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 Heiligste Dreifaltigkeit: „Groß bist du, o Gott, und unerreichbar unseren Gedanken" (Jer 32,19).

Die Heiligste Dreifaltigkeit
Franz Spirago

Bild: Gnadenbild der Gebetsstätte Heroldsbach bei Forchheim
In Heroldsbach stieg die Heiligste Dreifaltigkeit 32mal bis zur Erde herab!
Die Heilige Familie erschien in gewaltigem Licht und dazu viele Heilige!

Es ist auffallend, dass die Engel im Himmel den lieben Gott dreimal „heilig" preisen. Der Prophet Isaias hört die Serafim im Himmel rufen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen" (Is 6,3). Auch der hl. Evangelist Johannes hört vor dem Throne Gottes singen: „Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr, der Allmächtige" (Off 4,8). Auch ist bemerkenswert, dass der Sonnenstrahl, wenn er durch ein kantiges Glas (Prisma) hindurchgeht, in drei Farben (blau, gelb, rot) zerfällt. Wie im Lichtstrahl ein dreifarbiges Licht ist, so sind drei Personen in der einen göttlichen Wesenheit. Bei der Taufe Christi offenbarten sich alle drei göttlichen Personen: der Vater durch die Stimme vom Himmel, der Sohn durch die Taufe, der Hl. Geist durch Annahme der Taubengestalt (Mt 3,16).

1. Die Hl. Dreifaltigkeit ist der eine Gott in drei Personen.
Statt „Hl. Dreifaltigkeit" pflegt man auch zu sagen „die Hl. Dreieinigkeit". Durch dieses der deutschen Sprache eigentümliche Wort wird sehr kurz und passend die genannte Wahrheit ausgesprochen.

Die drei Personen heißen: Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Die Zahl 3 kommt sehr oft in der Religion vor. Es sind 3 Orte im Jenseits: Himmel, Fegefeuer, Hölle, 3 Hauptteile in der Messe, 3 Stücke bei jedem Sakramente, 3 Personen der Hl. Familie, 3 Hauptfeste des Kirchenjahres; 3 Stunden hing Christus am Kreuze, 3 Tage ruhte Christus im Grabe; 3 Jahre verwaltete er sein Lehramt; er bekleidete ein dreifaches Amt, das Lehramt, Priesteramt, Hirtenamt usw. Die Zahl 3 scheint auch Grundzahl in der Natur zu sein. Man denke an die 3 Reiche der Schöpfung: Tierreich, Pflanzenreich, Mineralreich; an die 3 Aggregatszustände: fest, flüssig, gasförmig; an die Dreifachheit der Zeit: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. - Auch die Zahl 4 findet sich oft in der Religion vor. Es sind 4 Evangelien, 4 Kardinaltugenden, 4 Flüsse des Paradieses, 4 Weltgegenden, von woher die Engel die Menschen zu Gericht bringen werden, 4 Jahrtausende warteten die Menschen auf den Erlöser, viereckig war der Tempel zu Jerusalem usw. - Auch die Zahl 7 kommt oft vor. Es gibt 7 Tage der Schöpfung, 7 Sakramente, 7 Werke der Barmherzigkeit, 7 Haupttugenden, 7 Gaben des Hl. Geistes, 7 Weihen bis zur Priesterweihe, 7 Bitten des Vaterunsers, 7 Worte Christi am Kreuze usw., lauter Dinge, die uns Gott ähnlich machen oder mit Gott vereinigen. Die Zahl 7 kommt auch oft in der Natur vor; man denke an die 7 Farben des Lichtes, an die 7 Grundtöne der Musik. - Die Zahl 3 ist nämlich die Zahl Gottes, die Zahl 4 ist die Zahl der Welt (wegen der vier Weltgegenden), die Zahl 7 bedeutet die Vereinigung Gottes und der Welt. - Auch die Zahl 12 ist eine heilige Zahl. Der hl. Aug. zerlegt die Zahl 12 in 3 mal 4 und sagt, Christus habe 12 Apostel erwählt, um anzudeuten, dass der dreieinige Gott in allen vier Weltgegenden durch die Apostel gepredigt werden sollte. Es gab 12 Patriarchen (nach der Sündflut) und 12 Stämme Israels; man beachte auch, dass das Jahr in 12 Monate zerfällt, der Tag gleichwie die Nacht in 12 Stunden.

2. Diese Wahrheiten nennen wir das Geheimnis der Hl. Dreifaltigkeit, weil wir sie mit unserm schwachen Verstande nicht begreifen können.
Wir können nicht begreifen, wie es möglich ist, dass drei göttliche Personen sind und doch nur ein Gott. Die Dreifaltigkeit ist etwas „Unbegreifliches und Unaussprechliches" (4. Konz. Lat.). Man denke an die Legende vom hl. Augustin, zu dem ein Knäblein am Meeresstrande gesprochen haben soll: „Eher werde ich das ganze Meer in diese kleine Grube schöpfen, als dass du das Geheimnis der Hl. Dreifaltigkeit ergründest" (Spirago, Beispiele). Wer die Sonne starr anschaut, wird geblendet; wer sie anzuschauen nicht aufhört, kommt um das Augenlicht. Ebenso geht es mit der Erforschung der Religionsgeheimnisse; wer sie erforschen will, wird geblendet, und wer sie zu erforschen nicht aufhört, verliert gänzlich seinen Glauben (hl. Aug.). Wer dieses Geheimnis nicht glauben wollte, weil er es nicht verstehe, gleicht einem Blinden, der das Dasein der Sonne nicht glauben wollte, weil er sie nicht sehe.
Obzwar diese Wahrheit unbegreiflich ist, so ist sie deswegen nicht unvernünftig.
Diese Lehre wäre unvernünftig, wenn gesagt würde: Drei Personen sind eine Person, oder: Eine Wesenheit sind drei Wesenheiten. Das wäre eben ein innerer Widerspruch. Doch es wird gesagt: Es sind drei Personen, aber nur eine Wesenheit. Wer also sagt: Es ist unmöglich, dass drei eins sind und eins drei, der zeigt, dass er die Lehre der Kirche missversteht. Da gelten die Worte der Hl. Schrift: „Sie lästern, was sie nicht verstehen" (Jud 1,10). Die Menschen hassen, was sie nicht fassen. Die Lehre der Dreifaltigkeit steht also keineswegs im Widerspruche mit der Vernunft. - Auch daraus, dass ich etwas nicht begreifen kann, folgt noch nicht, dass dasselbe unvernünftig ist. Denn wir finden auch vieles in der Natur, was wir nicht begreifen können, und was trotzdem wahr ist. Es klingt fast unwahrscheinlich, wenn man hört, dass sich in einem Wassertropfen Hunderte von Tierchen befinden, und doch kann man sich mit dem Mikroskope von dieser Wahrheit überzeugen. Was soll man erst sagen, wenn man hört, dass der Weltäther 430 Billionen Schwingungen in einer Sekunde macht, wenn er uns die violette Farbe vermittelt. (An einer Billion hätte man gegen 20.000 Jahre Tag und Nacht unausgesetzt zu zählen!) Und doch fällt es niemand ein, zu sagen, diese Behauptung sei unvernünftig. Und gehört nicht auch das Licht, die Elektrizität, der Magnetismus und vieles andere zu jenen Sachen, die wir uns nicht erklären können? Nun, wenn es schon in der Natur so viele Sachen gibt, die wir uns nicht erklären können, um wie viel weniger können wir erst das begreifen, was sich auf die Majestät Gottes bezieht. Jeremias sagt: „Groß bist du, o Gott, und unerreichbar unseren Gedanken" (Jer 32,19). Nie begreifst du, was Gott ist, wenn du nicht Gott selber bist.
In der Natur finden wir manche Ähnlichkeiten mit dem Geheimnisse der Hl. Dreifaltigkeit.
Wir können mittelst der durch den Glauben erleuchteten Vernunft zu einer sehr nützlichen Einsicht in die Geheimnisse gelangen, wenn wir sie mit manchen Dingen in der Natur vergleichen (K. Vatik. 3,4). Wir finden folgende unvollkommene Gleichnisse: Der Sonnenstrahl kann in einen roten, gelben und blauen zerlegt werden, enthält also ein dreifarbiges Licht. Die Sonne sieht man am Himmel, im Wasser und im Spiegel, den man über das Wasser hält; man sieht dreimal die Sonne, und doch ist nur eine Sonne. Der Amethyst erglänzt von verschiedenen Seiten betrachtet, in 3 Farben: purpurrot, veilchenblau und rosenrot, und ist doch nur ein und derselbe Stein (hl. Isid.). Dasselbe Wasser kann fest, flüssig und dunstförmig sein, allerdings nicht zu gleicher Zeit. Das Wasser an der Quelle, im Bache und im Flusse ist ein und dasselbe Wasser, führt nur verschiedene Namen (hl. Dionys. Alex.). Die leuchtende Sonnenkugel, die von ihr ausgehenden Lichtstrahlen und die von beiden erzeugte Wärme sind drei Dinge und doch nur eins (hl. Cyr. Al.). Beim Feuer findet man Flamme, Licht und Wärme; es sind drei Dinge und doch nur ein Feuer. Man denke auch an das Leben, Erkennen und Wollen des Geistes; oder an die Möglichkeit, dass drei Menschen einen und denselben Gedanken haben. Auf manchen Altären veranschaulicht das dreiblättrige Kleeblatt die Hl. Dreifaltigkeit.
(Quelle: "Dienst am Glauben" Heft 4 - Okt. - Dez. 2014, S. 110ff., Innsbruck)

3. Die drei göttlichen Personen haben gemeinsam: die Wesenheit, die Eigenschaften und die Werke
Gleichwie drei verschiedene Personen gemeinsam ein Haus oder sonst einen Gegenstand besitzen können, so ist es auch hier der Fall. Jene Sache, die die drei göttlichen Personen gemeinsam haben, ist die göttliche Wesenheit. Daher sind nicht drei Götter, sondern nur ein Gott.
Der Vater ist also wohl ein Anderer als der Sohn, weil er als Person verschieden ist, aber er ist nicht etwas Anderes, weil er keine andere Wesenheit hat (4. Konz. Lat.). Der Vater und der Sohn sind zwar nicht ein und derselbe, wohl aber ein und dasselbe.
Daher ist die eine Person ebenso ewig, allwissend, allmächtig und vollkommen, als wie die andere.
Als Christus von seinem Heimgange zum Vater sprach, fügte er allerdings hinzu: „Der Vater ist größer als ich" (Joh 14,18). Doch er sprach hier von sich als Mensch; denn er redete vom Heimgange.
Daher ist die Schöpfung der Welt und die Erlösung und die Heiligung der Menschheit von allen drei Personen gemeinschaftlich vollbracht worden.
Trotzdem pflegt man zu sagen: Gott Vater hat die Welt erschaffen, Gott Sohn hat die Menschen erlöst, Gott Heiliger Geist heiligt die Menschen. Warum man so spricht, siehe die folgende Seite.

4. Die drei göttlichen Personen unterscheiden sich nur durch den Ursprung
Beim Baume kommt aus der Wurzel der Stamm hervor, und von beiden entsteht die Frucht; ähnlich verhält es sich mit den drei göttlichen Personen. Auch die menschliche Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Kind, kann mit der Hl. Dreifaltigkeit verglichen werden. Dabei ist zu beachten, dass aus Adam die Eva entstand, und von beiden das Kind seinen Ursprung hat.
Der Vater hat keinen Ursprung und geht von keiner anderen Person aus; der Sohn aber geht vom Vater aus, und der Hl. Geist vom Vater und vom Sohne zugleich (Bellarmins Katechismus).
Um die Ordnung des Hervorgehens zu bezeichnen, nennt man den Vater die ers­te, den Sohn die zweite und den Hl. Geist die dritte göttliche Person. Doch ist wohl zu merken, dass hier jede Zeitfolge (das „Nacheinander") ausgeschlossen ist; der Sohn geht von Ewigkeit her vom Vater aus und der Hl. Geist von Ewigkeit her vom Vater und Sohne. Denn würde in Gott in der Zeit etwas Neues hinzukommen, so wäre Gott nicht unveränderlich, also nicht Gott. - Der Sohn ist aus dem ewigen Wesen des Vaters vor aller Schöpfung erzeugt (Ps 109,3) und zwar in folgender Weise: Gott Vater hat durch sein Erkennen sein wesensgleiches Bild hervorgebracht, gleichwie wir durch das Denken ein Gedankenbild in unserm Geist hervorbringen. Zur Erklärung noch folgende Gleichnisse: Jedes Feuer strömt einen Glanz aus; der Glanz ist immer gleichzeitig mit dem Feuer. Bestünde ein ewiges Feuer, so bestünde auch ein ewiger Glanz (hl. Aug.). Nun, der Sohn ist gleichsam der Abglanz des ewigen Lichtes (Weish 7,26), der Abglanz der Herrlichkeit des Vaters (Hebr 1,3). Wenn sich der Schüler die Wissenschaft des Lehrers vollkommen angeeignet, so haben beide dieselbe Wissenschaft, nur mit dem Unterschiede, dass die Wissenschaft vom Lehrer dem Schüler mitgeteilt wurde; so haben auch Gott Vater und Sohn dieselbe Wesenheit (Weisheit), nur dass sie dem Sohne von Ewigkeit her mitgeteilt wurde. So wie von einer brennenden Fackel eine zweite angezündet wird, ohne dass die erstere etwas verliert, ebenso ist der Sohn vom Vater hervorgegangen, ohne ihm etwas zu benehmen (Tatian). Der Sohn Gottes wird auch das Wort genannt (Joh 1,1), weil er nämlich die ausgesprochene und selbst sprechende Wesenheit Gottes ist. Das Wort ist der getreue Ausdruck des Gedankens. Und Gott Sohn ist das wesensgleiche Ebenbild des Vaters. Auch hat Gott durch den Sohn zu den Menschen geredet, und zwar nach der übereinstimmenden Ansicht der hl. Väter schon im Alten Testamente. Wie der Sohn durch das Erkennen seinen Ursprung hat, so der Hl. Geist durch die Liebe. Zur Erklärung folgende Gleichnisse: Wenn sich jemand im Spiegel beschaut, so erzeugt er sein getreues Abbild; wird er die Schönheit seines Bildes gewahr, so empfindet er Liebe zu sich. Auch Gott Vater beschaute sich im Spiegel seiner Gottheit und erzeugte dadurch sein „wesensgleiches Ebenbild" (Hebr 1,3); die wechselseitige Liebe des Vaters und des Sohnes, dieses erzeugten Ebenbildes, ist der Hl. Geist (hl. Aug.; hl. Th. Aq.; hl. Ans.). Der Hl. Geist ist umso mehr der Geist der Liebe, weil er es ist, der in unserm Herzen die Gottes- und Nächstenliebe hervorbringt. Das Wort „Geist" (Hauch) ist passend gewählt, weil mit diesem Worte die gegenseitige Hinneigung, der Drang der Liebe ausgedrückt wird (hl. Th. Aq.). - Dass der Hl. Geist vom Vater und Sohne ausgeht, sagt Christus selbst; denn einmal erklärt er, dass der Vater den Hl. Geist senden werde (Joh 14,26), ein andermal sagt er, dass er selbst den Hl. Geist senden werde (Joh 16,7). Der Hl. Geist geht vom Vater und Sohne aus wie die Wärme von der Sonne und vom Strahle (hl. Th. Aq.). Wie die Frucht vom Baume und von der Wurzel zugleich hervorkommt, so stammt der Hl. Geist vom Vater und vom Sohne ab (Tert.). Wenn man von einer Kerze eine zweite anzündet und von dieser eine dritte, so hat die dritte Kerze ihr Licht von beiden Kerzen. Wieso?
Wegen dieser Verschiedenheit des Ursprunges schreibt man dem Vater die Werke der Allmacht zu, dem Sohne die Werke der Weisheit, dem Hl. Geiste die Werke der Güte.
Die genannten Werke haben nämlich eine gewisse Ähnlichkeit mit den Eigentümlichkeiten der Personen, die durch deren Ursprung bedingt sind. Der Vater erzeugt den Sohn. Daher schreibt man ihm zu das Hervorbringen der vergänglichen Dinge aus Nichts, d. h. das Erschaffen. Man nennt ihn daher „den Allmächtigen Vater" (Apostolisches Glaubensbekenntnis). Man schreibt ihm auch zu die Barmherzigkeit, weil er uns Sünder wieder zu seinen Kindern annimmt. Er ist der „Vater der Barmherzigkeit" (2. Kor 1,3). - Der Sohn ist die ewige Erkenntnis des Vaters, die Weisheit. Daher schreibt man ihm zu die Herstellung der schönen Ordnung bei der Schöpfung. „Alles ist durch ihn gemacht worden" (Joh 1,3). Wie der Künstler mit seinem nachdenkenden Verstände den Plan zu einem Werke entwirft, so hat der Vater durch den Sohn die Ordnung in der Welt geschaffen. Auch schreibt man dem Sohne zu die Wiederherstellung der Ordnung durch die Erlösung und dies umso mehr, weil er hiezu die menschliche Natur angenommen hat. - Der Hl. Geist ist die wechselseitige Liebe des Vaters und des Sohnes. Ihm werden daher alle Wohltaten Gottes zugeschrieben, vor allem die Mitteilung des Lebens bei der Schöpfung. „Wie der Vogel über den Eiern ruht, um durch Wärme in ihnen das Leben zu erwecken; so schwebte bei der Schöpfung der Geist Gottes über den Wassern" (hl. Hier.). Dem Hl. Geiste wird daher auch die Mitteilung des geistigen Lebens durch die Gnade zugeschrieben, d. h. die Heiligung der Menschen. Ihm „dem Finger an der Rechten Gottes" werden zugeschrieben die Wunder; endlich auch das größte Werk der Liebe Gottes, die Menschwerdung. „Gottes Güte hat sich immer der Menschen angenommen. Diese Güte übertraf aber das Maß der früheren Wohltaten, als durch die Menschwerdung Christi zu den Sündern die Barmherzigkeit, zu den Irrenden die Wahrheit, zu den Toten das Leben herabstieg" (hl. Leo. Gr.).

5. Das Geheimnis der Hl. Dreifaltigkeit wissen wir aus den Worten Christi, die er bei seiner Himmelfahrt zu den Aposteln gesprochen hat.
Aus der Schöpfung vermögen wir nicht die Dreifaltigkeit Gottes zu erkennen. Dies kommt daher, weil Gott hier zwar gewirkt hat durch seine unendliche Macht, Weisheit und Güte (durch das, was allen Personen gemeinsam ist), nicht aber durch seine Dreipersönlichkeit. Daher können wir auch die Dreipersönlichkeit aus seinen Werken nicht erkennen. Es verhält sich wie mit der Sonne. Diese wirkt auf zwei Sinne, auf Gesicht und Gefühl, nicht aber auf Gehör, Geruch, Geschmack. Daher können wir sie nur mit den beiden ersteren Sinnen wahrnehmen, nicht mit den anderen. So wie uns also Gehör, Geruch, Geschmack über die Sonne nicht Aufschluss geben können, so unser Verstand nicht über Gottes Dreipersönlichkeit, weil diese auf den Verstand nicht einwirkt (hl. Ephr.). Die Kenntnis des Geheimnisses der Hl. Dreifaltigkeit können wir nur aus der Offenbarung haben. „Den Vater kennt niemand als der Sohn, und wem es der Sohn offenbaren will" (Mt 11,27). Nun hat Christus bei seiner Himmelfahrt zu den Aposteln gesagt: „Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" (Mt 28,19). - Auch im Alten Testamente war das Geheimnis der Hl. Dreifaltigkeit teilweise bekannt. Die jüdischen Priester mussten, wenn sie das Volk segneten, dreimal den Namen Gottes anrufen (4. Mose 6,23). Isaias sagte, dass die Serafim im Himmel rufen: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen" (Jes 6,3). Auffallenderweise sprach Gott vor der Erschaffung des Menschen: „Lasset uns den Menschen machen" (1. Mose 1,26). David sagte: „Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten'" (Ps 109). Im Alten Testamente geschah nur eine im Nebel umhüllte Offenbarung des Geheimnisses der Hl. Dreifaltigkeit, damit es, wenn es im Neuen Bunde verkündet würde, dem Alten Bunde nicht zuwider zu sein scheine (Beil.). Die Kirche kennt dieses Geheimnis, die Synagoge glaubt es nicht, die Philosophie versteht es nicht (hl. Hilar.).

6. Der Glaube an dieses Geheimnis wird öffentlich bezeugt beim Kreuzmachen, im apostolischen Glaubensbekenntnisse, bei der Taufe und den übrigen Sakramenten, bei allen Weihungen und Segnungen und am Feste der Hl. Dreifaltigkeit.
Das Geheimnis der Hl. Dreifaltigkeit ist nämlich die Grundlage unserer christlichen Religion. Denn ohne Kenntnis dieser Wahrheit versteht man nicht die Erlösung durch den Gottessohn. Erwecke daher in dir recht oft den Glauben an dieses Geheimnis, insbesondere durch häufigen Gebrauch des Lobspruches:
„Die Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, wie im Anfange, so jetzt und allezeit und in alle Ewigkeit. Amen."
Gebrauche diesen Lobspruch, wenn dir Gott Wohltaten erweist, aber auch dann, wenn er dir Leiden schickt.
(Quelle: "Dienst am Glauben" Heft 1 - 2015, S. 12 - 16, Innsbruck)



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