Dein Kreuz, o Herr, wollen wir tief geneigt verehren
P. Fridolin Außersdorfer  + OFM

Wie Gott uns liebt in der Schöpfung, das haben wir schon betrachtet. Heute, wie Gott uns liebt durch seinen Tod am Kreuz.
Die rechte Antwort auf die uns von Gott erzeigte Liebe:
„Dein Kreuz, o Herr, wollen wir tief geneigt verehren und deine Auferstehung rühmen und preisen. Denn durch das Kreuz ist Freude gekommen in alle Welt!" - Darin liegen die Grundgedanken dieser und folgender Ausführungen.

I. Sein Kreuz laßt uns tief geneigt verehren
Wer hat heute noch Verständnis dafür? Das Kreuz war und ist
1. nicht bloß „den Griechen eine Torheit".
Ein Mann aus dem Volk, der mich in seinem Auto mitfahren ließ, erzählte in seiner Mundart folgende Begebenheit: In alter Zeit sind die Bauern auch aus hoch entlegenen Höfen sonntags in aller Frühe zur Kirche gegangen. Wenigstens jemand aus der Familie. Als er heimkam, ist er gefragt worden: „Was hat er denn geprediget, der Pfarrer?" Antwort: „Was er geprediget hat? - Von dem, den's gekreuziget haben." Der darauf: „]a hö! - Ist denn die Gschicht no nit aus?" Der mir das erzählte, schaute mich fragend an und war erstaunt, daß mich diese Erzählung nicht zum Lachen reizte. Ich wollte dem mir wohl gesinnten Erzähler im Auto keine Unterweisung halten. Aber man sieht, daß die Überzeitlichkeit des Kreuzes auch von vielen „Gläubigen" nicht verstanden wird. Weil ihnen die Gottheit Christi noch nie richtig zum Bewußtsein gekommen ist.
2. Jene aber, die an die Gottheit Christi glauben, verehren das Kreuz. Hören wir darüber Papst Johannes Paul I.: „Wer kann sie zählen, die zu den Füßen des Kreuzes gekommen sind, um sich in deine Arme, Herr, zu werfen?
Angesichts des Schauspiels, daß seit so vielen Jahrhunderten die Menschen zu einem Gekreuzigten hinströmen, entsteht die Frage: Handelt es sich nur um einen großen und wohltätigen Menschen oder um Gott? Du selbst hast die Antwort gegeben; und wessen Augen nicht von Vorurteilen geblendet sind, sondern sich nach dem Licht richten, nimmt es an.
Als Petrus bekannte: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, hast du dieses Bekenntnis nicht nur angenommen, sondern auch belohnt. Du hast für dich immer in Anspruch genommen, was die Juden Gott vorbehielten. Zu ihrem Ärgernis hast du Sünden vergeben, hast du dich zum Herrn des Sabbats erklärt, hast du mit höchster Autorität gelehrt.
Einige Male versuchten sie, dich als Lästerer zu steinigen, weil du dich Gott nanntest. Als sie dich vor das Synedrium schleppten, fragte der Hohepriester feierlich: Bist du der Sohn Gottes, oder bist du es nicht? Du antwortetest: Ich bin es. Und ihr werdet mich zur Rechten des Vaters sehen! - Du hast eher den Tod auf dich genommen, als einen Rückzieher zu machen und deine göttliche Wesenheit zu verleugnen," (Rh. Merkur v. 6. 10.78,30)

3. Kernsätze:
„Mein Glaube muß ausgesprochen werden im Glaubensbekenntnis. Gottes Lob muß gesungen werden. Anbetung wird auf den Knien dargebracht. Der Blick auf das Kreuz reinigt meine Augen von den Blicken des Begehrens, des Neides, der Abneigung. Und das Zeichen des Kreuzes, mit dem ich meinen Leib bezeichne, erinnert mich daran, daß ich mit Leib und Seele Gott gehöre." Alfred Kardinal Bengsch (Der Fels, Dezember 1978, 363) Sünde ist nur vom Kreuz her zu begreifen. „Sie ist ein Zurückstoßen jener Liebe, die Christus uns in seinem Kreuzestod erwiesen hat." Josef Kardinal Höffner (Brüderlicher Dienst 1978,45)
 

II. Ermutigende Beispiele der Verehrung des Gekreuzigten

Solche Beispiele finden wir im Leben des heiligen Franziskus und in vielen Heiligen seiner Gefolgschaft. Hier nur einige Hinweise:
1. Franziskus
„Eines Tages, wie er an der Kirche San Damiano vorüberkam, ward ihm im Geiste gesagt, er solle eintreten, um zu beten. Er trat ein und betete innig vor dem Bild des Gekreuzigten. Da kam vom Kreuz die milde, gütige Stimme. „Franziskus, siehst du nicht, wie mein Haus zerfällt? - Geh und stell es wieder her." - „Gerne will ich es tun!" So hohe Freude und so wundersames Licht erfüllte ihn ob der Ansprache, die ihm zuteil geworden, daß er in seiner Seele wahrhaft Christus, den Gekreuzigten, empfand, der zu ihm redete. „Von jener Stunde an war sein Herz ganz wund und weich beim Gedanken an das Leiden des Herrn. Stetsfort trug er von da an die Male des Herrn Jesu -Gal 6,17 - in seinem Herzen, wie es später zutage treten sollte, da er dieselben Male auf wunderbare Weise am Leibe empfing." (aus dem Bericht der drei Gefährten - Karrer, Legenden und Laude - 42 f.).
„Von jener Stunde an konnte er sich des Weinens nicht mehr erwehren. Und mit lauter Stimme beklagte er das Leiden Christi. Mit seinem Schluchzen erfüllte er die Wege, wenn er der Marter Christi gedachte.
Denn wie sein Geist im Inneren den gekreuzigten Herrn angezogen hatte, ebenso sollte sein ganzer Leib das Kreuz Christi auch äußerlich anziehen.
War das wunderbare Kreuz so tief in seinem Inneren verwurzelt - was Wunder, wenn es daraus Blüten sprossen ließ.
Nicht Andersgeartetes konnte auf diesem Boden wachsen, den jenes wunderbare Kreuz von Anfang an vollständig für sich in Anspruch genommen hatte." (Celano)
2. Ramon Lull (1232-1316), Terziar und Missionar, der mit 84 Jahren für sein Glaubenszeugnis von den ... in Afrika gesteinigt wurde und an den Folgen dieser Steinigung gestorben ist. Er schreibt in seinem „Buch vom Liebenden und dem Geliebten", das im Geist des Hohenliedes abgefaßt ist:
 „Der Geliebte zeigte sich seinem Liebenden in roten Kleidern; und seine Arme breiteten sich aus, um ihn zu umarmen. Und sein Haupt neigte sich, um ihn zu küssen. Und er stand auf der Höhe, damit der Liebende ihn finden konnte."

3. Antonius von Padua
In seinen Schriften  finden sich folgende Hinweise:
„Seine Hände, besetzt mit Edelsteinen (um mit der Braut des Hohenliedes zu sprechen), sind von Nägeln durchbohrt. Die Füße, denen einst das Meer zum Wege ward, sind angenagelt. Sein Antlitz, strahlend wie die Sonne, erbleicht im Tode. Die geliebten Augen, denen kein Geschöpf verborgen bleibt, schließen sich in der letzten Stunde." (116,9-14) „Am Kreuze offenbarte Christus tiefe Weisheit, denn da der Teufel nach seiner Menschheit langte, fing er ihn mit der Angel seiner Gottheit." (118,23)
„Mit seinen am Kreuze ausgespannten Armen birgt Christus wie mit Fittichen jeden, der Zuflucht zu ihm nimmt; und vor den bösen Geistern verbirgt er ihn in seinen Wunden." (122,39)
„In seinem Leiden legte Christus dem Teufel Zügel an und bändigte ihn, daß er nicht nach seinem Willen walten kann, ja er führte ihn auf demselben Wege, auf dem er gekommen, auch wieder hinweg: Er kam durch Eva, durch Adam und die Frucht des verbotenen Baumes; er mußte weg und verlor, was er unrechtmäßig an sich gerissen - durch Maria, durch Christus und das Holz des Kreuzes." (12-4,14—21.) - (Bitte achten Sie auf diese Symmetrie! - Anm. d. Webm.)
„Christi Menschennatur gleicht der Traube, denn sie ward in der Kelter seines Kreuzleidens zertreten; und ihr Blut ergoß sich über die ganze Erde. Dieses Blut reichte der Herr seinen Aposteln: Dies ist das Blut des Neuen Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden." Mt 26,28 (281,28-31).
„Christus besaß auf Erden ein doppeltes Erbe: Mühsal und Leid - Frieden und Ruhe. Weil wir Miterben sind (Rom 8,17), müssen auch wir dieses doppelte Erbe erstreben. Darum sind wir auf falschem Wege, wenn wir das zweite Erbe ohne das erste besitzen wollen. Daher laßt uns das erste Erbe (Mühsal und Leid), das uns Christus hinterlassen hat, umfangen, damit wir auch das zweite (Friede und Ruhe) zu erlangen verdienen." (281,1-8.) „Als Christus das Alabastergefäß seines Leibes am Kreuz zerbrochen hatte, erfüllte der Duft dieses Salböls (Jo 12,9) die ganze Welt. Mögen ihm also seine Jünger nachfolgen! Mögen die Christen dem duftenden Salböl des Gekreuzigten nacheilen!" (282,18-20.) „Der Geist der Armut und das Erbe seines Leidens sind für ein Herz, das die wahre Liebe besitzt, süßer als Honig." (281,14.)
Gebet: „Herr Jesus, ziehe uns mit der Angel deines Kreuzes aus dem Sumpf erdhafter Gesinnung und laß uns in deinem bitteren Leiden dir nachfolgen." (283,12-14).
 

III. Wie wir die Liebe zum Gekreuzigten tiefer verstehen und leben können

Hören wir die überaus tiefe und doch allen verständliche praktische Unterweisung der seligen Angela von Foligno, die hier kurz zusammengefaßt werden soll:
Gott finden und unser Gemüt in ihm sammeln, das ist das eine Notwendige. Damit sich aber unser Gemüt in Gott sammle, müssen wir
1. uns losmachen von Dingen bloßer Neugier und eitlem Wissen. Hören wir die Unterweisung der seligen Angela:
„Damit euer Gemüt sich besser in Gott sammle, müßt ihr alles unnotwendige Reden lassen; aller Begierde, Neuigkeiten zu erfahren, entsagen; mit einem Wort, euch von allem trennen, was den Geist zerstreut."
2. Wir müssen uns in den Abgrund der Barmherzigkeit Gottes und unserer Armseligkeit versenken.
„Erwäget die Erweise der Barmherzigkeit Gottes, der euch von euren Sünden, von so vielen Gefahren befreit hat. Bedenket, wie Jesus Christus euch aller Trübsal entrissen. Habet wohl Acht, diese Wohltat nimmermehr zu vergessen. Denn Gott und sich kennen, das ist all unsere Vollkommenheit. Von nichts in der ganzen Welt rede oder schreibe ich lieber als von diesen zweien: Gotteserkenntnis und Selbsterkenntnis. - Alle Gesichte, alle Offenbarungen, alle Betrachtungen dienen zu nichts, es sei denn, der Mensch hätte zuvor wahre Erkenntnis Gottes und seiner selbst."
3. Wir müssen Jesus Christus recht kennen lernen.
„Unsere letzte Bestimmung ist das Himmelreich. Da wir nun nicht dahin gelangen können, außer auf dem Weg, worauf Christus, wahrer Gott und Mensch, gewandelt ist, so ist notwendig, daß wir den Gottmenschen Jesus Christus, sein Leben, seine Werke, recht kennenlernen, um durch die Nachfolge seiner Handlungen und durch Umwandlung in ihn dieses Reich mit ihm besitzen zu können. Vornehmlich ist uns zu wissen nötig, wie er durch seinen Tod die Schuld der Sünde von uns genommen und durch sein Leben unser Vorbild geworden ist. Denn sein Leben und sein Tod sind die größten Wohltaten, die wir von Gott erhalten haben. Und darin können wir am meisten die unendliche Liebe Gottes erkennen, Wir wären wahre Ungeheuer von Undankbarkeit, wenn wir nicht ihn und unseren Nächsten so liebten, wie er uns geliebt hat; wenn wir nicht trauerten über den leidenden Christus, der nur aus Liebe für uns gekreuzigt worden ist.
Diese Betrachtung muß uns notwendig zu einer größeren Erkenntnis unserer Würde führen. Denn folgendes ist der Schluß, den wir ziehen müssen. Der Mensch muß in den Augen Gottes etwas Kostbares dem Ursprung nach sein, da der Sohn des Allmächtigen für ihn so Außerordentliches getan und gelitten hat, um ihn zu erlösen. Aus dieser Betrachtung folgt eine andere, die besonders geeignet ist, uns zur Umkehr und Heiligung anzueifern. Wenn der Sohn Gottes so viel getan, um uns die ewige Seligkeit zu erwerben, was müssen dann wir tun, um ihn in seinen erhabenen Absichten für unser Heil zu unterstützen? Darum wollen wir unseren Eifer verdoppeln, damit wir ersetzen, was an seinem Werk für unser Heil noch fehlt."
4. Wir müssen uns besonders in die Betrachtung des Gekreuzigten vertiefen. „Die Betrachtung des Gekreuzigten hat es in sich, unsere Seele zu einer großmütigen und beständigen Liebe zu entflammen.
a) Diese Liebe ist die Frucht unserer Erkenntnis; und in dem Maße wir ihn erkennen, lieben wir ihn. Je mehr wir also den Gottmenschen kennen lernen, desto größer, vollkommener, reiner wird unsere Liebe zu ihm, und desto mehr werden wir durch die Liebe in ihn umgestaltet. Ebenso muß auch der Schmerz, den wir an dem leidenden Gottmenschen erblicken, unseren Schmerz erregen und uns umgestalten in seinen Schmerz.
b) Diese doppelte Umgestaltung ist also eine Folge der Erkenntnis Gottes und unser selbst: Wenn die Seele die unendliche Größe der Majestät Gottes betrachtet - und anderseits die Kleinheit und Erbärmlichkeit des sündhaften Menschen - und sieht, wie sich der allmächtige Herr gewürdigt hat, in eine Verwandtschaft mit den Menschen einzugehen und sich, um ihn zu reuen, dem Kreuzestod hinzugeben, so muß sie umso mehr von Liebe und Dank erfüllt werden, so daß sie in Gottes Liebe allmählich umgestaltet wird. Wenn sie die unbegreifliche Liebe erkennt, mit der Gott Sohn ein beständiges Martyrium, während seines Lebens auf Erden erlitten hat, dann muß sie in Empfindungen des Schmerzes zerfließen, der umso größer und tiefer wird, je mehr sie die Leiden des Heilandes zu ergründen sucht. Sie muß allmählich in den leidenden Jesus umgestaltet werden.
c) Wenn wir sehen, wie der Mensch durch die Sünde ewige Strafe und Pein verdient, wie dagegen der allerhöchste und allerreichste Gott, Jesus Christus, so arm geworden, um den Menschen von seinem Elend zu befreien; wie der glorreiche Gott so gehorsam, demütig und niedrig geworden, verachtet, um den Menschen glorreich zu machen - wenn die Seele all das bedenkt, muß sie in Schmerzen ganz umgewandelt werden. Ja, ich kann es nicht oft genug sagen, die Erkenntnis Gottes und unser selbst ist unbedingt notwendig. Darum sollen wir uns Tag und Nacht bemühen, sie zu erlangen, weil sie allein uns in den liebenden und leidenden Jesus umzugestalten vermag. Darum, ich bitte dich, wende niemals die Augen deiner Seele von dem gekreuzigten Gottmenschen ab, denn diese Betrachtung wird dich erleuchten, deine Liebe entzünden und deinen Eifer entflammen. Wollen deine Gedanken abschweifen, so binde sie mit Gewalt daran. Kannst du auf der höchsten Stufe des Leidens Christi nicht verweilen, so fange wieder von vorne an und betrachte die einzelnen Schritte des Herrn auf dem Weg des Leidens. Kannst du aber auch das nicht, so sage, was Christus gelitten hat, mit Worten vor dich hin; denn das, was man oft ausspricht, prägt sich allmählich dem Herzen ein. Wenn das geschieht und der Mensch erkennt, was der so liebenswürdige Heiland während seines ganzen Lebens an Entbehrung, Verachtung und Schmerz an seinem Leib und seiner Seele aus Liebe zu uns gelitten hat, so bin ich überzeugt, daß ein solcher Mensch mit der Gnade Gottes ebenfalls dazu kommen wird, arm und demütig zu werden, Leid und Schmerz zu lieben, und bereit ist zu sterben, um sich Gott dankbar zu erzeigen und in Liebe ihm ähnlich zu werden. Niemand beklage sich, die dazu nötige Gnade Gottes nicht zu erhalten. Denn - das ist meine Überzeugung - der unendlich barmherzige Gott gibt allen seine Gnade in reichem Maße, die sie aufrichtig verlangen, die vertrauensvoll darum bitten und eifrig mitwirken. Kannst du nicht in hohe Betrachtungen über den unerschaffenen Gott eingehen, so blicke wenigstens auf den Gekreuzigten. Kannst du weder das eine noch das andere, so ruhe nicht, bis dir Gott die Gnade entweder zu dem einen oder anderen gibt, um dadurch Ruhe und Nahrung für deine Seele zu erlangen."

5. Die herrliche Frucht solcher Betrachtung und Versenkung:
„Durch diese Erkenntnis wird die Seele zur Liebe geführt. Denn weil sie ihn als so gut erkennt, muß sie ihn lieben. Die Liebe erzeugt in ihr das Verlangen, ihn zu besitzen. Und Gott gibt sich ihr hin, so daß die Seele ihn empfindet, seine Güte kostet und ihn mit großer Freude genießt. Dann, wenn die Seele den Allerhöchsten genießt, wird sie, weil er die höchste Liebe ist, mit der höchsten Liebe gegen ihn erfüllt. Sie hält ihn fest, umfängt ihn und verbindet sich in unaussprechlicher Liebe mit ihm, so daß in der Kraft dieser Liebe die Liebende in den Geliebten und der Geliebte in die Liebende verwandelt wird; und beide gleichsam zu einem Wesen werden. Wie nämlich ein glühendes Eisen Hitze, Farbe, Kraft, Gehalt und Gestalt des Feuers annimmt und dem Feuer gleich wird, so wird die mit Gott vereinte Seele durch die vollkommene Liebe vergöttlicht und in Gott verwandelt; nicht so, daß sie ihre Natur und Wesenheit verliert, sondern indem sie die Gestalt Gottes annimmt und göttlich wird, wie das Eisen feurig. Das sind die großen Schätze, die uns die Erkenntnis Gottes bringt. Jeder, der auf dem Weg Gottes wandeln und zum Besitz Gottes kommen will, muß zuerst Gott kennenlernen. Dem Erkennen folgt dann die Liebe, welche den Liebenden in den Geliebten umformt und umwandelt.
Zugleich muß ich aber auch vermerken, daß diese Erkenntnis nicht aus eigener Kraft erworben werden kann, auch nicht durch Bücher und auch nicht durch das Studium der Wissenschaften. Da ist Licht und Gnade von Gott unbedingt notwendig. Aber ich glaube, daß jeder diese Erkenntnis bald und leicht vom allmächtigen Gott erlangen kann durch andächtiges, lauteres, beharrliches, demütiges und Gott gleichsam Gewalt antuendes Gebet. Nicht nur durch mündliches Gebet, sondern besonders durch das Gebet des Geistes und Herzens, durch das betrachtende Gebet, welches alle Kräfte der Seele in Bewegung setzt und mit der höchsten Sehnsucht bittet und fleht."

Gebet

Aus der Votivmesse vom Leiden des Herrn:
„Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, du hast für die Erlösung der Welt den Pfahl des Kreuzes bestiegen und dein Kostbares Blut zur Vergebung unserer Sünden vergossen. Herr Jesus Christus, du bist vom Himmel aus dem Schoß des Vaters herniedergestiegen und hast dein Kostbares Blut zur Vergebung unserer Sünden vergossen. In Demut flehen wir zu dir: Laß uns am Tag des Gerichtes zu deiner Rechten das Wort vernehmen: Kommet ihr Gesegneten meines Vaters."

Aus der Votivmesse zur Verehrung des heiligen Kreuzes:
„O Gott, du wolltest das Banner des Leben spendenden Kreuzes durch das Kostbare Blut deines geliebten Sohnes heiligen. Gib, wir bitten dich, daß alle, die sich über die Herrlichkeit des heiligen Kreuzes freuen, sich auch überall deines Schutzes erfreuen dürfen.
Christus, wir beten dich an und preisen dich, denn durch dein Kreuz hast du die Welt erlöst!
Schütze dein Volk durch das Zeichen des heiligen Kreuzes vor den Nachstellungen all deiner Feinde.
Stehe uns bei, Herr unser Gott. Und wie du uns mit Freude erfüllst durch die Ehre des heiligen Kreuzes, so schütze uns auch durch seine nie versiegende Kraft."
(Quelle: "Dienst am Glauben", Heft 2 - 2007, S. 36-41, Innsbruck)



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