Fußweg, der sich durch den Härtelwald zieht. Am hintern Ende des Fußpfades und da, wo der Fichtenwald aufhört und der Tannenwald beginnt, befindet sich ein mit Gesträuchen bewachsener Platz, von den Marpingern „dat Platz" genannt, welcher beim Eingange in den Härtelwald dem Auge sichtbar ist. Parallel mit dem Härtelwalde läuft eine sehr schöne Wiese, welche durch Buschwerk von dem Tannenwalde getrennt ist. Von der oben bezeichneten Stelle, „dat Platz" genannt, führt ein Fußpfad zu der von der Erscheinung bezeichneten Quelle, welche vom Volke Schwanborn genannt wird; der Bezirk, in dem sie liegt, heißt Schwanhoeck. Dies ist die Beschreibung jenes durch die Erscheinung auf dem Platz berühmt gewordenen Härtelwaldes, der seit dem 3. Juli 1876 der Schauplatz großer, wunderbarer Ereignisse geworden ist, in Wahrheit das Bethlehem Deutschlands.

Geschichte der Erscheinungen vom 3. Juli 1876 bis 3. September 1877
Der obengenannte Härtelwald sollte also nach dem Plane der Vorsehung der Schauplatz vieler und großer, die Welt in Bewegung setzender Ereignisse werden. Das vorher kaum bekannte, von wenigen gekannte Marpingen sollte die Aufmerksamkeit von Personen jeglichen Standes ganzer Länder, ja die Aufmerksamkeit der hohen und höchsten wie auf die Ereignisse Europas einflußreichen Personen auf sich ziehen. Maria war es, welche hier in Mitte Deutschlands den Thron der Gnade und Barmherzigkeit errichten wollte. Im Sommer pflegen die Kinder von Marpingen den Härtelwald fleißig zu besuchen, um dort Waldbeeren, in ihrer Sprache „Walen" genannt, zu pflücken. Am Abend des 3. Juli 1876 hatte sich die Margaretha Kunz mit ihren Gespielinnen Susanna Leist und Katharina Hubertus in den Härtelwald begeben, um dort Waldbeeren zu pflücken. Sie standen in dem Alter von 8 Jahren. Von der Kirche her hörten sie das Angelus-Läuten und knieten deshalb nieder zum Gebete. Nach beendetem Gebete stößt die Susanna Leist einen Schrei aus; die beiden anderen Kinder laufen herbei, werden erschreckt und eilen nach Hause. Zu Hause leichenblaß angekommen, fragen die Eltern ganz besorgt, was ihnen zugestoßen sei. Sie gaben die übereinstimmende Antwort: "Wir haben eine weiße Frau gesehen." Die Mutter Kunz sagte: "Ja wohl, ihr habt wel ein Wäschen (Bäschen)gesehen, mit einem weißen Tuche um den Kopf, warum seid ihr bange davor?"
Gretchen (ganz entschieden): "Nein, wir haben die Mutter Gottes gesehen!" ...
(Quelle: Auszug aus: "Marpingen und seine Gnadenmonate" - Glauben durch Wissen, 67159 Friedelsheim, Waltershöhe 20) - Bestellen Sie bitte hier den ganzen Text!
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