Einheit der Kirche und Ökumene
in den päpstlichen Lehrschreiben von Leo XIII. bis Pius XII.

Einheit der Kirche und Ökumene
in den päpstlichen Lehrschreiben von Leo XIII. bis Pius XII.

Dr. Gabriele Waste
 

Die Einheit der Kirche als Trägerin des göttlichen Heilswerkes, besonders unter dem Gesichtspunkt ihrer Gründung durch Jesus Christus und ihrer geschichtlichen Mani­festation in der Spannung zwischen Unsichtbarkeit und Sichtbarkeit kehrt in verschiedenen Nuancierungen in den päpstlichen Lehrschreiben von Leo XIII. bis Pius XII. wieder. In diesen Darlegungen, die nach dem Maßstab von Schrift und Tradition als lehramtliche Zeugnisse einer ausgewogenen Ekklesiologie zu gelten haben, zeichnen sich auch die Grundlagen einer Ökumene ab, die dieser universalen Heilssendung der Kirche gerecht wird.

1. Die göttliche Gründung der Kirche
Voraussetzung für die Entstehung der Kirche ist die geschichtliche Offenbarung Gottes, die in der Menschwerdung und im Erlösungswerk Jesu Christi ihren Abschluss findet. Die eigentliche Gründung der Kirche erfolgte am Kreuz, wie Pius XII. in seinem Rundschreiben Mystici Corporis (29. Juni 1943) unter Berufung auf das Zeugnis der Väter betont: Diese weisen darauf hin, „dass die Kirche am Kreuz aus der Seite des Erlösers geboren worden sei als neue Eva und Mutter aller Lebendigen."2 Durch den Erlösertod wurde der Neue und ewige Bund Gottes mit den Menschen geschlossen, dessen sichtbares Zeichen die Kirche ist:
Fürs erste nämlich folgte auf den durch den Tod des Erlösers aufgehobenen Alten Bund der Neue. Damals wurde das Gesetz Christi mit seinen Geheimnissen, Satzungen, Einrichtungen und heiligen Bräuchen für den ganzen Erdkreis besiegelt. Denn während der göttliche Erlöser noch in den engen Grenzen seines Landes predigte - er war ja nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt/3 - liefen Gesetz und Evangelium nebeneinander her./4 Doch am Stamme des Kreuzes hob Jesus durch seinen Tod das Gesetz mit seinen Vorschriften auf/5, heftete den Schuldschein des Alten Bundes ans Kreuz/6, und gründete in seinem Blute, das er für das gesamte Menschengeschlecht vergoss, den Neuen Bund/7. „Derart augenscheinlich", - so sagt der heilige Leo der Große, wo er vom Kreuze des Herrn spricht, „wurde der Übergang vom Gesetz zum Evangelium, von der Synagoge zur Kirche,
von der Vielfalt der Opfer zum einzigen Opfer vollzogen, dass, als unser Herr seinen Geist aufgab, jener geheimnisvolle Vorhang, der das verborgene, innerste Heiligtum des Tempels abschloss, plötzlich gewaltsam von oben bis unten zerriss"/8/9.
Durch das Wirken des Heiligen Geistes, der den Jüngern aufgrund des Erlöserleidens Christi mitgeteilt wurde, ist die Kirche schließlich zum universellen Mittel des Heils für alle Menschen geworden:
Wenn nun unser Erlöser durch seinen Tod im Vollsinne des Wortes Haupt der Kirche geworden ist, dann wurde der Kirche auch durch sein Blut die Fülle des Heiligen Geistes mitgeteilt, durch die sie seit der Erhebung und Verherrlichung des Menschensohnes am Kreuz auf göttliche Weise erleuchtet wird. Bis dahin nämlich - so bemerkt Augustinus/10, war der Gnadentau des Trösters nur auf Gedeons Vlies, d. h. auf das Volk Israel, herabgerieselt. Jetzt aber, als der Tempelvorhang zerriss, überströmte er in reicher Fülle, während das Vlies trocken und verlassen blieb, die gesamte Erde, d. h. die katholische Kirche, die durch keine Schranken weder der Stammes- noch der Landeszugehörigkeit begrenzt werden sollte."/11
Die Kirche ist nämlich - analog zum einen sterblichen Leib Christi - der eine mystische Leib Christi, durch den er sein Heilswirken fortsetzt und daher auch alleiniger Weg zum Heil. Diesen Aspekt hebt vor allem Leo XIII. in seinem Rundschreiben Saris cognitum (29. Juni 1896) hervor:
... dass der Sohn Gottes die Kirche zu seinem mystischen Leibe gemacht hat, mit dem er als das Haupt sich verband, ähnlich wie mit dem menschlichen Leibe, den er annahm, kraft des natürlichen Bandes auch ein entsprechendes Haupt verbunden ist. Wie er nur einen sterblichen Leib annahm, den er im Tod am Kreuze zum Opfer brachte, um den Lösepreis für die Rettung der Menschheit zu entrichten, so hat er auch nur einen mystischen Leib, in dem und durch den er uns Menschen heiligt und uns ewiges Heil verleiht./12
Um seine universale Heilssendung zu erfüllen und allen Menschen zugänglich zu sein, muss dieser mystische Leib Christi, wenn auch in der Unsichtbarkeit verankert, zugleich in Raum und Zeit sichtbar sein.
 

2. Die Kirche als der eine sichtbare mystische Leib Christi
11 HK 778. (Herv. G.W.)
Ihrer übernatürlichen Wirksamkeit nach ist die Kirche unsichtbar: „Dem Geiste Christi als dem unsichtbaren Prinzip kommt auch die Aufgabe zu, alle Teile des Leibes untereinander sowie mit ihrem erhabenen Haupte zu verbinden, da er ja ganz im Haupte ist, ganz im Leibe, ganz in den einzelnen Gliedern" - so Pius XII. in Mystici Corporis/13. Wie nämlich Christus das Haupt der Kirche ist, so ist der Heilige Geist ihre Seele/14.
Daher besteht die „innere Lebenskraft" der Kirche in den übernatürlichen Gnaden, die unser Erlöser zugleich mit seinem Geiste der Kirche verleiht und zugleich mit seinem Geiste, als dem Spender übernatürlichen Lichtes und Wirker der Heiligkeit, hervorbringt/15.
Das einigende Prinzip der Kirche als mystischer Leib Christi gehört also der übernatürlichen Ordnung an, was die Kirche auch von allen übrigen rein weltlichen Körperschaften unterscheidet:
Die richtige Bedeutung der Bezeichnung „mystisch" erinnert also daran, dass die Kirche, die als eine in ihrer Art vollkommene Gesellschaft anzusehen ist, nicht bloß aus gesellschaftlichen und rechtlichen Bestandteilen und Beziehungen besteht. Sie ist ja weit vorzüglicher als irgendwelche andern menschlichen Körperschaften [vgl. Leo XIII. Rundschreiben Sapientiae christianae vom 10. Januar 1890, HK 875], die sie überragt, wie die Gnade die Natur hinter sich lässt und wie das Unsterbliche das Vergängliche [vgl. Leo XIII., Rundschreiben Satis cognitum vom 29. Juni 1896; HK 637]. [...] Allein die Kirche gehört nicht der Ordnung die­ser [rein menschlichen] Gesellschaften an, gleichwie der Mensch als ganzer nicht mit dem Gebilde unseres sterblichen Leibes zusammenfällt [vgl. ebd.; HK 605]. Denn die rechtlichen Beziehungen, auf welchen die Kirche ebenfalls beruht und welche zu ihren Bestandteilen gehören, stammen zwar aus ihrer göttlichen von Christus gegebenen Verfassung und haben ihren Anteil beim Erstreben ihres übernatürlichen Zieles. Doch, was die Kirche über jedwede natürliche Ordnung hoch hinaushebt, ist der Geist unseres Erlösers, der als Quelle aller Gnaden, Gaben und Charismen fortwährend und zuinnerst die Kirche erfüllt und in ihr wirkt/16.
Ungeachtet ihrer übernatürlichen Bestimmung bedarf die Kirche eines äußeren Rahmens, der allerdings im Einklang mit ihrer Aufgabe der Gnadenvermittlung steht. Pius XII. weist daher in diesem Zusammenhang auf einen zweifachen Irrtum hin: einerseits solcher, „die sich nach eigener Willkür eine verborgene, ganz unsichtbare Kirche vorstellen", und diametral dazu anderer, „die sich die Kirche als eine Art menschlicher Organisation denken mit einer bestimmten satzungsmäßen Ordnung und mit äußeren Riten, aber ohne Mitteilung übernatürlichen Lebens:"/17
Nein, wie Christus, das Haupt und Urbild der Kirche, „nicht ganz ist, wenn man in ihm entweder nur die menschliche, sichtbare... oder bloß die göttliche, unsichtbare Natur betrachtet..., sondern wie er Einer aus beiden und in beiden Naturen ist...: so auch sein mystischer Leib"/18; hat doch das Wort Gottes eine menschliche Natur angenommen, damit nach der Gründung einer sichtbaren und mit dem göttlichen Blute geweihten Gemeinschaft „der Mensch durch seine sichtbare Leitung den Weg zum Unsichtbaren zurückfinde"/19.
In weiterer Folge verwirft Pius XII. auch die verkehrte Auffassung jener, „die sich eine selbstersonnene Kirche erträumen, nämlich eine nur durch Liebe aufgebaute und erhaltene Gemeinschaft, der sie - mit einer gewissen Verächtlichkeit - eine andere, die sie die Rechtskirche nennen, gegenüberstellen"/20. Diese verkennen nämlich die Zusammengehörigkeit zwischen sichtbarer Kirche und unsichtbarem Überbau. Auf diese notwendige, immerwährende Komplementarität hatte schon Leo XIII. in Satis cognitum hingewiesen:
Wenn wir ihren letzten Zweck sowie ihre zur Heiligkeit führende Wirksamkeit ins Auge fassen, so ist die selbstverständlich rein geistiger Natur; wenn wir aber ihre Mitglieder betrachten, sowie die Mittel, wodurch uns die geistlichen Gaben zuteil werden, so tritt sie äußerlich und notwendigerweise in Erscheinung/21. [...]
Jene Verbindung von sichtbaren und unsichtbaren Bestandteilen muss so lange fortdauern, als die Kirche bestehen soll, denn sie gehört zum Wesen der Kirche und ist ihr durch Gottes Willen verliehen/22.
An diesem durch göttliche Gründung festgelegten Wesen der Kirche, wie es Schrift und Tradition bezeugen, ist auch ihre Einheit zu bestimmen, die zugleich ihr grundlegendes Merkmal ausmacht:
„Zur Einheit ist die Kirche ihrem Wesen nach bestimmt, da sie auch wirklich einzig und eins ist, aber die Irrlehrer wollen sie in viele Kirchen zerstückeln. Wir sagen also, die alte und katholische Kirche ist nur eine ihrem Wesen und ihrer Überzeugung nach, ihrem Ursprung und ihrer Würde nach. Die erhabene Würde der Kirche wie der Grundgedanke ihres Aufbaues stammt übrigens aus der Einheit und übertrifft alles andere und hat nicht ihresgleichen/23." Als Jesus Christus von diesem mystischen Bau sprach, erwähnte er nur eine Kirche, er nannte sie Seine Kirche: Ich werde meine Kirche bauen/24. Jede andere außer dieser, welche auch immer man sich denken mag, kann die wahre Kirche Christi nicht sein, da sie nicht von Christus gestiftet ist/25.
Daher können „zerstreute und losgerissene Glieder aber nicht einen Leib bilden, noch mit einem und demselben Haupte verbunden sein". Denn /26
es gibt nur eine Kirche Christi und zwar für alle Zeiten. Wer abseits von ihr lebt, erfüllt nicht den Willen und die Vorschrift Christi; da er den Weg des Heiles verlassen hat, geht er dem Verderben entgegen/27.
Da zu Form und Gestalt der Einheit viele Irrtümer in Umlauf sind/28, weist Leo XIII. nochmals auf deren Kriterien hin: die Eintracht in der Lehre, wie sie in der Heiligen Schrift grundgelegt/29 und vom ordentlichen Lehramt der Kirche in der Nachfolge der Apostel gemäß göttlichem Auftrag zu glauben vorgelegt ist/30.
Die gleiche Sicht in Bezug auf die Einheit der Kirche vermittelt Pius XII. in Mystici Corporis:
Denn wer das sichtbare Haupt außer Acht lässt und die sichtbaren Bande der Einheit zerreißt, der entstellt den mystischen Leib des Erlösers zu solcher Unkenntlichkeit, dass er von denen nicht mehr gesehen noch gefunden werden kann, die den sicheren Port des ewigen Heiles suchen/31.
Vor dem Hintergrund dieser päpstlichen Lehraussagen zur Ekklesiologie, besonders zur Einheit der Kirche, müssen auch die lehramtlichen Äußerungen von Pius XL und Pius XII. zu den ökumenischen Bestrebungen ihrer Zeit betrachtet werden.

3. Einheit und Ökumene
Die verkehrten Bemühungen um Einheit, die in den verschiedenen religiösen Bekenntnissen einen gemeinsamen Nenner im Sinne einer „brüderlichen Übereinstimmung" finden wollen, verurteilt Pius XI. in seinem Rundschreiben Mortalium animos (6. Januar 1928).
Sie gehen ja von der falschen Meinung jener aus, die da glauben, alle Religionen seien gleich gut und lobenswert, weil alle, wenn auch in verschiedenen Formen, doch gleichermaßen dem uns angeborenen und natürlichen Sinn Ausdruck geben, durch den wir nach Gott verlangen und uns seiner Oberherrschaft unterwerfen. Die Vertreter solcher Ansichten sind nun nicht nur im Irrtum und Selbsttäuschung befangen, sondern sie lehnen auch die wahre Religion ab, indem sie ihren Begriff verfälschen/32.
Die daraus resultierenden Folgen sind eine schrittweise Annäherung an den Naturalismus und Atheismus. Auf die Gefahren des Synkretismus macht auch Pius XI. in seiner Instruktion De motione oecumenica (erlassen vom Heiligen Offizium am 20. Dezember 1949/34) aufmerksam: „... dass nicht unter dem falschen Vorwande, man müsse eher auf das achten, was uns eint, als auf das, was uns trennt, ein gefährlicher Indifferentismus gefördert werde [,..]/35." Auf die Undenkbarkeit einer sog. „Einheit" auf Kosten der Wahrheit verweist auch Pius XI. und wendet sich damit gegen die Fehleinschätzungen jener, welche die Sichtbarkeit der Kirche als einer einzigen Gemeinschaft von Gläubigen leugnen und unter Einheit nichts anderes verstehen als einen aus verschiedenen christlichen Bekenntnissen bestehenden Kirchenbund:/36
Und wie können, so fragen wir, Menschen, die ganz gegenteilige Meinungen vertreten, ein und demselben Bund der Gläubigen angehören? Um einige Beispiele zu nennen: Wenn die einen bejahen, die mündliche Überlieferung sei eine rechtmäßige Quelle der göttlichen Offenbarung, während die anderen es leugnen? Wenn die einen die Ansicht vertreten, die aus den Bischöfen, Priestern und den übrigen Weihestufen bestehende Hierarchie der Kirche sei von Gott eingesetzt, während die anderen behaupten, sie sei je nach den verschiedenen Zeitbedürfnissen und mannigfachen äußeren Umständen allmählich eingeführt worden? Wenn die einen in der heiligen Eucharistie den durch jene wunderbare Verwandlung des Brotes und des Weines, die Transsubstantiation genannt wird, wahrhaft gegenwärtigen Christus anbeten, während die anderen sagen, der Leib des Herrn sei dort nur durch den Glauben oder sinnbildlich oder durch eine vom Sakramente ausgehende Kraft gegenwärtig?/37
Die Unmöglichkeit einer solchen rein nominalen, in Wirklichkeit aber auf unüberwindbaren Gegensätzen beruhenden „Einheit" begründet Pius XI. damit, dass Gott dem Menschen zu seiner Leitung nicht nur das ins Herz des Menschen eingeschriebene Naturgesetz gegeben hat, sondern auch geoffenbarte Gesetze, denen wir Gehorsam schulden:
Im Ablauf der Zeiten von den ersten Tagen der Menschheit an bis auf die Ankunft und die Predigt Jesu Christi lehrte Gott der Herr selbst und die Pflichten, die dem vernunftbegabten Geschöpfe seinem Schöpfer gegenüber obliegen. Zu wiederholten Malen und auf mannigfache Art hat Gott einst durch die Propheten zu den Vätern gesprochen; am Ende dieser Tage hat er durch seinen Sohn zu uns gesprochen? /38 /39
Daraus folgt, dass keine andere die wahre Religion sein kann als nur jene, die sich auf Gottes Offenbarung stützt. Diese Offenbarung, die in der Urzeit begann und im Alten Bunde fortgesetzt wurde, hat Christus Jesus selber im Neuen Bunde zur Vollendung gebracht/40.
Zur Fortsetzung seines Erlösungswerks hat Christus der Herr „seine Kirche als selbständige und aus ihrem Wesen heraus sichtbare und äußerlich erkennbare Gesellschaft gegründet"/41, wie Pius XI. in Anlehnung an seine Vorgänger und das immerwährende kirchliche Lehramt betont: „So kann es gar nicht anders sein, als dass die Kirche Christi nicht nur heute und alle Zeit fortbesteht, sondern sie muss auch heute noch die gleiche sein, die sie zur Zeit der Apostel war."/42
In der Folge zählt Pius XI. die geläufigsten Irrtümer in Bezug auf die Einheit der Kirche auf. Dazu gehört in erster Linie die Meinung, „die Einheit im Glauben und in der Leitung der Kirche, die ein Kennzeichen der wahren und einen Kirche Christi ist, habe bisher wohl noch zu keiner Zeit bestanden und bestehe auch heute nicht"/43. Darauf gründet auch die verkehrte Auffassung dieser sogenannten Pan-Christen,
die Kirche bestehe aus sich heraus und ihrer Natur nach aus verschiedenen Teilen, d. h. aus den verschiedensten Teilkirchen oder getrennten Gemeinschaften, die jetzt noch getrennt sind, und die, wenn sie auch manche Lehren gemeinsam haben, in anderen doch wieder voneinander abweichen. Alle diese Teilkirchen hätten die gleichen Rechte. Auch sei die Kirche höchstens von der Zeit der Apostel bis zu den ersten ökumenischen Konzilien nur eine einzige und einig gewesen/44.
Angesichts dieser Verwirrungen weist Pius XI. darauf hin, dass der Heilige Stuhl berechtigterweise die Teilnahme der Seinigen an den Konferenzen der Nichtkatholiken niemals zugelassen hat. Die einzig mögliche Form der Zusammenführung aller Christen besteht vielmehr in der Rückkehr-Ökumene:
Es gibt nämlich keinen anderen Weg, die Vereinigung aller Christen herbeizuführen, als den, die Rückkehr aller getrennten Brüder zur einen wahren Kirche Christi zu fördern, von der sie sich ja einst unseligerweise getrennt haben/45.
Diese Art von Ökumene vertritt auch Pius XII. in De motione oecumenica und verlangt die Förderung aller Pläne und Vorkehrungen, die „mit dem Einverständnis der kirchlichen Autorität die rechte Belehrung im Glauben für die Konversionsanwärter oder die Vertiefung desselben für die Konvertiten im Auge haben"/46. Als Kriterien für das ökumenische Gespräch legt Pius XII. außerdem fest:
Die Vereinigung kann nicht durch eine fortschreitende Angleichung der verschiedenen Glaubensbekenntnisse noch durch eine Anpassung der katholischen Lehre an jene von Dissidenten betrieben werden/47.
In dogmatischen Belangen besitzt die katholische Kirche die Fülle Christi und kann darin durch die anderen Konfessionen nicht vervollkommnet werden/48.
Die Getrennten, die zur katholischen Kirche zurückkehren, verlieren nichts von jenem Gut, das ihnen bis dahin durch Gottes Gnade zuteil geworden. Dieses wird vielmehr durch die Rückkehr vervollkommnet und vollendet/49.
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1 Vgl. Gen III 20.
2 Zitiert nach: Heilslehre der Kirche (abgekürzt: HK). Dokumente von Pius IX. bis Pius XII. Neuauflage der deutschen
Ausgabe von 1953 (französisches Original Fribourg/Paris 1951), besorgt von Anton Rohrbasser. Stuttgart. (Nr.) 775.
3 Vgl. Matth. X V 24.
4 Vgl. Thomas von Aquin, Sum. theol. I—II q. 103 a. 3 ad 2.
5 Vgl. Eph. II 15.
6 Vgl. Kol. II 14.
7 Vgl. Matth. XXVI 28; 1 Kor XI, 25.
8 Leo Magnus, Sermo LXVIIII 3. PL 54,374
9 HK 776. (Herv. G.W.)
10 Augustinus, Degratia Christi et peccato originali XXV 29; PL 44,400.
11 HK 778. (Herv. G.W.)
12 HK 612. (Herv. G.W.)
13 HK 799.
14 Vgl. ebd. - Papst Pius XII. zitiert an dieser Stelle auch 8 Leo Magnus, Sermo LXVIIII 3. PL 54,374
9 HK 776. (Herv. G.W.)
10 Augustinus, Degratia Christi et peccato originali XXV 29; PL 44,400.
11 HK 778. (Herv. G.W.)
12 HK 612. (Herv. G.W.)
13 HK 799.
14 Vgl. ebd. - Papst Pius XII. zitiert an dieser Stelle auch die entsprechende Passage aus dem Rundschreiben Divinum
illud von Papst Leo XIII. (9. Mai 1897; vgl. HK, 11).
15 HK800.
16 HK 805. (Herv. G.W.)
17 HK 806. Pius XII. verweist hier auch auf das Rundschreiben Saris cognitum (HK 606).
18 Leo XIII., Rundschreiben Satis cognitum vom 29. Juni 1896; vgl. HK 606. / Mystici Corporis, H K 806.
19 Thomas von Aquin, De veritate q. 29 a. 4 ad 3. / Mystici Corporis, HK 806.
20 HK807.
21 HK604.
22 HK 607. (Herv. G.W.)
23 Clemens von Alex., Stromat. Lib. VII cap. 17. CV 3, 76. PG 9, 551. / HK 609.
24 Mt 16,18.
25 HK 609. (Herv. G.W.)
26 HK613.
27 HK615.
28 Vgl. HK 618.
29 Vgl. HK 619.
30 Vgl. HK 632.
31 HK785.
32 HK 671. (Herv. G.W.)
33 Vgl. ebd.
34 In: AAS XLII (1950) 142-147.
35 HK 693. (Herv. G.W.)
36 Vgl. HK 675.
37 HK 682. (Herv. G.W.)
38 Hebr. 1,1. (kursiv orig.)
39 HK674.
40 HK675.
41 HK676.
42 Ebd.
43 HK677.
44 Ebd.
45 HK686.
46 HK690.
47 Vgl. HK 693.
48 Vgl. HK 694.
49 Vgl. HK 695.

(Quelle: "Dienst am Glauben", Heft 3 - 2014, S. 86-92, Innsbruck)

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