christliches Beten

Beim Beten erheben wir unsere Seele zum Dreifaltigen Gott, zum Barmherzigen Vater, seinem Sohn Jesus Christus und zum Heiligen Geist, der in unseren Herzen wohnt. Als Kinder Gottes treten wir dabei in eine persönliche, lebendige Beziehung zum Schöpfer, der uns aus dem Nichts ins Dasein gerufen hat.

Auch nach dem Sündenfall will Gott jeden von uns in eine echte Kommunikation mit sich hineinziehen: Er selbst legt in uns das Verlangen nach Gebet hinein. Er beruft uns zum Beten, damit wir die Verbindung zu dem nie abreißen lassen, von dem wir herkommen, in dem wir leben und auf den hin wir unterwegs bleiben.

Im Alten Bund lebt Abraham in der ständigen Gegenwart Gottes. Er hört auf ihn und gehorcht ihm. Im Gespräch und Gebet zu Gott ringt er um den Glauben. Seine Treue zu Gott muß sich durch Prüfungen hindurch bewähren. Aber er ist sich bewußt, daß seiner Treue zu Gott die Treue Gottes zu ihm vorausgeht. Das erfährt er bei der Glaubensprobe im Zusammenhang mit der Bereitschaft, seinen einzigen Sohn Isaak, den Sohn der großen Verheißung Gott aufzuopfern. Abraham liebt Gott, weil er sich von Gott geliebt weiß. In kühnem Vertrauen setzt er sich für Sodoma und Gomorrha ein und leistet entschieden Fürbitte für die Sünder am Toten Meer. Der Führer des Auszugs Israels aus Ägypten, Moses, hat Gottes Sein und Gegenwart aus dem brennenden Dornbusch heraus erfahren. Er lebt in einer tiefen, mystischen Beziehung zu Gott. Er redet mit ihm Auge in Auge, wie Menschen miteinander sprechen. Aus seinem vertrauten Umgang mit Gott schöpft er die Kraft, für Israel einzutreten, damit der Herr es verschont, ihm immer wieder eine neue Chance gibt.

Unter den Herrschern des auserwählten Volkes ist David der Hirt und König, der für sein Volk betet. Er hält an den göttlichen Verheißungen fest, vertraut sich ihm an, da er weiß, daß Gott selbst der eigentliche Herr und König Israels ist. Und die echten Propheten Israels leben in großer Vertrautheit mit Gott. Sie verkünden dem Volk, was sie beim Herrn gesehen und vernommen haben. Elias, der Vater aller Propheten, führt das Gottesvolk zum wahren Glauben zurück, nachdem der Herr sich im Opferstreit mit den Baalspropheten als Herr und Sieger erwiesen hat.

Höhepunkt des Gebetes sind im Alten Testament die 150 Psalmen, die Gottes Großtaten in Schöpfung und Heilsgeschichte besingen. Bis heute sind sie Urgestein aller Formen von Gebet für die Gläubigen aller Stände und Zeiten. Als Mensch hat Jesus diese Psalmen auf dem Schoß seiner Mutter gelernt. Zugleich sprengt er die Psalmen. Denn er ist der ewige Sohn Gottes, der in seiner Menschheit das vollkommene Gebet an den Vater richtet. Sein ganzes Leben ist ununterbrochene Gebetsgemeinschaft mit dem Vater bei Tag und Nacht. Seine nächtlichen Gebete auf den Bergen sind Ausdruck seiner permanenten Liebesgemeinschaft mit dem liebenden Vater, den er selbst über alles liebt und dessen Willen er ständig und überall erfüllt.

In seiner Passion vollzieht er den Ratschluß der Liebe des Vaters und nimmt alle Ängste und Sünden der Menschheit auf sich. Der Vater erhört ihn, indem er ihn von den Toten auferweckt. Folgen wir dem Vater Unser, dann liegt unser Gebet immer richtig auf der Linie vom Sohn zum Vater im Heiligen Geist. Dazu ist ein reines Herz erforderlich, das immer Ausschau hält nach dem Reich Gottes und den Feinden vergibt. Nur ein tief kindliches Urvertrauen zum ewigen Vater läßt uns in den Versuchungen und Prüfungen des Lebens standhalten. Vereinen wir in großer Wachsamkeit unser Gebet mit dem Gebet Jesu. Dann führt er uns zur vollkommenen Freude.

Das hat die Gottesmutter in ihrem Beten erfahren und deshalb hört sie im Himmel nie auf, für unsere Nöte zu bitten. Sie zeigt mit ihrem Magnifikat, daß für den, der Gott wirklich liebt, alle göttlichen Verheißungen in Erfüllung gehen. Das Gebet der Mutter der Kirche lebt fort im Gebet der Mutter Kirche. Vom Heiligen Geist geführt betrachtet sie betend immer neu alle Geheimnisse des Erlösers und der Erlösung in Anbetung, Lobpreis, Dank und Bitte. All diese Gebetsinhalte sind Antworten des Christen auf die vorausgegangenen Gaben und den Segen des Herrn.

Vor ihm, dem dreimal Heiligen, werfen wir uns in tiefer Anbetung nieder, um ihn als unseren Schöpfer, Erlöser und Vollender anzuerkennen. Auf dieser Grundlage dürfen wir dann für unsere geistigen, materiellen Bedürfnisse Fürbitte leisten. Zuerst aber heißt es immer, um das Kommen des Gottesreiches bitten. Damit das Himmelreich komme, beten und bitten wir für die Sünder und unsere Feinde. Das tut unsere Mutter Kirche unaufhörlich, indem sie ihre ständige Danksagung mit der Danksagung Jesu an den Vater vereinigt. Wenn wir Gott loben und preisen, dann geschieht dies ganz uneigennützig. Denn wir anerkennen ihn um seiner selbst willen. Wir erweisen ihm Ehre, weil er ist und seit Ewigkeit für uns da ist.

Christus ist der Weg unseres Betens. Durch ihn wenden wir uns an den göttlichen Vater. Der innere Lehrmeister christlichen Betens ist der Heilige Geist. Ihn rufen wir immer wieder an, damit er uns lehre, wie und worum wir beten sollen.

Wegen ihrer einziartigen Mitwirkung am Erösungswerk beten wir mit der Kirche und in ihrem Geist gern zu Maria, der vollkommenen Beterin. Vor allem im Engel des Herrn, im Rosenkranz und im Hymnus Akathistos lobt und preist man sie in West und Ost. Mit ihr und unter ihrer Leitung leisten alle anderen Heiligen des Himmels ständig Fürbitte für uns beim Dreifaltigen Gott.

Schließen wir uns ihnen an durch das regelmäßige Morgen- und Abendgebet, das Gebet vor und nach den Mahlzeiten, das Stundengebet, den Rosenkranz und die sonntägliche Mitfeier des eucharistischen Opfers. Sammeln wir unsere Herzen, sei es beim mündlichen Gebet bei der Betrachtung und auch beim beschaulichen Gebet.

Bei der Betrachtung gehen wir vom Wort Gottes aus und denken betend nach über den Inhalt des Evangeliums für mich hier und heute. So vertiefen wir den Glauben und werden zur Nachfolge Christi gestärkt.

Das beschauliche Gebet ist die schweigende Ganzhingabe an Gott aus Liebe. Beschauliches Beten ist ein freundschaftlicher Umgang mit Gott, von dem wir wissen, daß er uns schon immer geliebt hat und ewig lieben wird, wenn wir ihm in Treue verbunden bleiben.

Auf die Fürsprache der vollkommensten Anbeterin Gottes segne euch der allmächtige, barmherzige und gerechte, dreieine und dreifaltige Gott,
der + Vater, der + Sohn und der + Heilige Geist!

Euer Pfarrer Reinhold Franz Maria Lambert
Impressum
(Quelle: Rundbrief Nr. 126, März 2007, des Marianischen Segenskreises e.V., Untere Bergstr. 7, D-56244 Leuterod)


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