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„Wer
sein Vertrauen in Meine Barmherzigkeit gelegt hat, dessen Seele werde ich
in der Stunde des Todes mit Meinem Frieden erfüllen {Tagebuch
1520)
„Ich will die wunde Menschheit nicht strafen, sondern sie gesund machen, sie an Mein barmherziges Herz drücken" (TB 1588)
Besondere Freude macht es Gott, wenn verstockte Sünder, gequälte und in Verzweiflung lebende Seelen wieder heimkehren (vgl. TB 1146).
„Möge keine Seele daran zweifeln, und wäre sie die allerelendste, dass sie, so lange sie lebt, eine große Heilige werden kann, denn groß ist die Kraft der Gnade Gottes. An uns liegt einzig, dem Wirken Gottes keinen Widerstand zu leisten" {Tagebuch 283).
Maria Zboralska
Diese Worte, die von Schwester Faustina niedergeschrieben wurden,
führen uns auf den Weg des Jahres der Barmherzigkeit (8. Dezember
2015 - 20. November 2016). Sie sprechen nämlich von dem, was das Wichtigste
ist: von der Liebe Gottes, die mächtiger ist als jede Sünde,
und vom Vertrauen des Menschen darauf, dass Gott aus jedem Übel etwas
Gutes hervorbringen kann. „Ich habe Mein Herz als lebendige Quelle der
Barmherzigkeit geöffnet; mögen alle Seelen aus ihm Leben schöpfen;
mögen alle Seelen dem Meer der Barmherzigkeit mit großem Vertrauen
nahen. Die Sünder werden Rechtfertigung erfahren und die Gerechten
Festigung im Guten. Wer sein Vertrauen in Meine Barmherzigkeit gelegt hat,
dessen Seele werde Ich in der Stunde des Todes mit Meinem Frieden erfüllen"
(Tagebuch 1520).
Die Liebe ist langmütig
(1 Kor 13,4)
Das barmherzige Herz Jesu ist für jeden Menschen offen, denn
Christus liebt jeden und hat jeden durch sein Blut freigekauft. Er tritt
auch ganz individuell an jeden Menschen heran und wirkt auf eine Weise,
die für ihn am besten ist. Zu dem einen spricht Gott durch Gewissensbisse,
zu einem anderen durch Misserfolge und Leiden, durch „Gewitter und
Blitz", und zu einem weiteren durch die Stimme der Kirche (vgl. Tagebuch
1728). Alles dazu, um den Menschen aufzurütteln, ihn zum Nachdenken
über sich selbst und über sein bisheriges Verhalten zu bringen,
ehe es zu spät ist. „Ich will die wunde Menschheit nicht strafen",
so erklärte Jesus Schwester Faustina, „sondern sie gesund machen,
sie an Mein barmherziges Herz drücken" (Tagebuch
1588). Und obwohl die Wege, auf denen Gott den Menschen ermahnt
und warnt, vielfältig und an die Berufung und den Grad der Heiligkeit
eines Menschen angepasst sind, so ist ihr Ziel nur das eine: die Bekehrung
des Menschen, die Rückkehr in das Haus des Vaters.
Der heilige Jean-Marie Vianney beschreibt sehr bildhaft die Situation,
in der Gott um die Bekehrung des verstockten Sünders Kain kämpft,
des Brudermörders aus dem Alten Testament. In seinem Buch mit dem
Titel "Über die Reue und die Barmherzigkeit" schreibt der heilige
Pfarrer von Ars: „Seht ihr, wie er mit Kain verfahren ist, als dieser seinen
Bruder getötet hatte? Er findet ihn, um ihn dazu zu bewegen, über
sich selbst nachzudenken, so dass Er ihm verzeihen könnte; denn wir
müssen Ihn unbedingt um Vergebung bitten, wenn wir wollen, dass Er
uns diese gewährt. Ach, mein Gott, ist das etwa zu viel? »Kain,
Kain, was hast du getan? Bitte mich um Vergebung, damit ich dir vergeben
kann.« Kain will nicht, er zweifelt an seiner Rettung, er verharrt
in der Sünde. Doch wir sehen, dass der gute Gott ihn lange auf Erden
belässt, um ihm Zeit zur Bekehrung zu geben, wenn er dies nur will"
(ebenda, S. 80 in der polnischen Ausgabe O skrusze i milosierdziu, im Folgenden:
OSM).
Die Liebe freut
sich nicht über das Unrecht (1 Kor 13,6)
Darüber, wie barmherzig Gott ist, belehrt uns nicht nur die
Heilige Schrift. Denn obwohl wir uns in der Kirche den Quellen der Barmherzigkeit
durch die anhaltende Betrachtung des Wortes Gottes nähern, so ist
die bewusste und reife Teilnahme an der Eucharistie und am Sakrament der
Buße und Versöhnung noch wichtiger (vgl. Johannes Paul II.,
Dives in misericordia, 13). Denn jeder, der das Geschenk der verwandelnden
Liebe Gottes annehmen will, muss sich der Wahrheit stellen und Gott vertrauensvoll
um Vergebung bitten. Barmherzigkeit bedeutet nämlich weder Nachsicht
noch Gleichgültigkeit gegenüber dem Bösen. Im Gegenteil,
sie setzt das Sündenbekenntnis und die vertrauensvolle Hingabe der
eigenen Schwäche an Gott in der Beichte voraus. Der Herr Jesus bestand
darauf, dass Schwester Faustina folgende Worte aufzeichnete: „Sage den
Seelen, wo sie Trost suchen sollen - im Tribunal der Barmherzigkeit, dort
gibt es die größten Wunder, die sich ununterbrochen wiederholen.
Um dieses Wunder zu erreichen, bedarf es keiner weiten Pilgerfahrt, auch
nicht äußerer Zeremonien, sondern es genügt, zu Füßen
Meines Stellvertreters gläubig hinzutreten und vor ihm sein Elend
auszusprechen. Dann zeigt sich das Wunder der Barmherzigkeit in seiner
ganzen Fülle. Auch wenn die Seele wie eine verwesende Leiche wäre
und eine Belebung, menschlich gesehen, ausgeschlossen und alles schon verloren
- so ist es anders bei Gott. Das Wunder der Barmherzigkeit Gottes belebt
die Seele vollends. Ihr Armseligen, die ihr das Wunder der Barmherzigkeit
für euch nicht in Anspruch nehmt, ihr werdet vergeblich rufen, weil
es dann zu spät sein wird" (Tagebuch 1448).
Die Liebe freut
sich an der Wahrheit (1 Kor 13,6)
Gott wartet auf jeden Menschen wie der Vater auf den verlorenen
Sohn (vgl. Lk 15,11-32), denn jeder hat Bekehrung nötig. Er steht
am Zaun, Er wartet, Er schaut aus, Er lässt sich nicht entmutigen...
Wenn jener dann aus der Verbannung zurückkehrt, vergibt Er ihm von
ganzem Herzen. Der heilige Jean-Marie Vianney schreibt: „Wenn wir (...)
das Glück haben, uns zu bekehren, dann spürt Er [Gott] aus diesem
Grund eine so große Freude, dass Er, wie Er sagt, schneller mit Seiner
Vergebung zur Stelle ist als eine Mutter sich beeilt, ihr Kind aus dem
Feuer zu holen" (OSM, S. 85). Und Papst Franziskus fügt hinzu: „Gott
ist es nie leid, uns zu vergeben. Wir sind es, die es oft leid sind, Ihn
um Vergebung zu bitten. Bitten wir um diese Gnade, dass wir niemals müde
werden, um Vergebung zu bitten" (Vatikan, 17. März 2013).
Gottes Freude über den wiedergefundenen Sünder ist groß.
Der Vater nimmt nicht nur den verlorenen Sohn wieder an, sondern er gibt
ihm auch ein neues Gewand, einen Ring, er richtet ein Fest aus. Mit einem
Wort: Er beschenkt ihn überreichlich, über alle Maßen.
So geschieht es mit jedem Sünder: Gott hört nicht auf, ihn zu
suchen, und wenn Er ihn gefunden hat, ist Seine Freude groß. „Seht
nur", schreibt der heilige Pfarrer von Ars, „wie Jesus seinen verlorenen
Schafen nachläuft; seht, wie Er die Städte und Dörfer durchzieht,
um sie zu suchen und sie in das Haus seiner Barmherzigkeit zu führen;
seht, wie Er die Apostel verlässt, um hinzugehen und am Jakobsbrunnen
auf die Samariterin zu warten, denn
Er wusste, dass sie dorthin kommen würde; Er selbst kommt ihr
zuvor, Er ist es auch, der ein Gespräch mit ihr beginnt, damit seine
Worte voller Süße, verbunden mit der Gnade, sie berühren
und trösten; Er bittet sie um Wasser zum Trinken, damit sie selbst
Ihn um etwas viel Wertvolleres bitten kann: um Seine Gnade. Er war so glücklich
über den Gewinn dieser Seele, dass Er, als die Apostel Ihn bitten,
etwas zu essen, ihnen antwortet: »Ach, nein!« Er scheint ihnen
zu sagen: »Nein, ich denke nicht an die Speise für den Leib,
in mir ist so viel Freude, dass ich eine Seele für meinen Vater gewonnen
habe«" (OSM, S. 88-89)
Die Liebe hört
niemals auf (1 Kor 13,8)
Die Bekehrung eines Sünders ist ein großes Fest für
Gott und Seine Freunde. Besondere Freude macht es Gott, wenn verstockte
Sünder, gequälte und in Verzweiflung lebende Seelen wieder heimkehren
(vgl. Tagebuch 1146). Im Evangelium finden wir viele Gleichnisse, die uns
in Bildern die Freude Gottes über eine solche Begegnung erkennen lassen.
Sie wird zum Beispiel von der Geschichte über das wiedergefundene
Lamm oder die Drachme (vgl. Lk 15,1-10) illustriert. Wesentlich ist auch,
dass diese Freude über die Bekehrung nicht einseitig ist. Sie wird
auch von dem erfahren, der in das Haus des barmherzigen Vaters zurückkehrt.
Er beginnt gleichsam ein neues Leben, denn die Strahlen der Gnade Gottes
bringen in seine Seele Licht, Wärme und Leben (vgl. Tagebuch 1486).
Er kann dann zu einem glaubwürdigen Zeugen der Liebe werden, der anderen
die Barmherzigkeit verkündet und sie an ihnen übt.
Der heilige Jean-Marie Vianney, der sich der Größe von
Gottes Barmherzigkeit bewusst war, warnte jedoch davor, mit der Gnade Gottes
allzu unbekümmert umzugehen. Es lohnt sich, sich besonders im Jahr
der Barmherzigkeit seine Worte zu Herzen zu nehmen: „Doch,
Brüder, auch wenn der gute Gott so gut ist, dass Er auf uns wartet
und uns annimmt, so darf man seine Geduld nicht missbrauchen. Wenn Er uns
einlädt, zu Ihm zu kommen, dann sollten wir Ihm entgegengehen. Wenn
Er uns annimmt, dann müssen wir treu bleiben. Doch leider, Brüder,
ruft Er uns vielleicht schon fünf oder sechs Jahre, warum also stecken
wir weiterhin in unseren Sünden?" (OSM, S. 107-108).
„Gott ist schneller
mit seiner Vergebung zur Stelle als eine Mutter sich beeilt, ihr Kind aus
dem Feuer zu holen"
(Jean-Marie Vianney)
(Quelle: "Liebt einander!",
Nr. 1- 2017, S. 39-41, Kloster St. Gabriel, 99894 Leinatal/Altenbergen)
- LINK:
liebt-einander.org