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Sinn und tiefere Bedeutung des heiligen Kreuzzeichens
                         Bild: Gnadenkreuz vom Erscheinungsort (1949-1951) Heroldsbach bei Forchheim:

Das heilige Kreuzzeichen

Franz Spirago - Katholischer Volkskatechismus 1914

Das Kreuz findet man in der ganzen Schöpfung. Der Leib des Menschen ist in Form eines Kreuzes gebaut; das Kreuz hat jeder Mensch im Gesichte. Ein Kreuz bilden die Vögel in der Luft, die Fische im Wasser, die meisten Bäume und Pflanzen, die Werkzeuge, wie Zange, Hammer, Bohrer, Schere, Schwert, Anker usw.: ein Kreuz ist am südlichen Sternhimmel. Auch wird ein Kreuz am Himmel die Ankunft des Richters zum Weltgerichte verkünden (Matth 24, 30). Die kath. Kirche hält das Kreuzzeichen sehr in Ehren: sie gebraucht es sehr oft beim hl. Meßopfer und bei allen Sakramenten, bei allen Segnungen und Weihungen; sie setzt das Kreuz auf die Kirchtürme, Altäre, Fahnen und Meßgewänder und pflanzt es auf den Gräbern der Verstorbenen auf; auch erbaut sie die Kirchen zumeist in Kreuzesform. Überdies gebraucht sie sehr oft das hl. Kreuzzeichen.

Der katholische Christ bekennt seinen Glauben am häufigsten durch das hl. Kreuzzeichen.

Was beim Soldaten oder Staatsdiener die Uniform, das ist dem kath. Christen das hl. Kreuzzeichen; durch dieses gibt er zu erkennen, daß er sich zur Lehre des gekreuzigten Heilandes bekennt. Den Juden und Heiden ist das Kreuz ein Gegenstand des Hasses und des Spottes (1. Kor. 1, 23). Auch die ... Andersgläubigen wollen vom hl. Kreuzzeichen nichts wissen. Deshalb ist das Kreuzzeichen nur den katholischen Christen eigen. Weil das Kreuzzeichen eine uralte und in der ganzen Kirche allgemein übliche Gewohnheit ist, so läßt sich mit vollem Recht annehmen, daß es von den hl. Aposteln eingeführt worden ist. Gewöhnlich macht man das hl. Kreuzzeichen auf folgende Weise: Man macht mit dem Daumen der rechten Hand ein Kreuz auf Stirn, Mund und Brust (währenddessen man die linke Hand unterhalb der Brust hält) und spricht: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen." Dieses Kreuzzeichen heißt gewöhnlich das kleine, auch das deutsche, weil es unter dem deutschen Volke allgemein üblich ist. Der Priester macht das große oder lateinische Kreuzzeichen, das an das Kreuz Petri und an unsere Zugehörigkeit zur römischen Kirche erinnert. Man macht es in folgender Weise: Man fährt mit den ausgestreckten Fingern der rechten Hand von der Stirne zur Brust und dann von der linken zur rechten Schulter, während man die linke Hand unterhalb der Brust ausgestreckt hält. (Man fährt von der linken zur rechten Seite, weil uns Christus durch die Erlösung von der linken zur rechten Seite verholfen hat.) In manchen Gegenden wird dieses Kreuzzeichen auch von den Laien gebraucht. - Doch mache das hl. Kreuzzeichen nie eilfertig; bedenke, welche Majestät du dabei nennst!

Man macht das Kreuz auf Stirn, Mund und Brust, um folgende Bitte auszudrücken: Gott segne meine Gedanken, Worte und Werke.

Wir bitten also um die Gnade Gottes, auf daß durch die Kraft des Kreuzes unseren Verstand erleuchtet, unsere Lippen sich nur zu gottgefälligen Worten öffnen und unser Herz (Wille) zur Befolgung der Gebote angetrieben werde. - Auch erinnert die Stirn, von der die Gedanken ausgehen, an den Ursprung aller Wesen, an Gott Vater; der Mund, von dem die Worte ausgehen, erinnert an das göttliche Wort, an den Sohn Gottes; Die Brust mit dem Herzen, von dem alle Entschließung und das Wohlwollen ausgeht, erinnert an den Geist der Liebe, an den Hl. Geist. Daher weihen wir Gott dem Vater, dem Ursprünge aller Dinge, unsere Gedanken; dem Sohne, dem vom Vater ausgehenden Worte, unsere Worte; dem Hl. Geiste, dem Geiste der Liebe, alle Regungen unseres Herzens. (Daher das Kreuz aufs Herz, den Sitz der Liebe.) - Gleichzeitig liegt im Kreuzzeichen das Versprechen, die Lehre des Gekreuzigten mit dem Geiste zu glauben, mit dem Munde zu bekennen und durch Taten zu befolgen. (Das Herz, das beständig arbeitet, sinnbildet nämlich die Tat.)

Durch das Kreuzmachen bezeugen wir, daß wir an den gekreuzigten Heiland und an den dreieinigen Gott glauben.

Die Gestalt des Kreuzes (t) erinnert an unsere Erlösung durch den Kreuzestod Christi. - Die dreimalige Wiederholung des einen Kreuzes und die dabei gesprochenen Worte erinnern an die Dreifaltigkeit. - Das hl. Kreuzzeichen ist gewissermaßen ein kurzer Auszug unserer christlichen Religion.

Durch das hl. Kreuzzeichen erlangen wir den göttlichen Segen, das heißt: wir werden dadurch vor dem bösen Feinde und vor vielen Übeln des Leibes und der Seele beschützt.

Das hl. Kreuzzeichen ist also keine leere Zeremonie, sondern eine Segnung seiner selbst, eine Herabflehung des göttlichen Segens. Der Segen Gottes besteht immer in der Abwendung von Übeln und Verleihung von Gütern, wie Gesundheit, Vermögen, Ehre, Glück bei Unternehmungen. Das Gegenteil vom Segen Gottes ist der Fluch Gottes. Der Fluch Gottes ist Unglück im Leben, im Tode und nach dem Tode. - Das hl. Kreuzzeichen verscheucht den bösen Feind und dessen Versuchungen. Gleichwie der Hund vor dem Holze erschrickt und flieht, womit er geschlagen worden ist, ebenso erschrickt und weicht der böse Feind, wenn er das hl. Kreuz machen sieht; denn er erinnert sich an das Kreuzesholz, womit er überwunden worden ist (hl. Cyrill.). Wie im Kriege die Feinde nicht auf jene schießen dürfen, die am Arme auf weißer Binde ein rotes Kreuz haben (es sind dies namentlich Priester, Ärzte und Krankenwärter), so darf auch der Teufel jenen nichts zuleide tun, die sich mit dem Kreuze bezeichnen. „Das Kreuzzeichen ist ein Siegel, an dem der Würgeengel vorübergeht, ohne uns zu schaden" (hl. Joh. Dam.).Die auf einem Pfahle befestigte eherne Schlange in der Wüste (4. Mos. 21) war nur ein Sinnbild des hl. Kreuzes Christi (Joh. 3, 13) und schützte schon alle, die sie nur ansahen, vor dem tödlichen Bisse der Feuerschlangen; ebenso schützt uns das hl. Kreuzeichen, welches ebenfalls eine Vergegenwärtigung des hl. Kreuzes Christi ist, vor den Nachstellungen der höllischen Schlange. Bedenke auch, daß die Feinde unterlagen, solange Moses mit ausgespannten Armen, also in Kreuzesform, betete (2. Mos. 17, 12). Konstantin der Große sah mit seinem ganzen Heere im Jahre 312 am hellen Mittag ein leuchtendes Kreuz am Himmel mit der Inschrift: „In diesem Zeichen sollst du siegen." Er ließ daher ein Kreuz auf die Fahne setzen und siegte. (Daher der Usprung unserer Kirchenfahnen.) Jene Worte am Himmel gelten auch vom hl. Kreuzzeichen. „Schon die bloße Erinnerung ans Kreuz Christi schlägt unsere unsichtbaren Feinde in die Flucht und gibt Kraft gegen ihre Anfälle" (hl. Aug.). Viele Heilige pflegten daher, wenn ihnen böse Gedanken einkamen, sofort das hl. Kreuz zu machen. Das hl. Kreuzzeichen befreit auch von Übeln des Leibes. Bei Auffindung des hl. Kreuzes durch die hl. Kaiserin Helena, die Mutter Konstantin d. Gr., geschah eine wunderbare Krankenheilung durch bloße Berührung mit dem hl. Kreuze (325). Siehe, welche Macht das Kreuz Christi hat! Von ähnlicher Wirkung ist auch das hl. Kreuzzeichen. O wie leicht würde mancher Kranke von Gott Hilfe erlangen, wenn er sich öfters mit dem hl. Kreuze bezeichnen würde. Wir wissen auch, daß sich die hl. Märtyrer gern vor den Qualen mit dem hl. Kreuze bezeichneten und daß sie dann nicht selten unversehrt aus den Qualen hervorgegangen sind. Dem hl. Johannes dem Evangelisten soll einmal ein Becher mit vergiftetem Getränk dargereicht worden sein; er machte darüber das hl. Kreuz und trank ihn aus, ohne irgendwelche nachteilige Folge zu erfahren. Etwas Ähnliches wird berichtet vom hl. Franz Xaver, dem Apostel der Indier. Schon im Alten Bunde war angedeutet worden, daß das hl. Kreuzzeichen vor Übel schütze. Dem Propheten Ezechiel hatte nämlich Gott einmal im Geiste gezeigt, wie bei einem göttlichen Strafgerichte in Jerusalem jene Leute dem Tode entgingen, denen zuvor ein Bote Gottes den Buchstaben „Tau" (T) auf die Stirn gezeichnet hatte; dieser Buchstabe hat nämlich die Gestalt eines Kreuzes (Ezech. 9, 4).

Bild rechts: (C) Karl Preiß, Metten: Das alles schauten die Seherkinder von Mettenbuch. Man beachte die Einschlagstellen der Nägel an den Händen des gekreuzigten Jesus! Die Kinder konnten das unmöglich von sich aus wissen!

Man soll das Kreuz oft machen, besonders beim Schlafengehen, vor dem Gebete, vor dem Essen, beim Verlassen des Hauses und vor allen wichtigen Handlungen.

Früh aufgewacht, das Kreuz gemacht! Morgens soll man das Kreuz machen, um sich des Segens Gottes für den ganzen Tag zu vergewissern; abends, um alle bösen Gedanken fernzuhalten; vor dem Gebete, um die Zerstreuungen zu verscheuchen; vor wichtigen Unternehmungen, um Glück zu haben usw. Schon die ersten Christen haben sich oft mit dem Kreuze bezeichnet. Tertullian (f 240) sagt: „Bei Beginn und bei Verrichtung eines jeden Werkes, beim Ein- und Ausgehen, beim Ankleiden, beim Schlafengehen und bei allem, was wir tun, bezeichnen wir die Stirn mit dem Zeichen des Kreuzes." Auch der Priester in der Kirche beginnt alle wichtigen Handlungen, so das hl. Meßopfer, die Predigt, die öffentlichen Andachten mit dem hl. Kreuzzeichen. Man gewinnt einen Ablaß von 50 Tagen, so oft man das Kreuz macht (Pius IX. 28., Juli 1963). Die hl. Editha, Königstochter aus England (t984), bezeichnete sich ungemein oft mit dem hl. Kreuzzeichen; 13 Jahre nach ihrem Tode fand man den Daumen ihrer rechten Hand noch ganz unversehrt (Spirago, Beispiele).

Es ist nützlich, wenn sich der Christ beim Kreuzmachen des Weihwassers bedient.

Schon bei den Juden und Heiden galt das Wasser als Sinnbild der Reinheit des Herzens. Sie wußten, daß sie mit reinem Herzen beim Gottesdienste erscheinen müssen. Daher mußten sich die jüdischen Priester, bevor sie das Heiligtum betraten, in dem im Vorhofe stehenden Waschbecken („ehernes Meer" genannt) Hände und Füße waschen. Auch bei den Heiden mußten sich jene, die einen Göttertempel betraten, zuerst mit Wasser besprengen oder besprengen lassen. Diese Besprengung geschah mit einem Baumzweig, bei den Juden mit einem Hysop-Büschel. Dieser bei den Juden und Heiden übliche Gebrauch ist frühzeitig in den christlichen Glauben übergegangen - Katharina Emmerich sagt in ihren Geschichten, der Heiland habe öfter Wasser gesegnet und damit besprengt. Die Wasserweihe findet sich auch wirklich schon seit den Zeiten der hl. Apostel (hl. Basilius de spiritu sancto, 27; die Apostol. Konstitutionen 7, 43). Später verordneten Bischöfe, daß die Priester an Sonntagen vor der Messe Wasser weihen und das Volk mit Weihwasser besprengen sollten. Auch wurden in der Nähe der Kirchentür mit Weihwasser gefüllte Becken (Kessel) angebracht, damit sich die Gläubigen beim Eintritte in die Kirche mit Weihwasser besprengen und sich dadurch an die Reinheit des Herzens erinnern, mit der sie vor Gott erscheinen sollen. Wer sich also einer Sünde bewußt ist, soll sich beim Eintritt in die Kirche durch Reue von seinen Sünden reinigen. Die Christen pflegen auch bei Zimmertüren kleine Weihkessel anzubringen; doch ist darin in vielen Zimmern statt des Weihwassers nur Staub und Schmutz! - Wer sich mit Weihwasser besprengt, ruft den Segen Gottes auf sich herab. Das Weihwasser hat eine besondere Kraft gegen alle Anfechtungen des bösen Geistes zufolge des Gebetes der Kirche bei der Wasserweihe. Wer mit Weihwasser das Kreuz macht, gewinnt auch einen Ablaß von 100 Tagen (Pius IX. 23. März 1866). Es ist aber nicht notwendig und auch nicht ratsam, mit jedem Weihwasser das Gesicht zu besprengen, es genügt das Eintauchen der Finger und das Kreuzmachen. - Ein Tor ist, wer sich schämt, das hl. Kreuz zu machen. „Der Teufel freut sich, wenn man das Kreuz verleugnet; denn es ist sein Verderben und das Siegeszeichen wider seine Macht" (hl. Ign. Ant.).

(Quelle: "Dienst am Glauben", Hwft 1/2013, S. 12-15, Innsbruck)



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