Fronleichnamsfest: Hochgelobt und gebenedeit sei das Allerheiligste Sakrament des Altares!

 
 
"Aufgerichtet in Gnaden ein Thron" (Isaias 16,5)
  Hochgelobt und gebenedeit
sei das Allerheiligste Sakrament des Altares
P. Fridolin Außersdorfer OFM, Innsbruck

Darum hier ein Wort über das hochheilige Fronleichnamsfest: "Hochfest des Leibes und Blutes Christi, der wirklichen und leibhaftigen Gegenwart Christi":
Erstens, Begründung Zweitens, Geschichte Drittens, Feier dieses Festes
Viertens, Weltfronleichnam der Eucharistischen Kongresse

I. Begründung
Was sagt das Konzil von Trient? - Zeugnisse der Päpste.
1. Das Konzil von Trient (1545-1563)
»Wahre und echte Frömmigkeit ist es, jedes Jahr dieses erhabene und hochheilige Sakrament mit einzigartiger Festlichkeit und Verehrung zu feiern; und es in Prozessionen in Ehrfurcht und mit Lobgesängen durch Straßen und über öffentliche Plätze zu tragen.
Denn es ist überaus würdig und recht, einige heilige Tage festzusetzen, an denen alle Christen mit einzigartiger und seltener Feierlichkeit die Dankbarkeit ihres Herzens
und Denkens bekunden für die unaussprechliche und wahrhaft göttliche Wohltat die uns der Herr und Heiland in diesem Sakrament erweist. Da er als triumphierender Sieger über den Tod lebendig und verklärt zugegen ist! Da soll die siegreiche Wahrheit über Lüge und Irrtum triumphieren! Damit ihre Gegner beim Anblick solchen Glanzes und solcher Freude gebeugt oder gebrochen, verstummen oder in Scham und Verwirrung endlich einmal zur Besinnung kommen« (Denz 878) (So das berühmte Konzil in der 13. Sitzung am 11. Oktober 1551)
2. Papst Paul VI.:
»Die göttliche Gegenwart des Herrn verdient unsere ganze Aufmerksamkeit. Sie bildet auch den hauptsächlichen Anlaß zur Feier des Fronleichnamsfestes.«
3. Papst Johannes Paul II.: »Christus ist bei uns!
Das ganze Christentum kreist um diese Tatsache: Hier ist Jesus! Er ist hier! Als Erstes fühlen wir uns zur Anbetung und zujubelnder Freude gedrängt.
Diese göttliche Gegenwart des Herrn verdient unsere ganze Aufmerksamkeit. Sie bildet auch den Hauptgrund zur Feier des Fronleichnamsfestes!«

II. Geschichte des Fronleichnamsfestes:
Dieses Fest ist keineswegs - wie blinde Unkenntnis manchmal behaupten möchte -eine Erfindung des Mittelalters!
Wir finden es - wie ein Samenkorn - schon in den Furchen der christlichen Vorzeit eingewurzelt.
Hochfeierliche Übertragung des Allerheiligsten vom Altar in das »Pastophorion« -und zu den Kranken - war im Kern schon »Fronleichnamsprozession«. 1. Es gibt eine auf die Apostel zurückgehende Kirchenordnung, die man »Apostolische Konstitutionen« nennt.
Nach dieser alten Kirchenordnung mußte an der Ostseite jedes Gotteshauses ein sakristeiähnlicher Anbau gemacht werden: »Pastophorion« genannt.  Das heißt, Gemach für den Bräutigam; weil nach dem sonntäglichen Gottesdienst der im Wunderbaren Sakrament gegenwärtige Bräutigam der Kirche in feierlicher Prozession vom Altar in dieses Gemach geleitet worden ist.
Übertragung des Allerheiligsten vom Altar in dieses Gemach des Bräutigams - und nach entsprechender Zeit wieder zurück in den gottesdienstlichen Raum zur Feier der Kommunion-Gottesdienste in der Fastenzeit hochfeierlich unter Psalmengesang
Beräucherung
und ergreifenden Gesängen - was war das anderes als Fronleichnamsprozession?
2. Dazu die Tatsache, daß nach einem auf die Apostel zurückgehenden Ritus der Priester und die ihn begleitenden Gläubigen zur Krankenkommunion gebetet haben:
»Gelobt sei unser Gott
jetzt und allezeit! Kommt! - Laßt uns anbeten
den König, unseren Gott! Kommt! - Laßt uns anbetend niederfallen vor Christus
unserem König und Gott!»
Es war also nur Entfaltung des im Kern bereits Vorhandenen, als auf Anregung der heiligen Juliane von Lüttich das Fronleichnamsfest zum erstenmal 1246 in Lüttich gefeiert, im Jahre 1264 von Papst Urban IV. für die ganze Kirche eingeführt und schließlich durch das Konzil von Trient gefördert wurde.
3. So ist die Fronleichnamsprozession ganz von selbst zu einem öffentlichen feierlichen Glaubensbekenntnis geworden.
Ihrem innersten Charakter nach beibt sie ein Bekenntnis zu dem im Heiligen Sakrament gegenwärtigen Herrn und Heiland Jesus Christus.
Als das Christentum nach jahrhundertelangem Kampf die Freiheit erlangt; und bald ganze Völker sich zu Christus bekannten, da war nichts natürlicher, als daß man daran dachte, den Triumphzug vom ersten Palmsonntag in dankbarer Begeisterung und mit eindrucksvolleren Ausdrucksmitteln zu erneuern.
Am Fronleichnamstag zeigt die Kirche, daß sie (trotz aller Schwäche) doch gewissermaßen ein Abbild der himmlischen Stadt Gottes ist! - Und zwar auch die konkrete Kirche an diesem und jenem Ort. Sie ist die Gemeinschaft derjenigen, die den im Altarmysterium gegenwärtigen Herrn als ihre Mitte mit allen nur möglichen Ausdrucksformen - ehrt und verehrt!

III. Feier des Fronleichnamsfestes
In christlichen Pfarrgemeinden - nach Orten und Ländern.
In christlichen Pfarrgemeinden
Wie es vor Einbruch des Verderbens in die Kirche - gefeiert wurde - und bestimmt wieder einmal gefeiert werden wird:
1. Die heilige Hostie in der Monstranz -
»Hochgelobt und gebenedeit -«
Unter einem Baldachin getragen.
Die Priester in kostbaren Gewändern.
Alle Gläubigen auf den Knien.
Kirchtürme im Schall der Glocken.

2. Die Prozession setzt sich in Bewegung
Die Kinder in Reih und Glied.
Die Frauen in bunter Volkstracht.
Junge Männer tragen Fahnen.
Festlich geschmückte Häuser.
Lieder und Festgesänge. Blumengeschmückte Altäre im Kranz von Lichtern
Rauchfaßschwingende Akolythen
Wolken von Weihrauch
Markante Kommandorufe
Ehrensalven
Musik stimmt ein
Sogar der Windhauch
spielt mit den Federn auf den Hüten der Musikanten.

»Hochgelobt und gebenedeit sei das Allerheiligste Sakrament des Altares«
Nach verschiedenen Orten und Ländern: In Deutschland - Italien - Polen - Spanien. Deutschland:
In Köln war die erste Fronleichnamsprozession schon im Jahre 1274. Zur 700-Jahr-Feier wurde dieses Fest 1974 mit großer Freude begangen.
Vor der Sakramentsgruppe gingen Mitglieder des Malteserordens sowie zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.
In großer Zahl nahmen ausländische Volksgruppen und katholische Gastarbeiter an der Prozession teil. Italiener, Spanier, Slowenen, Portugiesen und Ungarn. Im Anschluß an den feierlichen Gottesdienst begab sich die Prozession mit dem Allerheiligsten zum Rheinufer und bestieg den weißen, mit Blumen geschmückten Rheindampfer.

In München
ist die Fronleichnamsprozession bis in unsere Zeit mit großer Feierlichkeit gehalten worden.
Wer kennt nicht das herrliche Bild, das Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber zeigt, wie er seinen gläubigen Blick auf die von ihm getragene hocherhobene Monstranz richtet? 18. Juni 1992:
»Bei der großen Fronleichnamsprozession in München nahmen über 6000 Menschen teil. Ferner säumten viele Tausende betend und singend den Prozessionsweg. Die Eucharistiefeier zelebrierte der Kardinal auf dem Marienplatz.
Die Prozession, angeführt von fünf Reitern der Polizei und Jugendlichen mit dem großen »Münchner Jugendkreuz«, nahm ihren Weg durch die Münchner Innenstadt. Während der Prozession trug der Kardinal die Monstranz mit dem Allerheiligsten. Zahlreich beteiligten sich Verbände und Organisationen, Vereine und Gruppen mit Bannern und Traditionsfahnen an der Prozession. Ein farbenprächtiges Bild boten die Gruppen aus Osteuropa, die in ihren Nationaltrachten erschienen waren.
Auch Welt- und Ordenspriester beteiligten sich an der Prozession. Erstmals nahmen auch fünf Münchener Stadtpfarreien gemeinsam mit ihren Pfarrgeistlichen an der großen Stadtprozession teil.
Besonders zahlreich waren die Ordensschwestern und die Farben tragenden katholischen Studentenverbindungen, die Ordensritter und oberbayerischen Heimatgruppen vertreten.

Italien:
Papst Johannes Paul II. hat am 17. Juni 1979 in Rom Fronleichnamsprozession gehalten, indem er selbst den Heiligsten Leib des Herrn in der Monstranz - allen Pfarrern der ganzen Welt zum Beispiel - durch die Stadt Rom getragen
und dann in seiner Ansprache betonte: »Wie bewunderungswürdig ist unser Gott!
Wie wunderbar, daß er will, daß wir ihn in der Gestalt des Brotes lieben und verehren!«
Italien ist das Land der Blumenteppiche: Viele Städte verwandeln sich zu Fronleichnam in Italien in ein »leuchtendes Blumenmeer«.
»Im mittelitalienischen Genzano di Roma zeichnen am Vorabend - im Licht der Lampen - Künstler mit Kalk und Kreide Bilder auf das Pflaster, die am nächsten Tag mit Millionen Blütenblättern ausgelegt werden; die eine Fläche von fast zweitausend Quadratmetern bedeckt und aus zwölf jeweils sieben mal vierzehn Metern großen Bildern besteht.
Die Tradition dieser Blütenfeste entstand wahrscheinlich im 17. Jahrhundert im Vatikan.«

Polen:
In einem Bericht vom 17. Juli 1974 heißt es:
»Auch in diesem Jahr fanden in allen Gemeinden Polens, vor allem in den großen Städten, am Fronleichnamsfest liturgische Feiern statt, an denen Gläubige in großer Zahl teilnahmen.
Auf den Bildern: Die große eucharistische Prozession in Warschau, die vom polnischen Primas Kardinal Stefan Wyszynski geleitet wurde auf einem Platz der Altstadt bei der Säule des heiligen Sigismund - Beim letzten Altar hielt der Erzbischof von Gnesen und Warschau eine Homilie über die Bedeutung der heiligen Eucharistie in der Kirche.
Die Fronleichnamsprozession in Krakau wurde von Kardinal Karol Wojtyla geleitet. Teilweise nahmen die Gläubigen in ihrer Nationaltracht daran teil. In einem anderen Bericht  heißt es: »Sowohl in Krakau als auch in Warschau, Breslau, Posen, Tschenstochau und Danzig haben heuer wieder - teilweise erstmals seit 40 Jahren - Fronleichnamsprozessionen stattgefunden. Erstmals hat auch das polnische Femsehen Nachrichten über die Fronleichnams-Feierlichkeiten gebracht«.

Spanien:
In Spanien ist das Fronleichnamsfest schon immer als wahres Volks- und Nationalfest gefeiert worden. »Die Kunde von der Großartigkeit der provencalischen Spiele zu Ehren des Heilandes im heiligen Sakrament klingt wie ein Märchen« -Calderon nannte seine Vaterstadt Madrid »das edle Herz Spaniens, das in der Fronleichnamsfeier leuchtet über alle Lande«.

IV. »Weltfronleichnam« der Eucharistischen Kongresse
Die Eucharistischen Kongresse sind
»Ausdruck besonderer Verehrung und Liebe
der ganzen Kirche
zum heiligen Sakrament.«
Papst Johannes Paul II." Hier folgt eine zusammenfassende Übersicht aller bisherigen Eucharistischen Kongresse unter Leitung der Päpste, angefangen von Papst Leo XIII. bis heute.
1. Papst Leo XIII.:
»Der wahre Glaube befiehlt
Jesus Christus zu bekennen und anzubeten
wo er im Sakrament des Altares gegenwärtig ist.«
Eucharistische Kongresse in Lille - Avignon - Lüttich - Freiburg - Toulouse - Paris -Antwerpen - Jerusalem - Reims - Parey le Monial - Brüssel - Lourdes - Angers und Namur.
2. Papst Pius X.:
»Jesus ist der größte Schatz des Paradieses.
Das größte Geschenk, das die darniederliegende Menschheit empfangen hat!«
Eucharistische Kongresse: Rom - Metz - London - Köln - Montreal - Madrid - Wien und Lourdes.
3. Papst Pius XL:
»Die heilige Kirche war immer bemüht, die Gläubigen zu er-
mahnen, das heilige Sakrament als das Zentrum der christlichen Religion und Frömmigkeit zu betrachten; und es mit dem Glanz allerhöchster Verehrung zu umgeben.«
Eucharistische Kongresse: Rom - Amsterdam - Chicago - Sidney - Karthago -Dublin - Buenos Aires - Manilla und Budapest.
Michael Kardinal Faulhaber schrieb in seinem Hirtenbrief zur Fastenzeit 1936: Unter Papst Pius XI. habe ich Eucharistische Kongresse miterlebt, auf denen die Völker wie aus einer Zunge der salutaris hostia dem »Geheimnis des Glaubens »zujubelten«!
Auf dem 32. Eucharistischen Weltkongreß am 14. Oktober 1934 in Buenos Aires hat
Papst Pius XI. erklärt:
»Wir wollen den drei Jubelrufen
Christus vincit
Christus regnat
Christus imperat - als vierten:
Christus triumphat! hinzufügen!«

4. Papst Pius XII.:
Über Radio Vatikan am 27. Oktober 1940:
»Lobpreiset! - Ich bitte Euch!
den Herrn und König im heiligen Sakrament
nach Kräften, so gut Ihr könnt!«
Eucharistische Kongresse: Barcelona und Rio de Janero.
5. Papst Paul VI.:   »Wenn im Leben der Kirche die heilige Liturgie den ersten Platz einnimmt, so ist das Geheimnis der heiligen Eucharistie gleichsam Herz und Mittelpunkt der heiligen Liturgie.
Weil es der Lebensquell ist
der uns vereinigt und stärkt, daß wir nicht mehr uns, sondern für Gott leben; und untereinander geeint sind durch das Band der Liebe.«
Eucharistische Kongresse: Philadelphia und Bogota.
6. Papst Johannes Paul XXIII.:
Unter Papst Johannes XXIII. war 1960 der Eucharistische Kongreß in München.
7. Papst Johannes Paul II.:
»Die Kraft dieser unerhörten Botschaft, dieser Torheit und zugleich Weisheit Gottes soll die Welt treffen!«  1, Kor, 1,21 »Aufgabe der Eucharistischen Kongresse ist es vor allem, die Grundlagen der Eucharistielehre herauszustellen, so wie diese ohne Unterbrechung meditiert und geliebt worden ist. Angefangen von den Aposteln über die Märtyrer - die Kirchenväter - das christliche Mittelalter - die Konzilien.
(L'Osservatore romano vom 23. Februar 1979, 5)
Eucharistische Kongresse: Lourdes - Neurobi in Afrika - und 1989 in Korea. Schluß: (aus der Fronleichnamsbulle Papst Urban IV: »Transiturus de hoc mundo« vom Jahre 1262) »Als sichtbaren Erweis seiner überaus großen Liebe mit welcher er uns geliebt hat Jesus Christus dieses überaus erhabene
verehrungswürdige
bewunderungswürdige
Staunen erregende
beglückende
liebliche
über alles kostbare Sakrament eingesetzt
in welchem alle Wunder erneuert und hineinverwandelt, also darin enthalten sind!
In welchem sich jegliche Beglückung findet
jeglicher Wohlgeschmack
ja, die Süßigkeit des Herrn selbst.«
(Quelle: "Dienst am Glauben", Heft 2, April-Juni 1994, S. 43ff., Innsbruck)



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