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Leidensgeschichte Christi nach Franz Spirago Volkskatechismus 1914 
 
II. Die öffentliche Tätigkeit Christi
Als Christus 30 Jahre alt war, ließ er sich von Johannes im Jordan taufen und fastete hierauf 40 Tage in der Wüste, wo er vom Teufel versucht wurde (Mt 4).
Christus war 30 Jahre alt, als er zu lehren anfing (Lk 3,23). Alle apostolischen Männer zogen sich in die Einsamkeit zurück, bevor sie öffentlich auftraten, so zum Beispiel Moses, Johannes der Täufer und die Apostel vor dem Pfingstfeste. Durch sein Fasten und seinen siegreichen Kampf mit dem Teufel wollte Christus als der neue Adam für den sündhaften Genuss der verbotenen Frucht im Paradiese und für den Fall Adams in der Versuchung genugtun. - Die Zahl 40 kommt oft in der Religion vor. 40 ist die Zahl der Buße. 40 Jahrhunderte musste die Menschheit auf den Erlöser warten. 40 Tage regnete es zur Zeit der Sintflut, fasteten Moses und Elias, hatten die Niniviter Zeit zur Bekehrung, blieb Christus nach der Auferstehung auf Erden, 40 Jahre waren die Juden in der Wüste. - Zur Erinnerung an das Fasten Christi setzte die Kirche die 40-tägige Fastenzeit ein. In den ersten christlichen Jahrhunderten begann man an einzelnen Orten die 40-tägige Faste schon am 70. Tage vor Ostern, an anderen Orten am 60., wieder an anderen am 50. Tage vor Ostern. Man ließ nämlich an einzelnen Wochentagen das Fasten aus, sodass die ganze Fastenzeit doch nur 40 Tage dauerte. Daher die Bezeichnung Septuagesime, Sexagesime, Quinquagesime (= der siebzigste, sechzigste, fünfzigste Tag) für jene drei Sonntage, die unserer 40-tägigen Faste vorausgehen. Jetzt beginnt die 40-tägige Fastenzeit überall mit dem Aschermittwoch, dem 46. Tage vor Ostern. Da die sechs Sonntage in der Fastenzeit keine Fasttage sind, so dauert die Faste doch nur 40 Tage. „Aschermittwoch" sagen wir, weil an diesem Tage der Priester den Gläubigen Asche auf die Stirn streut mit den Worten: „Gedenke, o Mensch, dass du Staub bist und wieder zu Staub werden wirst." Durch diese Worte, die Gott nach dem Sündenfalle Adams gesprochen hat (1. Mos. 3,19), und durch die Asche will uns die Kirche lebhaft an den Tod und das Grab erinnern und uns sagen: Wenn du gestorben sein wirst, hast du von allen irdischen Genüssen nichts davon; also faste und du erwirbst dir dadurch ewige Schätze. Die Gläubigen aber, die ihr Haupt mit Asche bestreuen lassen, bezeigen dadurch ihre Demut vor Gott; es ist so, als ob sie sagen möchten: Wir sind nur wertlose Asche vor dir, o Gott, und flehen daher um deine Hilfe. Die Asche wird genommen von den verbrannten Palmen, die am Palmsonntage des vorausgegangenen Jahres geweiht worden sind, um uns so die Nichtigkeit aller irdischen Freude und Herrlichkeit noch deutlicher vorzustellen. Die Fastenzeit dauert vom Aschermittwoch bis zum Osterfeste. In dieser Zeit sollen sich die Erwachsenen nur einmal täglich sättigen (3. Kirchengebot) und alle Christen sollen lärmende Lustbarkeiten vermeiden (5. Kirchengebot) und das Leiden Christi betrachten. (Daher die Fastenpredigten und das Verhängen der Altarbilder.) Der Priester liest an den Sonntagen die hl. Messe im violetten Messgewande, um uns zur Buße zu ermahnen. Statt mit den Worten „Ite missa est" entlässt er bei der Messe das Volk mit „Benedicamus Domino" (= Lobet den Herrn). Damit soll gesagt sein: Vergesset nicht darauf, in dieser Zeit eifrig zu beten. In vielen Kirchen ist nachmittags hl. Segen und dabei wird der Bußpsalm Davids, das Miserere, gesungen. Die drei Tage vor dem Aschermittwoch (oder überhaupt die Zeit vom Dreikönigsfeste bis zum Aschermittwoch) nennt man Fasching. (Das Wort kommt von „Fastnacht", das ist die Nacht oder der Vorabend vor der großen Faste.) Die drei Faschingstage vor dem Aschermittwoch heißen auch Karneval. (Vom lateinischen caro vale - Fleisch lebe wohl.) Um uns von übertriebenen Lustbarkeiten an diesen Tagen abzuhalten und Jesus für die vielen Beleidigungen, die ihm in diesen Tagen zugefügt werden, Genugtuung zu leisten, setzt die Kirche das Allerheiligste aus und verrichtet das sogenannte 40-stündige Gebet. Die vielen Torheiten, die vor dem Aschermittwoch aufgeführt werden (namentlich Maskenzüge und Maskentänze) stammen aus den Zeiten des Heidentums. Die Heiden feierten nämlich im Monat Februar, wo der Tag wieder auffallend zunimmt, das neue Jahr oder die Wiederkehr des angeblich auf einem Wagen einherfahrenden leuchtenden Sonnengottes. Am 5. Sonntage in der Faste werden die Kreuze verhüllt, um zu versinnbilden, dass sich Christus vor seinem Leiden verbergen musste, um nicht schon früher getötet zu werden (Joh 11,54). Der genannte Sonntag heißt Passionssonntag (Leidenssonntag), weil sich die Kirche von da ganz besonders der Betrachtung des Leidens Christi hingibt. Deshalb lässt sie auch in der Woche vor Ostern viermal die Passion, das ist die Leidensgeschichte Christi, nach den vier Evangelien vorlesen und außerdem Trauermetten, das sind Gesänge, die sich auf das Leiden Christi beziehen, abhalten.

Hierauf zog Christus im Judenlande umher und lehrte drei Jahre; hierbei sammelte er 71 Jünger um sich und erwählte sich 12 Apostel.
Nach Katharina Emmerich war Christus bei seinem Tode 33 Jahre und 4 Monate alt. Seine öffentliche Tätigkeit hätte demnach 36 Monate (= 3 Jahre) und 4 Monate = 40 Monate gedauert. Seine Lehrtätigkeit begann Christus bei der Hochzeit zu Kana, wo er auch das erste Wunder wirkte; er wollte andeuten, dass das Himmelreich, in das er die Menschen führen will, einem Hochzeitsmahle gleich sei (Mt 22, 1). Christus redete oft vor vielen tausend Leuten; manchmal waren vier- bis fünftausend Leute bei ihm, abgesehen von den Frauen und Kindern (man denke an die wunderbare Brotvermehrung); der Zöllner Zachäus musste auf einen Baum klettern, um Christus unter der großen Menschenmenge zu erblicken. Beständige Begleiter Christi waren die Apostel und die Jünger. Diese hörten alle seine Worte und sahen alle seine Taten, um sie dann später den Völkern der Erde verkünden zu können. Zu den Aposteln sind die Bischöfe, in den Jüngern die Priester, die Gehilfen der Apostel, vorgebildet. Apostel heißt so viel wie „der Abgesandte". - Die Lehre Christi heißt mit Recht Evangelium, das ist die frohe Botschaft; denn sie verkündete die Aufhebung der verdienten Strafe und die Erbschaft des Himmels (hl. Chrys.). - Christus ist der Meister unter den Lehrern. Er lehrte wie einer, der Gewalt hat, sodass das Volk oft über seine Lehre staunte (Mk 1,22; Mt 7,29).
Christus redete so, dass ihn alle leicht verstehen konnten; er redete nämlich mit schlichten Worten und veranschaulichte seine Rede beständig durch Zeichen, Gleichnisse und Hinweisung auf die Gegenstände der Natur.
Die Lehre Christi gleicht einem Schatze, der im Acker einfacherer Worte verborgen ist (Mt 13,44). Alle apostolischen Männer redeten einfach; sie wollten nicht gefallen, sondern gut verstanden werden und nützen. Sie redeten nur vom Herzen; die Sprache des Herzens ist aber immer einfach. - Zeichen, deren sich Christus bediente, waren zum Beispiel: Christus hauchte die Apostel an, als er ihnen den Hl. Geist mitteilte (der Hl. Geist ist nämlich gleichsam ein Hauch, der von der Gottheit ausgeht); er erhob seine Hände (Lk 24,50), als er ihnen vor seiner Himmelfahrt die Gewalt erteilte, zu lehren und zu taufen (das Erheben der Hände sinnbildet die Mitteilung, denn mit der Hand teilt man mit); bei der Heilung des Blindgeborenen (Joh 9,6) spuckte er aus, vermengte Speichel mit Erde, bestrich die Augen des Blinden und schickte diesen zum Wasser. (Er wollte sagen: Wenn sich das lebendige Wasser, das aus meinem Munde kommt, das ist meine Lehre, mit dem Staube der Erde, dem Menschen, verbindet, wird seine geistige Blindheit geheilt werden, nur muss sich der Mensch noch taufen lassen.) - Gleichnisse, die Christus vortrug, sind zum Beispiel: Der verlorene Sohn, der barmherzige Samaritan, der reiche Prasser und der arme Lazarus, der Zöllner und der Pharisäer im Tempel, die klugen und die törichten Jungfrauen, der gute Hirt, der unbarmherzige Knecht, der ungerechte Verwalter, die 20 Pfunde, das verlorene Schaf, die verlorene Drachme, der Feigenbaum, die Arbeiter im Weinberge, das königliche Hochzeitsmahl, das große Abendmahl; die sieben Gleichnisse vom Himmelreiche, und zwar vom Säemann, Weizen und Unkraut, Senfkörnlein, Sauerteig, Fischnetz, Schatz im Acker und von der Perle. Durch die Gleichnisse wollte Christus seine Lehren verständlicher machen. - Christus wies beständig auf jene Gegenstände in der Natur hin, die ihn umgaben: auf die Lilien und das Gras auf dem Felde, auf den Sperling auf dem Dache, auf das Samenkorn und das Unkraut, auf den Feigenbaum, auf den Weinberg, auf die Schafe, auf die Hirten usw. Die Natur und die christliche Religion haben nämlich viele Ähnlichkeiten; denn beide sind Werke desselben Gottes.

Der Grundgedanke fast aller Lehren Christi war: „Suchet das Reich Gottes!"
Christus ermahnt in der Bergpredigt: „Suchet also vor allem das Reich Gottes!" (Mt 6,33), das heißt „Trachtet, die ewige Glückseligkeit zu erlangen." Die hl. Evangelisten fassen auch die Lehre Christi in die Worte zusammen: „Tuet Buße und glaubet dem Evangelium; denn das Himmelreich ist nahe" (Mt 4,17; Mk 1,15).

Christus verkündete neue Glaubenslehren, gab neue Gebote und setzte neue Gnadenmittel ein.
Er lehrte zum Beispiel das Geheimnis der Hl. Dreifaltigkeit, seine Gottheit, das Jüngste Gericht; - er gab die zwei Gebote der Liebe und vervollkommnete die zehn Gebote Gottes (verbot selbst den Zorn, Schimpfworte u. dgl.); - er setzte das hl. Messopfer und die sieben Sakramente ein und lehrte uns das Vaterunser.
Christus wandte sich bei der Verkündigung seines Evangeliums zunächst an die Armen.
Christus sagt selbst in seiner Rede zu den Jüngern des Johannes: „Den Armen wird das Evangelium gepredigt" (Mt 11,5). Und in der Synagoge zu Nazareth bezog er die Worte des Propheten: „Der Herr hat mich gesendet, den Armen das Evangelium zu verkünden", auf sich selbst als den Messias (Lk 4,18). Die Armen sind von den irdi­chen Gütern schon teilweise getrennt, daher für die Aufnahme der Lehre Christi mehr vorbereitet.
Besondere Liebe und Sorgfalt zeigte Christus gegen die Kinder.
Obzwar ganz ermüdet, ließ er doch die Kinder zu sich kommen, redete sie freundlich an und segnete sie; er sprach damals: „Lasset die Kleinen zu mir kommen; denn ihrer ist das Himmelreich" (Mt 19,14). Die Kinder nimmt er in Schutz, indem er den Erwachsenen droht: „Wer eines von diesen Kleinen, die an mich glauben, ärgert (das heißt ärger macht, verdirbt), dem wäre es besser, dass ein Mühlenstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde" (Mt 18,6). Das unbeholfene, auf fremde Hilfe angewiesene Kind empfiehlt Christus der Pflege der Erwachsenen, indem er erklärt: „Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf"(Mt 18,5). Das unschuldige Kind stellt Christus sogar den Erwachsenen als Vorbild auf, indem er spricht: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht ins Himmelreich eingehen." (Mt 18,3). Diese große Liebe Christi zu den Kindern ist die Ursache, dass die christliche Kirche seit jeher Schulen und Anstalten zur Erziehung und Rettung der Kinder gründete.
Bei Behandlung der Sünder zeigte Christus die größte Milde.
Christus duldet nicht die strenge Verurteilung und hochmütige Verachtung der Sünder. Das sieht man an Folgendem: Die zu seinen Füßen liegende und weinende Sünderin Magdalena nahm er gegen den Pharisäer Simeon in Schutz (Lk 7,40); ebenso jenes Weib im Tempel, das die Juden eines sittlichen Vergehens halber steinigen wollten. Er sprach damals zu den Anklägern: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf sie!" (Joh 8,7). Mit staunenswerter Milde behandelte er die Samariterin am Jakobsbrunnen (Joh 4,6). Er verschmähte nicht die Sünder mit stolzer Vornehmheit, wie es die Pharisäer taten, sondern suchte sie auf und ließ sich von ihnen zu Tische laden, indem er erklärte: „Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken!" (Mt 9,12). - Christus legt auch das Gesetz des Moses in einem erträglichen Sinne aus, zum Beispiel betreffs der Sabbat-Heiligung (Mt 12,6ff.). Er ist empört darüber, dass die Pharisäer dem Volke den Weg zum Himmel unnützerweise erschweren, und ruft ihnen deshalb ein furchtbares „Wehe" zu (Mt 23,13). Mit Recht konnte also Christus sagen: „Mein Joch ist süß, und meine Bürde ist leicht" (Mt 11,30), und: „Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken" (Mt 11,28).
Christus bestätigte seine göttliche Sendung und die Wahrheit seiner Lehre durch viele Wunder, durch seine Allwissenheit und die Heiligkeit seines Lebens.
Christus beruft sich selbst auf seine Wunder, er sagt: „Wenn ihr mir (das heißt meinen Worten) nicht glauben wollet, so glaubet den Werken" (Joh 10,38). Nikodemus schließt aus den Wundern Christi auf dessen göttliche Sendung; er sagt: „Niemand kann diese Wunder wirken, die du wirkst, wenn nicht Gott mit ihm ist" (Joh 3,2). Christus wirkte alle Wunder aus eigener Macht, während andere stets im Namen Gottes oder im Namen Christi Wunder wirkten. Über die Wunder Christi siehe später bei der Lehre von der Gottheit Christi. - Christus war allwissend. Schon damals, als er als zwölfjähriger Knabe im Tempel auftrat, sprachen die Leute: „Wie versteht dieser die Schrift, da er sie doch nicht gelernt hat?" (Joh 7,15). Christus wusste die geheimsten Sünden der Menschen: die der Samariterin am Jakobsbrunnen; die Sünden jener Pharisäer, die ein Weib zu ihm in den Tempel geführt hatten; er wusste den Plan des Judas, die zukünftigen Sünden des Petrus, er sagte viele Umstände seines Leidens voraus, die genau eintrafen. - An Christus finden wir die größte Heiligkeit; denn er zeichnete sich aus wie niemand vor oder nach ihm durch eine unbeschreibliche Geduld, Sanftmut, Demut, Nächstenliebe usw. Wie hätte ein Mensch, der ein so heiliges Leben führt, die Unwahrheit sagen können?
Die Wunder Christi sind auch deswegen von Bedeutung, weil durch sie gewisse Wahrheiten der Religion versinnbildlicht werden.
Die wunderbare Stillung des Seesturmes sollte die Verfolgungen und die wunderbaren Siege der Kirche andeuten; die Verwandlung des Wassers in Wein bei der Hochzeit zu Kana; die Verwandlung des Weines in das Blut Christi beim letzten Abendmahl; die Speisung der 5.000, die Speisung der Millionen Christen mit dem Leib Christi; die Auferweckung des Lazarus; die kommende Auferstehung von den Toten; der wunderbare Fischfang; die zahlreichen Belehrungen infolge der Predigt der Apostel usw.
Die Pharisäer und Schriftgelehrten hassten und verfolgten Christum, weil er ihren sinnlichen Erwartungen vom Messias nicht entsprach und ihre Fehler offen tadelte; nach der Auferweckung des Lazarus fassten sie sogar den Beschluss, ihn zu töten.
Im Tempel wollten sie ihn steinigen (Joh 8,59; 10,31), in Nazareth vom Felsen herabstürzen (Lk 4,19); sie beschimpften ihn, sie nannten ihn einen Verbündeten des Teufels (Mt 12,24), einen Volksaufwiegler, Sabbatschänder; sie legten ihm Schlingen, um ihn zu fangen (z. B. stellten die Frage, ob sie dem Kaiser Steuer zahlen sollen). So war schon die ganze Lehrtätigkeit Christi ein Opfer. - Die Juden dachten, der Messias werde ein großer irdischer König sein, der sie vom römischen Joche befreien und alle Völker der Erde unterjochen werde; sie dachten, er werde sie an irdischen Gütern reich machen. Nun kam aber Christus in Niedrigkeit und Armut und befahl noch dazu Selbstbeherrschung, Werke der Barmherzigkeit u. dgl. Außerdem warf Christus den Pharisäern ihre Heuchelei und Scheinheiligkeit vor; er nannte sie übertünchte Gräber (Mt 23,27) und Kinder des Teufels (Joh 8,44). Daher bekämpften sie ihn samt seiner Lehre. Als aber die Hohenpriester und Pharisäer von der Auferweckung des Lazarus hörten, sagten sie: „Dieser Mensch wirkt viele Wunder. Wenn wir ihn so lassen, werden alle an ihn glauben." Daher beschlossen sie, ihn zu töten (Joh 11,47-53).
Lies die schönen Visionen der Katharina Emmerich über das bittere Leiden Christi, die von Brentano veröffentlicht worden sind.
Am Sonntage vor dem Osterfeste zog Christus feierlich in Jerusalem ein und lehrte an den folgenden Tagen im Tempel.
Christus zeigte sich vor seinem Tode noch einmal in seiner Herrlichkeit, um zu zeigen, dass er freiwillig sterbe; auch wollte er sagen, dass Triumph und Leiden innig beisammen sind. - Der Sonntag vor Ostern heißt Palmsonntag. Die gottesdienstlichen Handlungen am Palmsonntag sind mit Freude und Trauer gemischt; mit Freude wegen des feierlichen Einzuges Christi, mit Trauer wegen des nahe bevorstehenden Leidens Christi. Zur Erinnerung an den feierlichen Einzug in Jerusalem finden die Palmenweihe und die Prozession mit geweihten Palmzweigen um die Kirche oder in der Kirche statt. Bei der Prozession klopft der Priester mit dem Kreuz ans Kirchentor, worauf sich dieses öffnet. Diese Zeremonie bedeutet: Durch den Kreuzestod Christi wurde das Himmelstor geöffnet; auch kommt man nur durch Kreuz und Leiden in den Himmel. Beim Hochamte wird die Passion (= die Leidensgeschichte Christi) nach Matthäus beim Altare gelesen und auf dem Chore gesungen; die Kirche will dadurch erinnern, dass man nur durch Leiden zum Triumphe (d. i. zum glorreichen Einzuge in den Himmel) gelangen könne. Die Palmen werden gewöhnlich auf die Felder und an die Türen der Häuser gesteckt, um den Feldern gutes Wachstum und unseren Unternehmungen Glück zu erflehen. Wir tun das, weil der Priester bei der Palmweihe Gott anflehte, er möge vor Sünde und Übel alle bewahren, die diese Palmen tragen und ehrerbietig aufbewahren. Die Woche nach dem Palmsonntage heißt Karwoche, d. i. Trauerwoche (char bedeutet althochdeutsch Trauer) oder heilige Woche (char wird auch vom griechischen hieros = heilig abgeleitet); sie heißt auch Marterwoche, weil in diese das Leiden Christi fällt. - Mittwoch, Donnerstag und Freitag nachmittags in der Karwoche sind die Trauermetten. Vor dem Altare stehen auf einem Dreieck 14 gelbe Wachskerzen und in der Mitte eine weiße. Die 14 Kerzen bedeuten die Apostel und Jünger und die weiße den Heiland. Es werden Psalmen (Trauergesänge über unsere Sünden) gesungen, und von Zeit zu Zeit wird immer eine Kerze ausgelöscht, um die Flucht der Apostel und Jünger bei der Gefangennehmung Christi zu veranschaulichen. Die weiße Kerze wird zum Schluss hinter dem Altare verborgen und unter Getöse wieder hervorgebracht. Dadurch sollen der Tod und die folgende Auferstehung Christi und die in beiden Fällen eingetretenen Naturerscheinungen veranschaulicht werden.
Am Gründonnerstage abends aß Christus mit seinen Jüngern das Osterlamm, wusch ihnen die Füße, setzte dann das hl. Altarsakrament ein und ging hierauf auf den Ölberg, wo er Todesangst litt.
Durch die Fußwaschung lehrte uns Christus Selbsterniedrigung und Demut. Auf dem Ölberge hinwiederum lehrte er uns das demütige Gebet, Ergebenheit in den Willen Gottes und Sanftmut gegen die Verfolger. Ein schönes Gemälde des letzten Abendmahles stammt von Leonardo da Vinci (+ 1519); es befindet sich an der Wand des Speisesaales im Dominikanerkloster zu Mailand und stellt den Augenblick dar, wo der Heiland spricht: „Einer aus euch wird mich verraten"; man sieht, wie die Apostel staunend auffahren und an den Heiland Fragen stellen. „Auf dem Ölberge nahm der Herr meine Trauer auf sich, um mir seine Freude zu schenken" (hl. Ambr.). „Ich sehe am größten Helden ein zaghaftes Zittern, ich gewahre, dass die Henne ihrem Kücklein zuliebe krank ist; dein Zittern, o Herr, soll uns stark, deine Traurigkeit fröhlich machen" (hl. Bern.). Mit der Todesangst Christi beginnt das bittere Leiden; es dauert 3x3 = 9 Stunden in der Nacht (von Donnerstag 9 Uhr abends bis Freitag 6 Uhr früh) und 3x3 = 9 Stunden während des Tages (von 6 früh bis 3 nachmittags), zusammen 18 Stunden. In den meisten Kirchen ist am Donnerstage abends das Läuten zur Todesangst Christi. Am Gründonnerstage sind folgende Zeremonien gebräuchlich: Der Papst wäscht 12 (seit den Zeiten Gregors des Großen 13) Priestern die Füße. Die Bischöfe und katholische Herrscher (an manchen Orten auch Pfarrer und Fürsten) waschen 12 Greisen die Füße. Die geistlichen und weltlichen Vorgesetzten wollen auf diese Weise die Demut Christi nachahmen. Weil die Greise gewöhnlich nach der Fußwaschung von den Würdenträgern bewirtet und beschenkt wurden, hat sich mancherorts die Sitte erhalten, am Gründonnerstag an arme Leute Speisen zu verteilen. In England heißt dieser Tag der Korbdonnerstag, weil man an diesem Tage den Armen aus Körben Speisen darzureichen pflegte. - Beim feierlichen Hochamte wird zum Gloria mit allen Glocken geläutet, und die Priester und das Volk werden feierlich kommuniziert. Dadurch soll die Einsetzung des Altarsakramentes veranschaulicht werden. Doch zu vollem Jubel erhebt sich die Kirche nicht, sie versinkt gleich darauf in Trauer. Es folgt die Übertragung des Allerheiligsten zu einem Seitenaltare oder in eine Kapelle, um den Gang auf den Ölberg zu versinnbilden. Auch die Entblößung der Altäre und das Verstummen der Glocken erinnert daran, dass Christus seiner Kleider beraubt und entblößt wurde; die Glocken verstummen, weil auch Christi Mund verstummte. Dafür erschallen die hölzernen Klappern, die das Geschrei der Juden: „Ans Kreuz (Kreuzesholz) mit ihm" versinnbilden. In der Domkirche ist seit jeher die Weihe der hl. Öle. Daraus lässt sich vermuten, dass Christus beim Abendmahle jene Sakramente, bei denen das geweihte Öl gebraucht wird (Firmung, letzte Ölung, Priesterweihe), eingesetzt hat. - Der Name „Gründonnerstag (eigentlich „Greindonnerstag") kommt daher, weil früher an diesem Tage die öffentlichen Büßer, die aus der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen waren, wieder in diese aufgenommen wurden und dabei heftig zu weinen (- greinen, grinan) pflegten. Der Gründonnerstag ist deswegen kein Feiertag, weil an diesem Tage bereits das Leiden Christi und damit auch die lebhafte Erinnerung an unsere Sünden beginnt, wodurch wir eher traurig als freudig gestimmt werden.
Auf dem Ölberge wurde Christus von den Soldaten gefangen genommen, dann zu den Hohenpriestern geführt und hier zum Tode verurteilt.
Man betrachte die Verblendung der Feinde Christi. Christus gibt ihnen noch einmal zu erkennen, wer er ist. Denn bei den Worten Christi: „Ich bin es" fielen sie wie vom Blitze getroffen rücklings zur Erde nieder. Anstatt seine Gottheit zu erkennen, fielen sie, vom Boden aufgestanden, eilig über ihn her, banden ihn und schleppten ihn fort.
Von hier führten ihn die Juden am Karfreitag früh zum römischen Landpfleger Pontius Pilatus, damit dieser das Todesurteil bestätige.
Die Juden hatten nämlich kein Recht, jemanden hinzurichten; sie bedurften hiezu der Einwilligung des römischen Statthalters (Joh 18,31). Pontius Pilatus fand aber keine Schuld an Christus und machte viele Versuche, ihn freizugeben. Er sandte Christum zu Herodes, um die Verantwortung auf diesen abzuwälzen und gleichzeitig dem Herodes zu schmeicheln; dann ließ er Christum geißeln, um die Wut der Juden teilweise zu besänftigen; er ließ ferner Christum furchtbar entstellt als Ecce homo vorstellen, um die Juden zum Mitleid zu bewegen; dann ließ er Christum dem Barabas gegenüberstellen, um das Gerechtigkeitsgefühl der Juden zu erregen; endlich wandte er sich an das nationale Ehrgefühl der Juden, indem er sprach: „Sehet, euer König!" (Joh 10,14). Doch das alles half nichts. - Das weiße Kleid, das Herodes dem Heiland anziehen ließ, hatte den Zweck, Christum als Bewerber um die königliche Würde zu kennzeichnen und ihn dadurch lächerlich zu machen. Wer sich nämlich in damaliger Zeit um ein hohes Amt bewarb, zog ein weißes Gewand (vestis candida) an; daher heute noch der Ausdruck „Kandidat".
Da die Juden dem Pontius Pilatus drohten, ihm beim Kaiser zu verklagen, verurteilte er Christus zum Kreuzestod.
Pilatus hat also aus Menschenfurcht das ungerechte Urteil gesprochen. Was er dadurch abzuwenden suchte, das kam doch; denn er fiel später, von den Juden verklagt, beim römischen Kaiser in Ungnade und wurde nach der Schweiz verbannt, wo er sich das Leben nahm. Der Gang auf den Kalvarienberg wird vorgestellt durch die 14 Kreuzwegstationen. Der Weg bis zum Kalvarienberg betrug etwa 1300 Schritte. - Die Kreuzigung war damals die schmachvollste und furchtbarste Todesstrafe (Cicero). Zum Kreuzestode wurden nur die größten Verbrecher, wie Straßenräuber und Mörder, verurteilt. Das Kreuz war dazumal dasselbe, was heute der Galgen oder das Fallbeil. Die Lehre vom Gekreuzigten war daher den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit (1. Kor 1,23). Man betrachte, wie heute das Kreuz zu Ehren gekommen ist: Es schmückt z. B. die Kronen der Könige und die Brust verdienstvoller Männer. - Das Kreuz Christi hat die Gestalt des Buchstaben Ypsilon (Y) gehabt, so dass Christus am Kreuze einem schwimmenden oder einem mit ausgestreckten Armen betenden Menschen glich (hl. Hier.). Das Kreuz Christi wurde samt den Leidenswerkzeugen auf dem Kalvarienberge vergraben. Im Jahre 325 ließ die hl. Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin des Großen, das Kreuz Christi ausgraben, nachdem sie zuvor unter Androhung großer Strafen von den Juden den betreffenden Platz erfahren hatte. Durch Berührung mit dem hl. Kreuze wurde sofort eine schwerkranke Frau gesund (daher das uralte Fest der Kreuzauffindung am 3. Mai). Das Kreuz Christi wurde aufbewahrt in der Kirche des hl. Kreuzes, die Kaiser Konstantin erbauen ließ. Im Jahre 615 verwüstete der Perserkönig Chrosroes II. Palästina und nahm das hl. Kreuz mit sich nach Persien. 628 schloss der Sohn des Chrosroes, vom oströmischen Kaiser Heraklius besiegt, mit diesem Frieden und lieferte ihm das Kreuz Christi wieder aus. Heraklius trug nun das hl. Kreuz auf seinen eigenen Schultern auf den Kalvarienberg zurück. Es wird erzählt, dass ihn am Stadttore eine unsichtbare Gewalt zurückgehalten habe; erst als er auf den Rat des Bischofs sein kostbares Kleid abgelegt hatte, vermochte er das Kreuz weiterzubringen (daher alljährlich am 14. September das Fest der Kreuzerhöhung). Es ist nachgewiesen, dass die in die Welt gesandten Reliquien des hl. Kreuzes nicht mehr als etwa ein Sechstel des hl. Kreuzes ausmachen.
Am Karfreitage zu Mittag wurde Christus auf dem Kalvarienberg außerhalb Jerusalem gekreuzigt und starb am Kreuze um 3 Uhr nachmittags.
Die Heiligen sind der Ansicht, Christus habe sich freiwillig, nicht gezwungen aufs Kreuz niedergelegt und Hände und Füße gutwillig seinen Peinigern hingegeben nach der Weissagung: „Wie ein Schaf wird er zur Schlachtbank geführt und tut seinen Mund nicht auf" (Jes 53,7). „Er war gehorsam bis zum Tode" (Philipp. 2,8). Nach den Offenbarungen der hl. Gertrud und der Katharina Emmerich hat das Kreuz für Christus nicht gepasst, weshalb Christo bei Ausspannung der Hände und Füße die Glieder auseinandergerissen wurden. Es erfüllte sich die Weissagung: „Sie haben alle meine Gebeine gezählt" (Ps 21,18). Nachdem Christus angenagelt war, ließen die Soldaten das Kreuz in die Grube hineinfallen, dass der ganze Leib Christi erschüttert und die Wunden der Hände und Füße von den Nägeln aufgerissen wurden. So teuer musste der Erlöser die Sünden der ersten Eltern bezahlen, die ihre Hand nach dem verbotenen Baume ausgestreckt hatten. „O, ihr alle, die ihr vorübergehet am Wege, gebet Acht und schauet, ob ein Schmerz gleich sei meinem Schmerz" (Klgl 1,12). O, wie wenig Menschen denken an die großen Schmerzen des Erlösers. „Es ist niemand, der darüber nachdenken würde" (Jer 12,11). Zur hl. Mechthildis sprach der Heiland: „Wer mir für meine am Kreuze ausgestandenen Schmerzen dankt, erweist mir einen solchen Dienst, als wenn er meine Wunden gesalbt hätte. O, möchten doch die Kranken, denen es auch auf ihrem Lager weh tut, an die harte Lagerstätte des Erlösers auf dem Kalvarienberge denken und ihre Schmerzen mit den seinigen vereinigen; sie würden dann mit mehr Geduld leiden!"
Am Holze ist die erste Sünde geschehen, am Kreuzesholze ward die Erlösung von jeder Sünde vollbracht (hl. Athan.). Von da, wo der Tod entsprungen, ist auch das Leben entstanden (Worte der Präfation). Christus ließ sich nicht enthaupten oder zerstückeln, um zu zeigen, dass sein Leib, die Kirche, durch keine Spaltungen dürfe zerteilt werden (hl. Athan.). Sein Haupt hat Christus geneigt, um uns zu küssen, seine Arme ausgespannt, um uns zu umarmen, sein Herz geöffnet, um uns zu lieben (hl. Aug.). Das Herz Jesu wurde geöffnet, damit durch die sichtbare Wunde dessen unsichtbare Wunde der Liebe angedeutet werde (hl. Bern.). Nicht die Soldaten, sondern seine große Liebe zu uns hat Christum ans Kreuz geschlagen (hl. Aug.). Unter dem Kreuze soll Adam begraben gewesen sein; und das Kreuz Christi soll gerade über seinem Haupte gestanden sein. Daher findet man oft unter den Kreuzen einen Totenkopf. Auch das Wort Kalvarienberg (= Schädelstätte, Golgatha) soll daher kommen, weil der Überlieferung zufolge dort der Totenkopf (= calvo) des Adam begraben war (hl. Ambr., hl. Hier.).
Während dieser drei Stunden, wo Christus am Kreuze hing, war eine große Sonnenfinsternis auf der ganzen Erde, trotzdem eine solche zur Zeit des Vollmondes unmöglich ist.
Die Sonne verbarg trauernd ihre Strahlen, sie vermochte nicht die Schmach ihres Schöpfers zu ertragen (hl. Chrys.). Zugleich sollte damit gesagt sein: Das Licht der Welt ist erloschen. Diese Sonnenfinsternis berichten auch heidnische Schriftsteller, wie Phlegon. Dieser erzählt, dass es im 4. Jahre der 202. Olympiade zu Mittag so finster geworden sei, dass die Sterne am Himmel gesehen wurden. Ähnlich berichten (wie Tertullian sagt) die römischen Jahrbücher.
Beim Tode Christi bebte die Erde, die Felsen zersprangen, der Vorhang des Tempels zerriss, und viele Tote standen auf und erschienen in Jerusalem.
Siehe, alle Geschöpfe leiden mit Christus! (hl. Hier.). Tote Wesen nehmen Anteil am Leiden Christi und verurteilen dadurch die Verhärtung und Halsstarrigkeit der Juden. Nicht ohne Grund hatte also Christus beim feierlichen Einzüge am Palmsonntage zu den Pharisäern, die sich über den Jubel des Volkes ärgerten, gesprochen: „Ich sage euch, wenn diese schwiegen, würden die Steine laut ausrufen!" (Lk 19,40). An diesen Wundern erkannten viele die Gottheit Christi, so der Hauptmann, der ausrief: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!" (Mt 27,54).
Am Kreuze sprach Christus die sieben letzten Worte.
Die sieben letzten Worte sind: 1. Vater vergib ihnen. 2. Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein. 3. Siehe deine Mutter. 4. Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen (Mit diesen Worten fängt der 21. Psalm an, worin die Kreuzigung und das bittere Leiden Christi sehr deutlich vorausgesagt waren. Der Heiland scheint diesen Psalm am Kreuze gebetet zu haben. Auch wollte er durch jenen Ausruf die Umstehenden auf den 21. Psalm aufmerksam machen und sagen: Ich bin der Erlöser. Er wollte auch sagen: Jetzt ist meine Pein am größten. Lächerlich ist es, diese Worte für einen Ausbruch der Verzweiflung zu halten). 5. Mich dürstet (Nämlich nach dem Heile der Menschen). 6. Es ist vollbracht. 7. Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist. - Durch den gewaltigen Schrei, den Christus vor seinem Tode ausstieß, zeigte er an, dass er freiwillig sterbe; denn er hatte noch Kräfte genug, um weiter zu leben. Auch dadurch, dass er erst sein Haupt zeigte und dann seinen Geist aushauchte, deutete er an, dass er freiwillig sterbe.
Am Kreuze hat Christus nicht nur für uns gelitten, sondern er hat uns auch gepredigt.
Das Kreuz ist nicht nur die Stätte des leidenden, sondern auch die Kanzel des lehrenden Christus (hl. Aug.). Hier lehrt Christus insbesondere Demut (durch seine große Erniedrigung), Feindesliebe (man denke an sein Gebet für die Feinde), Gehorsam (indem er durch den Kreuzestod den Willen seines Vaters erfüllt), Gottes Barmherzigkeit (beachte Christi Worte zum rechten Schächer), Gottes Güte (der seinen Sohn für uns Knechte hingibt), Gottes Gerechtigkeit (der eine so schwere Sühne für die Erbsünde verlangt), Gottes Allmacht (beachte die Wunder beim Tode Christi), die Unsterblichkeit der Seele (beachte die Worte zum bußfertigen Schächer), das Jüngste Gericht (da rechts der begnadigte, links der verworfene Schächer ist) und die Auferstehung von den Toten (beachte die Erscheinung der Verstorbenen beim Tode Christi). Daher sollen wir namentlich im Leiden und im Tode auf den am Kreuze hängenden Erlöser hinblicken. Der berühmte italienische Astronom und Ordensmann Secchi (t 1878) bat daher, als er sein Ende herannahen fühlte, man soll ihn auf die Erde legen, da er nicht würdig sei, in einem Bette zu sterben, während unser Heiland am Kreuze gestorben ist. - Auch die Kirche predigt uns am Todestage Christi viele Wahrheiten durch ihre sinnreichen Zeremonien. Die Zeremonien des Karfreitages: Die kirchliche Feier steigt auf den höchsten Grad der Trauer. Die Altäre sind entblößt (wie Christus seiner Kleider), es brennt nicht das ewige Licht (denn das „Licht der Welt" ist an diesem Tage erloschen), man hört keine Glocke (denn auch Christi Mund verstummte), und die Priester werfen sich in schwarzen Gewändern an den Stufen des Altars auf ihr Angesicht (da auch Christus in seiner Todesangst auf dem Ölberge aufs Angesicht niederfiel). Der Priester betet für alle Menschen, auch für die Heiden und Juden; denn auch Christus starb an diesem Tage für alle. Das Kruzifix wird erhoben und enthüllt. (Dadurch wird die Entblößung und Kreuzerhöhung Christi versinnbildet.) Hierauf legt der Priester das Kreuz auf die Erde und küsst die Füße des gekreuzigten Heilandes. Auch das Volk pflegt sodann die Wundmale des Heilandes zu küssen. Am Karfreitage wird nirgends (auch nicht einmal in Rom vom Hl. Vater) das Messopfer dargebracht. Die Kirche will dadurch sagen, dass die Messe eine Erneuerung des Kreuzesopfers ist, daher an jenem Tage, wo das Kreuzesopfer selbst dargebracht wurde, dessen Erneuerung unterlassen wird. Doch findet in der Pfarrkirche eine der hl. Messe ähnliche gottesdienstliche Handlung statt, bei der die tags vorher konsekrierte hl. Hostie genossen wird. Diese Handlung ist deswegen kein Opfer, weil dabei keine Wandlung vorkommt. In der Kirche ist das hl. Grab, wohin der Leib des Herrn (eine hl. Hostie) übertragen wird. Der Karfreitag ist kein katholischer Feiertag, weil wir an diesem Tage lebhaft an unsere Sünden und an das Elend und die Bosheit der Menschen erinnert werden. Am Karfreitage soll man nicht unterlassen, den Kreuzweg zu gehen oder den schmerzhaften Rosenkranz zu beten. - In vielen Kirchen wird am Freitag um 3 Uhr zum Verscheiden Christi geläutet. Weil ferner Christus an einem Freitage sein Fleisch für uns hingeopfert hat, so verbietet die Kirche den Fleischgenuss am Freitage (das 3. Kirchengebot). Der Karfreitag selbst ist ein strenger Fasttag. Bei den Protestanten ist der Karfreitag der größte Freudentag und daher der Fleischgenuss nicht verboten. Es ist sicher unpassend, an dem Tage Freude zu zeigen, wo der Heiland unserer Sünden wegen hat so bitter leiden müssen. Welches brave Kind möchte wohl großer Freude Ausdruck geben am Todestage seines Vaters? Es würde ihm übelgenommen werden.
Am Freitage abends wurde Christus vom Kreuze herabgenommen und in ein Felsengrab gelegt, das dem Josef von Arimathäa gehörte.
Welche seelischen Schmerzen muss die Mutter Jesu sowohl unter dem Kreuze als auch bei der Grablegung Christi gelitten haben! Man nennt daher Maria die schmerzhafte Mutter. „Groß wie das Meer ist deine Betrübnis!" (Klgl 2,13). Christus empfand am Kreuze das größte Leid und Maria das innigste Mitleid (hl. Bern.). Nun waren die Worte Simeons: „Ein Schwert wird deine Seele durchdringen" (Lk 2,35) wirklich in Erfüllung gegangen. Die Kirche verehrt daher Statuen und Bilder der schmerzhaften Mutter Gottes.
Am Ostersabbate, also am größten Festtage der Juden, ruhte Christus im Grabe.
Die Hohenpriester ließen das Grab Christi durch Wächter bewachen, und zwar durch ihre jüdische Tempelwache. Als sie bei Pilatus römische Soldaten zur Bewachung des Grabes verlangten, fertigte er sie ab mit den Worten „Ihr habt ja die Wache; gehet und lasset bewachen, wie es euch gutdünkt" (Mt 27,65). Diese Wache diente wider Willen zur Verherrlichung des Erlösers, weil sie Zeuge der Auferstehung Christi wurde. Das Grab Christi sollte herrlich sein (Jes 11,10). Herrlich war es durch die glorreiche Auferstehung und die darauffolgenden Erscheinungen der Engel beim Grabe. Auf allen Denkmälern findet sich die traurige Inschrift: Hier liegt er (hic jacet), dieser oder jener Würdenträger; hier liegt er unter diesem Stein; trotz seiner Macht und Größe vermag er sich nicht zu erheben. Ganz anders verhält es sich mit dem Grabe Christi. Hier spricht der Engel am Osterfeste „Er ist nicht mehr hier" (Non est hic). Das ist es, was sein Grab herrlich macht. Die Herrlichkeit der Großen endet beim Grabe, die Herrlichkeit des Gottessohnes nimmt beim Grabe ihren Anfang (Bourdalou). Das Grab Christi in Jerusalem wurde auch durch alle Jahrhunderte von den Christen überaus zahlreich besucht und verehrt. Herrlich ist Christi Grab besonders in der Karwoche, weil es da in allen Pfarrkirchen des Erdkreises den Gegenstand großer Verehrung bildet. Man beachte, wie vergessen die meisten Gräber der großen Männer sind, von denen die Weltgeschichte erzählt. Christi Grab dagegen war und bleibt herrlich.
Am Karsamstage ist außerhalb der Kirche die Weihe des Feuers, das aus einem Steine geschlagen wird, ein Sinnbild des aus dem verschlossenen steinernen Grabe auferstandenen „Lichtes der Welt". Osterfeuer fanden sich schon bei den Heiden; sie sollten der Freude über das Wiedererwachen der Natur Ausdruck geben. Die Kirche behielt die Osterfeuer bei, um dadurch die Freude über die Auferstehung Christi auszudrücken. Mit diesem Feuer zündet der Priester einen kleinen Holzstoß an und verbrennt darin die Überreste der hl. Öle. Dann wird daran eine dreizackige Kerze und dann das ewige Licht angezündet. Eine Kerze des Dreizacks wird beim Eingange, die zweite in der Mitte der Kirche und die dritte vor dem Hochaltare angezündet, weil die drei göttlichen Personen erst nach und nach der Welt bekannt wurden. Auch ist an diesem Tage die Weihe der Osterkerze; diese erinnert mit ihren fünf Vertiefungen und Nägeln an den Heiland; deshalb wird sie auch bis Christi Himmelfahrt beim Hauptgottesdienste angezündet. Ursprünglich fand die Weihe der Osterkerze in der dem Osterfeste vorausgehenden Nacht statt. Die Kirche wollte dadurch sinnbildlich darstellen, dass das „Licht der Welt", Christus, durch seine Auferstehung über die Mächte der Finsternis, die Hölle, gesiegt hat. Die Weihe des Taufwassers erinnert an die feierliche Taufe der Katechumenen in den früheren Zeiten. Bei der Weihe des Taufwassers am Karsamstage werden Abschnitte aus der Hl. Schrift (Prophetien) gelesen, aus denen ersichtlich ist, dass das Wasser in der Hand Gottes sowohl ein Strafmittel als auch ein Gnadenmittel ist. Es ist für den Christen sehr passend, bei der Taufwasserweihe das Taufgelübde zu erneuern. Ursprünglich war am Karsamstage früh keine hl. Messe, wodurch die Kirche die Grabesruhe Christi sinnbilden wollte. Das feierliche Hochamt fand erst in der Mitternacht des Osterfestes statt. Damit aber kein allzu schneller Übergang von tiefer Trauer zur größten Freude stattfinde, hat die Kirche nach Aufhebung der nächtlichen Gottesdienste das Hochamt auf den Vormittag des Karsamstages verlegt. In vielen Ländern ist schon abends die Auferstehungsprozession, ein Bekenntnis der Auferstehung Christi und unserer einstigen Auferstehung. Am Karsamstag abends ist in vielen Diözesen der Fleischgenuss gestattet (erlaubt von Pius X.).

Die Erhöhung Christi.
Christus erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze. Darum hat ihn auch Gott erhöht (Phil. 2,8). Die Erhöhung Christi bezog sich nur auf seine Menschheit; als Gott besaß Christus ohnehin alle erdenkliche Glückseligkeit und war keiner weiteren Erhöhung fähig (hl. Chrys.). Nicht der Allerhöchste, sondern nur die Menschheit des Allerhöchsten wird erhöht (hl. Cyr. J.).
Sogleich nach dem Tode Christi stieg seine Seele siegreich in den Ort hinab, wo sich die Gerechten des Alten Testamentes befanden. (K. Lat. IV.)
Dieser Ort heißt Vorhölle; die Vorhölle ist ein anderer Ort als das Fegefeuer (an beiden Orten fehlt die Anschauung Gottes; doch sind im Fegefeuer zeitliche Schmerzen zu leiden, in der Vörhölle nicht) und ein anderer Ort als die Hölle (an beiden Orten fehlt die Anschauung Gottes, doch sind in der Hölle ewige Qualen zu leiden, in der Vorhölle nicht). Die Seelen litten in der Vorhölle keine Schmerzen (r. K.). Sie konnten auch nicht ganz ohne Freude gewesen sein, wie wir im Gleichnisse vom armen Lazarus sehen, der in der Vorhölle „getröstet" wurde (Lk 16,25). War ihnen ja doch beim besonderen Gericht nach ihrem Tode die ewige Seligkeit als Belohnung zuerkannt worden. Doch konnten sie in die ewigen Freuden des Himmels noch nicht eingehen, weil der Himmel noch nicht geöffnet war (Hebr 9,8). Sie hatten daher eine beständige Sehnsucht nach dem Erlöser. Die Vorhölle wird in der Geschichte vom reichen Prasser „Schoß Abrahams" genannt (Lk 16,22); auch „Gefängnis", d. i. Zustand der Gefangenschaft (1. Petr 3,19), weil die Seelen vor dem Tode Christi von da nicht herauskonnten. Der Erlöser nannte diesen Ort am Kreuze „Paradies" (Lk 23,43), weil bei der Ankunft Christi den Seelen dort ihr Kerker zum Paradiese wurde (r. K.). Welch ein Jubel mag damals unter den Patriarchen und Propheten gewesen sein! (r. K.). In der Vorhölle waren z. B. folgende Gerechte: Adam und Eva, Abel, Noe, Abraham, Isaak, Jakob, Josef, David, Jesaja, Daniel, Job, Tobias, der Nährvater Christi und viele andere; insbesondere auch jene verdorbenen Zeitgenossen Noes, die beim Hereinbrechen der Sintflut noch Buße getan hatten (1. Petr 3,20).
Christus stieg zu den Seelen in die Vorhölle hinab, um ihnen die Erlösung zu verkünden und sie zu befreien.
Christus stieg zu den Geistern in die Vorhölle, um ihnen zu verkünden, dass er die Erlösung vollbracht habe (1. Petr 3,19). Die Seele Christi stieg, vereinigt mit der Gottheit, in die Vorhölle hinab (hl. Epiph.). Der Herr hielt sich drei Tage in der Vorhölle auf (hl. Iren.). Allein stieg er zur Vorhölle hinab und mit einer großen Schar stieg er wieder herauf (hl. Ig. A.). Christus glich einem mächtigen Könige, der eine Festung einnimmt, wo die Seinigen gefangen liegen (hl. Cyp.). Der Auszug aus der Vorhölle ist ein Vorbild jenes feierlichen Einzuges in den Himmel, den einst Christus am Tage des Gerichtes mit den Seligen halten wird. Auch den Verdammten in der Hölle hat sich Gott geoffenbart und sie gezwungen, ihn anzubeten (Kath. Emmerich). Im Namen Jesu beuge sich jedes Knie im Himmel, auf der Erde und unter der Erde (Philipp. 2,10).
Am Ostersonntage früh vor Sonnenaufgang stieg Christus glorreich aus dem Grabe, und zwar aus eigener Macht.
Die Stunde der Auferstehung ist unbekannt; wir wissen nur, dass Christus „vor Sonnenaufgang" (Lk 24,22) und zwar „zu Beginn der Morgendämmerung" (Lk 24,1) auferstand. Ein Engel kam vom Himmel herab und wälzte den Stein weg (Mt 28,2). Nach der Lehre aller hl. Väter tat es der Engel nicht deswegen, damit der Heiland herausgehen könnte; denn Christus war bereits aus dem verschlossenen Grabe auferstanden. Das Wegwälzen des Steines geschah nachträglich und nur der Leute wegen, die zum Grabe kamen. In der Grabhöhle ließ Christus die Linnentücher zurück, und zwei Engel standen hier, als die frommen Frauen kamen (Lk 24). Christus war also im Grabe von Freitag abends über Samstag bis Sonntag früh, also drei Tage. Christus hat es oft vorausgesagt, dass er am dritten Tage wieder auferstehen werde (Lk 17,33); er verglich sich mit Jonas (Mt 12,40) und sagte bei der Reinigung des Tempels: „Reißet diesen Tempel (den Leib nämlich) ein, so will ich ihn in drei Tagen wieder aufrichten" (Joh 2,19). Christus sagt, dass er Gewalt habe, sein Leben hinzugeben und wieder zu nehmen (Joh 10,18). Wenn es heißt, der Vater habe ihn auferweckt (Rom 6,4; 8,11), so kommt das daher, weil Christus gleicher Wesenheit mit dem Vater ist, und daher alles, was Christus tut, auch der Vater tut. Die Auferstehung Christi ist unzweifelhaft gewiss. „Nicht darin besteht das Verdienst des Christen, zu glauben, dass Christus gestorben ist, sondern zu glauben, dass er von den Toten auferstanden ist" (hl. Amb.).
Der Leib Christi ist weder gestohlen worden noch scheintot gewesen.
Die Juden sagten, die Jünger hätten den Leichnam Christi gestohlen (Mt 28,13). Doch zu einer solchen Tat waren die Jünger viel zu furchtsam und auch zu ehrlich. Es ist unmöglich, dass keiner der Wächter beim Hinwegwälzen des Steines erwacht wäre. Auch können schlafende Wächter nicht Zeugen sein (hl. Aug.). Sehr auffallend ist es, dass die Soldaten wegen ihrer Pflichtvergessenheit nicht gestraft wurden. Als die hl. Apostel überall mit großem Nachdruck auf die Auferstehung Christi hinwiesen, rief ihnen niemand zu: „Ihr habt den Leichnam gestohlen", sondern die Leute bekehrten sich zu Tausenden. - Manche Freidenker sagen, Christus sei scheintot gewesen und am dritten Tage aus der Ohnmacht erwacht und aus dem Grabe gestiegen. Nun, schon die furchtbaren Qualen und der Blutverlust bei der Geißelung und Kreuzigung mussten den baldigen Tod herbeiführen; ja die einzige Seitenwunde, in die Thomas seine Hand hineinlegen wollte, hätte genügt, um Christus zu töten. (Der Stoß mit der Lanze ins Herz hieß der „Todesstoß"!) Schon als Christus auf den Kalvarienberg ging, konnte er nicht mehr das Kreuz ertragen. Wie sollte er sich aber erst nach 36-stündiger Grabesruhe von der schweren Umhüllung (Joh 19,39) befreien, den Stein wegwälzen und mit durchbohrten Füßen schnell herumgehen können? Der Tod Christi war amtlich bestätigt worden durch den Bericht des Hauptmanns an Pilatus (Mk 15,45); schon bei der Besichtigung der Kreuze hatten die Soldaten dem Heilande nicht die Beine gebrochen, weil sie sahen, dass er tot war (Joh 19,33). Das Blut und Wasser, das nach dem Lanzenstiche aus dem Herzen Christi hervorquoll, war der beste Beweis des eingetretenen Todes (Joh 19,34). Die Mutter Gottes und die Freunde Christi hätten den Heiland sicher nicht begraben und das Grab mit einem schweren Steine verschlossen (Mt 27,60), wenn er nicht tot gewesen wäre. Den Tod Christi bezeugen auch einstimmig alle Evangelisten.
Der auferstandene Erlöser trug an seinem Leibe die fünf Wundmale und hatte einen leuchtenden, durchdringenden, schnell beweglichen und unsterblichen Körper.
Christus hatte die fünf Wundmale an sich; denn er forderte den ungläubigen Thomas auf, seine Finger in die Wunden der Nägel und seine Hand in die Seitenwunde zu legen (Joh 20,27). Christus hat die fünf Wundmale an seinem Leibe behalten, weil die Wunden ein Zeichen der Tapferkeit und des Sieges und deshalb der schönste Schmuck eines Helden sind. Auch deswegen behielt Christus die Wundmale, um uns zu zeigen, dass er unser im Himmel nicht vergessen wolle, indem er uns mit seinem eigenen Blute in seine heiligen Hände eingeschrieben trägt (hl. Bern.). Ferner wollte Christus deswegen die Wundmale im Himmel tragen, um seinem himmlischen Vater beständig den Preis unserer Erlösung zu zeigen (hl. Amb.), um durch Vorweisung der Wundmale das Kreuzesopfer gewissermaßen beständig im Himmel zu erneuern (Hebr 8,1-6). Die Seitenwunde behielt er deswegen, um uns anzudeuten, wie sehr uns durch sein Leiden der Eintritt in sein Herz leicht gemacht worden sei (hl. Bern.).
Der Erlöser ist deshalb auferstanden, um zu beweisen, dass er Gott ist und dass auch wir einstens auferstehen werden.
Durch seine Auferstehung hat Christus die Wahrheit seiner Lehre und insbesondere seine Gottheit bewiesen. Daher anerkannte der ungläubige Apostel Thomas sofort die Gottheit Christi, als er den auferstandenen Heiland vor sich sah; Thomas rief aus: „Mein Herr und mein Gott!" (Joh 20,28) - Durch seine Auferstehung bewies Christus, dass auch wir auferstehen werden. Christus ist der Erste unter den Auferstandenen (1. Kor 15,20). Christus ist unser Vorbild in allem (Deh.). Wie unser Haupt, Christus, auferstanden ist, so werden auch wir alle auferstehen (hl. Iren.). Zuerst hat Christus seinen Leib auferweckt, dann wird er auch die Glieder seines Leibes auferwecken (hl. Athan.). Die künftige Auferstehung war die Hoffnung des Job im größten Elende (Joh 29,25). - Wir Christen feiern zur Erinnerung an die Auferstehung das Osterfest. Im Alten Testamente wurde das Osterfest (der Ostersabbat) gefeiert zur Erinnerung an die Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft. Von den Christen wird das Osterfest gefeiert am ersten Sonntage nach jenem Vollmonde, der auf die Frühlings-Tag-und Nachtgleiche folgt (Bestimmung des Konzils von Nicäa, 325). Das Osterfest wird daher nicht alle Jahre zu gleicher Zeit gefeiert; seine Feier fällt aber alljährlich in die Zeit vom 22. März bis 25. April, dem Gedenktage des hl. Markus. Nach dem Datum des Osterfestes richten sich: der 46. Tag vor Ostern, der Aschermittwoch; dann der 40. Tag nach Ostern, das Fest Christi Himmelfahrt, ferner das Pfingstfest (der 50. Tag nach Ostern) und das Fronleichnamsfest (der 61. Tag nach Ostern). Das Wort Ostern kommt von dem Worte „Osten" (Sonnenaufgang), weil zur Osterzeit, eigentlich bei der Frühlings-Tag- und Nachtgleiche am 21. März, die Sonne gerade im Osten aufgeht. Schon die heidnischen Germanen feierten die Wiederkehr des Frühlingslichtes und nannten dieses Fest „Ostarun". Die Heiden standen am Osterfeste geistig von den Toten auf, nämlich durch die Taufe; deshalb ist bis heute noch die Weihe des Taufwassers am Karsamstage geblieben. Wir aber sollen durch die österliche Beichte und Kommunion von den Toten auferstehen (Rom 6,4); daher besteht das vierte Kirchengebot. Damit wir einstens aus dem Grabe der Erde auferstehen, müssen wir jetzt aus dem Grabe der Sünde auferstehen (hl. Amb.). Die gefärbten Ostereier sind ein Bild der Auferstehung; wie aus der Schale des Eies das Junge hervorkommt, so wird einst der Mensch verklärt aus der Erde hervorkommen. Das Ei, das zuerst etwas Lebloses ist, veranschaulicht deutlich, dass etwas Totes lebendig werden kann, also auch dereinst unser Leichnam. Das Fleisch und das Osterbrot, das in der Kirche geweiht wird, erinnert an das Osterlamm und an die ungesäuerten Brote der Israeliten, die beim Auszuge aus Ägypten gegessen worden sind. An manchen Orten werden Osterfeuer angezündet. Bei den Germanen war es nämlich Sitte, nach einem erfochtenen Siege auf Berghöhen Feuer anzuzünden. Osterfeuer bedeuten also die Freude über den Sieg Christi. Um die Osterzeit erwacht auch die Natur zu neuem Leben. Während die Zeit vor Ostern, die Fastenzeit, uns das irdische Leben, das voll der Versuchungen und Leiden ist, sinnbildet, so veranschaulicht die Zeit nach Ostern die Seligkeit, die nach dem Tode, insbesondere nach der Auferstehung folgen wird. Daher bringen wir die Zeit vor Ostern in Fasten und Trauer, die nach Ostern aber in Freudengesängen zu (hl. Aug.). Man denke nur an den häufigen Gebrauch des freudigen Alleluja, d. i. „Lobet den Herrn" (halal = lobsingen, Jah = Abkürzung des Wortes Jehova).
(Quelle: nach Franz Spirago Volkskatechismus 1914 in: "Dienst am Glauben", Heft 4-2017, S. 108-112, Heft 1-2018, S. 9-19,  A-6094 Axams)



Bete täglich den Rosenkranz!


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