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 Mystikerin sel. Dina Belanger: "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder..."

Sie schöpfte aus Quellen, die nicht von dieser Welt waren...
Daß man Gott dienen kann auch in dieser Welt und daß man in dieser Welt dienen kann auch im Gottsuchen, das ist das Wundervolle, das Große und Unvergängliche an dem Beispiel der großen Mystiker, Seher und Heiligen. Zu ihnen zählt auch die selige Dina Belanger (1897 - 1929). Sie schöpfte aus Quellen, die nicht von dieser Welt waren.
Die Aufzeichnungen dieser großen Mystikerin und Sühneopferseele zählen zum Ergreifendsten, was Menschen je geschaut und empfangen haben. Sie geben einen tiefen Einblick in die Seele einer außergewöhnlichen Ordensfrau und zählen zu den beeindruckendsten Quellen christlicher Mystik.
P. Engelbert Recktenwald schreibt im „Informationsblatt der Priesterbruderschaft St. Petrus" (Nr. 45/94): „Im Sommer 1920 fühlt Dina sich immer mehr gedrängt, in einen Orden einzutreten. Aber sie ist sich nicht darüber im klaren, in welcher Kongregation der Herr sie haben will. Sie beginnt, intensiv in diesem Anliegen zu beten. Schließlich antwortet ihr der Herr: Ich will dich bei Jesus-Maria. Damit meint Christus die Kongregation der Schwestern von Jesus-Maria. Diese Kongregation wurde 1818 in Lyon von Claudine Thevenet gegründet. Diese Ordensgründerin wurde am selben Tag, an dem Dina seliggesprochen wurde,   vom Papst heiliggesprochen.
Am Donnerstag, den 11. August 1921, verläßt Dina für immer das elterliche Haus und tritt bei den Schwestern von Jesus-Maria ein. Während der Postulatszeit wird Dina von innerer Finsternis und Trockenheit heimgesucht. Der Teufel versucht sie zu entmutigen und ihr den Gedanken einzuflößen, daß sie niemals das klösterliche Leben bis zum Lebensende aushalten könne. Doch Dina durchschaut die Versuchung und hält durch. Übrigens hat die hl. Franziska Romana (1384 -1440) in einer ihrer großartigen Visionen gesehen, wie genau dies eine der typischen Strategien des Teufels ist: Zunächst versucht der Teufel, eine Seele dadurch schwach zu machen, daß er ihr Vertrauen auf die Vorsehung Gottes zum Wanken bringt, um sie dann um so leichter zur Sünde zu verführen und zu Fall zu bringen...
Bei Dina haben die Prüfungen den Zweck, sie auf steilem Weg zur Höhe der Vollkommenheit zu führen. Der Vorsatz, dessen Erfüllung ihr dabei am meisten half, ist die vollkommene Treue im Kleinen. So kommt es, daß am Ende des Postulats, während der Exerzitien zur Vorbereitung auf das Noviziat, sie einer Gnade gewürdigt wird, die wir nur aus dem Leben der ganz großen Mystiker, zum Beispiel der hl. Katharina von Siena, kennen: der sog. geheimnisvolle Herzenaustausch. Dina sieht in einem Bild, wie der Herr ihr das Herz aus dem Leibe nimmt und an dessen Stelle sein eigenes und das Unbefleckte Herz seiner Mutter setzt, ein Bild, das einen wirklichen inneren Vorgang symbolisiert. Seit dieser Zeit handelt und liebt Dina, wie sie selber schreibt, mit den beiden Herzen Jesu und Mariens. Am Ende der Exerzitien faßt sie ihre Vorsätze für ihr künftiges klösterliches Leben. Sie lauten: Blind gehorchen, freudig leiden, lieben bis zum Martyrium.
Im Noviziat wird Dina mit vielen Erleuchtungen beschenkt. Der Herr lehrt sie die wahre innere Freude verstehen, die sich in einem Lächeln gegenüber jedermann und unter allen Umständen äußert. Denn: „Ein Heiliger, der traurig ist, ist ein trauriger Heiliger", wie Dina den hl. Franz von Sales zitiert.
Eines Tages erkennt Dina, daß es zwei Dinge gibt, um die uns die Engel beneiden würden, wenn sie in ihrer himmlischen Glückseligkeit noch Wünsche haben könnten: die hl. Eucharistie und die Fähigkeit, für Gott zu leiden...
Am 15. Februar 1922 empfängt Dina das Ordenskleid. Ihr Ordensname lautet: Maria Cacilia von Rom.
Dina empfängt große Erleuchtungen über die Gnaden, die aus dem Heiligsten Herzen Jesu hervorgehen. Sie erkennt, daß wir den Herrn trösten, wenn wir die Reichtümer seines Herzens den Seelen zuwenden, und wie wir selber dadurch reich werden. Jeden Morgen vertraut der Herr ihr eine bestimmte Anzahl von Seelen an, die es an diesem Tag durch Opfer und Liebe für ihn zu gewinnen gilt. Sie erkennt, daß die Barmherzigkeit des Herrn unendlich ist. Er dürstet danach, zu verzeihen und zu vergessen. Oft wartet er nur auf einen einzigen Gedanken der Liebe, um dem Sünder außerordentliche Gnaden zu schenken, die ihn der Hand Satans entreißen...
Dina wird eine besondere Verehrerin des Eucharistischen Herzens Jesu. Öfters bezeichnet sie den Heiland im Allerheiligsten Altarsakrament als den Gefangenen des Tabernakels. Die Liebe ist es, die ihn dort hält. Sie sieht die Leiden des Eucharistischen Herzens Jesu, verursacht durch die Sünden und die Gleichgültigkeit, besonders der Priester und gottgeweihten Seelen, gegenüber dem Allerheiligsten Altarsakrament. Und sie sieht, welch große Gnade und Herablassung des Herrn darin besteht, daß wir Ihn in seinem Leiden trösten dürfen!
Die Devise Dinas wird: Lieben und leiden. Sie will leben und sterben als Märtyrerin der Liebe, als Opfer der Liebe und als Apostel der Liebe...
Eines Tages stellt der Herr selber Dina zwei himmlische Patrone zur Seite, die sich fortan brüderlich um sie kümmern sollen: die hl. Cacilia und die hl. Theresia vom Kinde Jesu. Das war wenige Wochen nach der Seligsprechung Theresias. Durch die hl. Cacilia lernt Dina besser die Tugenden verstehen, die ein Apostel haben muß: Liebenswürdigkeit und ein Lächeln gegen alle, das beständige Vergessen seiner selbst, einen glühenden und erleuchteten Eifer. Die hl. Theresia öffnet ihr, wie Dina sich ausdrückt, den Garten des Vertrauens und lehrt sie, Fortschritte im Geist der Kindheit zu machen. Dina empfängt von ihr große Erleuchtungen über das Wort des Herrn: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen."
Am 15. August 1923, Fest Maria Himmelfahrt, legt Dina ihre erste Profeß ab, die Ordensgelübde auf fünf Jahre. Der Herr selber reicht ihr in einer Vision sein Geschenk zum Profeß: einen Kelch, der über und über erfüllt ist mit den Juwelen seiner Passion.
Bis zum 2. November erhält sie vom Herrn große Erleuchtungen, durch die sie lernt, die wahre Hingabe auf vollkommene Weise zu üben: Hingabe der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, der Freude, des Leids, der Wünsche, der Gedanken, Worte und Werke: Alles sollen wir seiner Barmherzigkeit übergeben. Die Frucht dieser totalen Hingabe ist der vollkommene Friede. Jesus selbst ist es dann, der sich all dessen annimmt und unsere Stelle einnimmt. Genau dies wird nun das Ideal Dinas, das sie erreichen will: Christus soll es sein, der sich ihrer Vermögen und Fähigkeiten bedient und durch sie denkt, will, handelt, betet, spricht, schreibt. Wenn sie alles Ihm übergeben hat, dann bleibt ihr selber als einzige Beschäftigung nur, Jesus zu betrachten und zu lieben. Sie erkennt, daß dies ihre Mission ist: in vollkommener Weise Christus ganz frei durch sich wirken zu lassen und ein Apostel der Liebe zu sein. Sie erkennt, daß davon das Heil und die Heiligkeit vieler Seelen abhängt. Denn durch sie will Christus unermeßliche Gnaden den Seelen zuwenden. Immer wieder hört Dina die Klagen des Herrn, wie sehr er nach den Seelen dürstet. Immer wieder verlangt der Herr von ihr Opfer, damit sich die Sünder bekehren und gerettet werden. Es kommt auch vor, daß Dina vom Satan angegriffen wird und heftige Versuchungen erdulden muß. Dann betet Dina mit dem hl. Paulus: „Wer kann mich scheiden von der Liebe Christi?" (Rom 8, 35).
Eines Tages sieht Dina die hl. Theresia von Lisieux, dargestellt in Gestalt einer strahlenden Taube, gefolgt von einer Phalanx weiterer Tauben, die die 'kleinen Opfer(seelen) der barmherzigen Liebe' bedeuten. Dann sieht sie, wie die Anzahl dieser bevorzugten Seelen sprunghaft ansteigen werden. 'Jesus will seine Gnaden und Erleuchtungen vermehren, um die Seelen an sich zu ziehen durch den Weg der geistlichen Kindheit, durch das Vertrauen, die Liebe, die Hingabe', schreibt die selige Dina.
Dina erkennt die Mutterliebe Mariens zu uns. Die glühendste und hingebungsvollste Mutterliebe hier auf Erden ist kalt im Vergleich zu den Liebesflammen des Unbefleckten Herzen Mariens...
Im Juli 1924 beginnt für Dina eine furchtbare Prüfung. Sie macht eine große innere Finsternis durch. Sie hat den Eindruck, daß Jesus sie zurückstößt. Sie sieht sich in die Hölle hinabsteigen. Aber je mehr die Finsternis zunimmt, um so mehr wächst ihr Vertrauen. Durch blinde Hingabe klammert sie sich an Gott fest und birgt sich im heiligsten Herzen Jesu. Die Prüfung hält an bis zum Januar 1925. Dann wird Dina in das Herz der   Allerheiligsten Dreifaltigkeit entrückt.
Am 17. Februar notiert Dina: „Niemals werden wir die Unermeßlichkeit der unendlichen Güte gegenüber jeder menschlichen Seele begreifen können. Das längste Leben hier auf Erden dauert in Wirklichkeit nur einen Augenblick. Wie sind wir von Sinnen, wenn wir diesen Augenblick, welcher unser Erdenleben ist, nicht zur größeren Ehre des höchsten Herrn verwenden. Welche Überraschungen wird es in der letzten Stunde geben, wenn der Schleier zur Wahrheit zerreißt!"
Dina sieht, daß der geringste Grad der Glückseligkeit im Himmel unendlich mehr wiegt als alle erdenklichen Freuden auf Erden. Und jeder kleinste Akt der Liebe, der Übereinstimmung mit dem göttlichen Willen, des Gehorsams oder der Entsagung wird uns eine solche Glückseligkeit bescheren. Die Allerheiligste Dreifaltigkeit bietet uns die Abgründe ihrer Reichtümer an, aber wie gering ist die Zahl jener, die sie in Empfang nehmen, indem sie sich vollkommen seinem heiligen Wirken überliefern, sich mit Glauben, Vertrauen und Liebe hingeben, ohne jemals etwas zurückzunehmen...
Dina wird ein Blick in die Welt der Engel gewährt, in die mannigfaltige Harmonie der Spiegelungen göttlicher Schönheit, sie sieht die Herrlichkeit ihres Schutzengels... Sie sieht die Allerheiligste Dreifaltigkeit in Maria, der schönsten Jungfrau, dem Meisterwerk der Allmacht und der unendlichen Güte. Reinheit... Liebe... Barmherzigkeit. Mit jedem Blick in die himmlische Herrlichkeit wächst ihre Sehnsucht, die sich aus Liebe zu Gott verzehrt...
Über das Vertrauen lehrt Dina dasselbe wie die sel. Sr. Faustine: Nichts verletzt das väterliche Herz Gottes mehr als unser Mangel an Vertrauen.
'Oh! Wie gut ist der Herr! Wie mild ist er! Welche Zärtlichkeit besitzt er! Wenn ich nur alle schüchternen und ängstlichen Seelen von der Unermeßlichkeit seiner Milde überzeugen könnte! Wenn ich bloß die armen Seelen, die ihrem Vater im Himmel mißtrauen, mit grenzenlosem Vertrauen einhüllen und durchdringen könnte! Die unendliche Barmherzigkeit betätigt sich in uns um so mehr, je mehr Elend sie in uns findet; wir bereiten Gott Freude, wenn wir ihm durch unsere Reue und unser Vertrauen Gelegenheit geben, seine Barmherzigkeit zu betätigen. Nichts verletzt sein väterliches Herz so sehr wie unser Mangel an Vertrauen. Und der Herr sucht Seelen, die Ihm mit Freude dienen. Die Dunkelheit wie das Licht, die Trostlosigkeit wie der Trost, die Bitterkeit wie die Süßigkeit, alles kommt aus seiner freigiebigen Hand, oder besser, es entspringt seinem Herzen wie ein Pfeil, der von Liebe entzündet ist. Unser Leben müßte eine ununterbrochene Danksagung sein, ein freudiges Vorspiel auf den Gesang des ewigen Lobpreises. Der göttliche Meister sucht freudige Seelen überall auf der Welt, aber Er will um so mehr alle geweihten Seelen, jene, die Er sich auserwählt hat, um Ihn zu trösten, Ihn kennen und lieben zu lehren, jene, die Er seine bevorzugten Bräute nennt.
Oh! Jesus spricht zu jeder Seele im Frieden, im Schweigen, in der Zeit der Sammlung. Was will Er von uns..? Wir sollen zuhören..., und treu sein...
Denn Er will unser Glück, sei es, daß Er uns einen bitteren Kelch darbietet oder einen berauschenden, eine Krone von Dornen oder von Rosen, ein schweres oder ein leichtes Kreuz. 'Servite Domino in laetitia', ja, dienen wir dem Herrn im Jubel."'. ...
(Quelle: "AVE-Kurier" 1/2 - 1995, S. 11-14, St. Andrä)
In der letzten Ausgabe des „Ave-Kurier" berichtete P. Engelbert Rektenwald über die selige Dina Belanger, über ihr Leben und ihren Ordenseintritt. In der vorliegenden Ausgabe berichtet er über ihre Visionen und Offenbarungen. Unter dem Datum vom 18. Juni 1925 notierte Dina die Erleuchtungen, die sie über den Wert des Kreuzes empfängt: „Ich würde gerne allen Seelen, besonders den auserwählten Seelen, den Wert des Kreuzes verständlich machen. Der moralische oder physische Schmerz ist eine unermeßliche Goldgrube; er ist ein brennender Pfeil, den die Liebe vom Herzen des Unendlichen abschießt, um das menschliche Herz zu verzehren und es in die Gottheit einzutauchen.
Das Kreuz! Es ist das blendende Szepter der inkarnierten Weisheit, der miterlösende Juwel der Unbefleckten Jungfrau, die leuchtende Palme der Seligen. Wenn wir wüßten, was für ein Maß an göttlicher Liebe jedes unserer Kreuze einschließt, würden wir diesen unendlichen Schatz so hochschätzen, daß wir Tag und Nacht nicht aufhören würden, Gott flehentlich um diesen Schatz zu bitten und für ihn übersprudelnd zu danken.
Wenn wir den Wert unserer Kreuze verstünden, wären wir gelähmt vor Freude und Glück, sie zu empfangen; die Prüfungen, die Bedrängnisse, die Ängste aller Art würden uns zu Liedern des Jubels und der Begeisterung antreiben, und wir würden spontan das Te Deum anstimmen.
Der Herr wird nicht verstanden! Nein, das Herz dieses anbetungswürdigen Bräutigams, das so zart und gut ist, wird nicht erkannt! Jesus hat das Kreuz erwählt als ein heiliges Gut. Er hat es mit Leidenschaft umarmt. Er hat es geliebt bis zur Torheit: und das für uns! Und wenn er uns ein Stückchen dieser geheimnisvollen Kostbarkeit anbietet, dann zögern wir, die Hand auszustrecken, zumindest zögern wir, es freudig zu tun.
Ach! Die gefallene menschliche Natur ist ein Abgrund von Finsternis. Gott weiß es; deshalb hat seine Barmherzigkeit stets Mitleid mit unserer Blindheit, und trotz unseres natürlichen Widerwillens bietet sie uns an und verpflichtet sie uns sogar, die unschätzbare Wohltat des Kreuzes anzunehmen.
Oh! Wie glücklich ist der göttliche Meister, ein anerkennendes Danke zu hören, wenn Er uns eine Dorne seiner Krone oder einige Tropfen seines bitteren Kelches anbietet! Wie sehr freut sich sein heiliges Herz, wenn eine verletzende und gekreuzigte Seele mit Liebe die Geißel, die Lanze und die kostbaren Nägel küßt!
Oh! Wenn wir die Gabe Gottes verstünden! Alle Leiden, alle Qualen, alle Martern würden meiner Seele süß erscheinen, um der zarten Vorsehung für den leichtesten Kummer zu danken. Wenn doch das Herz des Bräutigams wahrhaft erkannt würde!
Oh Geist der Wahrheit, durch die Verdienste Jesu bitte ich dich, schenke den Seelen das Licht, lehre sie, die wahren Güter zu schätzen und die unendliche Güte anzuerkennen in den Stunden der Prüfung und der Demütigung."
So exaltiert diese Lobpreisung des Leidens dem einen oder anderen erscheinen mag, so stimmt sie doch vollkommen mit dem überein, was alle großen Mystiker darüber lehren. Man denke etwa an den „Brief an die Freunde des Kreuzes" des hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort, an die Lehre des hl. Franziskus von Assisi über die vollkommene Freude, wie sie uns in den Fioretti überliefert ist, oder an die Lehren im „Büchlein der Ewigen Weisheit" des sel. Heinrich Seuse O.P., wo wir im Kapitel „Vom unermeßlichen Adel zeitlichen Leidens" einen ähnlichen Lobgesang finden, in dem es z.B. heißt: „Geduld in Leiden ist größer als Tote aufstehen machen und andere Zeichen tun: es ist der enge Weg, der da gerade hindringt   zur Himmelspforte.
Leiden macht zum Genossen der Märtyrer; es führt hin zum Lobe, es führt hin zu Sieg wider alle Feinde.
Leiden kleidet die Seele mit rosigem Kleide, mit Purpurfarbe. Sie trägt den Kranz von roten Rosen, der grünen Palme Zepter, es ist ein glänzender Rubin in einer Jungfrau Vorspange. Sie singt in Ewigkeit mit süßer Stimme, mit freiem Mute einen neuen Reigen vor, den aller Engel Scharen nicht singen können, da sie Leiden nie empfanden. Und daß ich (es spricht die Ewige Weisheit) es kürze: die Leidenden heißen vor der Welt die Armen, die heißen aber vor mir die Seligen; denn sie sind meine Auserwählten."
Dina gewinnt große Einblicke in das Geheimnis des Allerheiligsten Altarsakramentes. Wenn wir verstehen würden, so meint Dina, was für einen Schatz wir in der göttlichen Eucharistie besitzen, dann würden die Kirchen Tag und Nacht überfüllt sein von Anbetern, die sich vor Liebe zum göttlichen Gefangenen des Tabernakels verzehren würden.
Dina sieht die unendliche Verherrlichung, die der Dreifaltigkeit durch Jesus im Allerheiligsten Altarsakrament zuteil wird...
Immer wieder wird Dina über die Erlöserliebe Christi erleuchtet. Sie erkennt die Liebe seines Herzens, die sich den Seelen schenken will.
Aber es gibt so wenige Seelen, die sich öffnen, weil sie Angst haben, sich dem Herrn ganz auszuliefern. Dina will im Namen aller menschlichen Herzen den Herrn um seine Liebe bitten, und sie erkennt, daß dies auch im Himmel ihre Mission sein wird, bis zum Ende der Zeiten: Bettlerin der göttlichen Liebe zu sein, Apostel und Missionarin der Liebe. Bis zum Ende der Welt wird sie das göttliche Herz Jesu über die Seelen ausstrahlen, und zwar durch Maria.
Dina sieht, daß Maria die allgemeine Gnadenvermittlerin ist. Durch Maria opfert sich Jesus dem Vater auf, und durch Maria kommen alle Gnaden von Gott den Seelen zu. Immer mehr läßt der Herr Dina an seinem inneren Leben teilnehmen. Deshalb wird Dina von einem brennenden Durst nach Leiden, nach Seelen und nach Liebe erfüllt. Dieser Durst wird für sie zu einem dreifachen Martyrium. Am 16. Januar 1926 sagt ihr der Herr, daß sie vor Schmerz sterben würde, wenn sie um all das Böse wüßte, das in der Welt begangen wird...
Die himmlische Seligkeit, die Dina verkosten darf, beschreibt sie immer wieder als eine große Stille. Dort darf sie im Herzen Jesu ausruhen und seine unaussprechliche Zärtlichkeit und Milde erfahren...
Ende März 1926 schenkt ihr der Herr die unendlichen Reichtümer seines Herzens. Sie darf mit diesen unerschöpflichen Reichtümern tun, was sie will. Sie ist im Besitz seiner unendlichen Verdienste und darf nach Belieben darüber verfügen.
Auch diese außergewöhnliche Gnade kennen wir aus dem Leben anderer Heiliger. So schreibt z.B. die sel. Maria vom göttlichen Herzen Droste zu Vischering am Herz-Jesu-Fest 1897: „Der Heiland sagte mir, daß er mich heute von neuem als die geliebte Braut seines Herzens erwählte und daß er die Schätze seines Herzens zu meiner Verfügung stelle. Ich müsse viel beten für die heilige Kirche, für die ganze Welt, aber besonders für die Seelen, denen er durch meine Vermittlung Gnaden zuführen wolle."
Dina reagiert auf diese Gnade, indem sie das unaussprechliche Geschenk an die Muttergottes weitergibt, die nach ihrem Gutdünken daraus schöpfen und die Dreifaltigkeit verherrlichen soll.
Immer mehr kommt es Dina zu, den Herrn in seiner Agonie zu trösten. Er gibt ihr einige Tropfen seines bitteren Kelches zu kosten. Dina darf in wachsendem Maße den physischen und den seelischen Schmerz des leidenden Heilands teilen. Schließlich empfängt sie am Samstag, den 22. Januar 1927, die Stigmata, die Wundmale des Herrn.
Dina wird durch die Klagerufe des Herrn er­schüttert: „So wenige Seelen wollen in meiner Agonie mit mir leiden! So wenige Seelen, selbst geweihte Seelen, verstehen es, mit der Agonie meines Herzens mitzuleiden."
Und dann die Verheißung: „Ich werde große Erweise meiner Freundschaft den Seelen gewähren, die mich in meiner Agonie trösten wollen."
Auf die Frage Dinas, warum so viele geweihte Seelen nicht mit der Agonie seines Herzens mitzuleiden verstehen, antwortet der Herr: „Weil sie nicht genügend Zartgefühl gegen mich besitzen, und weil sie sich nicht genügend um eine große Vollkommenheit auch in all den kleinen Dingen bemühen. Die Agonie meines Herzens war die Einsamkeit, das Vergessenwerden, die Undankbarkeit."
Der Herr ruft alle geweihten Seelen, sein Herz zu trösten durch Gehorsam, vollkommene Regeltreue, Vollkommenheit in allen Dingen, reine Gottesliebe. Dina erkennt, daß der Engel, der den leidenden Heiland im Garten Gethsemani stärkte, alle Seelen repräsentiert, die in den folgenden Jahrhunderten dem Herrn in seiner Todesangst Gesellschaft leisten.
Das Herz des Herrn denkt unaufhörlich an die Seelen, viele Seelen aber, selbst geweihte, vergessen so oft ihren Herrn und Erlöser. Deshalb erwartet der Herr von Dina, ständig ohne Unterbrechung an ihn zu denken, und schenkt ihr die Gnade dazu.
Am 7. April 1927 sieht Dina, wie die Seelen zu Tausenden in die Hölle stürzen. Sie fragt daraufhin den Herrn, was denn, nachdem er das Erlösungswerk vollendet habe, denn noch fehle, so daß so viele Seelen noch verlorengehen. Die Antwort des Herrn lautet: „Das liegt daran, daß die frommen Seelen sich nicht genügend mit meinen Leiden vereinigen..."
Wenig später fügt er hinzu: „Wenn du wüßtest, wieviel mein Herz getröstet wird, wenn ich eine Seele finde, die sich Mir vollkommen ausliefert! Aber ich finde davon so wenige! Selbst unter den geweihten Seelen sind jene selten, die sich mir vollkommen ausliefern!"
„Meine Apostel Petrus, Jakobus und Johannes, denen ich mich gerade in der heiligen Kommunion gegeben und die ich zu Priestern gemacht hatte, waren geweihte Seelen, und sie schliefen während meiner Agonie! Wieviele geweihte Seelen schlafen immer noch, während meine Kirche verfolgt  wird und leidet!"
Dina erkennt es als ihre Aufgabe, den Arm der göttlichen Gerechtigkeit aufzuhalten. Denn Jesus will, daß seine Barmherzigkeit triumphiert. Aber die göttliche Gerechtigkeit ist schwer! Wie furchtbar, so notiert Dina in ihrem Tagebuch, muß es für den Sünder sein, vor dem unendlich gerechten Gott zu erscheinen!
Die Gnade dieser Erkenntnis vervielfacht die Sehnsucht Dinas, Barmherzigkeit für die Sünder zu erlangen. Sie fürchtet sich nicht, sich dazu der göttlichen Gerechtigkeit vollkommen auszuliefern und an Stelle der Sünder zu leiden. In Vereinigung mit dem leidenden Heiland wächst Dina immer mehr in die Aufgabe hinein. So fühlt sie sich am 10. Juli 1927 in und durch Christus dem Vater dargebracht als Opfergabe zur Sühne aller Sünden aller Zeiten, so als ob sie die einzige Seele wäre, die Gott zu lieben fähig ist.
Am 5. August ermuntert der Herr sie noch einmal, über die Schätze seines Herzens zu verfügen. Er gibt ihr die Versicherung, daß der Arm der Gerechtigkeit seines Vaters aufgehalten sei und seine Barmherzigkeit die Gnaden seines Herzens über die Seelen ausgießen werde..."
(Quelle: "AVE-Kurier" 3/4 - 1995, S. 12-18, St. Andrä)

In der letzten Ausgabe berichtete P. Engelbert Rektenwald über die selige Dina Belanger, über ihre Visionen und Offenbarungen. In der vorliegenden Ausgabe berichtet er über ihr mystisches Leben und ihre Schauungen. Die Aufzeichnungen dieser großen Mystikerin und Sühneopferseele zählen zum Ergreifendsten, was Menschen je geschaut und empfangen haben. Sie geben einen tiefen Einblick in die Seele einer außergewöhnlichen Ordensfrau und zählen zu den beeindruckendsten Quellen christlicher Mystik.
P. Rektenwald schreibt darüber: Am 6. Mai 1927 vertraut der Herr der sel. Dina ein abgrundtiefes Geheimnis an: Wenn alle geweihten Seelen ihm nichts verweigern würden, so daß er in ihnen ununterbrochen frei wirken könnte, dann würden alle anderen Seelen gerettet werden. Es wäre der Herr selbst, der in ihnen beten und vom Himmlischen Vater die Rettung und Heiligung all der anderen Seelen erflehen würde. Ohne Zweifel, so erklärt der Herr weiter dieses Geheimnis, gehen die Seelen, die in die Hölle kommen, durch eigene Schuld verloren. Gleichzeitig sei aber auch der Mißbrauch seiner Gnade durch die gottgeweihten Seelen daran Schuld.
Das Geheimnis, das Christus hier gegenüber der sel. Dina anspricht, nannte Papst Pius XII. in seiner Enzyklika „Mystici Corporis Christi" ein „schaudererregendes Geheimnis": „Ein wahrhaft schaudererregendes Mysterium, das man niemals genug betrachten kann: daß nämlich das Heil vieler abhängig ist von den Gebeten und freiwilligen Bußübungen der Glieder des geheimnisvollen Leibes Jesu Christi, die sie zu diesem Zweck auf sich nehmen, und von der Mitwirkung, welche die Hirten und Gläubigen, besonders die Familienväter und Mütter, unserem göttlichen Erlöser zu leisten haben."
In Fatima sagte die Muttergottes am 19. August 1917 ganz in diesem Sinne: „Viele gehen ewig verloren, weil niemand da ist, der sich für sie opfert und für sie betet."
Mein Herz liebt jede Seele unendlich. Während meines menschlichen und irdischen Lebens konnte ich nicht mehr für das Heil und die Heiligung der Seelen tun, als ich getan habe; und seitdem will ich die Erlösung fortsetzen durch mein Leben in den Seelen."
Diese Wahrheit über die Fortsetzung des Erlösungswirkens Christi in den Gliedern seines mystischen Leibes bildet zweifellos auch den Hintergrund der geheimnisvollen Aussage des hl. Paulus, daß er durch sein Leiden das ergänzen wollte, was am Leiden Christi noch ausstehe (Kol 1, 24).
Aus diesem Grunde überläßt der Herr die sel. Dina vielfältigen Drangsalen, auch solchen, bei denen sie den Angriffen des Teufels ausgesetzt ist. Am 18. Juni tröstet sie der Herr, indem er ihr erklärt, daß er sie der Demütigung, dem Kampf und der eigenen Schwäche überläßt, um andere Seelen dem Satan entreißen zu können, indem er ihnen die Gnaden der Vergebung und der Reinheit gewährt. Der Herr trägt ihr in diesem Junimonat auf, die Opferung („Immolation") seines Herzens in der Todesangst gegenüber seinem Vater zu meditieren. Er gibt ihr etwas von der unendlichen Traurigkeit seines Herzens zu kosten. Dina, die sich in Liebe verzehrt, opfert ungezählte Male das Herz ihres Herrn dem Himmlischen Vater auf...
Dina erkennt den Wert der reumütigen Liebe. Die reumütige Liebe einer Seele, die sich bekehrt, kann an Intensität die unschuldige Liebe der reinen Seelen übertreffen. „Ich verstehe", schreibt die sel. Dina unter dem Datum des 7. August, „wie eine büßende Maria Magdalena sich durch die Glut ihrer Liebe sich zu einer so hohen Heiligkeit hat erheben können. Ich verstehe auch, wie heilsam es manchmal ist, in gewisse mehr unüberlegte als bewußte Fehler zu fallen, die für den Willen demütigend sind; denn dann stützt sich unsere arme Natur, die ihre Gebrechlichkeit beweint, mit mehr Liebe und Vertrauen auf Gott, ihre einzige Stärke."
Die Kirchengeschichte kennt eine ganze Reihe heiliger Büßerinnen, deren beeindruckendste vielleicht die hl. Margareta von Cortona ist (1247-1297), Todestag 22. Februar, Festtag 26. Februar). Nach einen neunjährigen Leben in wilder Ehe bekehrte sie sich und legte sich für den Rest des Lebens die strengste Buße auf, so daß sie gewissermaßen eine zweite Unschuld gewann und zu den Höhen der Mystik aufstieg. Sie wurde, was leider sehr wenig bekannt ist, zu einer großen Heroldin des heiligsten Herzens Jesu.
Der Herr trug ihr eine Botschaft für alle Gläubigen auf. Sie sollten die einzigartige Liebe seines Herzens erkennen, die sein einziger Beweggrund seiner Menschwerdung und seines ganzen Lebens bis zu seinem Tod am Kreuz gewesen sei. „Ich habe dich zu einem Spiegel für die Sünder
gemacht. An dir werden die Verstocktesten erkennen, wie gern Ich gegen sie barmherzig bin, um sie zu retten. Du bist eine Leiter für die Sünder, damit sie zu Mir kommen durch dein Beispiel.
Meine Tochter, Ich habe dich gesetzt als ein Licht inmitten der Finsternis, als einen neuen Stern, den Ich der Welt gebe, um den Blinden Licht zu bringen, die Verirrten wieder zurückzuführen und um die aufzurichten, die unter ihren Sünden zusammengebrochen sind. Du bist der Weg der Verzweifelten, die Stimme der Barmherzigkeit" (cf. Ferdinand Holböck, Aufblick zum Durchbohrten. Große Herz-Jesu-Verehrer aus allen Jahrhunderten).
Der Herr lehrt Dina immer mehr die totale Selbstvergessenheit. Sie soll nur an Ihn denken, Ihn wirken lassen und Ihm nichts verweigern. Die Demütigungen, die über sie kommen, sind für die geweihten Seelen, die der Herr von ihrem Stolz befreien will. Dina soll keine Angst haben. Die Furcht, die ihren Seelenfrieden gefährdet, stammt vom Teufel. Sie soll sich nicht darum kümmern...
Am Mittwoch soll Dina ihre ganze Zeit dem Herrn schenken für die Berufungen zum Priestertum und zum Ordensstand. Viele Berufungen, so eröffnet ihr der Herr, gehen verloren, weil man sich vor der Entsagung und dem Opfer fürchtet und Angst hat, sich ganz seiner Liebe auszuliefern.
Dina erkennt, wie brennend sich das Herz des Herrn danach sehnt, seine Schätze über die Seelen auszugießen, ihnen den Reichtum seiner unendlichen Verdienste zukommen zu lassen. Wenn eine Seele, in der Er frei leben und wirken kann, sein heiligstes Herz dem Himmlischen Vater zu Seiner Ehre aufopfert, dann kann der Vater seinem vielgeliebten Sohn nichts verweigern. Das heiligste Herz Jesu kann dann dieser Seele alle seine Reichtümer in der Unermeßlichkeit seiner Liebe mitteilen, und gerade darin besteht Sein Trost...
Am 21. Februar 1928 kann Dina das Herz ihres Herrn nicht betrachten, ohne von einer großen Traurigkeit heimgesucht zu werden. Denn sie sieht die Trauer des Herrn, der ihr schließlich den Grund darlegt: „Man vergißt mich! Man vergißt mich! Nicht nur die Seelen in der Welt verletzen mich, sondern auch die gottgeweihten Seelen vergessen mich. Man betet, man handelt mit einer oberflächlichen Frömmigkeit; im Gebet und im Handeln fehlt der Liebe die Tiefe. Mein Herz ist so sensibel für die wahre Liebe von Seiten der Seelen, die mir geweiht sind! Ich bin so sensibel für ihre selbstlose Liebe, für ihre Liebe, die in allem nur mein Interesse sucht!"
Und drei Tage später: „Ich will Liebe, ich suche sie und finde davon so wenig! Man behandelt mich wie etwas Abwesendes, während ich doch in Wirklichkeit den Seelen so nahe und in ihnen gegenwärtig bin!"
Wie sehr es dem Herrn allein auf die Liebe der Seelen ankommt, wissen wir nicht nur aus dem dreizehnten Kapitel des ersten Korintherbriefs, sondern auch aus dem Leben anderer Mystiker. P. Johannes Reus SJ ist es beispielsweise widerfahren, daß er, als er eines Tages - es war der 8. Dezember 1916 - vor dem Tabernakel kniete und um die Abwendung einer schweren Krankheit für die Hausinsassen bat, die Stimme des Herrn hörte: „Ich will, daß du einzig und allein liebst; für alles andere werde ich sorgen."
Dina erhält die Gnade, am Martyrium des eucharistischen Herzens Jesu teilzuhaben. Obwohl Christus, so notiert sie im März 1928, seit seiner Auferstehung nicht mehr leiden kann, berühren dennoch die Schmähung, das Mißtrauen, der Haß, die Gleichgültigkeit, die Undankbarkeit sein Herz und verwunden es. Bei seinen Priestern beklagt der Herr vor allem den Mangel an Gebetsgeist und innerem Leben. Sie können die Herzen der Menschen nicht erreichen, weil sie zu wenig mit ihm vereinigt sind. Sie zählen zu sehr auf menschliche Mittel und ihre eigene Aktivität und nicht genügend auf das göttliche Wirken des Herrn. Weil sie Ihn zu wenig lieben, gehen viele Seelen verloren...
Das Mitleiden Dinas bereitet ihm Trost. Er erwartet von ihr in allem Leiden ein inneres und äußeres Lächeln. Auch hier zeigt sich die Wesensverwandtschaft Dinas mit ihrer geistlichen Schwester, der hl. Theresia vom Kinde Jesu. Diese äußerte sich über die Kunst des Lächelns: „Mein kleines Hilfsmittel besteht darin, immer froh zu sein, immer zu lächeln, gleichgültig, ob ich falle oder einen Sieg davontrage."
„Wenn mich vieles bedrückt, wenn schwierige und unangenehme Dinge auf mich zukommen, dann mache ich kein betrübtes Gesicht, sondern beantworte alles Schwere mit einem Lächeln." Dina befolgt den Wunsch des Herrn. Tatsächlich wird sie inmitten schwersten Leidens mit einem Lächeln sterben...
Der Herr offenbart Dina, daß die größte Freude, die eine Seele ihm bereiten kann, darin besteht, sich von Ihm bis zu Seiner Gottheit erheben zu lassen, „ja, meine kleine Braut, ich finde ein unermeßliches Wohlgefallen darin, eine Seele in Mich selbst umzugestalten, sie zu vergöttlichen, sie ganz in die Gottheit einzutauchen (absorber)."
Als der Herr sich eines Tages - es ist der 4. Juni 1928 - über den Mangel der gottgeweihten Seelen an Vereinigung mit ihm beklagt, fragt ihn die selige Dina, was sie tun müßten, um die Gnade der Vereinigung mit Ihm und der Loslösung von sich selbst zu erhalten. Der Herr antwortet ihr: „Man muß mich darum bitten. Ich gebe meine Gnade jeder Seele, die mich darum bittet, besonders der gottgeweihten Seele, die meine Braut ist und es werden will."
Wie soll sie darum bitten, fragt Dina. „Die Seele soll mich einfach um die Gnade bitten, daß ich in ihr herrsche, wie ich es will."
Was soll die Seele tun, wenn sie die Gnade erhalten hat? „Ihr mit viel Liebe entsprechen."
Nun erinnert Dina den Herrn an die menschliche Schwäche, wodurch wir so oft fallen und es versäumen, mit der Gnade mitzuwirken. Der Herr antwortet: „Sich mit viel Liebe wieder erheben, immer zu Mir zurückzukommen, auf Mich zählen. Eine große Zahl gottgeweihter Seelen zählt nicht genügend auf Mich; das ist es, woran es fehlt. Ihr müßt in allem auf Mich zählen: in euren Schwierigkeiten, in euren Nöten, euren Kämpfen, ja selbst wenn ihr fallt und Fehler macht. Zählt auf mich, ohne zu fürchten, zu viel auf Mich zu zählen."
(Quelle: "AVE-Kurier" 7/8 - 1995, S. 12-15, St. Andrä)

Sie schöpfte aus Quellen, die nicht von dieser Welt waren...
In der letzten Ausgabe des "Ave-Kurier" berichtete P. Engelbert Rektenwald über die selige Dina Belanger, über ihre Visionen, Schauungen und Offenbarungen. In der vorliegenden Ausgabe berichtet er über ihr mystisches Leben. Die Aufzeichnungen dieser großen Mystikerin zählen zum Ergreifendsten, was Menschen je geschaut und empfangen haben. Sie geben einen tiefen Einblick in die Seele einer außergewöhnlichen Ordensfrau und zählen zu den beeindruckendsten Quellen christlicher Mystik.
P. Rektenwald schreibt darüber: Dina gehört zu den besonders bevorzugten Seelen des Herrn, die er sich auserwählt, um von ihnen das zu erhalten, was ihm so viele andere vorenthalten: Trost und Liebe. Das aber bedeutet auf Seiten der auserwählten Seele: Leiden.
Von der hl. Mechthild von Hackeborn wird berichtet, daß sie einmal für eine kranke Mitschwester betete und dabei den Herrn fragte, warum er denn seine treue Freundin aufs Krankenlager werfe. Er wisse doch, wie eifrig sie ihm im Chore zu dienen pflege. Da erhielt sie vom Herrn die Antwort: "Und warum soll es mir nicht erlaubt sein, mit meiner Freundin, wenn es mir gefällt, auch einmal zu tanzen? Denn wenn einer krank ist. dann ziehe ich seine Seele an wie ein Festkleid und trete damit in der Fröhlichkeit meines Herzens vor meinen Vater, danksagend und lobpreisend für alle Schmerzen, die jener Mensch geduldig erträgt."
Dina eilt ihrer Vollendung - und damit auch dem Vollausmaß ihres Leidens - entgegen. Am 15. August 1928 legt sie ihre ewigen Gelübde ab. Am darauffolgenden Weihnachtsfest legt sie nach der Mitternachtsmesse auf immer das Gelübde ab, stets das Vollkommenere zu tun. Dieses Gelübde durfte sie für eine begrenzte Zeit schon vorher ablegen, zum ersten Mal am 3. Oktober 1924. Obwohl sie an diesem Weihnachtsfest von großer Trockenheit heimgesucht wird, erfüllt sie dieses Gelübde mit innerer Freude. Der Herr schweigt, kein Trost, kein Wort an sie. Dennoch, so schreibt sie in ihrem Tagebuch, bereitet selbst dieses Schweigen ihr eine große Freude, weil er ihr dadurch einige seiner so wertvollen Tropfen der Bitterkeit zu kosten gibt.
Im Jahre 1929 werden die Eintragungen Dinas in ihrem Tagebuch ganz spärlich. Es sind ihrer nicht mehr als neun. Unter dem Datum vom 3. Januar 1929 finden wir lediglich die Notiz: "Große Traurigkeit Unseres Herrn", dann die Worte Jesu: "Meine Priester! Meine Priester..!"
Am darauffolgenden Tag, Herz-Jesu-Freitag, während der Aussetzung des Allerheiligsten im Noviziat, hört sie die Stimme des Herrn mit Freude zu ihr sagen: "Ich bin zufrieden mit dem Noviziat. Ich werde hier geliebt. Ich herrsche und ich finde Seelen, die mir Freude bereiten."
Die nächste Eintragung findet sich erst wieder mehr als drei Monate später, am 22. April. Die Krankheit, die zu ihrem Tode führen wird, macht Fortschritte: Lungentuberkulose. Erste Anzeichen dieser Krankheit waren bereits im Frühling 1926 aufgetreten. Es ist dieselbe Krankheit, an der auch ihre geistliche Schwester, die hl. Theresia vom Kinde Jesu gestorben war. Für beide ist es die letzte große Prüfung vor ihrem Heimgang in die ewige Herrlichkeit.
Von der hl. Theresia kennen wir das Wort an ihrem letzten Lebenstag: "Nie hätte ich geglaubt, daß es möglich ist, soviel zu leiden! Nie, nie! Ich kann mir das nur erklären mit meinem heißen Wunsch, Seelen zu retten."
In ihrem Leiden wurde die Heilige auch nicht unterstützt durch fühlbare innere Kraft oder irgendeinen Trost von oben, im Gegenteil: Sie macht eine furchtbare Glaubensprüfung durch und befand sich in seelischer Finsternis. "Dies ist eine Agonie ohne den geringsten Trost", sagt sie deshalb wenige Stunden vor ihrem Tod. Vielleicht darf das Fehlen jeglicher Aufzeichnungen im Tagebuch Dinas während so langer Zeit als ein Hinweis für eine ähnliche Prüfung innerer Verlassenheit gedeutet werden.
Zu dieser Deutung würde auch passen, daß die nächste Eintragung Dinas eine ergreifende Bitte an den Herrn ist, schnell herbeizueilen, um ihr Mut einzuflößen. Diesmal antwortet der Herr: "Ich bin da, fasse Mut... Laß mich nur wirken. Das Leiden, das ich dir gebe, ist von unendlichen Wert für die Seelen. Bitte darum, daß meine Gnade dich bis ans Ende in der vollkommenen Treue zu deiner Sendung bewahrt."
Am folgenden Tag spricht er zu ihr: "Wenn du die Freude kenntest, die du mir bereitest, wenn du mich wirken läßt! Es gibt so wenige Seelen, die in der Stunde der großen Opfer ihre Zustimmung geben, mich in allem nach meinem Willen wirken zu lassen."
Am 24. April notiert Dina, wie gut es sei, Jesus zu lieben, und der Herr antwortet: "Wenn du wüßtest, wie angenehm es meinem Herzen ist, geliebt zu werden!"
Am 30. April, ihrem Geburtstag, wird Dina auf die Isolierstation für Tuberkulosekranke gelegt. In ihrem Tagebuch notiert sie an diesem Tag nichts davon, sondern lediglich - nach dem Vermerk: "wahrnehmbare Gegenwart" (des Herrn) -: "Ich liebe dich!"
Am 5. Mai schreibt Dina, daß der Herr sie seit dem 30. April die Tiefen der Dreifaltigkeit schauen läßt. Am Abend des 14. Mai fühlt sich Dina so schwach, daß sie sich davor fürchtet, die kommende Nacht allein zu verbringen. Da nimmt sie zur Rechten ihres Bettes die Gegenwart des Herrn wahr, der zu ihr sagt: "Ich bin gekommen, um mit dir die Nacht zu verbringen; ich werde für dich Sorge tragen."
Dann folgt die letzte Eintragung: "Juli 1929. Ich dachte über die große Güte meiner Oberin mir gegenüber und über die Liebe meiner Mitschwester nach. Ich empfand eine äußerst tiefe Dankbarkeit und bekannte Unserem Herrn meine Trostlosigkeit darüber, zu jedem Dankeserweis unfähig zu sein. Er antwortete mir: "Ich selber werde es ihnen vergelten." "Du wirst es ihnen vergelten in Gott?"
"Sicherlich, ich werde es ihnen vergelten in Gott, ich werde es ihnen vergelten mit meinem Herzen. Jeder Person, die dir den geringsten Dienst erwiesen oder die geringste Freude bereitet haben wird, werde ich dafür Gnaden schenken. Aber im Himmel wirst noch mehr du selber alles vergelten. Ich habe dir mein Herz gegeben, und das für immer. Du wirst deshalb meine Reichtümer durch meine heiligste Mutter verteilen."
Diese Verheißung des Herrn über die himmlische Sendung Dinas, die Reichtümer des Heiligsten Herzens Jesu weiterhin den Seelen zukommen zu lassen, ist die letzte Eintragung in ihrer Autobiographie. Ab dieser Zeit ist Dina so geschwächt, daß sie nicht mehr schreiben kann. Die Leiden nehmen zu. Sie vermögen es aber nicht, ihr das Lächeln zu rauben. Oft wiederholt sie gegenüber ihren Oberen: "Oh wie gut ist es, sich Jesus auszuliefern! Wie treu ist er! Wie freigiebig ist er! Wie zart ist er selbst in den kleinsten Dingen! Wie rührt mich seine Güte!" Trotz ihres Leidens beteuert sie, wie glücklich sie sei. Sie spricht auch von ihrer kommenden Sendung im Himmel, die darin bestehen wird. Freude auszuspenden und für die Seelen zu arbeiten...
Tatsächlich ist trotz allen Leidens die Freude das letzte Wort. Auch darüber hatte der Herr mehrmals mit ihr gesprochen, z.B. am 14. September 1928: "Das Leiden ist das notwendige Lösegeld für die Sünde. Aber Gott liebt die Seelen mit einer so großen Liebe, daß er sein Glück darin findet, für sie all ihre Leiden in Freuden zu verwandeln. Er will, daß schon auf Erden die Seelen in ihrem Leiden durch die göttliche Liebe glücklich seien. Deshalb finden die Seelen, die Gott wahrhaft lieben, so viel Glück im Kreuz, trotz des Widerwillens ihrer Natur. Denn in allem, was ihnen entgegentritt, finden und lieben sie Gott."
Und am nächsten Tag durfte Dina hören: "Die Seelen sind nur in dem Maße unglücklich, wie sie sich von Gott entfernen. Der große Wunsch meines Vaters und der meine wäre es, alle Seelen glücklich zu sehen, selbst schon auf Erden. Wenn unsere göttliche Gerechtigkeit bedrückt oder straft, dann immer durch die Liebe und um die Seelen mit Gott, ihrem höchsten Glück, zu versöhnen. Oh. meine kleine Braut, arbeite mit mir daran, die  Seelen glücklich  zu machen."
In ihrem Leiden bittet Dina die Anwesenden immer wieder, für sie zu beten, daß sie treu bleibe bis zum Ende. Am Abend das 15. August fragt sie der Herr, ob sie noch weiter leiden oder mit ihm in den Himmel kommen wolle. Dina erklärt sich bereit, noch weiter zu leiden: für die Seelen und für ihre Kongregation. Wenige Tage vor ihrem Tod empfängt sie die Sterbesakramente. Eines Tages hört sie Stimmen, die fünfzehnmal zu ihr sagen: "Bienheureuse, bienheureuse...": "Selige..."
Am Morgen des 4. September, einem Mittwoch, überfällt sie eine große Schwäche. Ihre Augen sind auf das Bild des Eucharistischen Herzens Jesu geheftet, das ihrem Bett gegenüber aufgehängt ist. Dina bleibt bis zum Ende bei vollkommenem Bewußtsein. Sie vereinigt sich mit den Gebeten, die für sie verrichtet werden, lächelt ihre Mitschwestern an und küßt zärtlich das Kruzifix, das man ihren Lippen darreicht. Etwa um drei Uhr am Nachmittag kündigt sich das nahe Ende an. Sie sagt: "Ich ersticke." Dina stirbt in der Haltung der heiligen Theresia vom Kinde Jesu: fast sitzend in ihrem Bett, den Kopf nach hinten geworfen, die Augen zum Himmel gerichtet...
Die Serie über diese große Mystikerin schließen wir mit dieser Ausgabe ab. Da die selige Dina auf ein großes Echo unter unseren Lesern gestoßen ist. wollen wir die Adresse angeben, wo Sie die Autobiographie (466 Seiten), die in englischer und französischer Sprache erschienen ist, bestellen können: Maison provinciale de Jesus-Marie, 2, Place de Fourviere. F-69321 Lyon Cedex 05. Hier ist auch eine Lebensbeschreibung aus der Feder von Irene Leger mit dem Titel "Courage dáimer"  (182 Seiten) erhältlich.
(Quelle: "AVE-Kurier", , Heft Nr.  11/12,  S. 15-18,  St. Andrä)   - Mediatrix-Verlag  -  LINK



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