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Thomas von Kempen, aus der Nachfolge Mariens |
Das Heilswerk Jesu
im Leben Mariens
Thomas von Kempen,
aus der Nachfolge Mariens
1. Die
Erlösung des Menschengeschlechtes durch das Geheimnis der Menschwerdung
Gottes
Ich
preise dich und danke dir, Herr und Gott, Schöpfer und Erlöser
des Menschengeschlechtes, für deine unermeßliche Liebe, mit
der du den Menschen auf wunderbare Weise erschaffen hast und noch wunderbarer
erlösen wolltest. Obwohl wir noch deine Feinde waren und der alte
Tod im ganzen Menschengeschlecht seine ungerechte Herrschaft ausübte,
dachtest du an deine reiche Barmherzigkeit und blicktest vom hohen Thron
deiner Herrlichkeit auf dieses Tal der Klage und der Not. Ja, du hast die
große Trauer deines Volkes über die Erde und die schwere Last
der Kinder Adams gesehen. Von einem tiefen Antrieb der Liebe berührt
hast du deshalb begonnen, über uns Gedanken des Friedens und der Erlösung
zu denken. Sobald die Fülle der Zeit gekommen war, bist du uns zu
besuchen gekommen als aufgehende Sonne aus der Höhe und Erfüllung
der prophetischen Verheißungen, hast Fleisch angenommen und dich
als wahrer Gott und Mensch unter Menschen gezeigt. Ich preise und lobe
dich, unser Heiland Jesus Christus, für deine unermessliche Demut,
mit der du dich gewürdigt hast, ein ganz armes Mädchen als Mutter
auszuwählen, die du mit einem armen Zimmermann, nämlich Josef,
einem gerechten und heiligen Mann, verlobt hast. Ich preise dich für
die Verkündigung deiner erhabenen Menschwerdung und für den würdevollen
englischen Gruß, womit der Engel Gabriel die Allerseligste Jungfrau
Maria in größter Ehrfurcht grüßte, als er ihr das
göttliche Geheimnis verkündigte, nämlich die Menschwerdung
des Sohnes Gottes aus ihr.
Ich
lobe und verherrliche dich für die Größe des Glaubens der
Jungfrau Maria, für ihre entschiedene Einwilligung, für ihre
demütige Antwort und für alle ihre Tugenden, die sie besonders
dann bestätigte, als sie der Botschaft des Engels im Gehorsam antwortete:
Siehe,
ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort (Lk 1,38).
Bild
2: (C) Kirche-in-Not - mit freundlicher Genehmigung für
adorare - Herzliches Vergelt's Gott!
Ich lobe und ehre
dich, o ewige Weisheit des Vaters, für das bewundernswerte Herabneigen
deiner unzugänglichen Erhabenheit in das elende Zuchthaus unserer
Sterblichkeit und für deine reinste Empfängnis aus Maria durch
das Wirken des Heiligen Geistes. In ihren jungfräulichen Schoß
kam die unbeschreibliche Kraft des Allerhöchsten herab und formte
deinen geheiligten Leib aus dem unbefleckten Leib der Jungfrau. Du also,
wahrer Gott und eines Wesens mit dem ewigen Vater, bist ein Fleisch mit
uns geworden, aber ohne Befleckung durch die Sünde, so daß du
uns durch die Adoption als Kinder Gottes zu einem Geist mit dir machtest.
Ich lobe und preise dich für die freiwillige Entsagung deiner Fülle
und für die Annahme unserer Leidensfähigkeit, Armut, Schwäche
und Sterblichkeit - und zwar aus Liebe -, um uns durch deine Entsagung
zu erfüllen, durch deine Leidensfähigkeit zu heilen, durch deine
Armut zu erheben, durch deine Schwäche zu stärken und durch deine
Sterblichkeit uns zur Herrlichkeit der Unsterblichkeit zu führen.
Ich lobe und erhebe
dich für die lange Dauer von neun Monaten, während du in der
Enge des jungfräulichen Schoßes in Erwartung auf die Zeit der
Geburt als werdendes Kind verborgen warst. Du hast doch als ewiger Gott
keine Zeiten und Jahre, sondern ordnest alles in der Zeit und in bewundernswerter
Harmonie.
O liebenswürdige
und überaus wunderbare Erhabenheit, daß du als Gott von unermeßlicher
Herrlichkeit es nicht verschmäht hast, ein verächtlicher Wurm
zu werden! Der du doch alles ohne Mühe erschaffen hast, du wolltest
unsere Schmerzen annehmen, um uns zu befreien.
O süßester
Jesus, Glanz der ewigen Herrlichkeit, je kleiner du dich in deiner Demut
gemacht hast, desto größer zeigst du dich mir in deiner Güte,
und je verachteter du meinetwegen bist, desto teurer bist du mir!
Die Geburt
und die Armut unseres Herrn Jesus
Ich preise dich und
danke dir, Herr Jesus Christus, einzig geborener Sohn des Vaters, als Einziger
gezeugt vor aller Zeit, dass du dich auf unbeschreibliche Weise gewürdigt
hast, mit größter Demut in einem schmutzigen Stall geboren zu
werden und aus Liebe zur heiligen Armut in eine enge Krippe gelegt zu werden.
Ich lobe dich, geliebtester
Jesus, für deine erhabene Herkunft, für deine glorreiche Geburt
aus der reinen Jungfrau Maria, für deine Armut und demütige Unterbringung
in einer so kleinen und schlichten Krippe. Wer kann angemessen ersinnen,
daß der allerhöchste Gott sich für die Menschen so klein
gemacht hat? O wie viel Dankbarkeit muß dir das ganze Menschengeschlecht
erwidern, der du zu ihrer Erlösung die Enge der Krippe auf dich genommen
hast!
O große Zärtlichkeit,
o wundervolle Lieblichkeit, o innigste Liebe, Gott als neugeborenes Kind
zu sehen, eingewickelt in schlichte Windeln und in eine enge Krippe vor
Tiere gelegt! Welche unbegreifliche Demut, dass der Herr aller Herren sich
würdigt, Sklave seiner Diener zu werden. Aber es schien dir noch zu
wenig, mein Herr und Gott, dass du als mein Schöpfer mein Vater bist.
Du hast dich sogar herabgelassen, mein Bruder zu werden und mein Fleisch
in der Realität der menschlichen Natur anzunehmen, ohne aber etwas
von der alten Verderbtheit hinzuzuziehen. Deine Geburt steht über
den Gesetzen der Natur, aber zu ihrer Erneuerung hast du die Art und Weise,
mit der die Menschen geboren werden, durch ein vorzügliches Wunder
übertroffen und begonnen, mit göttlicher Kraft uns beweinenswerten
Geschöpfen Trost zu spenden.
O wie glücklich
und überaus liebenswert ist deine Geburt, liebster Jesus, Sohn der
auserwählten Jungfrau, Nachkomme der erhabenen Mutter Maria! Sie erneuerte
die Geburt aller, verbesserte die Lage, löste das Vorurteil und zerriss
den Schuldschein der verurteilten Natur. Wenn jemand darüber verdrossen
ist, dass er in Schuld verstrickt aus dem Stamm Adams geboren ist, möge
er sich über deine unbefleckte Geburt freuen und glücklich darauf
vertrauen, dass er durch deine Gnade wiedergeboren ist. Ich danke deiner
uneigennützigen und glorreichen Geburt, Jesus Christus, einziggeborener
Sohn Gottes. Durch dich haben wir Zugang zur Gnade, in der wir stehen.
Wir vertrauen in Erwartung auf die Herrlichkeit der Kinder Gottes auf die
himmlischen Verheißungen für uns. Du bist das Unterpfand unserer
Erlösung, du bist die fortwährende Hoffnung für alle. Zu
dir flüchten wir zerknirschte Sünder, die wir dich bereits gesucht
haben, als wir dich noch nicht kannten. O heilige und liebreiche Kindheit,
du hast in die Herzen der Menschen eine wahre Unschuld eingeflößt!
Durch dich kehrt jedes Alter zur glücklichen Kindheit zurück
und wird dir gleichförmig, nicht aufgrund der Kleinheit der Glieder,
sondern aufgrund demütiger Gesinnung und sanftmütigen Verhaltens.
Erlaube mir, mildester
Jesus, in die heiligen Fußstapfen deiner Demut und Armut zu treten.
Du wolltest mitten in der Nacht aus der Jungfrau Maria geboren werden,
um allen Menschen ein Beispiel der Tugend und die Medizin einer fortwährenden
Heilung zu geben.
Lass mich dir mit
den Engeln und dem ganzen himmlischen Heer in frommer Gesinnung Dank
und Lob singen. Denn du hast die Boten deiner Geburt froh gemacht.
2. Die
Reinigung der seligen Jungfrau Maria und die Darstellung Jesu
Ich preise dich und
danke dir, Herr Jesus Christus, Urheber der Reinheit, für deine demütige
Darstellung im Tempel Gottes, wo du mit Opfergaben und Geschenken gleich
wie einer der Söhne Adams von deinen Eltern dargestellt und mit fünf
silbernen Münzen gleich einem Sklaven auf dem Markt losgekauft
wurdest. Ich preise dich, heiligster Erlöser der Welt, für deine
demütige Unterwerfung unter das göttliche Gesetz. Obwohl du frei
warst von jeglicher Belastung durch Sünden, hast du dich, um uns ein
Beispiel wahrer Unterwerfung zu geben, in allem den gesetzlichen Vorschriften
ausgesetzt. Ich verherrliche dich für die unermeßliche Demut
deiner allerseligsten Mutter und für ihre bereitwillige Unterwerfung
unter die gesetzliche Anordnung. Obwohl sie in der Geburt und nach der
Geburt heilige Jungfrau war, weigerte sie sich dennoch nicht, den Ritus
der Reinigung auf sich zu nehmen.
Welche gnadenreiche
Darstellung, welche liebenswürdige Sühne, weil sie freiwillig
und völlig ohne irgendeine Schuld war!
Aber was kann ich
dir, meinem Herrn, anbieten oder was kann ich zurückgeben, für
all' das, was du mir geschenkt hast? O wie nötig hätte ich die
Reinigung zur Abwaschung meiner Sünden, wie nützlich wäre
mir die gebührende Sühne für die Vergehen! Denn ich bin
beschmutzt durch so vielfältige und schäbige Sünden. Deshalb
schaue ich auf dich, gütigster Herr Jesus Christus, und bitte dich:
Würdige dich, für mich Sühne zu leisten und durch deine
lautere Opferung meine Sünden abzuwaschen, damit ich den Tempel
der himmlischen Wohnung rein und geläutert betreten und deinen heiligen
Namen würdig in Ewigkeit loben kann. Bitte auch du für mich,
holde Mutter Gottes, glorreiche Jungfrau Maria, dass mir meine Sünden
verziehen werden und mir Zeit gegeben wird, zu bereuen und einen festen
Vorsatz zur Besserung zu machen, um der Hilfe der göttlichen Gnade
würdig zu werden. Und was mir fehlt, den Wohltaten Gottes Dank zu
erweisen, das ergänze du an meiner Stelle, gütigste Mutter, indem
du dich selber mit deinem vielgeliebten Sohn dem Angesicht des Vaters in
der Herrlichkeit darbringst. Deine jungfräuliche Unversehrtheit möge
sowohl meine geistige als auch meine leibliche Unreinheit entsühnen,
deine Liebe möge meine Lauheit entzünden, deine Demut meinen
Hochmut beugen, dein freiwilliger Gehorsam die verderbte Härte meines
Eigendünkels brechen.
Ich lege mich selber
in deine und deines geliebten Sohnes Hände; und was immer ich zu tun
vermag, ich werde stets bereit sein euch zu dienen. Ich bringe dar ein
Paar Turteltauben, gewissermaßen als zweifache Zerknirschung: erstens
wegen des Schmerzes über meine Sünden und Nachlässigkeiten,
und zweitens aus Sehnsucht nach den ewigen Freuden. Ich opfere gerne
auch zwei kleine Tauben dem Herrn, um nämlich eine zweifache Lauterkeit
im Herzen zu bewahren: Ich strebe danach, niemandem Böses mit Bösen
zu vergelten, und darüber hinaus das Böse mit dem Guten zu besiegen.
Würdige dich, o guter Jesus, dies alles mir zu gewähren. Du wurdest
heute von deiner demütigen jungfräulichen Mutter im Tempel dargestellt
und von dem gerechten und gottesfürchtigen Simeon voll Freude liebevoll
in den Händen gehalten.
Ich lege mich selber
in deine und deines geliebten Sohnes Hände; und was immer ich zu tun
vermag, ich werde stets bereit sein euch zu dienen. Ich bringe dar ein
Paar Turteltauben, gewissermaßen als zweifache Zerknirschung: erstens
wegen des Schmerzes über meine Sünden und Nachlässigkeiten,
und zweitens aus Sehnsucht nach den ewigen Freuden. Ich opfere gerne auch
zwei kleine Tauben dem Herrn, um nämlich eine zweifache Lauterkeit
im Herzen zu bewahren: Ich strebe danach, niemandem Böses mit Bösen
zu vergelten, und darüber hinaus das Böse mit dem Guten zu besiegen.
Würdige dich, o guter Jesus, dies alles mir zu gewähren. Du wurdest
heute von deiner demütigen jungfräulichen Mutter im Tempel dargestellt
und von dem gerechten und gottesfürchtigen Simeon voll Freude liebevoll
in den Händen gehalten.
(Quelle: "Dienst
am Glauben", Heft 4 - Okt. - Dez. 2012, S. 98 - 101, Innsbruck)