|
|
Das Bekenntnis des
Glaubens
Franz Spirago - Katholischer
Volkskatechismus 1914
Den Glauben bekannten:
die drei Jünglinge zu Babylon, die in den Feuerofen geworfen wurden
(Dan. 3); der heidnische Hauptmann, der beim Kreuze Christi Wache stand
und unerschrocken ausrief: „Wahrlich, dieser
ist Gottes Sohn gewesen!" (Matth. 27, 24);
ferner Petrus, der zu Christus sprach: „Du
bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes" (Matth. 16, 16);
Veronika, die den Hohn und die Schläge der Soldaten nicht fürchtete
und dem blutenden Heiland ihr Schweißtuch darreichte; auch Josef
von Arimathäa, der für ein ehrenvolles Begräbnis Christi
sorgte (Matth. 27, 57).
1. Gott verlangt, daß
wir unsern Glauben auch äußerlich bekennen, d. h. daß
wir manchmal durch Worte und Taten unsern Glauben vor andern zu erkennen
geben.
Christus befiehlt:
„Lasset
euer Licht leuchten vor den Menschen, auf daß sie eure guten Werke
sehen und eueren Vater preisen, der im Himmel ist" (Matth. 5, 16).
Wir sollen also manchmal durch unsere Reden und Handlungen andern zu erkennen
geben, daß wir an Gott glauben und unsere Religion aus Überzeugung
hochschätzen. Wie wir aus den oben angeführten Worten Christi
ersehen, sollen wir in der Welt das sein, was das Licht in der Stube. Wir
sollen durch das öffentliche Bekenntnis des Glaubens dazu beitragen,
daß unsere Mitmenschen Gott besser erkennen und seine Gebote gewissenhafter
befolgen. So wie ein Pferd, das noch langsam geht, sofort anfängt
zu laufen, sobald es ein anderes Pferd laufen sieht, so werden auch unsere
Mitmenschen, wenn sie unsere guten Werke sehen, zur Nachahmung des Guten
angetrieben. „Auch der Übermut der Feinde des christlichen Glaubens
wird oft schon gebrochen durch den Freimut des christlichen Bekenntnisses"
(Leo XIII.). Wir selbst aber werden durch das Bekenntnis des Glaubens im
Glauben mehr gekräftigt: denn die Übung macht den Meister.
Leider aber sind manche
Menschen feige. Aus Furcht, sie könnten von religionsfeindlichen Mitmenschen
bespöttelt werden, etwa in ihrer Stellung, in ihrem Fortkommen Einbuße
erleiden, Kundschaften verlieren u. dgl., wagen sie sich nicht, unerschrocken
ihren Glauben zu zeigen oder Religionsspöttern entgegenzutreten. Man
kann sie mit einem Knaben vergleichen, der von den Eltern weggeschickt,
einen bellenden Hund am Wege stehen sieht und sich nicht mehr weiterwagt,
sondern unverrichteter Dinge nach Hause zurückkehrt. So machen es
die Menschen, diese irdischen Wanderer; sie werden von den Mitmenschen
Heuchler, Schwachköpfe, Toren, Fanatiker genannt und lassen sich deshalb
gleich in ihren guten Vorsätzen irre machen und vom Wege des Heils
abbringen (hl. Vinz. Fer.). Sie sind wie die furchtsamen Hasen, die sich
durch die Vogelscheuchen auf dem Felde, nämlich durch alte Fetzen
vom Futter abschrecken lassen. Die Menschen bedenken nicht, daß die,
die uns jetzt unseres Glaubens wegen verlachen, am Tage des Gerichts werden
beschämt werden (Weish. 5, 1). Auch vergessen sie darauf, daß
sie ohne Kampf nicht die Belohnung erlangen können, die nur den Soldaten
und Siegern Christi verheißen ist (Leo XIII.). Wer für Gottes
Ehre nicht einzutreten wagt, ist ein „stummer
Hund, der nicht bellen kann" (Is. 56, 10).
Man bedenke, wie selbst Anhänger einer falschen Religion, ..., auf
offener Straße ihren Glauben unerschrocken bekennen und uns Katholiken
beschämen! Die Kirche führt viele Prozessionen durch, so z. B.
die Auferstehungs-Prozession, die Fronleichnams-Prozession, um uns Gelegenheit
zu geben, unsern Glauben öffentlich zu bekennen.
Wir sind dann verpflichtet, unsern Glauben zu bekennen, wenn Gottes Ehre oder das Seelenheil der Mitmenschen dieses Bekenntnis verlangt.
Es ist nicht notwendig, ja sogar nicht zulässig, den Glauben immer und überall zu bekennen, z. B. jede Weile das Kreuz zu machen. Dadurch würde man die Religion dem Gespötte preisgeben. Daher sagt Christus: „Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perlen nicht vor die Schweine" (Matth. 7, 6). Wir sind nur verpflichtet, den Glauben zu bekennen, wenn durch Unterlassung dieses Bekenntnisses Verachtung der Religion oder Ärgernis des Nächsten nach sich ziehen würde. - Man kann deshalb Glaubensfeinde, die zudringliche Fragen betreffs des Glaubens an uns stellen, kurz abfertigen oder ihre Fragen unbeantwortet lassen. Ein Herr, der sich an einem Freitage im Gasthause Fastenspeise bestellte und vom Wirte mit höhnischen Worten um seinen Glauben befragt wurde, antwortete treffend: „Kümmern Sie sich lieber um meinen hungrigen Magen und nicht um meinen Glauben" (Spirago, Beispiele). Wenn aber die befugte Obrigkeit fragt, müssen wir antworten, auch wenn uns der Tod bevorstünde. So tat es auch Christus vor Kaiphas (Matth. 26, 63). Hier gelten die Worte Christi: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, aber die Seele nicht töten können" (Matth. 10, 28). Der würde den Zorn Gottes auf sich ziehen, der Menschen mehr als Gott fürchten würde (hl. Aug.). Auch soll man sich mit glaubenslosen Menschen in keinen Streit wegen des Glaubens einlassen. Schon der sel. Kanisius sagte: „Religionsstreitigkeiten erhitzen nur die Gemüter und vermehren die Erbitterung." Die Religion ist eine so heilige Sache, daß man auch das, was man von ihr sagt, mit großer Bescheidenheit sagen soll (Salvian). Solche Streitigkeiten kommen namentlich im Wirtshause vor; hier soll man jedoch jedes Gespräch über Religion vermeiden.
2. Wer seinen Glauben
vor den Menschen unerschrocken bekennt, den zeichnet Gott auf Erden und
nach dem Tode aus.
Die mutige Veronika
erhielt von Christus sofort eine Auszeichnung; denn der Heiland prägte
dem dargereichten Schweißtuche sein hl. Antlitz ein. Gott erhöht
oft jene, die ihren Glauben unerschrocken bekennen. Der hl. Petrus bekannte
vor seinen Mitaposteln unerschrocken die Gottheit Christi; dafür pries
ihn Christus sofort selig und machte ihn zum Oberhaupte der Apostel (Matth.
16, 18). Die drei Jünglinge zu Babylon bekannten vor dem Könige
und allem Volke den Glauben an den wahren Gott; dafür rettete Gott
sie aus dem Feuerofen und sie wurden dann zu hohen Ehren erhoben (Dan.
3). Man denke auch an den Grafen Rudolf von Habsburg, der auf
der Jagd einen zum
Kranken gehenden Priester traf und dem hl. Altarsakramente Ehre erwies;
einige Jahre nachher wurde er zu Frankfurt von den deutschen Fürsten
zum König von Deutschland erwählt (1273). Man beachte, daß
auch irdische Herrscher mutige Soldaten auszeichnen. - Ewigen Lohn verspricht
Christus mit den Worten: „Wer mich vor den Menschen bekennen wird, den
will ich auch vor meinem Vater bekennen, der im Himmel ist" (Matth. 10,
32). - Wer seinen Glauben unerschrocken bekennt, erzwingt sich auch die
Achtung bei seinen Mitmenschen; wer ihn aber verleugnet, verfällt
der Verachtung.
3. Den größten
Lohn im Himmel hat der zu erwarten, der seines Glaubens wegen verfolgt
oder getötet wird.
Wer seines Glaubens
wegen große Verfolgungen zu ertragen hat, heißt Bekenner. Christus
sagt: „Selig seid ihr, wenn euch die Menschen schmähen und verfolgen
und alles Böse mit Unwahrheit wider euch reden um meinetwillen! Freuet
euch und frohlocket: denn euer Lohn ist groß im Himmel" (Matth. 5,
12). — Wer des Glaubens wegen getötet wird, heißt Märtyrer
oder Blutzeuge, weil er mit seinem Blute, d. h. durch Hingabe seines Lebens,
seinen Glauben bezeugt hat. Ein solcher erlangt sicher die ewige Seligkeit;
denn Christus sagt: „Wer sein Leben um meinetwillen verliert, der wird
es finden" (Matth. 10, 39). Wie freudig starben daher die hl. Märtyrer!
„Man würde einem Märtyrer Unrecht tun, wenn man für ihn
beten würde" (Innoc. III.). Der Märtyrer besitzt den höchsten
Grad der Gottesliebe, weil er alles Irdische, sogar das höchste irdische
Gut, das Leben, für Gott hingibt. Jeder Märtyrer ist ein Sieger,
und wird daher mit der Palme abgebildet; ein Sieger ist er, weil er das
erreicht hat, was er gewollt. Man schätzt die Zahl der Märtyrer
auf 16 Millionen. „Der ist kein Christ, welcher sich fürchtet, für
die Wahrheit zu sterben" (hl. Cyp.).
Doch darf niemand
die Verfolgungen oder den Märtyrertod absichtlich aufsuchen. Manche,
die das taten (z. B. sich selbst anzeigten, Götzentempel einrissen
u. dgl.), sind dann in der Versuchung unterlegen; auch wurden solche in
der Regel nie von der Kirche als Märtyrer verehrt. „Man soll niemand
Anlaß geben, ungerecht zu handeln" (hl. Thom. Aq.). Es ist sogar
durch Christus erlaubt worden, der Verfolgung zu entfliehen (Matth. 10,
23). Auch Christus entfloh, ebenso die Apostel und ausgezeichnete Bischöfe,
wie ein hl. Cyprian und hl. Atanasius. Nur Seelenhirten dürfen nicht
fliehen, wenn das Seelenheil der Gläubigen ihre Gegenwart notwendig
macht (hl. Thom. Aq.). Der Mietling flieht, wenn der Wolf kommt, keineswegs
aber der gute Hirt (Joh. 10, 12). Nur dann können Seelenhirten fliehen,
wenn ihre Gegenwart nicht notwendig ist, und nur noch zu größerer
Verfolgung reizen würde (hl. Cyp.). Wer aber für eine Irrlehre
stirbt, ist kein Märtyrer; denn einem solchen fehlt die Gottesliebe,
ohne welche selbst der Märtyrertod keinen Wert hat (1. Kor. 13, 3).
Hus aus Prag, der sich in Konstanz lieber verbrennen ließ, als daß
er auf seine eigene Meinung verzichtet und der Irrlehre entsagt hätte,
war also kein Märtyrer (Er starb 1415). Wohl aber ist der ein Märtyrer,
der des Glaubens wegen verwundet wird und an der Wunde stirbt; auch wer
seines Glaubens wegen zu lebenslänglichem Kerker oder zur Verbannung
verurteilt wird; oder wer einer christlichen Tugend wegen ums Leben kommt,
wie z. B. Joh. der Täufer, Joh. von Nepomuk, weil die christliche
Tugend ein gewisses Bekenntnis des Glaubens ist (hl. Thom. Aq.).
4. Wer aber seinen Glauben aus Furcht oder Scham verleugnet oder gar vom Glauben abfällt, dem droht Christus mit den Worten: „Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den will auch ich vor meinem Vater verleugnen, der im Himmel ist" (Matth. 10,32); ferner: „Wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird auch der Menschensohn sich schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit" (Luk. 9, 26).
Wer den Glauben verleugnet, macht es wie Petrus, der in großer Angst Christum verleugnete (Matth. 26, 69). Diese Sünde hat der hl. Petrus bis zum Tode beweint. In den Zeiten der Christenverfolgungen verleugneten manche ihren Glauben und opferten den Götzen. Mitunter schämen sich manche, das hl. Kreuz zu machen, die Sakramente zu Ostern zu empfangen oder den Leib des Herrn auf der Straße anzubeten, wenn der Priester zum Kranken geht, u. dgl. Manche wieder nehmen teil an den Religionsübungen der Andersgläubigen, indem sie eine gemischte Ehe schließen vor dem Diener einer fremden Kirche, Patenstelle bei der Taufe Andersgläubiger übernehmen, das Abendmahl der ... Andersgläubigen empfangen u. dgl. (Wer sich aber aus Menschenfreundlichkeit bei Leichenbegängnissen oder Hochzeiten Andersgläubiger beteiligt, sündigt nicht.) Solche Leute, die aus Furcht oder Scham ihren Glauben verleugnen, verlieren auch die Achtung bei ihren Mitmenschen; denn Feiglinge achtet man nicht. Kaiser Konstantius, der Vater Konstantin d. Gr., befahl einmal seinen christlichen Hofbediensteten, den Götzen zu opfern. Manche opferten wirklich aus Furcht; diese hielt der Kaiser für treulose Menschen und trieb sie aus seinem Dienste (Spirago, Beispiele). - Noch unglücklicher ist, wer vom Glauben abfällt. Der König Solomon fiel vom wahren Glauben zum Heidentume ab und wurde ein Götzendiener. Kaiser Julian Apostata (t 363) fiel vom katholischen Glauben ab und wurde dann der größte Christenfeind; man denke an seinen Tempelbau zu Jerusalem. Noch jetzt kommt es vor, daß Katholiken zu ... anderen Religionen übertreten oder sich konfessionslos erklären, d. h. keinem bestimmten Glaubensbekenntnis angehören wollen. Ein Sprichwort sagt: Wer seinem Gott die Treue bricht, der hält sie auch den Menschen nicht.
5. Katholiken verleugnen
oder verlassen ihren Glauben zuweilen des Geldes wegen oder aus anderen
irdischen Rücksichten.
Katholiken verlassen
manchmal den Glauben, wenn sie einen Andersgläubigen, der reich ist,
heiraten sollen. Solche Leute gleichen dem Judas, der um des Geldes willen
den Heiland verriet. In der Regel fallen nur lasterhafte Menschen vom Glauben
ab. „Es glaube niemand, daß gute Menschen von der hl. Kirche abfallen.
Ein gutes Korn trägt der Wind nicht davon, sondern nur leere Spreu"
(hl. Cyp.). Einen gesunden Baum reißt der Wind nicht um, wohl aber
einen morschen. ... Die, welche abfallen, kreuzigen den Sohn Gottes aufs
Neue (Heb. 6,4), begehen also eine Todsünde. Der katholische Christ
soll sich durch keine Versuchungen vom Glauben abbringen lassen. Er soll
einem fest gewurzelten Baume gleichen, der den stärksten Stürmen
trotzt; dem Soldaten, der auch im Kriege seinen Posten nicht verläßt.
Ein Sprichwort: „Vermögen verloren, viel verloren; Leben verloren,
mehr verloren; Glauben verloren, alles verloren."
6. Heutzutage gibt
es ein wirksames und verdienstliches Glaubensbekenntnis, wenn man nämlich
für die religiösen und kirchlichen Interessen im öffentlichen
Leben eintritt.
Heutzutage kann man
seinen Glauben bekennen: wenn man bei den Wahlen christlich gesinnte Männer
wählt, eine christliche Zeitung hält, einem katholischen Verein
als Mitglied beitritt, an einer Katholiken-Versammlung teilnimmt. Das alles
trägt oft Spott und Verfolgung ein. Die gegenwärtige Welt teilt
sich nämlich immer mehr in zwei Lager; die einen sind für Christus,
also Christen, und die andern sind gegen Christus, also Antichristen. Wer
also heutzutage für Christus und seine Kirche eintritt, wird von den
Antichristen verfolgt und kann leicht ein Bekenner, sogar ein Märtyrer
werden. Hedley, Bischof von Birmingham, ermahnt eindringlich, für
die Interessen der kathol. Religion in der Öffentlichkeit mutig einzutreten
durch Sympathie mit den Priestern, dann bei den Wahlen in die staatlichen
Korporationen, bei der Gründung katholischer Vereine und durch Verbreitung
und Unterstützung der christlichen Presse; er erklärt auch: „Die
Feigheit hat der Kirche viele Nachteile gebracht. Wären die Katholiken
mutig gewesen, so wären dem katholischen Glauben manche Nachteile
erspart worden."
| Der Heilige Peter
Fourier hatte in schwerer Zeit in seiner Pfarrei dringend gebeten, ja direkt
vorgeschrieben, daß jeder Bauer an sein Haus und Stalltüre die
Worte anbringe:
"Maria ist ohne Sünde empfangen" Dies hatte zur Folge, daß seine Gemeinde vor Plünderungen, Mord und Seuche verschont blieb im Gegensatz zu den angrenzenden Gemeinden. - Diese Tatsachen sollte man einmal gründlich durchdenken! |
(Quelle: Auszüge
aus: "Dienst am Glauben", Heft 4 - Okt. - Dez. 2012, S. 104 - 108, Innsbruck)
(Bild: Gnadenkreuz
von Heroldsbach bei Forchheim/Bayern)