| Mystikerin sel. Dina Belanger: "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder..." |
Sie schöpfte aus Quellen, die nicht von dieser Welt waren...
Daß man Gott dienen kann
auch in dieser Welt und daß man in dieser Welt dienen kann auch im
Gottsuchen, das ist das Wundervolle, das Große und Unvergängliche
an dem Beispiel der großen Mystiker, Seher und Heiligen. Zu ihnen
zählt auch die selige Dina Belanger (1897 - 1929). Sie
schöpfte aus Quellen, die nicht von dieser Welt waren.
Die Aufzeichnungen dieser großen Mystikerin
und Sühneopferseele zählen zum Ergreifendsten, was Menschen je
geschaut und empfangen haben. Sie geben einen tiefen Einblick in die Seele
einer außergewöhnlichen Ordensfrau und zählen zu den beeindruckendsten
Quellen christlicher Mystik.
P. Engelbert Recktenwald schreibt im „Informationsblatt der Priesterbruderschaft
St. Petrus" (Nr. 45/94): „Im Sommer 1920 fühlt Dina sich immer mehr
gedrängt, in einen Orden einzutreten. Aber sie ist sich nicht darüber
im klaren, in welcher Kongregation der Herr sie haben will. Sie beginnt,
intensiv in diesem Anliegen zu beten. Schließlich antwortet ihr der
Herr: Ich will dich bei Jesus-Maria. Damit meint Christus die Kongregation
der Schwestern von Jesus-Maria. Diese Kongregation wurde 1818 in Lyon von
Claudine Thevenet gegründet. Diese Ordensgründerin wurde am selben
Tag, an dem Dina seliggesprochen wurde, vom Papst heiliggesprochen.
Am Donnerstag, den 11. August 1921, verläßt Dina für
immer das elterliche Haus und tritt bei den Schwestern von Jesus-Maria
ein. Während der Postulatszeit wird Dina von innerer Finsternis und
Trockenheit heimgesucht. Der Teufel versucht sie zu entmutigen und ihr
den Gedanken einzuflößen, daß sie niemals das klösterliche
Leben bis zum Lebensende aushalten könne. Doch Dina durchschaut die
Versuchung und hält durch. Übrigens hat die hl. Franziska Romana
(1384 -1440) in einer ihrer großartigen Visionen gesehen, wie genau
dies eine der typischen Strategien des Teufels ist: Zunächst versucht
der Teufel, eine Seele dadurch schwach zu machen, daß er ihr Vertrauen
auf die Vorsehung Gottes zum Wanken bringt, um sie dann um so leichter
zur Sünde zu verführen und zu Fall zu bringen...
Bei Dina haben die Prüfungen den Zweck, sie auf steilem Weg
zur Höhe der Vollkommenheit zu führen. Der Vorsatz, dessen Erfüllung
ihr dabei am meisten half, ist die vollkommene Treue im Kleinen. So kommt
es, daß am Ende des Postulats, während der Exerzitien zur Vorbereitung
auf das Noviziat, sie einer Gnade gewürdigt wird, die wir nur aus
dem Leben der ganz großen Mystiker, zum Beispiel der hl. Katharina
von Siena, kennen: der sog. geheimnisvolle Herzenaustausch. Dina sieht
in einem Bild, wie der Herr ihr das Herz aus dem Leibe nimmt und an dessen
Stelle sein eigenes und das Unbefleckte Herz seiner Mutter setzt, ein Bild,
das einen wirklichen inneren Vorgang symbolisiert. Seit dieser Zeit handelt
und liebt Dina, wie sie selber schreibt, mit den beiden Herzen Jesu und
Mariens. Am Ende der Exerzitien faßt sie ihre Vorsätze für
ihr künftiges klösterliches Leben. Sie lauten: Blind gehorchen,
freudig leiden, lieben bis zum Martyrium.
Im Noviziat wird Dina mit vielen Erleuchtungen beschenkt. Der Herr
lehrt sie die wahre innere Freude verstehen, die sich in einem Lächeln
gegenüber jedermann und unter allen Umständen äußert.
Denn: „Ein Heiliger, der traurig ist, ist ein trauriger Heiliger", wie
Dina den hl. Franz von Sales zitiert.
Eines Tages erkennt Dina, daß es zwei Dinge gibt, um die uns
die Engel beneiden würden, wenn sie in ihrer himmlischen Glückseligkeit
noch Wünsche haben könnten: die hl. Eucharistie und die Fähigkeit,
für Gott zu leiden...
Am 15. Februar 1922 empfängt Dina das Ordenskleid. Ihr Ordensname
lautet: Maria Cacilia von Rom.
Dina empfängt große Erleuchtungen über die Gnaden,
die aus dem Heiligsten Herzen Jesu hervorgehen. Sie erkennt, daß
wir den Herrn trösten, wenn wir die Reichtümer seines Herzens
den Seelen zuwenden, und wie wir selber dadurch reich werden. Jeden Morgen
vertraut der Herr ihr eine bestimmte Anzahl von Seelen an, die es an diesem
Tag durch Opfer und Liebe für ihn zu gewinnen gilt. Sie erkennt, daß
die Barmherzigkeit des Herrn unendlich ist. Er dürstet danach, zu
verzeihen und zu vergessen. Oft wartet er nur auf einen einzigen Gedanken
der Liebe, um dem Sünder außerordentliche Gnaden zu schenken,
die ihn der Hand Satans entreißen...
Dina wird eine besondere Verehrerin des Eucharistischen
Herzens Jesu. Öfters bezeichnet sie den Heiland im Allerheiligsten
Altarsakrament als den Gefangenen des Tabernakels. Die Liebe ist es, die
ihn dort hält. Sie sieht die Leiden des Eucharistischen Herzens Jesu,
verursacht durch die Sünden und die Gleichgültigkeit, besonders
der Priester und gottgeweihten Seelen, gegenüber dem Allerheiligsten
Altarsakrament. Und sie sieht, welch große Gnade und Herablassung
des Herrn darin besteht, daß wir Ihn in seinem Leiden trösten
dürfen!
Die Devise Dinas wird: Lieben und leiden. Sie will leben und sterben
als Märtyrerin der Liebe, als Opfer der Liebe und als Apostel der
Liebe...
Eines Tages stellt der Herr selber Dina zwei himmlische Patrone
zur Seite, die sich fortan brüderlich um sie kümmern sollen:
die hl. Cacilia und die hl. Theresia vom Kinde Jesu. Das war wenige Wochen
nach der Seligsprechung Theresias. Durch die hl. Cacilia lernt Dina besser
die Tugenden verstehen, die ein Apostel haben muß: Liebenswürdigkeit
und ein Lächeln gegen alle, das beständige Vergessen seiner selbst,
einen glühenden und erleuchteten Eifer. Die hl. Theresia öffnet
ihr, wie Dina sich ausdrückt, den Garten des Vertrauens und lehrt
sie, Fortschritte im Geist der Kindheit zu machen. Dina empfängt von
ihr große Erleuchtungen über das Wort des Herrn: „Wenn
ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen."
Am 15. August 1923, Fest Maria Himmelfahrt, legt Dina ihre erste
Profeß ab, die Ordensgelübde auf fünf Jahre. Der Herr selber
reicht ihr in einer Vision sein Geschenk zum Profeß: einen Kelch,
der über und über erfüllt ist mit den Juwelen seiner Passion.
Bis zum 2. November erhält sie vom Herrn große Erleuchtungen,
durch die sie lernt, die wahre Hingabe auf vollkommene Weise zu üben:
Hingabe der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, der Freude, des Leids,
der Wünsche, der Gedanken, Worte und Werke: Alles sollen wir seiner
Barmherzigkeit übergeben. Die Frucht dieser totalen Hingabe ist der
vollkommene Friede. Jesus selbst ist es dann, der sich all dessen annimmt
und unsere Stelle einnimmt. Genau dies wird nun das Ideal Dinas, das sie
erreichen will: Christus soll es sein, der sich ihrer Vermögen und
Fähigkeiten bedient und durch sie denkt, will, handelt, betet, spricht,
schreibt. Wenn sie alles Ihm übergeben hat, dann bleibt ihr selber
als einzige Beschäftigung nur, Jesus zu betrachten und zu lieben.
Sie erkennt, daß dies ihre Mission ist: in vollkommener Weise Christus
ganz frei durch sich wirken zu lassen und ein Apostel der Liebe zu sein.
Sie erkennt, daß davon das Heil und die Heiligkeit vieler Seelen
abhängt. Denn durch sie will Christus unermeßliche Gnaden den
Seelen zuwenden. Immer wieder hört Dina die Klagen des Herrn, wie
sehr er nach den Seelen dürstet. Immer wieder verlangt der Herr von
ihr Opfer, damit sich die Sünder bekehren und gerettet werden. Es
kommt auch vor, daß Dina vom Satan angegriffen wird und heftige Versuchungen
erdulden muß. Dann betet Dina mit dem hl. Paulus: „Wer
kann mich scheiden von der Liebe Christi?" (Rom 8, 35).
Eines Tages sieht Dina die hl. Theresia von Lisieux, dargestellt
in Gestalt einer strahlenden Taube, gefolgt von einer Phalanx weiterer
Tauben, die die 'kleinen Opfer(seelen) der barmherzigen Liebe' bedeuten.
Dann sieht sie, wie die Anzahl dieser bevorzugten Seelen sprunghaft ansteigen
werden. 'Jesus will seine Gnaden und Erleuchtungen vermehren, um die Seelen
an sich zu ziehen durch den Weg der geistlichen Kindheit, durch das Vertrauen,
die Liebe, die Hingabe', schreibt die selige Dina.
Dina erkennt die Mutterliebe Mariens zu uns. Die glühendste
und hingebungsvollste Mutterliebe hier auf Erden ist kalt im Vergleich
zu den Liebesflammen des Unbefleckten Herzen Mariens...
Im Juli 1924 beginnt für Dina eine furchtbare Prüfung.
Sie macht eine große innere Finsternis durch. Sie hat den Eindruck,
daß Jesus sie zurückstößt. Sie sieht sich in die
Hölle hinabsteigen. Aber je mehr die Finsternis zunimmt, um so mehr
wächst ihr Vertrauen. Durch blinde Hingabe klammert sie sich an Gott
fest und birgt sich im heiligsten Herzen Jesu. Die Prüfung hält
an bis zum Januar 1925. Dann wird Dina in das Herz der Allerheiligsten
Dreifaltigkeit entrückt.
Am 17. Februar notiert Dina: „Niemals werden wir die Unermeßlichkeit
der unendlichen Güte gegenüber jeder menschlichen Seele begreifen
können. Das längste Leben hier auf Erden dauert in Wirklichkeit
nur einen Augenblick. Wie sind wir von Sinnen, wenn wir diesen Augenblick,
welcher unser Erdenleben ist, nicht zur größeren Ehre des höchsten
Herrn verwenden. Welche Überraschungen wird es in der letzten Stunde
geben, wenn der Schleier zur Wahrheit zerreißt!"
Dina sieht, daß der geringste Grad der Glückseligkeit
im Himmel unendlich mehr wiegt als alle erdenklichen Freuden auf Erden.
Und jeder kleinste Akt der Liebe, der Übereinstimmung mit dem göttlichen
Willen, des Gehorsams oder der Entsagung wird uns eine solche Glückseligkeit
bescheren. Die Allerheiligste Dreifaltigkeit bietet uns die Abgründe
ihrer Reichtümer an, aber wie gering ist die Zahl jener, die sie in
Empfang nehmen, indem sie sich vollkommen seinem heiligen Wirken überliefern,
sich mit Glauben, Vertrauen und Liebe hingeben, ohne jemals etwas zurückzunehmen...
Dina wird ein Blick in die Welt der Engel gewährt, in die mannigfaltige
Harmonie der Spiegelungen göttlicher Schönheit, sie sieht die
Herrlichkeit ihres Schutzengels... Sie sieht die Allerheiligste Dreifaltigkeit
in Maria, der schönsten Jungfrau, dem Meisterwerk der Allmacht und
der unendlichen Güte. Reinheit... Liebe... Barmherzigkeit. Mit jedem
Blick in die himmlische Herrlichkeit wächst ihre Sehnsucht, die sich
aus Liebe zu Gott verzehrt...
Über das Vertrauen lehrt Dina dasselbe wie die sel. Sr. Faustine:
Nichts verletzt das väterliche Herz Gottes mehr als unser Mangel an
Vertrauen.
'Oh! Wie gut ist der Herr! Wie mild ist er! Welche Zärtlichkeit
besitzt er! Wenn ich nur alle schüchternen und ängstlichen Seelen
von der Unermeßlichkeit seiner Milde überzeugen könnte!
Wenn ich bloß die armen Seelen, die ihrem Vater im Himmel mißtrauen,
mit grenzenlosem Vertrauen einhüllen und durchdringen könnte!
Die unendliche Barmherzigkeit betätigt sich in uns um so mehr, je
mehr Elend sie in uns findet; wir bereiten Gott Freude, wenn wir ihm durch
unsere Reue und unser Vertrauen Gelegenheit geben, seine Barmherzigkeit
zu betätigen. Nichts verletzt sein väterliches Herz so sehr wie
unser Mangel an Vertrauen. Und der Herr sucht Seelen, die Ihm mit Freude
dienen. Die Dunkelheit wie das Licht, die Trostlosigkeit wie der Trost,
die Bitterkeit wie die Süßigkeit, alles kommt aus seiner freigiebigen
Hand, oder besser, es entspringt seinem Herzen wie ein Pfeil, der von Liebe
entzündet ist. Unser Leben müßte eine ununterbrochene Danksagung
sein, ein freudiges Vorspiel auf den Gesang des ewigen Lobpreises. Der
göttliche Meister sucht freudige Seelen überall auf der Welt,
aber Er will um so mehr alle geweihten Seelen, jene, die Er sich auserwählt
hat, um Ihn zu trösten, Ihn kennen und lieben zu lehren, jene, die
Er seine bevorzugten Bräute nennt.
Oh! Jesus spricht zu jeder Seele im Frieden, im Schweigen, in der
Zeit der Sammlung. Was will Er von uns..? Wir sollen zuhören..., und
treu sein...
Denn Er will unser Glück, sei es, daß Er uns einen bitteren
Kelch darbietet oder einen berauschenden, eine Krone von Dornen oder von
Rosen, ein schweres oder ein leichtes Kreuz. 'Servite Domino in laetitia',
ja, dienen wir dem Herrn im Jubel."'. ...
(Quelle: "AVE-Kurier" 1/2 - 1995, S.
11-14, St. Andrä)
In der letzten Ausgabe des „Ave-Kurier" berichtete P. Engelbert
Rektenwald über die selige Dina Belanger, über ihr Leben und
ihren Ordenseintritt. In der vorliegenden Ausgabe berichtet er über
ihre Visionen und Offenbarungen.
Unter dem Datum vom 18. Juni 1925 notierte Dina die Erleuchtungen, die
sie über den Wert des Kreuzes empfängt: „Ich würde gerne
allen Seelen, besonders den auserwählten Seelen, den Wert des Kreuzes
verständlich machen. Der moralische oder physische Schmerz ist eine
unermeßliche Goldgrube; er ist ein brennender Pfeil, den die Liebe
vom Herzen des Unendlichen abschießt, um das menschliche Herz zu
verzehren und es in die Gottheit einzutauchen.
Das Kreuz! Es ist das blendende Szepter der inkarnierten Weisheit,
der miterlösende Juwel der Unbefleckten Jungfrau, die leuchtende Palme
der Seligen. Wenn wir wüßten, was für ein Maß an
göttlicher Liebe jedes unserer Kreuze einschließt, würden
wir diesen unendlichen Schatz so hochschätzen, daß wir Tag und
Nacht nicht aufhören würden, Gott flehentlich um diesen Schatz
zu bitten und für ihn übersprudelnd zu danken.
Wenn wir den Wert unserer Kreuze verstünden, wären wir
gelähmt vor Freude und Glück, sie zu empfangen; die Prüfungen,
die Bedrängnisse, die Ängste aller Art würden uns zu Liedern
des Jubels und der Begeisterung antreiben, und wir würden spontan
das Te Deum anstimmen.
Der Herr wird nicht verstanden! Nein, das Herz dieses anbetungswürdigen
Bräutigams, das so zart und gut ist, wird nicht erkannt! Jesus hat
das Kreuz erwählt als ein heiliges Gut. Er hat es mit Leidenschaft
umarmt. Er hat es geliebt bis zur Torheit: und das für uns! Und wenn
er uns ein Stückchen dieser geheimnisvollen Kostbarkeit anbietet,
dann zögern wir, die Hand auszustrecken, zumindest zögern wir,
es freudig zu tun.
Ach! Die gefallene menschliche Natur ist ein Abgrund von Finsternis.
Gott weiß es; deshalb hat seine Barmherzigkeit stets Mitleid mit
unserer Blindheit, und trotz unseres natürlichen Widerwillens bietet
sie uns an und verpflichtet sie uns sogar, die unschätzbare Wohltat
des Kreuzes anzunehmen.
Oh! Wie glücklich ist der göttliche Meister, ein anerkennendes
Danke zu hören, wenn Er uns eine Dorne seiner Krone oder einige Tropfen
seines bitteren Kelches anbietet! Wie sehr freut sich sein heiliges Herz,
wenn eine verletzende und gekreuzigte Seele mit Liebe die Geißel,
die Lanze und die kostbaren Nägel küßt!
Oh! Wenn wir die Gabe Gottes verstünden! Alle Leiden, alle
Qualen, alle Martern würden meiner Seele süß erscheinen,
um der zarten Vorsehung für den leichtesten Kummer zu danken. Wenn
doch das Herz des Bräutigams wahrhaft erkannt würde!
Oh Geist der Wahrheit, durch die Verdienste Jesu bitte ich dich,
schenke den Seelen das Licht, lehre sie, die wahren Güter zu schätzen
und die unendliche Güte anzuerkennen in den Stunden der Prüfung
und der Demütigung."
So exaltiert diese Lobpreisung des Leidens dem einen oder anderen
erscheinen mag, so stimmt sie doch vollkommen mit dem überein, was
alle großen Mystiker darüber lehren. Man denke etwa an den „Brief
an die Freunde des Kreuzes" des hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort,
an die Lehre des hl. Franziskus von Assisi über die vollkommene Freude,
wie sie uns in den Fioretti überliefert ist, oder an die Lehren im
„Büchlein der Ewigen Weisheit" des sel. Heinrich Seuse O.P., wo wir
im Kapitel „Vom unermeßlichen Adel zeitlichen Leidens" einen ähnlichen
Lobgesang finden, in dem es z.B. heißt: „Geduld in Leiden ist größer
als Tote aufstehen machen und andere Zeichen tun: es ist der enge Weg,
der da gerade hindringt zur Himmelspforte.
Leiden macht zum Genossen der Märtyrer; es führt hin zum
Lobe, es führt hin zu Sieg wider alle Feinde.
Leiden kleidet die Seele mit rosigem Kleide, mit Purpurfarbe. Sie
trägt den Kranz von roten Rosen, der grünen Palme Zepter, es
ist ein glänzender Rubin in einer Jungfrau Vorspange. Sie singt in
Ewigkeit mit süßer Stimme, mit freiem Mute einen neuen Reigen
vor, den aller Engel Scharen nicht singen können, da sie Leiden nie
empfanden. Und daß ich (es spricht die Ewige Weisheit) es kürze:
die Leidenden heißen vor der Welt die Armen, die heißen aber
vor mir die Seligen; denn sie sind meine Auserwählten."
Dina gewinnt große Einblicke in das Geheimnis des Allerheiligsten
Altarsakramentes. Wenn wir verstehen würden, so meint Dina, was für
einen Schatz wir in der göttlichen Eucharistie besitzen, dann würden
die Kirchen Tag und Nacht überfüllt sein von Anbetern, die sich
vor Liebe zum göttlichen Gefangenen des Tabernakels verzehren würden.
Dina sieht die unendliche Verherrlichung, die der Dreifaltigkeit
durch Jesus im Allerheiligsten Altarsakrament zuteil wird...
Immer wieder wird Dina über die Erlöserliebe Christi erleuchtet.
Sie erkennt die Liebe seines Herzens, die sich den Seelen schenken will.
Aber es gibt so wenige Seelen, die sich öffnen, weil sie Angst
haben, sich dem Herrn ganz auszuliefern. Dina will im Namen aller menschlichen
Herzen den Herrn um seine Liebe bitten, und sie erkennt, daß dies
auch im Himmel ihre Mission sein wird, bis zum Ende der Zeiten: Bettlerin
der göttlichen Liebe zu sein, Apostel und Missionarin der Liebe. Bis
zum Ende der Welt wird sie das göttliche Herz Jesu über die Seelen
ausstrahlen, und zwar durch Maria.
Dina sieht, daß Maria die allgemeine Gnadenvermittlerin ist.
Durch Maria opfert sich Jesus dem Vater auf, und durch Maria kommen alle
Gnaden von Gott den Seelen zu. Immer mehr läßt der Herr Dina
an seinem inneren Leben teilnehmen. Deshalb wird Dina von einem brennenden
Durst nach Leiden, nach Seelen und nach Liebe erfüllt. Dieser Durst
wird für sie zu einem dreifachen Martyrium. Am 16. Januar 1926 sagt
ihr der Herr, daß sie vor Schmerz sterben würde, wenn sie um
all das Böse wüßte, das in der Welt begangen wird...
Die himmlische Seligkeit, die Dina verkosten darf, beschreibt sie
immer wieder als eine große Stille. Dort darf sie im Herzen Jesu
ausruhen und seine unaussprechliche Zärtlichkeit und Milde erfahren...
Ende März 1926 schenkt ihr der Herr die unendlichen Reichtümer
seines Herzens. Sie darf mit diesen unerschöpflichen Reichtümern
tun, was sie will. Sie ist im Besitz seiner unendlichen Verdienste und
darf nach Belieben darüber verfügen.
Auch diese außergewöhnliche Gnade kennen wir aus dem
Leben anderer Heiliger. So schreibt z.B. die sel. Maria vom göttlichen
Herzen Droste zu Vischering am Herz-Jesu-Fest 1897: „Der Heiland sagte
mir, daß er mich heute von neuem als die geliebte Braut seines Herzens
erwählte und daß er die Schätze seines Herzens zu meiner
Verfügung stelle. Ich müsse viel beten für die heilige Kirche,
für die ganze Welt, aber besonders für die Seelen, denen er durch
meine Vermittlung Gnaden zuführen wolle."
Dina reagiert auf diese Gnade, indem sie das unaussprechliche Geschenk
an die Muttergottes weitergibt, die nach ihrem Gutdünken daraus schöpfen
und die Dreifaltigkeit verherrlichen soll.
Immer mehr kommt es Dina zu, den Herrn in seiner Agonie zu trösten.
Er gibt ihr einige Tropfen seines bitteren Kelches zu kosten. Dina darf
in wachsendem Maße den physischen und den seelischen Schmerz des
leidenden Heilands teilen. Schließlich empfängt sie am Samstag,
den 22. Januar 1927, die Stigmata, die Wundmale des Herrn.
Dina wird durch die Klagerufe des Herrn erschüttert: „So
wenige Seelen wollen in meiner Agonie mit mir leiden! So wenige Seelen,
selbst geweihte Seelen, verstehen es, mit der Agonie meines Herzens mitzuleiden."
Und dann die Verheißung: „Ich werde große Erweise meiner
Freundschaft den Seelen gewähren, die mich in meiner Agonie trösten
wollen."
Auf die Frage Dinas, warum so viele geweihte Seelen nicht mit der
Agonie seines Herzens mitzuleiden verstehen, antwortet der Herr: „Weil
sie nicht genügend Zartgefühl gegen mich besitzen, und weil sie
sich nicht genügend um eine große Vollkommenheit auch in all
den kleinen Dingen bemühen. Die Agonie meines Herzens war die Einsamkeit,
das Vergessenwerden, die Undankbarkeit."
Der Herr ruft alle geweihten Seelen, sein Herz zu trösten durch
Gehorsam, vollkommene Regeltreue, Vollkommenheit in allen Dingen, reine
Gottesliebe. Dina erkennt, daß der Engel, der den leidenden Heiland
im Garten Gethsemani stärkte, alle Seelen repräsentiert, die
in den folgenden Jahrhunderten dem Herrn in seiner Todesangst Gesellschaft
leisten.
Das Herz des Herrn denkt unaufhörlich an die Seelen, viele
Seelen aber, selbst geweihte, vergessen so oft ihren Herrn und Erlöser.
Deshalb erwartet der Herr von Dina, ständig ohne Unterbrechung an
ihn zu denken, und schenkt ihr die Gnade dazu.
Am 7. April 1927 sieht Dina, wie die Seelen zu Tausenden in die
Hölle stürzen. Sie fragt daraufhin den Herrn, was denn, nachdem
er das Erlösungswerk vollendet habe, denn noch fehle, so daß
so viele Seelen noch verlorengehen. Die Antwort des Herrn lautet: „Das
liegt daran, daß die frommen Seelen sich nicht genügend mit
meinen Leiden vereinigen..."
Wenig später fügt er hinzu: „Wenn du wüßtest,
wieviel mein Herz getröstet wird, wenn ich eine Seele finde, die sich
Mir vollkommen ausliefert! Aber ich finde davon so wenige! Selbst unter
den geweihten Seelen sind jene selten, die sich mir vollkommen ausliefern!"
„Meine Apostel Petrus, Jakobus und Johannes, denen ich mich gerade
in der heiligen Kommunion gegeben und die ich zu Priestern gemacht hatte,
waren geweihte Seelen, und sie schliefen während meiner Agonie! Wieviele
geweihte Seelen schlafen immer noch, während meine Kirche verfolgt
wird und leidet!"
Dina erkennt es als ihre Aufgabe, den Arm der göttlichen Gerechtigkeit
aufzuhalten. Denn Jesus will, daß seine Barmherzigkeit triumphiert.
Aber die göttliche Gerechtigkeit ist schwer! Wie furchtbar, so notiert
Dina in ihrem Tagebuch, muß es für den Sünder sein, vor
dem unendlich gerechten Gott zu erscheinen!
Die Gnade dieser Erkenntnis vervielfacht die Sehnsucht Dinas, Barmherzigkeit
für die Sünder zu erlangen. Sie fürchtet sich nicht, sich
dazu der göttlichen Gerechtigkeit vollkommen auszuliefern und an Stelle
der Sünder zu leiden. In Vereinigung mit dem leidenden Heiland wächst
Dina immer mehr in die Aufgabe hinein. So fühlt sie sich am 10. Juli
1927 in und durch Christus dem Vater dargebracht als Opfergabe zur Sühne
aller Sünden aller Zeiten, so als ob sie die einzige Seele wäre,
die Gott zu lieben fähig ist.
Am 5. August ermuntert der Herr sie noch einmal, über die Schätze
seines Herzens zu verfügen. Er gibt ihr die Versicherung, daß
der Arm der Gerechtigkeit seines Vaters aufgehalten sei und seine Barmherzigkeit
die Gnaden seines Herzens über die Seelen ausgießen werde..."
(Quelle: "AVE-Kurier" 3/4 - 1995, S.
12-18, St. Andrä)
In der letzten Ausgabe berichtete P. Engelbert Rektenwald über
die selige Dina Belanger, über ihre Visionen und Offenbarungen. In
der vorliegenden Ausgabe berichtet er über ihr mystisches
Leben und ihre Schauungen. Die Aufzeichnungen dieser großen
Mystikerin und Sühneopferseele zählen zum Ergreifendsten, was
Menschen je geschaut und empfangen haben. Sie geben einen tiefen Einblick
in die Seele einer außergewöhnlichen Ordensfrau und zählen
zu den beeindruckendsten Quellen christlicher Mystik.
P. Rektenwald schreibt darüber: Am 6. Mai 1927 vertraut der
Herr der sel. Dina ein abgrundtiefes Geheimnis an: Wenn alle geweihten
Seelen ihm nichts verweigern würden, so daß er in ihnen ununterbrochen
frei wirken könnte, dann würden alle anderen Seelen gerettet
werden. Es wäre der Herr selbst, der in ihnen beten und vom Himmlischen
Vater die Rettung und Heiligung all der anderen Seelen erflehen würde.
Ohne Zweifel, so erklärt der Herr weiter dieses Geheimnis, gehen die
Seelen, die in die Hölle kommen, durch eigene Schuld verloren. Gleichzeitig
sei aber auch der Mißbrauch seiner Gnade durch die gottgeweihten
Seelen daran Schuld.
Das Geheimnis, das Christus hier gegenüber der sel. Dina anspricht,
nannte Papst Pius XII. in seiner Enzyklika „Mystici Corporis Christi" ein
„schaudererregendes Geheimnis": „Ein wahrhaft schaudererregendes Mysterium,
das man niemals genug betrachten kann: daß nämlich das Heil
vieler abhängig ist von den Gebeten und freiwilligen Bußübungen
der Glieder des geheimnisvollen Leibes Jesu Christi, die sie zu diesem
Zweck auf sich nehmen, und von der Mitwirkung, welche die Hirten und Gläubigen,
besonders die Familienväter und Mütter, unserem göttlichen
Erlöser zu leisten haben."
In Fatima sagte die Muttergottes am 19. August 1917 ganz in diesem
Sinne: „Viele gehen ewig verloren, weil niemand da ist, der sich für
sie opfert und für sie betet."
Mein Herz liebt jede Seele unendlich. Während meines menschlichen
und irdischen Lebens konnte ich nicht mehr für das Heil und die Heiligung
der Seelen tun, als ich getan habe; und seitdem will ich die Erlösung
fortsetzen durch mein Leben in den Seelen."
Diese Wahrheit über die Fortsetzung des Erlösungswirkens
Christi in den Gliedern seines mystischen Leibes bildet zweifellos auch
den Hintergrund der geheimnisvollen Aussage des hl. Paulus, daß er
durch sein Leiden das ergänzen wollte, was am Leiden Christi noch
ausstehe (Kol 1, 24).
Aus diesem Grunde überläßt der Herr die sel. Dina
vielfältigen Drangsalen, auch solchen, bei denen sie den Angriffen
des Teufels ausgesetzt ist. Am 18. Juni tröstet sie der Herr, indem
er ihr erklärt, daß er sie der Demütigung, dem Kampf und
der eigenen Schwäche überläßt, um andere Seelen dem
Satan entreißen zu können, indem er ihnen die Gnaden der Vergebung
und der Reinheit gewährt. Der Herr trägt ihr in diesem Junimonat
auf, die Opferung („Immolation") seines Herzens in der Todesangst gegenüber
seinem Vater zu meditieren. Er gibt ihr etwas von der unendlichen Traurigkeit
seines Herzens zu kosten. Dina, die sich in Liebe verzehrt, opfert ungezählte
Male das Herz ihres Herrn dem Himmlischen Vater auf...
Dina erkennt den Wert der reumütigen Liebe. Die reumütige
Liebe einer Seele, die sich bekehrt, kann an Intensität die unschuldige
Liebe der reinen Seelen übertreffen. „Ich verstehe", schreibt die
sel. Dina unter dem Datum des 7. August, „wie eine büßende Maria
Magdalena sich durch die Glut ihrer Liebe sich zu einer so hohen Heiligkeit
hat erheben können. Ich verstehe auch, wie heilsam es manchmal ist,
in gewisse mehr unüberlegte als bewußte Fehler zu fallen, die
für den Willen demütigend sind; denn dann stützt sich unsere
arme Natur, die ihre Gebrechlichkeit beweint, mit mehr Liebe und Vertrauen
auf Gott, ihre einzige Stärke."
Die Kirchengeschichte kennt eine ganze Reihe heiliger Büßerinnen,
deren beeindruckendste vielleicht die hl. Margareta
von Cortona ist (1247-1297), Todestag 22. Februar, Festtag 26. Februar).
Nach einen neunjährigen Leben in wilder Ehe bekehrte sie sich und
legte sich für den Rest des Lebens die strengste Buße auf, so
daß sie gewissermaßen eine zweite Unschuld gewann und zu den
Höhen der Mystik aufstieg. Sie wurde, was leider sehr wenig bekannt
ist, zu einer großen Heroldin des heiligsten Herzens Jesu.
Der Herr trug ihr eine Botschaft für alle Gläubigen auf.
Sie sollten die einzigartige Liebe seines Herzens erkennen, die sein einziger
Beweggrund seiner Menschwerdung und seines ganzen Lebens bis zu seinem
Tod am Kreuz gewesen sei. „Ich habe dich zu einem Spiegel für die
Sünder
gemacht. An dir werden die Verstocktesten erkennen, wie gern Ich
gegen sie barmherzig bin, um sie zu retten. Du bist eine Leiter für
die Sünder, damit sie zu Mir kommen durch dein Beispiel.
Meine Tochter, Ich habe dich gesetzt als ein Licht inmitten der
Finsternis, als einen neuen Stern, den Ich der Welt gebe, um den Blinden
Licht zu bringen, die Verirrten wieder zurückzuführen und um
die aufzurichten, die unter ihren Sünden zusammengebrochen sind. Du
bist der Weg der Verzweifelten, die Stimme der Barmherzigkeit" (cf. Ferdinand
Holböck, Aufblick zum Durchbohrten. Große Herz-Jesu-Verehrer
aus allen Jahrhunderten).
Der Herr lehrt Dina immer mehr die totale Selbstvergessenheit. Sie
soll nur an Ihn denken, Ihn wirken lassen und Ihm nichts verweigern. Die
Demütigungen, die über sie kommen, sind für die geweihten
Seelen, die der Herr von ihrem Stolz befreien will. Dina soll keine Angst
haben. Die Furcht, die ihren Seelenfrieden gefährdet, stammt vom Teufel.
Sie soll sich nicht darum kümmern...
Am Mittwoch soll Dina ihre ganze Zeit dem Herrn schenken für
die Berufungen zum Priestertum und zum Ordensstand. Viele
Berufungen, so eröffnet ihr der Herr, gehen verloren, weil man sich
vor der Entsagung und dem Opfer fürchtet und Angst hat, sich ganz
seiner Liebe auszuliefern.
Dina erkennt, wie brennend sich das Herz des Herrn danach sehnt,
seine Schätze über die Seelen auszugießen, ihnen den Reichtum
seiner unendlichen Verdienste zukommen zu lassen. Wenn eine Seele, in der
Er frei leben und wirken kann, sein heiligstes Herz dem Himmlischen Vater
zu Seiner Ehre aufopfert, dann kann der Vater seinem vielgeliebten Sohn
nichts verweigern. Das heiligste Herz Jesu kann dann dieser Seele alle
seine Reichtümer in der Unermeßlichkeit seiner Liebe mitteilen,
und gerade darin besteht Sein Trost...
Am 21. Februar 1928 kann Dina das Herz ihres Herrn nicht betrachten,
ohne von einer großen Traurigkeit heimgesucht zu werden. Denn sie
sieht die Trauer des Herrn, der ihr schließlich den Grund darlegt:
„Man vergißt mich! Man vergißt mich! Nicht nur die Seelen in
der Welt verletzen mich, sondern auch die gottgeweihten Seelen vergessen
mich. Man betet, man handelt mit einer oberflächlichen Frömmigkeit;
im Gebet und im Handeln fehlt der Liebe die Tiefe. Mein Herz ist so sensibel
für die wahre Liebe von Seiten der Seelen, die mir geweiht sind! Ich
bin so sensibel für ihre selbstlose Liebe, für ihre Liebe, die
in allem nur mein Interesse sucht!"
Und drei Tage später: „Ich will Liebe, ich suche sie und finde
davon so wenig! Man behandelt mich wie etwas Abwesendes, während ich
doch in Wirklichkeit den Seelen so nahe und in ihnen gegenwärtig bin!"
Wie sehr es dem Herrn allein auf die Liebe der Seelen ankommt, wissen
wir nicht nur aus dem dreizehnten Kapitel des ersten Korintherbriefs, sondern
auch aus dem Leben anderer Mystiker. P. Johannes Reus SJ ist es beispielsweise
widerfahren, daß er, als er eines Tages - es war der 8. Dezember
1916 - vor dem Tabernakel kniete und um die Abwendung einer schweren Krankheit
für die Hausinsassen bat, die Stimme des Herrn hörte: „Ich will,
daß du einzig und allein liebst; für alles andere werde ich
sorgen."
Dina erhält die Gnade, am Martyrium des eucharistischen Herzens
Jesu teilzuhaben. Obwohl Christus, so notiert sie im März 1928, seit
seiner Auferstehung nicht mehr leiden kann, berühren dennoch die Schmähung,
das Mißtrauen, der Haß, die Gleichgültigkeit, die Undankbarkeit
sein Herz und verwunden es. Bei seinen Priestern beklagt der Herr vor allem
den Mangel an Gebetsgeist und innerem Leben. Sie können die Herzen
der Menschen nicht erreichen, weil sie zu wenig mit ihm vereinigt sind.
Sie zählen zu sehr auf menschliche Mittel und ihre eigene Aktivität
und nicht genügend auf das göttliche Wirken des Herrn. Weil sie
Ihn zu wenig lieben, gehen viele Seelen verloren...
Das Mitleiden Dinas bereitet ihm Trost. Er erwartet von ihr in allem
Leiden ein inneres und äußeres Lächeln. Auch hier zeigt
sich die Wesensverwandtschaft Dinas mit ihrer geistlichen Schwester, der
hl. Theresia vom Kinde Jesu. Diese äußerte sich über die
Kunst des Lächelns: „Mein kleines Hilfsmittel besteht darin, immer
froh zu sein, immer zu lächeln, gleichgültig, ob ich falle oder
einen Sieg davontrage."
„Wenn mich vieles bedrückt, wenn schwierige und unangenehme
Dinge auf mich zukommen, dann mache ich kein betrübtes Gesicht, sondern
beantworte alles Schwere mit einem Lächeln." Dina befolgt den Wunsch
des Herrn. Tatsächlich wird sie inmitten schwersten Leidens mit einem
Lächeln sterben...
Der Herr offenbart Dina, daß die größte Freude,
die eine Seele ihm bereiten kann, darin besteht, sich von Ihm bis zu Seiner
Gottheit erheben zu lassen, „ja, meine kleine Braut, ich finde ein unermeßliches
Wohlgefallen darin, eine Seele in Mich selbst umzugestalten, sie zu vergöttlichen,
sie ganz in die Gottheit einzutauchen (absorber)."
Als der Herr sich eines Tages - es ist der 4. Juni 1928 - über
den Mangel der gottgeweihten Seelen an Vereinigung mit ihm beklagt, fragt
ihn die selige Dina, was sie tun müßten, um die Gnade der Vereinigung
mit Ihm und der Loslösung von sich selbst zu erhalten. Der Herr antwortet
ihr: „Man muß mich darum bitten. Ich gebe meine Gnade jeder Seele,
die mich darum bittet, besonders der gottgeweihten Seele, die meine Braut
ist und es werden will."
Wie soll sie darum bitten, fragt Dina. „Die Seele soll mich einfach
um die Gnade bitten, daß ich in ihr herrsche, wie ich es will."
Was soll die Seele tun, wenn sie die Gnade erhalten hat? „Ihr mit
viel Liebe entsprechen."
Nun erinnert Dina den Herrn an die menschliche Schwäche, wodurch
wir so oft fallen und es versäumen, mit der Gnade mitzuwirken. Der
Herr antwortet: „Sich mit viel Liebe wieder erheben, immer zu Mir zurückzukommen,
auf Mich zählen. Eine große Zahl gottgeweihter Seelen zählt
nicht genügend auf Mich; das ist es, woran es fehlt. Ihr müßt
in allem auf Mich zählen: in euren Schwierigkeiten, in euren Nöten,
euren Kämpfen, ja selbst wenn ihr fallt und Fehler macht. Zählt
auf mich, ohne zu fürchten, zu viel auf Mich zu zählen."
(Quelle: "AVE-Kurier" 7/8 - 1995, S.
12-15, St. Andrä)
Sie schöpfte aus Quellen, die nicht von dieser Welt waren...
In der letzten Ausgabe des "Ave-Kurier" berichtete P. Engelbert
Rektenwald über die selige Dina Belanger, über ihre Visionen,
Schauungen und Offenbarungen. In der vorliegenden Ausgabe berichtet er
über ihr mystisches Leben.
Die Aufzeichnungen dieser großen Mystikerin zählen zum Ergreifendsten,
was Menschen je geschaut und empfangen haben. Sie geben einen tiefen Einblick
in die Seele einer außergewöhnlichen Ordensfrau und zählen
zu den beeindruckendsten Quellen christlicher Mystik.
P. Rektenwald schreibt darüber: Dina gehört zu den besonders
bevorzugten Seelen des Herrn, die er sich auserwählt, um von ihnen
das zu erhalten, was ihm so viele andere vorenthalten: Trost und Liebe.
Das aber bedeutet auf Seiten der auserwählten Seele: Leiden.
Von der hl. Mechthild von Hackeborn wird berichtet, daß sie
einmal für eine kranke Mitschwester betete und dabei den Herrn fragte,
warum er denn seine treue Freundin aufs Krankenlager werfe. Er wisse doch,
wie eifrig sie ihm im Chore zu dienen pflege. Da erhielt sie vom Herrn
die Antwort: "Und warum soll es mir nicht erlaubt sein, mit meiner Freundin,
wenn es mir gefällt, auch einmal zu tanzen? Denn wenn einer krank
ist. dann ziehe ich seine Seele an wie ein Festkleid und trete damit in
der Fröhlichkeit meines Herzens vor meinen Vater, danksagend und lobpreisend
für alle Schmerzen, die jener Mensch geduldig erträgt."
Dina eilt ihrer Vollendung - und damit auch dem Vollausmaß
ihres Leidens - entgegen. Am 15. August 1928 legt sie ihre ewigen Gelübde
ab. Am darauffolgenden Weihnachtsfest legt sie nach der Mitternachtsmesse
auf immer das Gelübde ab, stets das Vollkommenere zu tun. Dieses Gelübde
durfte sie für eine begrenzte Zeit schon vorher ablegen, zum ersten
Mal am 3. Oktober 1924. Obwohl sie an diesem Weihnachtsfest von großer
Trockenheit heimgesucht wird, erfüllt sie dieses Gelübde mit
innerer Freude. Der Herr schweigt, kein Trost, kein Wort an sie. Dennoch,
so schreibt sie in ihrem Tagebuch, bereitet selbst dieses Schweigen ihr
eine große Freude, weil er ihr dadurch einige seiner so wertvollen
Tropfen der Bitterkeit zu kosten gibt.
Im Jahre 1929 werden die Eintragungen Dinas in ihrem Tagebuch ganz
spärlich. Es sind ihrer nicht mehr als neun. Unter dem Datum vom 3.
Januar 1929 finden wir lediglich die Notiz: "Große Traurigkeit Unseres
Herrn", dann die Worte Jesu: "Meine Priester! Meine Priester..!"
Am darauffolgenden Tag, Herz-Jesu-Freitag, während der Aussetzung
des Allerheiligsten im Noviziat, hört sie die Stimme des Herrn mit
Freude zu ihr sagen: "Ich bin zufrieden mit dem Noviziat. Ich werde hier
geliebt. Ich herrsche und ich finde Seelen, die mir Freude bereiten."
Die nächste Eintragung findet sich erst wieder mehr als drei
Monate später, am 22. April. Die Krankheit, die zu ihrem Tode führen
wird, macht Fortschritte: Lungentuberkulose. Erste Anzeichen dieser Krankheit
waren bereits im Frühling 1926 aufgetreten. Es ist dieselbe Krankheit,
an der auch ihre geistliche Schwester, die hl. Theresia vom Kinde Jesu
gestorben war. Für beide ist es die letzte große Prüfung
vor ihrem Heimgang in die ewige Herrlichkeit.
Von der hl. Theresia kennen wir das Wort an ihrem letzten Lebenstag:
"Nie hätte ich geglaubt, daß es möglich ist, soviel zu
leiden! Nie, nie! Ich kann mir das nur erklären mit meinem heißen
Wunsch, Seelen zu retten."
In ihrem Leiden wurde die Heilige auch nicht unterstützt durch
fühlbare innere Kraft oder irgendeinen Trost von oben, im Gegenteil:
Sie macht eine furchtbare Glaubensprüfung durch und befand sich in
seelischer Finsternis. "Dies ist eine Agonie ohne den geringsten Trost",
sagt sie deshalb wenige Stunden vor ihrem Tod. Vielleicht darf das Fehlen
jeglicher Aufzeichnungen im Tagebuch Dinas während so langer Zeit
als ein Hinweis für eine ähnliche Prüfung innerer Verlassenheit
gedeutet werden.
Zu dieser Deutung würde auch passen, daß die nächste
Eintragung Dinas eine ergreifende Bitte an den Herrn ist, schnell herbeizueilen,
um ihr Mut einzuflößen. Diesmal antwortet der Herr: "Ich bin
da, fasse Mut... Laß mich nur wirken. Das Leiden, das ich dir gebe,
ist von unendlichen Wert für die Seelen. Bitte darum, daß meine
Gnade dich bis ans Ende in der vollkommenen Treue zu deiner Sendung bewahrt."
Am folgenden Tag spricht er zu ihr: "Wenn du die Freude kenntest,
die du mir bereitest, wenn du mich wirken läßt! Es gibt so wenige
Seelen, die in der Stunde der großen Opfer ihre Zustimmung geben,
mich in allem nach meinem Willen wirken zu lassen."
Am 24. April notiert Dina, wie gut es sei, Jesus zu lieben, und
der Herr antwortet: "Wenn du wüßtest, wie angenehm es meinem
Herzen ist, geliebt zu werden!"
Am 30. April, ihrem Geburtstag, wird Dina auf die Isolierstation
für Tuberkulosekranke gelegt. In ihrem Tagebuch notiert sie an diesem
Tag nichts davon, sondern lediglich - nach dem Vermerk: "wahrnehmbare Gegenwart"
(des Herrn) -: "Ich liebe dich!"
Am 5. Mai schreibt Dina, daß der Herr sie seit dem 30. April
die Tiefen der Dreifaltigkeit schauen läßt. Am Abend des 14.
Mai fühlt sich Dina so schwach, daß sie sich davor fürchtet,
die kommende Nacht allein zu verbringen. Da nimmt sie zur Rechten ihres
Bettes die Gegenwart des Herrn wahr, der zu ihr sagt: "Ich bin gekommen,
um mit dir die Nacht zu verbringen; ich werde für dich Sorge tragen."
Dann folgt die letzte Eintragung: "Juli 1929. Ich dachte über
die große Güte meiner Oberin mir gegenüber und über
die Liebe meiner Mitschwester nach. Ich empfand eine äußerst
tiefe Dankbarkeit und bekannte Unserem Herrn meine Trostlosigkeit darüber,
zu jedem Dankeserweis unfähig zu sein. Er antwortete mir: "Ich selber
werde es ihnen vergelten." "Du wirst es ihnen vergelten in Gott?"
"Sicherlich, ich werde es ihnen vergelten in Gott, ich werde es
ihnen vergelten mit meinem Herzen. Jeder Person, die dir den geringsten
Dienst erwiesen oder die geringste Freude bereitet haben wird, werde ich
dafür Gnaden schenken. Aber im Himmel wirst noch mehr du selber alles
vergelten. Ich habe dir mein Herz gegeben, und das für immer. Du wirst
deshalb meine Reichtümer durch meine heiligste Mutter verteilen."
Diese Verheißung des Herrn über die himmlische Sendung
Dinas, die Reichtümer des Heiligsten Herzens Jesu weiterhin den Seelen
zukommen zu lassen, ist die letzte Eintragung in ihrer Autobiographie.
Ab dieser Zeit ist Dina so geschwächt, daß sie nicht mehr schreiben
kann. Die Leiden nehmen zu. Sie vermögen es aber nicht, ihr das Lächeln
zu rauben. Oft wiederholt sie gegenüber ihren Oberen: "Oh wie gut
ist es, sich Jesus auszuliefern! Wie treu ist er! Wie freigiebig ist er!
Wie zart ist er selbst in den kleinsten Dingen! Wie rührt mich seine
Güte!" Trotz ihres Leidens beteuert sie, wie glücklich sie sei.
Sie spricht auch von ihrer kommenden Sendung im Himmel, die darin bestehen
wird. Freude auszuspenden und für die Seelen zu arbeiten...
Tatsächlich ist trotz allen Leidens die Freude das letzte Wort.
Auch darüber hatte der Herr mehrmals mit ihr gesprochen, z.B. am 14.
September 1928: "Das Leiden ist das notwendige Lösegeld für die
Sünde. Aber Gott liebt die Seelen mit einer so großen Liebe,
daß er sein Glück darin findet, für sie all ihre Leiden
in Freuden zu verwandeln. Er will, daß schon auf Erden die Seelen
in ihrem Leiden durch die göttliche Liebe glücklich seien. Deshalb
finden die Seelen, die Gott wahrhaft lieben, so viel Glück im Kreuz,
trotz des Widerwillens ihrer Natur. Denn in allem, was ihnen entgegentritt,
finden und lieben sie Gott."
Und am nächsten Tag durfte Dina hören: "Die Seelen sind
nur in dem Maße unglücklich, wie sie sich von Gott entfernen.
Der große Wunsch meines Vaters und der meine wäre es, alle Seelen
glücklich zu sehen, selbst schon auf Erden. Wenn unsere göttliche
Gerechtigkeit bedrückt oder straft, dann immer durch die Liebe und
um die Seelen mit Gott, ihrem höchsten Glück, zu versöhnen.
Oh. meine kleine Braut, arbeite mit mir daran, die Seelen glücklich
zu machen."
In ihrem Leiden bittet Dina die Anwesenden immer wieder, für
sie zu beten, daß sie treu bleibe bis zum Ende. Am Abend das 15.
August fragt sie der Herr, ob sie noch weiter leiden oder mit ihm in den
Himmel kommen wolle. Dina erklärt sich bereit, noch weiter zu leiden:
für die Seelen und für ihre Kongregation. Wenige Tage vor ihrem
Tod empfängt sie die Sterbesakramente. Eines Tages hört sie Stimmen,
die fünfzehnmal zu ihr sagen: "Bienheureuse, bienheureuse...": "Selige..."
Am Morgen des 4. September, einem Mittwoch, überfällt
sie eine große Schwäche. Ihre Augen sind auf das Bild des Eucharistischen
Herzens Jesu geheftet, das ihrem Bett gegenüber aufgehängt ist.
Dina bleibt bis zum Ende bei vollkommenem Bewußtsein. Sie vereinigt
sich mit den Gebeten, die für sie verrichtet werden, lächelt
ihre Mitschwestern an und küßt zärtlich das Kruzifix, das
man ihren Lippen darreicht. Etwa um drei Uhr am Nachmittag kündigt
sich das nahe Ende an. Sie sagt: "Ich ersticke." Dina stirbt in der Haltung
der heiligen Theresia vom Kinde Jesu: fast sitzend in ihrem Bett, den Kopf
nach hinten geworfen, die Augen zum Himmel gerichtet...
Die Serie über diese große Mystikerin schließen
wir mit dieser Ausgabe ab. Da die selige Dina auf ein großes Echo
unter unseren Lesern gestoßen ist. wollen wir die Adresse angeben,
wo Sie die Autobiographie (466 Seiten), die in englischer und französischer
Sprache erschienen ist, bestellen können: Maison
provinciale de Jesus-Marie, 2, Place de Fourviere. F-69321 Lyon Cedex 05.
Hier ist auch eine Lebensbeschreibung aus der Feder von Irene Leger mit
dem Titel "Courage dáimer" (182 Seiten) erhältlich.
(Quelle: "AVE-Kurier",
, Heft Nr. 11/12, S. 15-18, St. Andrä)
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