Impressum
Wallfahrtspredigt von Erzbischof Haas in Altötting am Fest des hl. Antonius von Padua
Das Geistliche Wort:
Selbst hinkend auf dem Weg bleiben, der Christus ist
(Wallfahrtspredigt von Erzbischof Haas in Altötting am Fest des hl. Antonius von Padua, Ausschnitt)
...
Wir können nur danken, danken, daß die Heilige Kirche den überlieferten Ritus nie aufgegeben hat. Vielleicht ist er noch immer zu wenig gegenwärtig im konkreten Leben unserer hl. Kirche, aber er ist gegenwärtig. Und diese Gegenwart, wir wollen sie hoch und heilig halten und es nicht einfach nur bei einer Ästhetik bewenden lassen, sondern verstehen, daß damit eine tiefe Ethik verbunden ist, daß wir also alle aufgefordert sind, das zu leben, was so schön ist, daß wir in unserem Glaubensleben im Alltag das ebenso heilig halten, was uns hier geschenkt wird: Daß wir also das Schöne in das Gute unseres Lebens umwandeln und nie weichen von dem wahren, großen und schönen Weg, der uns gerade durch diese hl. Liturgie geschenkt wird. Denn wir alle sind aufgerufen und aufgefordert, Gott zu verherrlichen in unserem Leib, Gott, den großen, gewaltigen Gott in kindlicher Liebe anzubeten und zu verehren und diese Aufgabe als die zentrale Aufgabe unseres Lebens zu erkennen. Wir alle sollen wie Maria im Bergland von Judäa jenes marianische Tedeum anstimmen: das Magnificat. Wir sollen, so wie der hl. Antonius, in liebender Verbundenheit mit der Gottesmutter Zeugen der Herrlichkeit Gottes sein, jener Herrlichkeit, die gerade in unsere Zeit hineinleuchten muß, damit es anders und besser wird. Lieber hinkend auf dem Weg als außerhalb des Weges Vielleicht werden wir uns auf diesem Weg manchmal als hinkende Menschen erleben; wir werden nicht immer denselben Schwung haben wie vielleicht am heutigen Tag. Wir werden wieder die Nüchternheiten und auch Enttäuschungen unseres alltäglichen Lebens annehmen müssen, aber wir werden wissen, woher wir die Kraft schöpfen für den Dienst und die Arbeit im Weinberg des Herrn. Der hl. Thomas von Aquin hat in einer Darlegung über das Johannesevangelium einen wundervollen Satz geschrieben, wenn es darum geht, auf dem wahren Weg zu bleiben. Er sagt: Melius est in via claudicare quam praeter viam fortiter ambulare. Es ist besser, auf dem wahren Weg zu hinken, die Mühe dieses Gehens auf dem wahren Weg zu erleben. Es ist besser, dieses Langsame vielleicht auch ertragen zu müssen, als neben dem Weg kraftvoll voranzuschreiten. Der Grund, warum er das sagt, ist einfach: Auch wenn wir hinkend auf dem wahren Weg voranschreiten, werden wir das wahre Ziel erreichen. Wenn wir aber neben dem Weg, der Christus ist, auch noch so kraftvoll voranschreiten, dann werden wir nie am wirklichen Ziele ankommen. Denn neben dem Weg sind wir eben außerhalb des Weges. Wir alle haben den wahren Weg gewählt, Jesus Christus, der von sich gesagt hat: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich." Der überlieferte Ritus, der niemals enden kann Wir haben diesen einen und einzigen Weg gewählt und wir wissen, daß dieser Weg zum Ziele führt, nämlich in die Ewigkeit und Herrlichkeit des großen, gewaltigen Gottes, den wir groß sein lassen, groß sein lassen gerade auch in der Festlichkeit und Freude dieser hl. Liturgie, groß sein lassen gerade durch den heiligen überlieferten Ritus, der in der Kirche niemals enden kann. Wir werden Gott groß sein lassen und es immer neu tun, wenn wir das hochheilige Meßopfer feiern und wenn wir Ihn zur Speise bekommen, der die eigentliche Kraft unseres Lebens ist und in dessen Kraft wir den Dienst und die Arbeit im Weinberg des Herrn tun, jetzt und auch in der Zukunft. 0 gloriosa domina, o du glorreiche Herrin, o du glorreiche Herrin und Mutter von Altötting, o du unsere liebe Frau im Himmel, hilf uns, daß wir diesen wahren Weg nie verlassen und daß wir schließlich einmal am Ziel ankommen, wo du uns erwartest. Du gloriosa domina, du unsere glorreiche Herrin. Amen.

zurück zur Hauptseite