Die Macht des Lobpreises

Auszug aus einer Predigt von Pfarrer Klaus Müller in Zella am 24.6.2001 • Die Macht des Lobpreises
Niedergeschrieben u. bearbeitet von Peter Koros

„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl Geistes."
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn.
Im Gloria der Heiligen Messe betet die Kirche: „Gott, wir loben Dich, Gott, wir preisen Dich". Wer aber ist dieser Gott, den wir loben und preisen? Die Bibel gibt eine klare Antwort. Sie sagt: „Gott ist Liebe." Haben wir das alle wirklich im Herzen, daß Gott wirklich die Liebe ist. Gibt es nicht so manchen, der Angst im Herzen hat, wenn er an Gott denkt. Ja, es ist wirklich schlimm, wenn Menschen durch Angst an Gott denken.
Andere wiederum begegnen Gott mit großem Mißtrauen. Sie können sich nicht vorstellen, daß Gott sie so sehr liebt, daß er sie glücklich machen will. Mancher kann sich nicht vorstellen, daß Gott uns wirklich Freude schenkt, und darum suchen sie ihre Freude im Genuß dieser Welt. Aber David betet (Psalm 16:2): „Du bist mein Herr, mein ganzes Glück bist du allein".
Andere wiederum sagen: Ich kann mir nicht vorstellen, daß Gott mir die Sünden vergibt. Was ich alles in meinem Leben getan habe - ganz Schlimmes! Das kann ich mir unmöglich vorstellen, daß Gott da Vergebung schenkt.
Andere wiederum können sich nicht vorstellen, daß Gott eine solche Macht hat, daß er uns helfen kann in all unseren Sorgen und Nöten. Beim Auftreten von Problemen versucht man erstmal selbst, mit den Problemen fertig zu werden. Aber wenn alle Bemühungen vergeblich sind, dann denkt so mancher, vielleicht kann ich es ja mal mit dem Beten probieren.
Gilt uns nicht das Wort des Herrn: „Bittet und ihr werdet empfangen". Hat nicht Jesus gesagt: „Wer zu mir kommt, den weise ich nicht zurück". Und darum sollten wir immer wieder auch vertrauen auf die Macht des Gebetes. Denn wir haben einen Gott, der alle Macht hat im Himmel und auf der Erde. Es kommt darauf an, daß wir Gott großmachen in unserem Leben, daß wir Ihn mit ganzem Herzen loben und preisen.
Gott, wir loben dich, Gott, wir preisen dich. So beten wir.
Aber wenn wir ehrlich sind, dann ist es doch heute so, daß viele Menschen gar nicht mehr Gott loben und preisen können. Ist es nicht so, daß viele Christen heute vielleicht noch ein Morgen-, Abendgebet, vor und nach dem Essen beten.
Aber fehlt nicht bei vielen das Lobgebet, in dem wir Menschen Gott von ganzem Herzen loben und preisen.
Bild: Kirche St. Paul v.d. Mauern, Rom

Warum tun sich viele Menschen schwer mit dem Lobgebet?
Erstens: Wir müssen lernen, uns ganz an Gott hinzugeben.
Haben wir schon mal gesagt: Gott, ich gebe mich ganz an dich hin, mache du mit mir, was du willst, gebrauche mich so, wie du es für richtig hältst. Da, wo wir Menschen uns an Gott hingeben, da können wir auch fähig werden, Gott von ganzem Herzen zu loben und zu preisen.
Zweitens: Die Umkehr des Herzens. Was oft zwischen Gott und uns steht, das ist die Mauer der Sünden. Darum ist es so wichtig, daß wir immer wieder das Bußsakrament empfangen, damit die Mauer der Sünden eingerissen wird. Da, wo wir Vergebung erlangt haben, da können wir auch mit freiem Herzen, einem Herzen voller Freude, Gott loben und preisen für das, was er wieder in unserem Leben getan hat.
Drittens: Wir müssen lernen, „Ja" zu sagen, zu unserer eigenen Lebensgeschichte. Wenn wir auf unser Leben schauen, dann merken wir alle, daß nicht alles glatt gelaufen ist, daß es da so Manches gibt, was uns belastet und bedrückt.
Wir brauchen nur nachzudenken, dann merken wir alle, daß so manches war, was unser Leben wirklich schwer macht, und wir fragen dann vielleicht auch: Warum das alles?
Aber sollten wir nicht auch bedenken, daß Gott doch zu uns steht, daß er seine schützende Hand über uns hält. Und wenn Gott eine Prüfung, etwas Schweres zugelassen hat, dann doch nur, um letztlich auch daraus wieder etwas Gutes zu machen. Hinter allem steht letztlich Gottes Liebe. Er hat ja
gesagt: „Ich lasse dich nicht fallen, und ich verlasse dich nie".
Darum wollen wir einfach darauf vertrauen, daß auch die negativen Erfahrungen des Lebens uns helfen können, uns noch mehr Gott zuzuwenden, noch mehr Gott zu lieben.
Da, wo wir ganz bewußt vor Gott unsere eigene Lebensgeschichte annehmen und bejahen, da wird auch etwas in uns freigesetzt, was uns befähigt, mit ganzem Herzen zu loben und zu preisen.
Wer kann wirklich noch staunen über die Schönheit einer Landschaft und mit ganzem Herzen sagen: Mein Gott, wie schön ist deine Welt. Wie wunderbar ist all das, was du geschaffen hast. Staunen führt in den Lobpreis und letztlich sogar bis in die Anbetung hinein. Und Gott anbeten heißt: „Mein Gott, du bist alles in meinem Leben. Und ich bin ein Nichts vor dir. Aber ich weiß auch, wenn ich noch so klein bin vor Dir, mit ewiger Liebe hast Du mich geliebt. Du sagst immer ja zu mir".
Wenn wir das begriffen haben, fällt es auch nicht mehr schwer, Gott von ganzem Herzen zu loben und zu preisen.

Was bewirkt denn der Lobpreis Gottes?
Erstens: Wir erkennen Gott als den Schöpfer der ganzen Welt an und wir erkennen auch an, daß wir seine Geschöpfe sind, oder noch mehr. Wir begreifen auch, daß dieser Gott, der so viel Macht hat, unser Vater im Himmel ist und daß wir durch das Sakrament der Taufe seine Kinder geworden sind. Ja, es ist wirklich wichtig, daß wir wieder lernen, Gott anzuerkennen als den Gott unseres Lebens.
Zweitens: Im Lobpreis ist der Mensch Gott am ähnlichsten.
Wenn wir Menschen anfangen, Gott zu loben und zu preisen, dann schauen wir nur noch auf Gott und lassen alle Not und alles Leid, alle Enttäuschungen, alle Bitterkeiten hinter uns. Nur noch Gott ist uns dann wichtig und da sind wir ihm am nächsten.
Aber noch etwas ist wichtig. Wenn Menschen zusammen kommen, um Gott zu loben und zu preisen, dann sind sie auf einmal eins im gleichen Tun. Sie schauen nicht mehr aufeinander, sondern miteinander zu Gott hin.
Wenn wir Menschen Gott von ganzem Herzen loben und preisen, dann steigt unser Lobpreis auf zu Gott. Aber in der gleichen Weise, wie wir Gott loben und preisen, kommt auch der Segen Gottes herab in unser Leben hinein.
Aber immer da, wo Menschen Gott loben und preisen, da gibt Gott auch Antwort auf den Lobpreis. Und was tut er da sehr oft? Er setzt die Kraft der Heilung für das Volk Gottes frei. Dann schenkt Gott sehr oft auch Heilung für Leib, Seele und Geist. Das dürfen wir immer wieder erfahren.
Noch etwas geschieht im Lobpreis Gottes: Wenn Menschen ihn loben und preisen, dann schenkt Gott die Gaben des Heiligen Geistes. Dann rüstet er Menschen zu, daß sie selbst auch wieder Segen für andere werden können.
Darum gehört zu unserem Glaubensleben der Lobpreis Gottes dazu. Und es sollte keinen Tag in unserem Leben geben, wo wir nicht wenigstens einmal Gott loben und preisen. Und wenn es dieses kleine Gebet ist: „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist".
Benedikt sagte einmal: Dem Gotteslob darf nichts vorgezogen werden. Er wußte, wie wichtig es ist, Gott zu loben und zu preisen. Oder der Hl. Augustinus sagt: Gott mit dem Herzen loben, das heißt nicht nur, mit der Stimme, mit der Zunge loben. Gott mit dem Herzen loben heißt, ihn das ganze Leben loben mit ganz konkreten Taten.
Denn Du bist groß, ein Gott, der Wunder tut So steht es in der Schrift. Es gibt ein schönes Beispiel im alten Testament, in dem uns von den Jünglingen im Feuerofen berichtet wird, die in der Bedrängnis den Lobpreis anstimmten und gerettet wurden. Oder denken wir an das Magnifikat, in
dem Maria singt: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter. Maria hat auch Schweres durchmachen müssen. Aber gerade in dieser Not, wo sie sich so klein gefühlt hat, da hat sie erfahren, daß Gott groß an Ihr gehandelt hat, und damit hat sie uns
ein Beispiel gegeben.
Je kleiner wir uns vor Gott machen, je demütiger unser Lebensweg ist, um so größer ist Gott in unserem Leben anwesend. Loben heißt Gott groß machen. Sicher, wenn es uns gut geht, dann fällt das Gotteslob ganz leicht Aber wie ist es bei uns, wenn wir am Boden sind, wenn große Sorgen und Probleme kommen, wenn harte Schicksalsschläge uns treffen, wenn das Leid ganz stark auf uns zukommt?
Können wir da Gott loben?
Lernen wir von Maria! Sie hat aus ihrer Niedrigkeit heraus Gott gelobt und gepriesen. Gott ist immer der große Gott, ob es uns gut geht oder ob es uns schlecht geht Und er verdient es immer, gelobt und gepriesen zu werden, denn dann machen wir ihn durch unser Lob groß, so groß, daß er in uns handeln kann.
Er kann uns helfen, daß wir unser Kreuz annehmen können und lieben können und dann auch erfahren dürfen, daß wieder eine neue Freude in unser Leben hineinkommt.
Lernen wir mehr, Gott zu loben und zu preisen.
Mancher sagt .Ich bete so oft zu Gott, und er erhört nur so selten meine Bitten." Wir sollten es uns angewöhnen, wenn wir Anliegen an Gott haben, daß wir erst einmal in den Lobpreis gehen, Gott von ganzen Herzen loben und preisen und dann unsere Bitten ihm vortragen. Wir dürfen ganz sicher erfahren, daß Gott unsere Gebete erhört.
Nehmen wir uns wieder einmal Zeit, mit eigenen Worten Gott zu loben und zu preisen. Oder singen wir wirklich mal mit großer Freude im Herzen: „Großer Gott, wir loben dich", oder, „Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren", oder andere Lobpreislieder.
Wir werden es immer wieder erfahren: Eine neue Freude kommt in unsere Herzen und in unser Leben hinein. Immer da, wo wir Menschen Gott loben und preisen, da dürfen wir erfahren, daß der Gott, der uns von ganzem Herzen liebt, uns nahe ist und daß er immer wieder zu uns steht, unser ganzes Leben lang. Amen.



Pilgern, Bücher u. Devotionalien * Peter Koros *
Schäferweg 5 * 97616 Bad Neustadt*
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www.koros.de Mail: Peter-Koros ( bei) T-Online.de
(Quelle: Pilgerbote Nr. 28, Juli 2008, Peter Koros Pilgerreisen)


Lobgesang der drei Jünglinge im Feuerofen
                              Benedicite (Daniel 3, 56-88)   ( * = Sprechpause)
Antiphon: Den Lobgesang der drei Jünglinge lasset uns singen; im Feuerofen sangen ihn diese Heiligen zum Preise des Herrn. (Alleluja)
Preiset den Herrn, ihr Werke alle des Herrn; * lobt Ihn und über alles erhebt Ihn in Ewigkeit.
Preiset den Herrn, ihr Engel des Herrn; * preiset den Herrn, ihr Himmel droben.
Preiset den Herrn, ihr Wasser alle, die über den Himmeln sind; * preiset den Herrn, ihr Scharen alle des Herrn.
Preiset den Herrn, Sonne und Mond; * preiset den Herrn, des Himmels Sterne.
Preiset den Herrn, aller Regen und Tau; * preiset den Herrn alle Winde.
Preiset den Herrn, Feuer und Sommersglut; * preiset den Herrn, Kälte und starrer Winter.
Preiset den Herrn, Tau und des Regens Fall; * preiset den Herrn, Eis und Frost.
Preiset den Herrn, Reif und Schnee; * preiset den Herrn, Blitzesstrahlen und Wolken.
Es preise die Erde den Herrn; * sie lobe Ihn und erhebe Ihn über alles in Ewigkeit.
Preiset den Herrn, ihr Berge und Hügel; * preiset den Herrn, was immer auf Erden wächst.
Preiset den Herrn, ihr Quellen alle; * preiset den Herrn, ihr Meere und Ströme.
Preiset den Herrn, ihr Meerestiere und was in den Wassern sich regt; * preiset den Herrn, ihr Vögel des Himmels alle.
Preiset den Herrn, ihr wilden Tiere und alles Vieh; * lobet Ihn, und über alles erhebt Ihn in Ewigkeit.
Preiset den Herrn, ihr Menschenkinder; * preiset den Herrn, alle in Israel.
Preiset den Herrn, ihr Priester des Herrn; * preiset den Herrn, ihr Knechte des Herrn.
Preiset den Herrn, der Gerechten Geister und Seelen; * preiset den Herrn, ihr Heiligen und ihr demütigen Herzen.
Preiset den Herrn, Ananias und Azarias und Misael; * lobet Ihn, und über alles erhebt Ihn in Ewigkeit.
Lasset uns preisen Vater und Sohn mit dem Heiligen Geist; * laßt uns Ihn loben und hocherheben in Ewigkeit.
Gepriesen bist Du, o Herr, in der Himmelsfeste; * und würdig des Lobes und hocherhaben in Ewigkeit.

Psalm 150
Lobet den Herrn an Seiner heiligen Stätte, * lobt Ihn in Seiner erhab'nen Himmelsburg.
Lobt Ihn ob Seiner gewaltigen Taten, * lobt Ihn in Seiner höchsten Majestät.
Lobt Ihn durch den Schall der Posaune, * lobt Ihn mit Harfe und Zither.
Lobt Ihn mit Pauke und Reigen, * lobt Ihn mit Saitenspiel und Flötenklang.
Lobet Ihn mit klingenden Zimbeln, * mit schallenden Zimbeln lobet Ihn: Alles, was Odem hat, lobe den Herrn.
Herr, erbarme Dich unser. - Christus, erbarme Dich unser. - Herr, erbarme Dich unser. - Vater unser....
V: Und führe uns nicht in Versuchung,
A: Sondern erlöse uns von dem Übel.
V: Lobpreisen sollen alle Deine Werke Dich, o Herr.
A: Und Deine Heiligen sollen Dir lobsingen.
V: Die Heiligen jauchzen ob ihrer Herrlichkeit.
A: Sie freuen sich an der Stätte ihrer Ruhe.
V: Nicht uns, o Herr, nicht uns,
A: Nein, Deinem Namen gib die Ehre.
V: Herr, erhöre mein Gebet.
A: Und laß mein Rufen zu Dir kommen.
Lasset uns beten: 0 Gott, du hast die Feuerflammen den drei Jünglingen in Kühle verwandelt; gewähre gnädig, daß auch uns, Deine Diener, nicht verzehre die Flamme der Leidenschaften.
Wir bitten Dich, o Herr, komm unserem Tun mit Deinen Eingebungen zuvor und begleite es mit Deiner Hilfe, auf daß all unser Beten und Handeln stets von Dir begonnen und, wie begonnen, so auch durch Dich vollendet werde. Wir bitten Dich, o Herr, laß uns auslöschen die Flammen unserer Leidenschaften, wie Du den heiligen Laurentius befähigt hast, seine Feuerqualen zu überwinden. Durch Christus, unsern Herrn.
A: Amen
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