|
|
Auszug aus einer
Predigt von Pfarrer Klaus Müller in Zella am 24.6.2001 • Die Macht
des Lobpreises
Niedergeschrieben
u. bearbeitet von Peter Koros
Warum tun sich viele
Menschen schwer mit dem Lobgebet?
Erstens:
Wir müssen lernen, uns ganz an Gott hinzugeben.
Haben
wir schon mal gesagt: Gott, ich gebe mich ganz an dich hin, mache du mit
mir, was du willst, gebrauche mich so, wie du es für richtig hältst.
Da, wo wir Menschen uns an Gott hingeben, da können wir auch fähig
werden, Gott von ganzem Herzen zu loben und zu preisen.
Zweitens:
Die Umkehr des Herzens. Was oft zwischen Gott und uns steht, das ist die
Mauer der Sünden. Darum ist es so wichtig, daß wir immer wieder
das Bußsakrament empfangen, damit die Mauer der Sünden eingerissen
wird. Da, wo wir Vergebung erlangt haben, da können wir auch mit freiem
Herzen, einem Herzen voller Freude, Gott loben und preisen für das,
was er wieder in unserem Leben getan hat.
Drittens:
Wir müssen lernen, „Ja" zu sagen, zu unserer eigenen Lebensgeschichte.
Wenn wir auf unser Leben schauen, dann merken wir alle, daß nicht
alles glatt gelaufen ist, daß es da so Manches gibt, was uns belastet
und bedrückt.
Wir
brauchen nur nachzudenken, dann merken wir alle, daß so manches war,
was unser Leben wirklich schwer macht, und wir fragen dann vielleicht auch:
Warum das alles?
Aber
sollten wir nicht auch bedenken, daß Gott doch zu uns steht, daß
er seine schützende Hand über uns hält. Und wenn Gott eine
Prüfung, etwas Schweres zugelassen hat, dann doch nur, um letztlich
auch daraus wieder etwas Gutes zu machen. Hinter allem steht letztlich
Gottes Liebe. Er hat ja
gesagt:
„Ich lasse dich nicht fallen, und ich verlasse dich nie".
Darum
wollen wir einfach darauf vertrauen, daß auch die negativen Erfahrungen
des Lebens uns helfen können, uns noch mehr Gott zuzuwenden, noch
mehr Gott zu lieben.
Da,
wo wir ganz bewußt vor Gott unsere eigene Lebensgeschichte annehmen
und bejahen, da wird auch etwas in uns freigesetzt, was uns befähigt,
mit ganzem Herzen zu loben und zu preisen.
Wer
kann wirklich noch staunen über die Schönheit einer Landschaft
und mit ganzem Herzen sagen: Mein Gott, wie schön ist deine Welt.
Wie wunderbar ist all das, was du geschaffen hast. Staunen führt in
den Lobpreis und letztlich sogar bis in die Anbetung hinein. Und Gott anbeten
heißt: „Mein Gott, du bist alles in meinem Leben. Und ich bin ein
Nichts vor dir. Aber ich weiß auch, wenn ich noch so klein bin vor
Dir, mit ewiger Liebe hast Du mich geliebt. Du sagst immer ja zu mir".
Wenn
wir das begriffen haben, fällt es auch nicht mehr schwer, Gott von
ganzem Herzen zu loben und zu preisen.
Was bewirkt denn
der Lobpreis Gottes?
Erstens:
Wir erkennen Gott als den Schöpfer der ganzen Welt an und wir erkennen
auch an, daß wir seine Geschöpfe sind, oder noch mehr. Wir begreifen
auch, daß dieser Gott, der so viel Macht hat, unser Vater im Himmel
ist und daß wir durch das Sakrament der Taufe seine Kinder geworden
sind. Ja, es ist wirklich wichtig, daß wir wieder lernen, Gott anzuerkennen
als den Gott unseres Lebens.
Zweitens:
Im Lobpreis ist der Mensch Gott am ähnlichsten.
Wenn
wir Menschen anfangen, Gott zu loben und zu preisen, dann schauen wir nur
noch auf Gott und lassen alle Not und alles Leid, alle Enttäuschungen,
alle Bitterkeiten hinter uns. Nur noch Gott ist uns dann wichtig und da
sind wir ihm am nächsten.
Aber
noch etwas ist wichtig. Wenn Menschen zusammen kommen, um Gott zu loben
und zu preisen, dann sind sie auf einmal eins im gleichen Tun. Sie schauen
nicht mehr aufeinander, sondern miteinander zu Gott hin.
Wenn
wir Menschen Gott von ganzem Herzen loben und preisen, dann steigt unser
Lobpreis auf zu Gott. Aber in der gleichen Weise, wie wir Gott loben und
preisen, kommt auch der Segen Gottes herab in unser Leben hinein.
Aber
immer da, wo Menschen Gott loben und preisen, da gibt Gott auch Antwort
auf den Lobpreis. Und was tut er da sehr oft? Er setzt die Kraft der Heilung
für das Volk Gottes frei. Dann schenkt Gott sehr oft auch Heilung
für Leib, Seele und Geist. Das dürfen wir immer wieder erfahren.
Noch
etwas geschieht im Lobpreis Gottes: Wenn Menschen
ihn loben und preisen, dann schenkt Gott die Gaben des Heiligen Geistes.
Dann rüstet er Menschen zu, daß sie selbst auch wieder Segen
für andere werden können.
Darum
gehört zu unserem Glaubensleben der Lobpreis Gottes dazu. Und es sollte
keinen Tag in unserem Leben geben, wo wir nicht wenigstens einmal Gott
loben und preisen. Und wenn es dieses kleine Gebet ist: „Ehre sei dem Vater
und dem Sohn und dem Heiligen Geist".
Benedikt
sagte einmal: Dem Gotteslob darf nichts vorgezogen werden. Er wußte,
wie wichtig es ist, Gott zu loben und zu preisen. Oder der Hl. Augustinus
sagt: Gott mit dem Herzen loben, das heißt nicht nur, mit der Stimme,
mit der Zunge loben. Gott mit dem Herzen loben heißt, ihn das ganze
Leben loben mit ganz konkreten Taten.
Denn
Du bist groß, ein Gott, der Wunder tut So steht es in der Schrift.
Es gibt ein schönes Beispiel im alten Testament, in dem uns von den
Jünglingen im Feuerofen berichtet wird, die in der Bedrängnis
den Lobpreis anstimmten und gerettet wurden. Oder denken wir an das Magnifikat,
in
dem
Maria singt: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein
Geist jubelt über Gott meinen Retter. Maria hat auch Schweres durchmachen
müssen. Aber gerade in dieser Not, wo sie sich so klein gefühlt
hat, da hat sie erfahren, daß Gott groß an Ihr gehandelt hat,
und damit hat sie uns
ein
Beispiel gegeben.
Je
kleiner wir uns vor Gott machen, je demütiger unser Lebensweg ist,
um so größer ist Gott in unserem Leben anwesend. Loben heißt
Gott groß machen. Sicher, wenn es uns gut geht, dann fällt das
Gotteslob ganz leicht Aber wie ist es bei uns, wenn wir am Boden sind,
wenn große Sorgen und Probleme kommen, wenn harte Schicksalsschläge
uns treffen, wenn das Leid ganz stark auf uns zukommt?
Können
wir da Gott loben?
Lernen
wir von Maria! Sie hat aus ihrer Niedrigkeit heraus Gott gelobt und gepriesen.
Gott ist immer der große Gott, ob es uns gut geht oder ob es uns
schlecht geht Und er verdient es immer, gelobt und gepriesen zu werden,
denn dann machen wir ihn durch unser Lob groß, so groß, daß
er in uns handeln kann.
Er
kann uns helfen, daß wir unser Kreuz annehmen können und lieben
können und dann auch erfahren dürfen, daß wieder eine neue
Freude in unser Leben hineinkommt.
Lernen
wir mehr, Gott zu loben und zu preisen.
Mancher
sagt .Ich bete so oft zu Gott, und er erhört nur so selten meine Bitten."
Wir sollten es uns angewöhnen, wenn wir Anliegen an Gott haben, daß
wir erst einmal in den Lobpreis gehen, Gott von ganzen Herzen loben und
preisen und dann unsere Bitten ihm vortragen. Wir dürfen ganz sicher
erfahren, daß Gott unsere Gebete erhört.
Nehmen
wir uns wieder einmal Zeit, mit eigenen Worten Gott zu loben und zu preisen.
Oder singen wir wirklich mal mit großer Freude im Herzen: „Großer
Gott, wir loben dich", oder, „Lobe den Herrn, den mächtigen König
der Ehren", oder andere Lobpreislieder.
Wir
werden es immer wieder erfahren: Eine neue Freude kommt in unsere Herzen
und in unser Leben hinein. Immer da, wo wir Menschen Gott loben und preisen,
da dürfen wir erfahren, daß der Gott, der uns von ganzem Herzen
liebt, uns nahe ist und daß er immer wieder zu uns steht, unser ganzes
Leben lang. Amen.
Psalm 150
Lobet
den Herrn an Seiner heiligen Stätte, * lobt Ihn in Seiner erhab'nen
Himmelsburg.
Lobt
Ihn ob Seiner gewaltigen Taten, * lobt Ihn in Seiner höchsten Majestät.
Lobt
Ihn durch den Schall der Posaune, * lobt Ihn mit Harfe und Zither.
Lobt
Ihn mit Pauke und Reigen, * lobt Ihn mit Saitenspiel und Flötenklang.
Lobet
Ihn mit klingenden Zimbeln, * mit schallenden Zimbeln lobet Ihn: Alles,
was Odem hat, lobe den Herrn.
Herr,
erbarme Dich unser. - Christus, erbarme Dich unser. - Herr, erbarme Dich
unser. - Vater unser....
V:
Und führe uns nicht in Versuchung,
A:
Sondern erlöse uns von dem Übel.
V:
Lobpreisen sollen alle Deine Werke Dich, o Herr.
A:
Und Deine Heiligen sollen Dir lobsingen.
V:
Die Heiligen jauchzen ob ihrer Herrlichkeit.
A:
Sie freuen sich an der Stätte ihrer Ruhe.
V:
Nicht uns, o Herr, nicht uns,
A:
Nein, Deinem Namen gib die Ehre.
V:
Herr, erhöre mein Gebet.
A:
Und laß mein Rufen zu Dir kommen.
Lasset
uns beten: 0 Gott, du hast die Feuerflammen
den drei Jünglingen in Kühle verwandelt; gewähre gnädig,
daß auch uns, Deine Diener, nicht verzehre die Flamme der Leidenschaften.
Wir
bitten Dich, o Herr, komm unserem Tun mit Deinen Eingebungen zuvor und
begleite es mit Deiner Hilfe, auf daß all unser Beten und Handeln
stets von Dir begonnen und, wie begonnen, so auch durch Dich vollendet
werde. Wir bitten Dich, o Herr, laß uns auslöschen die Flammen
unserer Leidenschaften, wie Du den heiligen Laurentius befähigt hast,
seine Feuerqualen zu überwinden. Durch Christus, unsern Herrn.
A:
Amen
Impressum