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Die Erlösung
Franz Spirago - Katholischer
Volkskatechismus 1914
Von den schlimmen Folgen der
Erbsünde hat uns Jesus Christus, unser Erlöser, befreit.
Der gefallene Mensch allein war unvermögend,
sich die frühere Heiligkeit und Gerechtigkeit und die damit verbundenen
Güter wieder zu erwerben. Ein leiblich Toter kann sich nicht selbst
auferwecken; ebenso kann sich auch ein geistig Toter nicht selbst zum geistigen
Leben wiedererwecken. „Wenn schon der Mensch die Gerechtigkeit, die er
empfangen hatte, nicht ohne Gottes Gnade bewahren konnte, wie sollte er
imstande sein, sie wiederzuerlangen, nachdem er sie verloren hatte" (hl.
Aug.). Der Mensch glich nach der Erbsünde einem Kranken, der zwar
Hände und Füße bewegen, doch ohne fremde Beihilfe nicht
von seinem Krankenbette aufstehen und an den Ort seiner Bestimmung gelangen
kann (hl. Th. Aq.). Was der barmherzige Samaritan dem unter die Räuber
gefallenen Juden war, das war Christus der durch die Arglist des Teufels
verwundeten und ihrer übernatürlichen Gaben beraubten Menschheit.
Christus ist also der Heiler oder Heiland der Menschheit, weil er der durch
die Erbsünde krank gewordenen Menschheit die Arznei gebracht hat (Sailer).
Christus befreite uns von den geistigen Folgen
der Erbsünde durch Folgendes:
1) Er erleuchtete durch seine Lehre unseren
Verstand;
2) Er neigte durch seine Gebote und Verheißungen
unseren Willen zum Guten hin;
3) Er erwarb uns durch sein Kreuzesopfer die
Gnadenmittel, durch die wir uns die heiligmachende Gnade wieder erwerben,
Kinder Gottes und Erben des Himmels werden können.
Christus bekleidete also ein dreifaches Amt:
das prophetische oder Lehramt, das königliche oder Hirtenamt und das
hohepriesterliche oder
Priesteramt. Christus ist also unser Lehrer, König
und Hoherpriester. Man betrachte die drei Teile des Katechismus:
Im 1. Teile (Glaubenslehre) erscheint Christus
vornehmlich als Lehrer, im 2. (Sittenlehre) als König, im 3. (Gnadenlehre)
als Hoherpriester. Dieses dreifache Amt schreibt sich Christus unter verschiedenen
Ausdrücken zu. Er nennt sich zum Beispiel das „Licht der Welt", weil
er nämlich durch seine Lehre unseren Verstand erleuchtet (Joh 12,46).
Gleichwie ein Licht in der Dunkelheit entfernte Gegenstände hell und
sichtbar macht, so macht uns auch Christus die entferntesten Gegenstände,
nämlich das Jenseits und die Ewigkeit, hell und klar. Daher wurde
der von den Völkern erwartete Bringer des Heiles gewöhnlich die
„Weisheit" (griechisch Sofia) oder das „Wort" (griechisch Logos) genannt.
Diesen Titel, das „Wort", gibt ihm auch der hl. Johannes zu Beginn seines
Evangeliums. Christus nennt sich vor Pilatus einen König, dessen Reich
nicht von dieser Welt ist (Joh 18,36). Er nennt sich ferner den „guten
Hirten", der sogar sein Leben für seine Schafe hingibt (Joh 10,11).
Er zeigt uns nämlich wie ein Hirt den Weg, den wir wandeln sollen.
Er nennt sich daher auch den Weg, da er sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit
und das Leben" (Joh 14,6). Wir sind in dieser Welt Wanderer, die hier keine
bleibende Stätte haben, sondern die künftige suchen. Der Weg
dahin ist rauh, steil und von Abgründen umgeben, und es waren sehr
viele, die sich aus Unkenntnis des Weges verirrten und zugrundegingen.
Doch wir haben auf diesem Weg einen Wegweiser, Jesum Christum. Wenn wir
diesem Führer folgen und seine Spur nicht verlassen, so können
wir vom rechten Wege nicht abirren (Lud. Gran.). Der hl. Paulus nennt Christum
den großen „Hohenpriester" (Hebr 2,17), der nicht nötig hatte,
zuerst für seine eigenen Sünden und dann für die des Volkes
zu opfern (Hebr 7,27), der nicht etwa Tiere, sondern seinen Leib ein für
alle Mal opferte (Hebr 10), und der die Himmel durchgedrungen hat (Hebr
4,15). Durch seinen Gehorsam hat er den Ungehorsam des Adam gesühnt
(Rom 5,19); er war gehorsam bis zum Tode am Kreuze (Phil 2,8). Der hl.
Johannes der Täufer nennt ihn das „Lamm Gottes, das hinwegnimmt die
Sünden der Welt" (Joh 1,29). - Weil uns Christus durch sein Kreuzesopfer
die Gnadenmittel erworben hat, durch die wir uns die heiligmachende Gnade
und mit ihr die Kindschaft Gottes (Gal 4,5) und das Anrecht auf den Himmel
(Gal 4,7) wieder erwerben können (diese Gnadenmittel sind nämlich
das Messopfer und die Sakramente), so sagen wir: Christus hat uns den Himmel
wieder geöffnet. Weil uns Christus durch seine Erlösung den Himmel
geöffnet hat, zerriss bei seinem Tode der Vorhang, der das Allerheiligste
verbarg (Mt 27,51). Wir haben zuversichtliche Hoffnung, durch das Blut
Christi einzugehen ins Heiligtum, das heißt in den Himmel (Hebr 10,19).
Das Kreuz ist der Schlüssel des Himmels (hl. Chrys.).
Christus befreite uns von den leiblichen Folgen
der Erbsünde durch Folgendes: 1) Er ist anstatt unser gestorben und
hat uns dadurch die Auferstehung von den Toten verdient; 2) Er hat uns
durch seine Worte und durch sein Beispiel gelehrt, was wir tun sollen,
um schon auf Erden glücklich wie im Paradiese zu leben, und um die
Welt beherrschen und besiegen zu können; 3) Endlich hat er uns die
Mittel gegeben, durch die wir den bösen Feind von uns fernhalten
und besiegen können.
Christus war frei von jeder Sünde, auch
von der Erbsünde. Daher brauchte er nicht zu sterben, da der Tod eine
Strafe der Erbsünde ist. Er starb freiwillig für uns. Somit ist
es gerecht, dass wir das Leben zurückbekommen und nach dem Tode auferstehen.
Zur Erklärung diene ein Gleichnis: Ich bin einen Geldbetrag schuldig.
Mein Bruder bezahlt ihn und hierauf bezahle ich ihn auch noch. In diesem
Falle ist es gerecht, dass ich das Geld zurückbekomme. Ähnlich
verhält es sich hier. Christus ist daher die „Auferstehung und das
Leben" (Joh 11,25). Dass wir auferstehen werden, hat Christus durch seine
eigene Auferstehung zeigen wollen (1. Kor 15). „Durch einen Menschen ist
der Tod, und durch einen Menschen die Auferstehung von den Toten" (1. Kor
15,21). - Wenn wir die Lehre Christi befolgen, so erlangen wir die wahre
Zufriedenheit (man denke an die Worte Christi zur Samariterin, Joh 4,13)
und haben schon teilweise das Paradies auf Erden. Durch Ausübung der
Tugenden, die Christus gelehrt und geübt hat, insbesondere der Demut,
Sanftmut, Freigebigkeit, Keuschheit und durch Befolgung der evangelischen
Räte können wir die Versuchungen und Plagen des bösen Feindes
fernhalten, aber nur solche, die unserm Seelenheile schädlich sind.
Christus hat also die Gewalt des Teufels nur gebrochen (Offb 12,8 ff.);
vollständig vernichten wird er sie erst am Ende der Tage (1. Kor 15,24).
Christus hat also den Satan von der Höhe seiner Macht herabgestürzt;
mit Recht sprach er: „Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen"
(Lk 10,18).
Christus ist auch deswegen der Erlöser
der Menschheit, weil er durch sein Evangelium zur Beseitigung vieler sozialer
Übelstände beigetragen hat. Die Sklaverei hörte nach und
nach auf, ebenso die grausamen Gladiatorenkämpfe, die Menschenopfer
und insbesondere die unwürdige Stellung der Frau. - Durch unsern Erlöser
Jesum Christum haben wir also fast alles das wiedererlangt, was wir durch
die Erbsünde verloren hatten. Allerdings sind viele Folgen der Erbsünde
geblieben, so die Begierlichkeiten in uns, die Krankheiten, der Tod. Doch
dafür haben wir gleichsam zum Ersatze durch die Verdienste Christi
mehr und Größeres erlangt, als wir durch den Neid des Satans
verloren hatten (hl. Leo Gr.). Die Sünde war überschwenglich,
die Gnade aber noch überschwenglicher (Rom 5,20). Der hl. Augustin
ruft vor Freuden aus: „O glückliche Schuld, die uns einen so herrlichen
und so großen Erlöser gebracht hat."
2) Die Verheißung des Erlösers.
Gott verzieh den gefallenen Menschen, obwohl
er einst den gefallenen Engeln nicht verziehen hatte. Die Sünde der
Menschen war nämlich nicht so strafwürdig wie die der Engel.
Die Menschen hatten keine so große Erkenntnis wie die Engel und waren
vom Teufel verführt worden. Auch haben die Menschen ihren Fehler doch
zum Teile eingestanden und bereut. (Nur sollten sie die Schuld nicht auf
andere schieben!) Endlich wollte Gott nicht wegen der Schuld eines Einzigen
das ganze Menschengeschlecht ins Unglück stürzen.
Gleich nach dem Sündenfalle versprach
Gott den Menschen einen Erlöser. Gott sprach nämlich zur höllischen
Schlange: „Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, zwischen
deiner und ihrer Nachkommenschaft; sie wird dir den Kopf zertreten" (1.
Mos 3,15).
Der Sinn dieser Worte ist folgender: Ich will Feindschaft setzen
zwischen dem Teufel und der Allerreinsten Jungfrau Maria, zwischen den
Anhängern des Teufels und dem Sohne der Jungfrau, Christus (Gal 3,16);
die Jungfrau Maria wird den gebären, der die Macht des Teufels vernichten
wird, d. h. der das Menschengeschlecht, über das der Teufel infolge
der Erbsünde großen Einfluss erlangt hat, wieder von der Macht
des Teufels freimachen wird. Es irren, die da meinen, Gott habe durch diese
Worte dem Menschen nur eine feindselige Gesinnung oder Abneigung gegen
die Schlange eingeprägt. Man bedenke, dass Gott diese Worte gegen
den Verführer des Menschen und nicht etwa nur gegen dessen Werkzeug,
die Schlange gerichtet hat. Wegen der Worte: „Sie
wird dir den Kopf zertreten" befindet sich oft auf Bildern der Mutter
Gottes unter deren Fuße der Kopf der Schlange. - Diese Worte Gottes
pflegt man das erste Evangelium, d. h. die erste frohe Botschaft
vom Erlöser zu nennen. - Doch der Erlöser kam nicht gleich; die
Menschen mussten erst auf seine Ankunft vorbereitet werden. Überdies
wurden die Menschen später sehr sinnlich und waren daher nicht fähig,
eine so große Gnade zu empfangen. Gott musste sie vielmehr oft empfindlich
strafen. Man denke an die Sündflut (Sintflut), an die Zerstörung
der Städte Sodom und Gomorrha, an den babylonischen Turmbau.
2000 Jahre später versprach Gott dem
Abraham, dass einer seiner Nachkommen der Erlöser sein wird.
Abraham wohnte zuerst zu Ur (Feuerstadt) in
Chaldäa und später zu Haran in Mesopotamien. Mitten unter lauter
Götzendienern bewahrte er den Glauben an den allein wahren Gott. Da
gab ihm Gott den Befehl, seine Verwandten zu verlassen und nach Chanaan
(Palästina) zu reisen. Für seinen Gehorsam versprach ihm Gott,
dass in ihm alle Geschlechter der Erde sollen gesegnet werden (1. Mos 12,2-3).
Außerdem versprach er ihm eine überaus zahlreiche Nachkommenschaft
(Abraham ist der geistige Vater aller Gläubigen, Rom 4,11) und schenkte
ihm und seinen Nachkommen das fruchtbare Land Palästina (1. Mos 12,7).
Dasselbe Versprechen wiederholte Gott dem Abraham, als er mit zwei Engeln
bei ihm einkehrte (1. Mos 18), und als Abraham aus Gehorsam seinen Sohn
Isaak opfern wollte (1. Mos 22).
Dasselbe Versprechen, das Gott dem Abraham
gemacht hatte, machte er auch dem Isaak, dem Jakob und etwa 1000 Jahre
später dem König David.
Dem Isaak erschien Gott, als dieser wegen
einer Hungersnot nach Ägypten ziehen wollte (1. Mos 26,2 ff.); dem
Jakob, als dieser aus seinem väterlichen Hause entfloh und das Traumgesicht
von der Himmelsleiter hatte (1. Mos 28,12 ff.). Dem Könige David (reg.
1055-1015) verkündete der Prophet Nathan im Auftrage Gottes, dass
einer seiner Nachfolger der Sohn Gottes sein und ein ewiges Reich gründen
wird (2. Kön. 7,12 ff.).
Jene Männer, aus deren Geschlecht der
Erlöser hervorging, und die in der Urzeit des Menschengeschlechtes
gelebt hatten, heißen Patriarchen.
Es gab 10 Patriarchen (Erzväter, Altväter)
vor der Sündflut (der Erste war Adam, der Letzte Noe) und 12 Patriarchen
nach der Sündflut (der Erste war Sem, die Letzten Abraham, Isaak und
Jakob). Alle Patriarchen erreichten ein hohes Alter. Die vor der Sündflut
wurden gegen 1000, die nach der Sündflut 400 bis gegen 150 Jahre alt.
Der Grund hiervon ist die einfache Lebensweise, der Aufenthalt in freier
Luft, die günstigeren atmosphärischen Verhältnisse vor der
Sündflut, insbesondere aber Gottes weise Vorsehung, die sich ihrer
zur Erziehung der späteren Menschen bediente. Was uns jetzt das Lehramt
der Kirche und die Hl. Schrift ist, das waren damals die Erzväter.
- Manche behaupten, die Menschen der Urzeit hätten die Zeit nach Mondjahren
berechnet; also ein Umlauf des Mondes um die Erde, ein Monat, hätte
bei ihnen als Jahr gegolten. Somit sei also Adam nicht 930, sondern nur
etwa 77, Noe nicht 950, sondern nur etwa 79, Methusalem nicht 969, sondern
nur etwa 80 Jahre alt geworden. Diese Behauptung ist falsch; die ersten
Menschen zählten nach Sonnenjahren. Denn die Hl. Schrift erzählt,
dass die Arche am 27. Tage des 7. Monates auf dem Gebirge Ararat entstanden
sei, dass dann das Wasser fortwährend abnahm und am 1. Tage des 10.
Monates bereits die Gipfel der Berge sichtbar geworden seien (1. Mos 8,
4-6). Daraus ergibt sich, dass die Jahre zur Zeit des Noe mindestens 10
Monate und die Monate gegen 30 Tage gehabt haben. - Wären unter Jahren
nur Monate zu verstehen, so ergäbe sich folgende Schwierigkeit: Die
Hl. Schrift sagt, dass Adam mit 130 Lebensjahren Vater seines dritten Sohnes
Seth geworden sei; von den Nachkommen Seths wird berichtet, dass sie mit
65, 70, 90 usw. Lebensjahren Väter geworden seien. Wären nun
unter diesen Jahren nur Monate zu verstehen, so hätten diese Leute
schon in ihrem 5., 6., 7. Lebensjahre Nachkommen gehabt, was geradezu lächerlich
ist. - Von Bedeutung sind auch die Worte des alten Jakob zum ägyptischen
Könige Pharao, der ihn nach seinem Alter gefragt hatte: „Die Tage
meiner Wanderschaft sind 130 Jahre, wenige und böse; sie erreichen
nicht die Tage meiner Väter" (1. Mos 47,9). Also nach Jakobs Aussage
sind seine Vorfahren viel älter geworden. Auch viele Geschichtsschreiber
des Altertums, zum Beispiel Manetho, der Verfasser der ägyptischen
Geschichte (um 250 v. Chr.), und Berosus, der Verfasser der chaldäischen
Geschichte (um 300 v. Chr.), berichten, dass die Menschen in der Urzeit
gegen 1000 Jahre gelebt haben.
3) Später sandte Gott die Propheten und
ließ durch sie vieles von der Ankunft, von der Person, vom Leiden
und von der Verherrlichung des Messias genau ankündigen. Die Propheten
waren von Gott erleuchtete Männer („Männer Gottes"), die im Auftrage
und im Namen Gottes zum israelitischen Volke redeten. Die Hauptaufgabe
der Propheten war, das Volk vor der Sünde zurückzuhalten (zu
rügen, wenn es sündigte) und auf den Erlöser vorzubereiten
(vom Erlöser zu weissagen). Gott nahm die Propheten aus verschiedenen
Lebensstellungen (Isaias war aus königlicher Familie, Arnos war ein
Hirt, Elisäus wurde vom Pfluge weg zum Propheten berufen) und verlieh
ihnen die Gabe der Wunder und Weissagungen (Ankündigung künftiger
Strafgerichte, der Tatsachen aus dem Leben des Messias), damit sie sofort
als Abgesandte Gottes erkannt würden. Die meisten führten ein
strenges Bußleben; mehrere waren unverehlicht, so Elias, Elisäus,
Jeremias. Die Propheten redeten sehr unerschrocken und standen in großem
Ansehen beim Volke; doch wurden alle verfolgt und meistens gewaltsam getötet
(Mt 23,30). Es waren im Ganzen ungefähr 70 Propheten. Schon Moses
war ein großer Prophet (5. Mos 34,10); der größte war
Isaias (etwa 700 Jahre v. Chr.), der so deutlich vom Erlöser weissagte,
dass er ein Evangelist genannt werden könnte (hl. Hier.); der letzte
Prophet war Malachias, der um das Jahr 450 v. Chr. weissagte. Manche Propheten
haben Schriften von größeren oder kleinerem Umfange hinterlassen;
daher spricht man von vier großen und zwölf kleinen Propheten.
Der Weissagungen vom Messias sind über hundert; die erste stammt aus
dem Paradies, das sogenannte „erste Evangelium" (1. Mos 3,15). Die letzte
ist die des Malachias über das hl. Messopfer (Mal 1,11). Wer diese
messianischen Weissagungen sorgfältig durchstudiert, wird in Staunen
geraten. Namentlich die Juden sollten sie genau erwägen; es würde
ihnen dann so ergehen wie dem Dr. Emanuel Veit, der aus einem Juden ein
berühmter christlicher Kanzelredner (in Wien) wurde (+ 1876). Erklärt
ja sogar der jüdische Talmud: „Alle Propheten haben über die
Tage des Messias geweissagt." Noch immer seufzen an den sogenannten Klagemauern
in Jerusalem am Vorabende des Sabbats fromme Juden nach dem Messias. Wie
sehr sind sie zu bedauern!
I) Von der Ankunft des Messias
haben die Propheten Folgendes angekündigt:
1.) Der Messias wird zu Bethlehem geboren
werden.
Michäas (um 700 v. Chr.) sagt: „Du Bethlehem
Ephrata; zwar klein unter den Städten Judas, aber aus dir wird hervorgehen
der Herrscher in Israel, dessen Ausgang (d. i. dessen Geburt) von Anbeginn
ist, von Ewigkeit her" (Mich. 5,2). - Daher erhielten die Hl. drei Könige
in Jerusalem den Bescheid, der Erlöser müsse in Bethlehem geboren
worden sein (Mt 2,5).
2.) Der Messias wird kommen, solange noch
der Tempel steht.
Als die Juden nach ihrer Rückkehr aus
der babylonischen Gefangenschaft den Tempel wieder aufzubauen begannen
(536 v. Chr.), fingen die Greise, die den alten Tempel noch gesehen hatten,
laut zu weinen an. Sie erkannten schon bei der Grundlegung, dass der zweite
Tempel bei weitem nicht so groß und so schön sein werde wie
der erste. Da tröstete sie der Prophet Aggäus, indem er erklärte,
dass in diesen Tempel der „von allen Völkern Ersehnte" einziehen,
und dass daher dieser Tempel an Herrlichkeit den ersten weit übertreffen
wird (Agg. 2, 8-10). - Dieser Tempel wurde im Jahre 70 n. Chr. von Titus
zerstört und seitdem nicht wieder aufgebaut. Kaiser Julian Apostata
versuchte den Wiederaufbau, doch vergebens (361).
3.) Der Messias wird kommen, solange noch
das jüdische Königreich besteht.
Der Patriarch Jakob segnete vor seinem Tode
(etwa 1900 Jahre vor Christus) seine Söhne und sprach zu Juda: „Nicht
weichen wird der Zepter (das Königtum) von Juda, bis der kommt, auf
den die Völker harren." Das jüdische Königreich mit der
Hauptstadt Jerusalem (im Stamme Juda liegend) hörte nach der Zerstörung
Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. auf; denn von dieser Zeit an zerstreuten
sich die Juden über die ganze Erde. - Von Juda wich das Zepter eigentlich
schon im Jahre 39 v. Chr., in welchem Jahre die jüdischen Könige
ihre Herrschaft verloren, da ein Heide und Ausländer namens Herodes
(+ 3 n. Chr.) von den Römern zum Könige eingesetzt wurde.
4.) Daniel (605-530 v. Chr.) sagte sogar voraus,
dass von der Zeit der Wiederbefestigung Jerusalems (453) bis zum öffentlichen
Auftreten des Messias 69 Jahrwochen und bis zum Tode des Messias 69 1/2
Jahrwochen verfließen werden.
Diese Nachricht empfing er (538) vom Erzengel
Gabriel, als er am Vorabende eines Sabbats um 3 Uhr nachmittags das Abendopfer
darbrachte und um Befreiung aus der babylonischen Gefangenschaft betete
(Dan 9,21 ff.). - König Cyrus gab den Juden, die sich in der Gefangenschaft
befanden, im Jahre 536 nur die Erlaubnis, Jerusalem und den Tempel wieder
aufzubauen. Weil sie die Stadt aber nicht befestigen durften, wurden sie
von ihren Feinden beim persischen Könige verleumdet, sie bauten auch
die Mauern auf (1. Esdr 4,12 ff.). - Erst der persische König Artaxerxes
gab im 20. Jahre seiner Regierung (453) seinem Mundschenk Nehemias die
Vollmacht, Jerusalem mit Mauern zu befestigen und Tore einzusetzen (2.
Esdr 2,1-8). Wenn wir nun zum Jahre 453 die 69 mal 7, also 483 Jahre oder
69 1/2 mal 7, also 486 1/2 Jahre dazuzählen, so kommen wir in das
Jahr 30 (oder 33 1/2) nach Christi Geburt. Welch herrliche Weissagung!
5.) Der Messias wird von einer Jungfrau aus
dem Geschlechte Davids geboren werden.
Gott ließ dem Könige Achaz durch
den Propheten Isaias verkünden, er könne von Gott ein Zeichen
seiner Allmacht begehren. Der König begehrte aber keines. Da sprach
der Prophet: „Also wird der Herr selbst ein Zeichen geben. Siehe, die Jungfrau
wird empfangen und einen Sohn gebären und seinen Namen wird man Emanuel
(= Gott mit uns) nennen" (Is 7,15). - Durch den Propheten Jeremias kündigte
Gott an: „Ich werde dem David einen gerechten Nachkommen erwecken, und
er wird als König herrschen, und sein Name wird sein: der Herr unser
Gerechter" (Jer 23,5-6).
6.) Dem Messias wird ein Vorläufer vorausgehen,
der in der Wüste predigen und ein engelgleiches Leben führen
wird.
Isaias sagt von diesem Vorläufer: „Horch,
die Stimme des Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn,
macht zurecht die Pfade unseres Gottes. Jedes Tal soll erhöht und
jeder Berg und Hügel erniedrigt werden" (Is 40,3). Malachias spricht:
„Siehe, so spricht der Herr: Ich sende meinen Engel, dass er den Weg bereite
vor mir her. Und alsbald wird zu seinem Tempel kommen der Herrscher, den
ihr suchet" (Mal 3,1). - Dieser Vorläufer war Johannes der Täufer.
7.) Mit dem Messias wird ein neuer Stern aufgehen.
Der Wahrsager Balaam weissagte dem Könige
der Moabiter, als die Israeliten unter Moses herangezogen: „Ich sehe ihn,
jedoch nicht jetzt; ich schaue ihn, jedoch nicht nahe. Ein Stern geht auf
aus Jakob, ein Zepter erhebt sich aus Israel" (4. Mos 24,17).
8.) Den Messias werden Könige aus entfernten
Ländern anbeten und ihm Geschenke bringen (Ps 71,10).
9.) Zur Zeit der Geburt des Messias werden
viele Kinder getötet werden.
Jeremias weissagt: „Eine Stimme des Klagens,
Trauerns und Weinens hört man auf der Höhe. Rachel beweint ihre
Kinder und will sich nicht trösten lassen, weil sie dahin sind" (Jer
31,15). Rachel, welche die Mutter des größten Stammes war, vertritt
hier die Stelle des jüdischen Volkes. Rachel war in Bethlehem gestorben
und begraben (1. Mos 35,19).
10.) Der Messias wird auch nach Ägypten
fliehen (Is 19,1) und von da wieder zurückkehren (Os 11,11).
II.) Von der Person des Messias haben die Propheten Folgendes angekündigt:
1.) Der Messias wird der Sohn Gottes sein.
Dem David verheißt Gott durch den Propheten
Nathan den Erlöser und spricht: „Ich werde ihm Vater und er wird mir
Sohn sein" (2. Kön 7,10). In einem Psalme redet Gott den Messias an:
„Mein Sohn bist du, heute hab' ich dich gezeugt" (2. Ps 7).
2.) Er wird Gott und Mensch zugleich sein.
Isaias sagt: „Ein Kind ist uns geboren, ein
Sohn ist uns geschenkt und sein Name wird genannt (d. h. er wird sein):
Wunderbarer Ratgeber, Gott" (Is 9,6). „Gott selber kommt und wird euch
erlösen" (Is 35,4)
3.) Er wird ein großer Wundertäter
sein.
„Gott selber kommt und wird euch erlösen.
Dann öffnen sich die Augen der Blinden, die Ohren der Tauben tun sich
auf, dann springt wie ein Hirsch der Lahme, und die Zunge der Stummen löset
sich" (Is 35, 6).
4.) Er wird ein Priester sein wie Melchisedech.
David lässt Gott Vater in folgender Weise
den Messias anreden:
„Du bist ein Priester ewiglich nach der Ordnung des
Melchisedech" (Ps 109, 4). - Christus opferte Brot und Wein beim Abendmahle
und opfert es täglich durch seine Stellvertreter, die Priester.
5.) Er wird ein großer Prophet oder
Lehrer sein.
Schon dem Moses hatte Gott versprochen: „Einen
Propheten will ich ihnen erwecken aus der Mitte ihrer Brüder, der
dir ähnlich ist" (5. Mos 18,18). Daher nannten die Juden den Messias
kurzweg den „Propheten, der in die Welt kommen soll" (Joh 6,14). - Als
Prophet sollte also der Messias lehren und weissagen. Er sollte auch der
Lehrer der Heiden sein (Is 49, 1-6).
6.) Er wird König eines neuen Reiches
sein (Jer 23,5), das unzerstörbar sein und alle anderen Reiche umfassen
wird (Tan 2,44).
Dieses Reich ist die Katholische Kirche, d.
h. die Weltkirche. - Vor Pilatus nennt sich daher Christus einen König
(Mt 27,11), sagt aber: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt" (Joh 18,36),
d. h. mein Reich ist ein geistiges Reich.
III) Vom Leiden des Messias
haben die Propheten Folgendes angekündigt:
1.) Der Messias wird, auf einer Eselin sitzend,
in Jerusalem einziehen (Zach 9,9).
2.) Er wird um 30 Silberlinge verkauft werden.
Zacharias hat um das Jahr 500 geweissagt:
„Sie schätzten meinen Wert auf 30 Silberlinge, und der Herr sagte
zu mir: Wirf ihn dem Töpfer zu, den herrlichen Preis, wonach sie mich
geschätzt haben! Und ich nahm die 30 Silberlinge und warf sie ins
Haus des Herrn für den Töpfer" (Zach 11,12). - So geschah es
tatsächlich: Judas warf das Geld in den Tempel zurück, und dann
wurde von diesem Gelde der Acker eines Töpfers zum Begräbnisplatze
für Fremdlinge gekauft (Mt 27,5,7). Die 30 Silberlinge dürften
also ein ziemlich hoher Betrag gewesen sein, weil dafür ein Grundstück
in Jerusalem gekauft wurde. Nach manchen betrug die Summe etwa 6.000 Kronen
= 5.000 Mark, nach andern sogar etwa 30.000 Kronen = 25.000 Mark.
3.) Er wird von einem seiner Tischgenossen
verraten werden (Ps 40,10).
Judas ging vom Tische weg und verriet sogleich
seinen Herrn (Joh 13,30).
4.) Seine Jünger werden ihn bei seinem
Leiden verlassen (Zach 13,7).
Bei der Gefangennehmung Christi verließen
ihn alle seine Jünger und flohen (Mk 14,50); nur Petrus und Johannes
folgten von ferne bis in den Vorhof des Hohenpriesters (Joh 18,15).
5.) Er wird verspottet (Ps 21,7), geschlagen,
angespien (Is 50,6), gegeißelt (Ps 72,14), mit Dornen gekrönt
(Hld 3,11) und mit Galle und Essig getränkt werden (Ps 68,22).
Die beim Kreuze Christi vorübergingen,
lästerten ihn und schüttelten ihr Haupt (Mk 15,29). Desgleich
verspotteten ihn auch die Hohenpriester und Schriftgelehrten und sprachen
untereinander: „Andern hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen"
(Mk 15,31). - Schon vor dem Hohenpriester Annas gab ein Diener dem Heilande
einen Backenstreich, weil ihm dessen Antwort nicht gefiel (Joh 18,22).
Als sich Christus vor Kaiphas als Sohn Gottes bekannt hatte, spien ihm
einige ins Angesicht, schlugen ihn mit Fäusten, andere gaben ihm Backenstreiche
(Mt 26,67). Pilatus ließ Christum geißeln (Joh 19,1); dann
setzten ihm die Soldaten eine Dornenkrone aufs Haupt, legten ihm einen
Purpurmantel um, schlugen sein Haupt mit einem Rohre, gaben ihm Backenstreiche
und verspotteten ihn (Mk 15; Joh 18). Auf Golgatha gaben sie ihm schlechten
Wein, der mit Galle (eigentlich mit Myrrhe, Mk 15,23) vermischt war, zu
trinken. Als er ihn gekostet hatte, wollte er ihn nicht trinken (Mt 27,34).
6.) Um sein Gewand wird man das Los werfen
(Ps 21,19).
Die Soldaten machten aus den Kleidern Christi
4 Teile und jeder Soldat nahm sich einen Teil; den Rock aber wollten sie
nicht zerschneiden, weil er ohne Naht und durchaus gewebt war (Joh 19,23).
Daher warfen sie über ihn das Los. Dieser Rock befindet sich in Trier.
7.) Seine Hände und Füße wird
man durchbohren (Ps 21,17).
Christus wurde ans Kreuz wirklich angenagelt;
daher konnte er dem Thomas die Wunden seiner Hände zeigen und sagen:
„Lege deine Finger herein" (Joh 20,27). Gewöhnlich wurden die Verurteilten
durch Stricke am Kreuze festgebunden. (Auf letztere Weise sollen die beiden
Schächer, dann der hl. Petrus und der hl. Andreas gekreuzigt worden
sein.)
8.) Er wird unter Missetätern sterben.
Isaias sagt nämlich: „Man gibt ihm bei
Gottlosen sein Grab, aber bei Reichen ist er nach seinem Tode" (Is 53,9).
Christus starb zwischen zwei Straßenräubern, die gleichzeitig
mit ihm gekreuzigt worden waren (Lk 23,33).
9.) Er wird bei seinem Leiden geduldig sein
wie ein Lamm (Is 53,7) und sogar für seine Feinde beten (Is 53,15).
10) Er wird freiwillig und zwar unserer Sünden
wegen sterben (Is 53,4-7).
IV) Von der Verherrlichung
des Messias haben die Propheten Folgendes angekündigt:
Er wird sein Grab bei einem Reichen finden
(Is 53,9), und es wird herrlich sein (Is 11,10).
Sein Leib wird nicht in Verwesung übergehen
(Ps 15,10).
Er wird in den Himmel zurückkehren (Ps
67,34) und zur Rechten Gottes sitzen (Ps 109,1).
Seine Lehre wird von Jerusalem und zwar vom
Berge Sion aus (Joel 2,28) über die ganze Erde verbreitet werden (Is
2,3).
Das Abendmahlshaus, wo die hl. Apostel den
Hl. Geist empfingen, lag nämlich am Berge Sion.
Die heidnischen Völker der ganzen Erde
werden in sein Reich eingehen und ihn anbeten (Ps 21,28-29).
Das jüdische Volk, das den Messias getötet
hat, wird hart gezüchtigt und unter alle Völker der Erde zerstreut
werden (5. Mos 28,64).
Die Stadt Jerusalem wird samt dem Tempel zerstört
werden, die jüdischen Opfer und das jüdische Priestertum werden
aufhören, und der Tempel wird nimmer wieder aufgebaut werden (Dan
9, 26-27; Os 3,4).
An allen Orten der Erde wird ihm ein reines
Speiseopfer dargebracht werden (Mal 1,11).
Er wird einstens alle Menschen richten (Ps
109,6) und vor dem Gerichte den Elias auf die Erde schicken (Mal 4,5).
4) Auch wurde das Leben des
Messias in vielen Vorbildern angekündigt.
Der Bauplan stellt im Voraus dar, wie das
später auszuführende Bauwerk aussehen wird. Der lange Schatten,
den der Wanderer auf der Straße vorauswirft, kündigt den Wanderer
im Voraus an. Die Morgendämmerung kündigt die kommende Sonne
an. Ebenso kündigen fast alle wichtigeren Handlungen der Patriarchen
gewisse Handlungen Christi an; und fast alle wichtigen Zeremonien bei den
Juden kündigten gewisse christliche Zeremonien an (1. Kol 2,17). Daher
verhält sich das Alte Testament zum Neuen wie der Schatten zur Wirklichkeit
(Hebr 10,1), wie das Bild zum Gegenstand, den es vorstellt. Der ganze Alte
Bund war eine Verhüllung des Neuen (hl. Aug.). Das Neue Testament
ist im Alten verborgen und das Alte wird im Neuen klar (hl. Aug.). Personen
oder Sachen, die eine zukünftige Begebenheit im Voraus wie in einem
Bilde darstellen, heißen also Vorbilder.
Vorbilder des Messias
waren Folgende:
1) Vorbilder seines Leidens und Sterbens:
Abel, Isaak, Jakob, Josef, David, das Osterlamm, das Opfer am Versöhnungstage
und die eherne Schlange.
Abel ist (der Zeit nach) der erste Gerechte
unter den Menschen (Christus ist dem Range nach unter allen Heiligen der
erste); er ist ein Hirt; bringt Gott ein wohlgefälliges Opfer dar;
wird von seinem Bruder gehasst und ermordet (Christus von seinen Brüdern,
den Juden), bleibt aber sanft wie ein Lamm. Der Mörder Abels irrt
auf Erden umher; das Judenvolk, das den Messias getötet hat, ist über
die ganze Erde zerstreut (1. Mos 4). - Isaak, der einzige innigstgeliebte
Sohn seines Vaters, trägt sich selbst das Holz auf den Berg, bleibt
am Opferaltar geduldig und wird seinem Vater wieder zurückgegeben
(Christus stand von den Toten auf) (1. Mos 22). - Jakob wird von seinem
Bruder verfolgt, versöhnt sich aber endlich mit ihm (Christus wird
von seinen Brüdern, den Juden, verfolgt, wird sich aber am Ende der
Tage mit ihnen versöhnen). Obwohl Sohn eines reichen Vaters, wandert
er arm in ein fremdes Land, um sich hier eine gottesfürchtige Gattin
zu holen (Christus kommt auf die Erde, um sich hier eine heilige Braut,
die Kirche, zu holen). Um seiner Braut willen dient er lange Jahre als
Knecht (um der Kirche wegen hat Christus Knechtsgestalt angenommen und
33 Jahre lang den Menschen gedient). Jakob hatte 12 Söhne, darunter
einen Lieblingssohn, Josef (Christus hatte 12 Apostel, darunter einen Lieblingsjünger,
Johannes) (1. Mos 25-33). - Josef, der Lieblingssohn seines Vaters, wird
von seinen Brüdern gehasst und um wenige Silberlinge verkauft; Er
leidet zwischen 2 Missetätern im Gefängnisse (Christus am Kreuze),
von denen der eine begnadigt, der andere zum Tode verurteilt wird; er wird
nach großer Erniedrigung zu den höchsten Ehren erhoben; er errettet
durch seinen Rat das Volk vom Hungertode (Christus durch Verkündigung
seines Evangeliums vom geistigen Hungertode); Herolde fordern auf, vor
ihm das Knie zu beugen (die Apostel fordern dieselbe Ehre für Christus);
er versöhnt sich endlich mit seinen Brüdern (auch Christus mit
den Juden am Ende der Tage) (1. Mos 37-45). - David wird zu Bethlehem geboren,
verbringt die Jugendjahre in Niedrigkeit, tritt dem Riesen Goliath, dem
Feinde des auserwählten Volkes, mit dem Holze und 5 Steinen entgegen
und besiegt ihn (Christus besiegt den Teufel am Kreuzesholze mit seinen
hl. 5 Wunden), wird ein König (Christus König der Kirche), hat
viel zu leiden, triumphiert aber immer (1-2 Kön.). - Das Osterlamm
wird vor dem Auszuge aus Ägypten, also am Vorabende des großen
Ostersabbates, geschlachtet; es ist Opfer und Speise, fehlerlos, steht
im besten Alter; ihm wird kein Bein gebrochen; sein an die Türpfosten
gestrichenes Blut schützt vom leiblichen Tode (das Blut Christi vom
geistigen); das Opferlamm wird genossen bei der Abreise ins gelobte Land
(Christus im Altarsakramente bei der Abreise ins Jenseits). Es ist geduldig
(Christus ist geduldig im Leiden) (2. Mos. 13). - Das Opfer am Versöhnungstage:
Einem Ziegenbocke wurden vom Hohenpriester die Hände aufgelegt, dabei
die Sünden des ganzen Volkes bekannt, und dann wurde er in die Wüste
hinausgetrieben, damit er dort umkomme (auch auf Christus ruhen die Sünden
des ganzen Volkes, und derentwegen geht er in die Wüste des irdischen
Lebens dem Tode entgegen) (4. Mos 29). - Die eherne Schlange in der Wüste
wird am Holze erhöht; wer sie ansieht, wird geheilt vom tödlichen
Bisse der Feuerschlangen (auch Christus wird ans Kreuzesholz erhöht;
wer an ihn glaubt, wird selig) (4. Mos 21, 6-9). Daher die Worte Christi:
„Gleichwie Moses die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss
der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, nicht
verloren gehen, sondern das ewige Leben haben" (Joh 3,14).
2.) Vorbilder seines Lehramtes: Noe, Moses
und der Erzengel Raphael.
Noe ist unter allen Zeitgenossen allein gerecht
(Christus allein ohne Sünde), baut unter beständiger Predigt
die Arche (Christus die Kirche), rettet das Menschengeschlecht vom Untergang
(Christus vom ewigen Tode), bringt Gott ein wohlgefälliges Opfer dar
beim Austritte aus der Arche (Christus beim Austritte aus der Welt); durch
Noe schließt Gott mit dem Menschen einen neuen Bund und gibt im Regenbogen
ein Unterpfand (ebenso durch Christus und gibt ein Unterpfand im Altarsakramente)
(1. Mos 6-9). Moses entrinnt als Kind dem grausamen Befehle des Königs,
verbringt die Jugend in Ägypten, fastete 40 Tage vor der Gesetzgebung
auf Sinai (Christus vor der Verkündigung seines Evangeliums), befreit
die Israeliten aus der Knechtschaft und führt sie ins gelobte Land
(Christus befreit uns aus der Knechtschaft des Teufels und führt uns
in die Kirche ein), wirkt Wunder zur Bekräftigung seiner göttlichen
Sendung, betet beständig für das Volk, erscheint auf dem Berge
Sinai (Christus auf dem Berge Tabor) mit strahlendem Angesichte und ist
der Mittler des Alten Bundes (Christus des Neuen Bundes) (2. Mos.). - Der
Erzengel Raphael steigt vom Himmel herab, um einen Menschen (Christus und
die ganze Menschheit) zu leiten, verkehrt lange Zeit mit ihm (Christus
33 Jahre), befreit von der Blindheit (Christus von der geistigen) und vom
Teufel (Tob.).
3.) Vorbild seines Priesteramtes: Melchisedech.
Melchisedech, d. h. König der Gerechtigkeit,
war König von Salem, d. h. König des Friedens (auch Christus
ist der ewige König der Gerechtigkeit und des Friedens); er opfert
Brot und Wein (1. Mos. 14).
4.) Vorbild seiner Auferstehung: Jonas.
Jonas ist drei Tage im Bauche des Fisches
(Christus im Schoße der Erde, Mt 12,40) und predigt den Ninivitern
Buße (Christus den Juden) (Jon.).
Vorbild seiner Kirche: die Arche.
Die Arche rettete durch das Holz die Menschen
vor dem leiblichen Tode (ebenso rettet uns die Kirche vor dem ewigen Tode,
indem sie uns die Verdienste des Kreuzesholzes zuwendet). Außerhalb
der Arche gab es keine Rettung (auch außerhalb der Kirche ist kein
Heil). In der Arche sind Geschöpfe aller Art (in der Kirche sind alle
Völker). Die Wogen hoben die Arche nur mehr zum Himmel empor (die
Verfolgungen läutern und kräftigen die Kirche). Die Arche blieb
auf einem Felsen stehen (die Kirche ist auf dem Felsen Petri erbaut) (1.
Mos 7 ff.).
5.) Vorbild des hl. Altarssakramentes: das
Manna.
Das Manna hat eine weiße Farbe (auch
die Hostie), kommt täglich früh vom Himmel (Christus, der jetzt
im Himmel ist, kommt täglich früh auf unsere Altäre), ist
süß wie Honig (das hl. Altarssakrament die Seele), dauert nur
während des Aufenthaltes in der Wüste (das Altarssakrament nur
während der Dauer unserer irdischen Wanderschaft). Doch ist zwischen
beiden ein Unterschied; das Manna gab wohl Kraft dem Leibe, aber nicht
der Seele. Das hl. Altarssakrament aber gibt Kraft der Seele und schützt
dadurch vor der Todsünde. Daher sprach Christus zu den Juden: „Eure
Väter haben das Manna in der Wüste gegessen und sind gestorben
... Wer aber von diesem Brote isst, der wird leben in Ewigkeit" (Joh 6,
49 ff.).
(Quelle: "Dienst am Glauben",
Heft 4, S. 106-116, A-6094 Axams)