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Holzbein und wieder 2 normale Beine: Die Macht der Mutter Gottes 
 
Kein Holzbein!
Im Jahre 1874 besuchte der Schriftsteller Emile Zola das Heiligtum von Lourdes. Angesichts der vielen Votivgaben in der Grotte erklärte er in spöttischem Ton: "Ich sehe viele Stöcke, viele Krücken, aber kein einziges Holzbein." Er wollte damit sagen, daß niemals, weder in Lourdes noch anderswo, jemandem ein fehlendes oder amputiertes Körperglied nachgewachsen sei. In gleichem Sinne erklärte ein Neurologe, Prof. Charcot: "Wenn man den Katalog der angeblichen Wunderheilungen von Lourdes betrachtet, wurde darin nie festgestellt, daß der Glaube ein amputiertes Körperglied habe nachwachsen lassen." Diese in herausforderndem Ton vorgebrachten Erklärungen zielten darauf ab, im Namen der Vernunft und des kritischen Geistes den Glauben an die Existenz der übernatürlichen Welt zu zerstören. Ernest Renan räumte ohne Umschweife ein: 'Was wir zurückweisen, ist das Übernatürliche «Bis heute ist nicht ein einziges "Wunder" geschehen, weiches von glaubwürdigen Zeugen beobachtet und mit Sicherheit konstatiert worden wäre" (Vorwort zum Leben Jesu). Was ist nun ein Wunder? Ein erfahrbares Geschehen, das sich außerhalb der Wirkungsmöglichkeit der erschaffenen Natur ereignet bzw. darüber hinausgeht; es zeigt damit das Eingreifen einer über der Natur stehenden Macht an. Wunder sind durchaus beobachtet worden:
"Die Kirchengeschichte und insbesondere die Heiligsprechungsprozesse stellen eine Dokumentation dar, die selbst im Lichte der strengsten historischen Kritik und der medizinischen Wissenschaft die Existenz jener Kraft aus der Höhe (Lk 24,49) belegt, die in der Ordnung der Natur wirkt und gleichzeitig über sie hinausgeht" (Johannes-Paul II. Am 13. Januar 1988).

Renan widerlegt
Das Wunder, von dem wir nun berichten, geschah im 17.Jahrhundert. Es handelt sich weder um einen Traum noch um eine Fabel, sondern um eine Begebenheit, die in allen Einzelheiten durch unwiderlegbare historische Beweise bezeugt ist. Und diese Begebenheit widerlegt die Behauptung Renans ein für allemal! Die Person, an der das Wunder geschah, Miguel Juan Pel-licer. ist dank zahlreicher Dokumente aus dem Archiv der Pfarrei von Calanda (in der Provinz Aragon in Nord­spanien), gut bezeugt.
Miguel Juan Pellicer wurde am 25. März 1617 getauft. Er war das zweite von acht Kindern und stammte aus einer bescheidenen Bauernfamilie, die nach einem tugendhaften Leben strebte. Die Bildung der Kinder beschränkte sich auf den Katechismus. In diesem elementaren Religionsunterricht wurzelte Miguels schlichter und fester katholischer Glaube, der sich auf den regelmäßigen Empfang der Sakramente sowie eine inbrünstige und kindliche Liebe zur Jungfrau Maria stützte, die in Zaragoza als Nuestra Seriora del Pilar (Unsere Liebe Frau von der Säule) und Patronin Spaniens verehrt wurde. Mit 19 oder 20 Jahren verdingte sich Miguel als Landarbeiter bei einem Onkel in der Provinz Valencia. Als er Ende Juli 1637 zwei Maulesel vor einem mit Weizen beladenen Wagen zum Hof lenkte, fiel er vom Gespann; eines der Räder überfuhr sein Bein unterhalb des Knies und brach ihm das Schienbein.
Sein Onkel Jaime brachte den Verletzten unverzüglich in die benachbarte Kleinstadt, dann rund 60 km weiter nach Valencia, wo er am 3. August eintraf. Miguel blieb fünf Tage dort; es wurden ihm verschiedene Medikamente verabreicht, doch sie zeigten keine Wirkung. So reiste er nach Zaragoza zurück und kam dort Anfang Oktober 1637 an. Erschöpft und fiebernd wurde er in das Real Hospital de Gracia aufgenommen. Er wurde dort von Prof. Juan de Estanga, Chef der chirurgischen Abteilung, sowie von zwei weiteren ausgebildeten Chirurgen, untersucht. Da alle drei Ärzte einen fortgeschrittenen Wundbrand am Bein diagnostizierten, hielten sie eine Amputation für das einzige Mittel, das Leben des Kranken zu retten. Als sie später vor den Richtern aussagten, beschrieben die Mediziner das Bein als "sehr phlegmonös und brandig". Mitte Oktober führte Estanga die Operation durch: er trennte das rechte Bein "vier Fingerbreit unterhalb des Knies" ab. Obwohl der Patient durch ein damals übliches narkotisierendes alkoholisches Getränk betäubt war, litt er qualvolle Schmerzen. "In seiner Pein rief der junge Mann ununterbrochen und mit großer Inbrunst die Jungfrau del Pilar zu Hilfe. Ein Student der Chirurgie namens Juan Lorenzo Garcia sollte das abgetrennte Bein auf dem dafür vorgesehenen Teil des Krankenhausfriedhofs würdig begraben. Zu jener Zeit gebot die Achtung vor dem zur Auferstehung bestimmten Leib, daß selbst abgetrennte Gliedmaßen pietätvoll behandelt wurden. Garcia bezeugte im Nachhinein, daß er das Beinstück "in einem eine Handbreit tiefen Loch", das entspricht nach der in Aragon üblichen Maßeinheit 21 Zentimetern, beerdigt hatte.

Die Macht der Mutter Gottes
Noch bevor die Wunde völlig vernarbt war, begab sich Miguel nach einigen Tagen Krankenhausaufenthalt zum rund einen Kilometer entfernten Heiligtum del Pilarunö dankte Unserer Lieben Frau dafür, daß "sie ihm das Leben gerettet habe, so daß er ihr weiter dienen und sie weiter verehren könne"; dann bat er sie inständig um ihren Beistand, damit er "von seiner Arbeit leben könne". Im Frühjahr 1638 wurden ihm von der Krankenhausverwaltung ein Holzbein sowie eine Krücke ausgehändigt. Zum Überleben blieb dem jungen Mann nichts anderes übrig, als "pordiosero", d.h. ein vom Stiftskapitel del Pilar autorisierter Bettler zu werden. Zaragoza zählte damals 25.000 Einwohner: Die meisten von ihnen kamen täglich vorbei, um die "Jungfrau zu grüßen". Die Leidensmiene des jungen Krüppels, der sie um eine milde Gabe bat, zog die Aufmerksamkeit unzähliger Besucher auf sich. Miguel nahm jeden Tag an der heiligen Messe in der Kirche teil; wenn die Messe zu Ende war, pflegte er seinen Beinstumpf mit dem Öl der vor der Statue Unserer Lieben Frau immer brennenden Lampen einzusalben. Professor Estanga konnte ihm noch so oft erklären, daß dadurch die Vernarbung der Wunde verzögert werden könnte, Miguel fuhr mit dem andächtigen Salben seines Beins fort: Dieser Akt des Glaubens an die Macht der Jungfrau war ihm wichtiger als alle Gesundheitsregeln. An jenem 29. März versuchte Miguel den Seinen zu helfen, indem er die Tragkörbe auf dem Rücken seines kleinen Esels mit Mist belud. Er tat das neunmal hintereinander, obwohl es ihm schwerfiel, sich auf seinem Holzbein aufrecht zu halten. Als es dann Abend wurde, ging er müde ins Haus, wobei sein Stumpf noch mehr wehtat als gewöhnlich. Diese Nacht mußte die Familie Pellicer auf Befehl des Gouverneurs einen Soldaten der königlichen Kavallerie beherbergen: Miguel mußte ihm sein Bett überlassen und auf einer Matratze auf dem Boden im Schlafzimmer seiner Eltern übernachten. Er legte sich gegen zehn Uhr hin. Er hatte sein Holzbein abgenommen und breitete einfach einen viel zu kurzen Mantel über sich, um seinen Körper zuzudecken, denn er hatte seine Bettdecke an den Soldaten abgetreten; dann schlief er ein «

Wieder zwei Füße und zwei Beine
Gegen elf Uhr betrat Miguels Mutter mit einer Öllampe in der Hand das Zimmer. Sofort stieg ihr ein "lieblicher Duft" in die Nase. Neugierig hielt sie die Lampe höher: Unter dem Mantel, mit dem ihr tief schlafender Sohn zugedeckt war, schauten zwei Füße hervor, nicht nur einer; "ein Fuß über dem anderen". Bestürzt holte sie ihren Mann; dieser hob den Mantel hoch: Kein Zweifel, da waren zwei Füße, jeder am Ende eines Beins! Sie hatten einige Mühe, ihren Sohn zu wecken. Als dieser sich nach und nach bewusst wurde, was passiert war, war er ganz verzückt; das erste Wort, das ihm über die Lippen kam, war die Bitte an seinen Vater, "ihm die Hand zu reichen und alle Kränkungen zu vergeben, die er ihm jemals zugefügt hatte". Diese spontane und unmittelbare Reaktion der Demut bei jemandem, dem ein Wunder widerfahren ist, ist ein deutlicher Hinweis auf den göttlichen Ursprung des Wunders. Als die Eltern Miguel voller Rührung fragten, ob er "eine Ahnung häte, wie das passiert sei", antwortete dieser, er wüsste es nicht; doch als er aus dem Schlaf geweckt worden sei, "hätte er gerade geträumt, er sei in der heiligen Kapelle del Pilar und würde, wie er es gewohnt war, seinen Beinstumpf mit dem Öl einer Lampe einsalben". Er war sich auch sofort sicher, daß ihm Unsere Liebe Frau del Pilar sein abgetrenntes Bein wiedergeschenkt hatte. Am folgenden Montag bestätigten seine Eltern ihrerseits vor dem Notar, sie "seien der Ansicht, daß die Allerheiligste Jungfrau del Pilar ihren Sohn, unseren Erlöser, um dieses Wunder gebeten und es von Gott erhalten hatte, und zwar wegen der Gebete Miguels oder, weil das ihr verborgener Wille war". Diese Christen hatten völlig klar erkannt, daß nicht die Gottesmutter selbst die Wunder "tut", sondern sie durch ihre Fürbitte von der heiligen Dreifaltigkeit erhält. Mag die heilige Jungfrau auch noch so geliebt und verehrt werden, sie wird nicht als eine heidnische Göttin betrachtet, sondern als Mittlerin zwischen uns und ihrem Sohn, gemäß ihrer Mutterrolle, die dieser ihr zuwies, als er zum hl. Johannes sagte: „Siehe da, deine Mutter!" (Joh 19,27).
Als sich die erste Aufregung gelegt hatte, begann der junge Mann sein Bein zu bewegen und zu betasten. Bei näherer Betrachtung wies es Merkmale auf, die seine Echtheit belegten: Zunächst war da die von dem Wagenrad hinterlassene Narbe, als ihm das Schienbein gebrochen worden war; zwei tiefe, von einem Dornengewächs hinterlassene Kratzer; schließlich die Spuren eines Hundebisses an der Wade. Miguel und seine Eltern waren sich demnach sicher, daß die heilige "Jungfrau del Pilar" von Gott, unserem Herrn, das Bein wiederbekommen hat, welches mehr als zwei Jahre zuvor beerdigt worden war". Sie beeideten das ohne zu zögern vor den Richtern in Zaragoza. Eine Zeitung aus jener Zeit, der "Aviso Histórico", schrieb am 4. Juni 1640, einen Tag vor Prozessbeginn, das beerdigte Bein sei trotz aller Nachforschungen auf dem Hospitalfriedhof von Zaragoza nicht gefunden worden: Das Loch, in welches es gelegt worden war, sei leer!

Wie vor den Kopf geschlagen
Bereits am frühen Morgen des 30. März verbreitete sich die unglaubliche Nachricht im ganzen Dorf. Don Juseppe Herrero, der Vikar der Gemeinde, eilte zu den Pellicers, gefolgt vom Friedensrichter, vom Bürgermeister, vom königlichen Notar und zwei Ärzten aus Calanda. Alle waren wie vor den Kopf geschlagen, als sie ihn wieder mit seinem rechten Bein erblickten, obwohl sie ihn bis zum Vorabend nur einbeinig gesehen hatten. Der durch ein Wunder geheilte Miguel beichtete und empfing während der vom Pfarrer zelebrierten Dankmesse die heilige Kommunion. Doch das Bein sah anfänglich nicht schön aus: Es war violett verfärbt, die Zehennägel waren verkrümmt, die Muskeln verkümmert, und vor allem war das Bein um einige Zentimeter kürzer als das andere. Es dauerte drei Tage, bis es wieder normal aussah und seine Gelenkigkeit sowie seine Kraft wiedergewonnen hatte. Diese Umstände, die beim Prozess sorgfältig dokumentiert und untersucht wurden, bestätigen, daß es sich nicht um einen Zaubertrick handelte; sie beweisen, daß das wiedergeschenkte Bein dasselbe Bein war, welches zwei Jahre und fünf Monate zuvor und über 100 km weit entfernt beerdigt worden war « Im Juni bestätigten Zeugen vor den Richtern in Zaragoza, daß Miguel "seine Ferse auf die Erde drücken, die Zehen bewegen  und ohne Schwierigkeiten laufen kann". Darüber hinaus wurde festgehalten, daß das wiedergeschenkte Bein seit Ende März "um beinahe drei Fingerbreit gewachsen" und nun ebenso lang war wie das andere. Ein einziges Mal an diesem Bein verschwand nicht: die Narbe, die einen roten Kreis an der Stelle bildete, wo die beiden Beinteile zusammengewachsen waren. Das war gleichsam ein unauslöschliches Zeichen des Wunders.
"Ein Wunder müsste demnach durch eine bestimmte Anzahl von vernünftigen Menschen festgestellt werden, die keinerlei Interesse an der Sache haben", forderte Voltaire. "Und ihre Zeugenaussagen müssten in korrekter Form aufgezeichnet werden: Denn wenn wir so viele Formalitäten bei Vorgängen wie einem Hauskauf, einem Ehevertrag oder einem Testament beachten müssen, wie viele wären dann eigentlich bei der Überprüfung von Natur aus unmöglicher Dinge notwendig?" (Artikel "Wunder" in seinem Philosophischen Wörterbuch).

unwiderlegbare Urkunde
Genau solch eine Urkunde war 120 Jahre vorher in Calanda erstellt worden. Am 1. April 1640, einem Montag sowie dem vierten Tag nach dem Wunder, machten sich der Pfarrer sowie ein Vikar aus Mazaleon, einem 50 km entfernten Dorf, zusammen mit dem königlichen Notar vor Ort auf den Weg, um die Wirklichkeit der Fakten zu überprüfen und eine offizielle Urkunde darüber auszustellen.
(Quelle: unbek.)



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