Weihnachtsnovene

Einführungsgebet
Christus, göttlicher Erlöser, dich liebt, wer nur Kraft hat zu lieben: unbewußt, wer dich nicht kennt; sehnsuchtsvoll, wer um dich weiß.
Christus, du bist meine Hoffnung, mein Friede, mein Glück, all mein Leben: Christus, dir neigt sich mein Geist; Christus, dich bete ich an.
Christus, an dir halt' ich fest mit der ganzen Kraft meiner Seele: Dich, Herr, lieb' ich allein - suche dich, folge dir nach.
- Hymnus aus dem Stundenbuch nach 'Alphanus von Salerno -

Erster Tag
Mögen auch die Berge weichen und die Hügel wanken - meine Huld wird nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens nicht wanken, spricht der HERR, der Erbarmen hat mit dir.
(Jesaja 54,10)
Es gibt Umbrüche bisher feststehender Sicherheiten, die wie das Weichen von Bergen sind. Es gibt Erschütterungen von Überzeugungen oder Zusagen, die die Hügel, von denen aus wir unser Leben deuteten, ins Wanken bringen. Doch unumstößlich bleibt die Zusage des HERRN: Mein Wohlwollen wird nicht von Dir weichen! Der Bund meines Friedens mit Dir wird nicht wanken! Es ist die absolute Zusage von Erfüllung innerster Sehnsucht: vollkommen angenommen sein, Erlösung von allem Unfrieden empfangen.
In all den äußeren Umwälzungen sieht Gott mich, ruft mich zu sich. ecclesia - Kirche bedeutet im neutestamentlichen Sinn die Gemeinschaft der von Christus aus der Welt heraus und zu sich hin Gerufenen. Es ist keine Zugehörigkeit aufgrund meiner Leistung. An mich ergeht ein Ruf der Liebe: Komm zu mir, empfange mein Erbarmen, du bist meine Freude! Fürchte dich nicht!
Es ist der HERR, der Allmächtige, der mir diese Zusage gibt. Er, durch dessen Wort alles geworden ist. Er, dessen Wort Fleisch annahm und allen, die es aufnehmen, Macht gibt, seine Kinder zu sein. Er wohnt unter uns in Jesus Christus, er will in mir wohnen durch seinen Heiligen Geist. Aus seiner Fülle soll ich empfangen, Gnade über Gnade. Die Gnade und die Wahrheit kommen zu mir durch Jesus Christus.
Warum habt ihr solche Angst, ihr Kleingläubigen? (Mt 8,26)

Zweiter Tag
0 Weisheit, hervorgegangen aus dem Munde des Höchsten - die Welt umspannst du von einem Ende zum andern, in Kraft und Milde ordnest du alles: o komm und offenbare uns den Weg der Weisheit und Einsicht.
Weisheit nennt die Bibel, mich selbst, die Welt und das Leben aus Gottes Perspektive zu sehen. Solche Weisheit preist sie höher als Reichtum, Gesundheit und Schönheit (vgl. Weish 7,7-11). Und habe ich nicht auch schon jene erfüllende Kraft erfahren, wenn mir etwas vom gottgegebenen Sinn meines Daseins aufging?
Die Bibel sagt: Gott allein ist vertrauenswürdig. Aber oft nehme ich das nicht wahr. Vieles, was mir widerfährt, erscheint meinem menschlichen Verstehen wie das Gegenteil. War die Frage des Täufers Johannes: „Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?" (Mt 11,3) nicht auch schon in meinem Herzen? „Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt." (Mt 11,6), Jesu Antwort ist von göttlichem Anspruch. Sie zeigt: Wahre Erkenntnis ist Gottes Geschenk. Ich aber muss mich, wo ich nicht erkenne, entscheiden, ob ich ihm vertrauen will, um es zu empfangen. Mit dieser Entscheidung erst beginnt mein Glaube mich im alltäglichen Leben wahrhaft zu tragen.
Um sie durchzutragen, bedarf ich der Nahrung durch Gottes Wort in der Heiligen Schrift. Von seinem Wort hat Gott verheißen: „Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe" (Jes 55,8). JESUS IST das Wort und die Weisheit Gottes.
Was sucht ihr?... Kommt und seht! (Joh 138.39)

Dritter Tag
O Adonai, Herr und Führer des Hauses Israel - im flammenden Dornbusch bist du dem Mose erschienen und hast ihm auf dem Berg das Gesetz gegeben: 0 komm und befreie uns mit deinem starken Arm!
Unser Gott ist verzehrendes Feuer, leidenschaftliche Liebesglut, deren Flamme im brennenden Dornbusch auf die Erde schlägt und in dem, der im kleinen Kind Mensch wird, Wiedervereinigung mit seinem Geschöpf sucht: „Ich habe dein Elend gesehen und deine laute Klage gehört. Ich kenne dein Leid" (vgl. Ex 3,7).
Jesus kennt unser Leid und unsere innerste Zerrissenheit: „Ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will" (Rom 7,19). Ja, wir bemühen uns, Leib und Leben in den Dienst Gottes zu bringen und doch geraten wir dabei immer wieder bis ans Ende unserer Kräfte und können das Gesetz nicht erfüllen.
Doch unser Bewusstsein, die Gebote nicht aus eigener Kraft vollkommen leben zu können, wird uns zum Segen. Das Wissen, uns niemals selbst rechtfertigen zu können, formt in unserer Seele den hoffnungsvollen Ruf: „0 komm und befreie uns mit deinem starken Arm!" Und der Herr sehnt sich nach dieser Bitte,
danach, dass wir uns nach ihm sehnen, denn seine Leidenschaft ist der Mensch.
Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen, (Lk 12,49)

Vierter Tag
0 Spross aus Isais Wurzel, gesetzt zum Zeichen für die Völker - vor dir verstummen die Herrscher der Erde, dich flehen an die Völker: 0 komm und errette uns, erhebe dich, säume nicht länger!
Isai war der Vater Davids, dem Gott einen leiblichen Nachkommen verhieß, dessen Herrschaft ewig ist. Jesus, der über seinen Nährvater Josef dem Haus Davids angehörte und doch keinen anderen als Gott selbst zum Vater hat, Er ist auf ewig zum Zeichen für die Völker gesetzt!
Alles, was Gott uns offenbart, ist in mein konkretes Leben hineingesprochen und will sich darin verwirklichen. Nicht intellektuelle Fähigkeiten, sondern ernstes Verlangen und echte Bereitschaft zum Glauben erschließen unserem Herzen durch die Gnade des Heiligen Geistes, was allein zählt: Jesus muss mein Leben kennzeichnen! Ich brauche kaum Glauben, um die Existenz Gottes zu akzeptieren. Aber nur im vollen Glauben kann ich Jesus als den Einzigen annehmen, der mir Gott offenbart und mich rettet!
0, welche Demut brauche ich für die Lebenseinstellung, mich nicht selbst erlösen zu wollen, und welches Vertrauen, in Christus als Gottes Kind zu leben! Nur so finde ich Halt und Kraft, mich den drängenden Fragen meines Lebens und dieser Zeit zu stellen und rechte Antworten zu empfangen. Das erflehte Kommen und Erretten, es muss zuerst in mir selbst stattfinden. Jesus säumt nicht. Er erhebt jeden, der ihn aufrichtig sucht, in rechtes Erkennen, Glauben und Handeln. Sein Heiliger Geist erleuchtet uns, wie wir es ihm im Innersten unseres Herzens erlauben.
Ihr aber, für wen haltet ihr mich? (Mt 16, 15)

Fünfter Tag
0 Schlüssel Davids, Zepter des Hauses Israel - du öffnest, und niemand kann schließen, du schließt, und keine Macht vermag zu öffnen: 0 komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fessel des Todes!
Als Nikodemus bei Nacht Jesus aufsuchte (Joh 3), war diese Nacht auch ein Bild für den Zustand des Menschen ohne Christus. Welche Gnade, dass wir uns in diesem Zustand Jesus nähern und gleichzeitig erfahren dürfen, wie er der Schlüssel zu unserem Heil ist!
Die Worte Jesu an Nikodemus „Wenn jemand nicht von oben geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen" bedeuten, dass der ganze Mensch erneuert werden muss. Diese Neugeburt aus dem Geist hat uns die Taufe erschlossen, doch sie muss sich voll entwickeln. An jedem Tag neu will Christus in mir zum Leben kommen und jeden meiner finsteren Kerker aufschließen, jede meiner tödlichen Fesseln an die Sünde lösen, damit ich in ihm zur Gotteskindschaft gelange.
Ein Kind Gottes vertraut sich ihm ganz an. Es nimmt sich, sein Leben und seine Umstände an, wie sie sind, und lässt sie von Glauben, Hoffnung und Liebe zu einem Leben in Christus aufschließen. Ein Kind Gottes strebt nicht nach dem, was Gottes Fürsorge ihm verschließt, sondern hofft auf das, was Jesus aus seiner Schwäche hervorbringen kann. Das Vertrauen auf Gottes rettende Macht in diesem Kind Jesus gleicht uns ihm mehr und mehr an.
Wenn ich zu euch über irdische Dinge gesprochen habe und ihr nicht glaubt wie werdet ihr glauben, wenn ich zu euch über himmlische Dinge spreche? (Joh 3,12)

Sechster Tag
0 Morgenstern, Glanz des unversehrten Lichtes, der Gerechtigkeit strahlende Sonne: 0 komm und erleuchte, die da sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes!
Sünde in uns und um uns herum macht uns blind für die geistliche Realität. Sünde zieht uns in eine Finsternis und Leb-, weil Lieblosigkeit, aus der wir durch eigene Anstrengung nicht herausfinden. Wir müssen nach einem Retter rufen, der uns befreit! „Herr, erbarme dich!", so rufen wir wie der blinde Bartimäus (Mk 10,46-52) in jeder Messe. Wenn uns dieser Ruf plötzlich ergreift und aufrüttelt, sollten wir nicht mit viel Verständnis oder Unterstützung rechnen: Meist kommen von außen und auch in unserem inneren Ringen falsche Beruhigungen: „Stell dich nicht so an, nimm dich nicht so wichtig!"
Dann müssen wir - wie Bartimäus - umso lauter rufen und hartnäckig bleiben. Gerade im Gebet ist das ein sehr wichtiger Punkt! Denn so weitet sich unsere Seele, damit wir wirklich empfangen können, was Gott uns geben will. Jesus wird nicht an unserer Bitte vorübergehen. Sein Wort und sein Geist werden uns aufstrahlen und zum Orientierungspunkt werden, der uns zu sich herruft.
Wie Bartimäus seinen Mantel müssen wir dann unser altes Selbst abwerfen, um zu Jesus zu gelangen. Die Kraft dafür werden wir aus Jesu Ruf empfangen. Wir sind auf Gott hin geschaffen. Was uns von ihm trennt, schwächt uns. Lassen wir uns das von Jesus nehmen und Licht und Leben schenken!
Was willst du, dass ich dir tue? Rabbuni, ich möchte sehen können. (Mk 10, 51)

Siebter Tag
0 König aller Völker, ihre Erwartung und Sehnsucht; Schlußstein, der den Bau zusammenhält: 0 komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet!
Aus Erde gebildet - immer wieder stoßen wir schmerzhaft an diese Grenze. Auch mit bestem Willen passieren uns Fehler, deren Konsequenzen unser und das Leben anderer schwer belasten können. Wohin mit unserer Schwäche? Der König aller Völker kommt als Mensch, der all unsere Schwäche teilt und seinen Thron am Kreuz errichtet, einem Schandmal äußeren Scheiterns. Durch all das hindurchgetragen hat Jesus seine Intimität mit dem Vater im Himmel. Bis zuletzt hat er sich ihm vollkommen anvertraut.
In seiner Person als dem neuen Adam offenbart Jesus mir die wahre Erfüllung all meiner Erwartung und Sehnsucht: Intimität und Einheit mit Gott! Vollkommenes Zeichen und Mittel dafür ist die Eucharistie, in der er sich mir auf nahezu skandalös nahe Weise gibt: Gott, der mir sein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken gibt! In äußerlich schwachen Zeichen, deren Machtfülle nach dem Maß meiner inneren Öffnung für dieses Geheimnis zur Entfaltung kommt.
Gott ist Beziehung innerster Einheit. Ich erfahre ihn und sein machtvolles Wirken nur, wenn ich mich auf Beziehung mit ihm einlasse. Intimität mit Gott bleibt sein Geschenk. Doch er will es geben, denn die Erlösung der Welt vollzieht er durch die Vereinigung des Einzelnen mit Jesus Christus. So baut Christus seine Kirche auf, nur in ihm und durch ihn findet sie zur Einheit.
Wollt auch ihr weggehen? (Joh 6,67)

Achter Tag
0 Immanuel, unser König und Lehrer, du Hoffnung und Heiland der Völker: o komm, eile und schaffe uns Hilfe, du unser Herr und unser Gott!
Immanuel bedeutet Gott ist mit uns. Die letzten Worte der Heiligen Schrift erinnern uns, dass wir in einem fortwährenden Advent leben: „Er, der dies bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. - Amen. Komm, Herr Jesus!" (Offb 22,20) Auch über Weihnachten hinaus soll die Bitte meines Herzens bleiben, dass Jesus als Herr in mein Leben und in diese Welt kommt. Jesus kommt mit Wahrheit, Liebe und Barmherzigkeit. Seine Wahrheit sieht mich, wie ich wirklich bin, mit all meinen Fehlern, Wunden und dem Elend in meiner Seele.
Seine Liebe nimmt mich genauso an, aber bleibt nicht dabei stehen, sondern will all das aus mir herauslieben. Heilung tut oft erst weh, doch Jesu Erbarmen schenkt den Mut dazu, weil ich nicht alleine mit meinem Elend fertigwerden kann. Christsein besteht darin, Jesus als meinen Heiland anzunehmen, als den Einzigen, der mich wirklich heilt!
In diese Tiefe darf mein Glaube gehen, von dieser Hoffnung darf mein Gebet sprechen. Meinem Immanuel darf ich alles sagen und geben, was mich belastet. Nach seiner Hilfe darf ich immer rufen, wenn mich die Konsequenzen meiner Fehler und Sünden niederdrücken. Er will die Mitte meines Herzens sein, um in ihr alles aus sich strömen zu lassen, was mich heiler, glaubender, hoffender und liebender werden lässt. Lass Dir von ihm vergeben und Neuwerdung schenken!
Willst du gesund werden? (Joh 5,6b)

Neunter Tag
Denn ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt Die Herrschaft wurde auf seine Schulter gelegt Man rief seinen Namen aus: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. (Jesaja, 9,5)
Welch ein Gegensatz: Ein neugeborenes Menschenkind ist das hilfloseste Wesen überhaupt und wirft doch das Leben seiner Familie um wie nichts sonst. Dass er, der alle Macht in den Händen hält, Mensch geworden ist als Kind, ganz auf Zuwendung angewiesen, zeigt die Weise der Nähe, die er zu mir sucht: Er will mich und meine Seele ganz einnehmen und macht sich doch vollkommen abhängig von der Öffnung meines Herzens.
Gott bleibt nicht enthoben, seine Zuwendung geht so weit, dass er von mir ein Schicksal annimmt: Werde ich ihn einlassen, bin ich zu solcher Einswerdung bereit, dass er sein Leben in mir leben darf und ich meines in ihm leben will?
So klein, unscheinbar und still, wie ich ihn in der Krippe finde, ermöglicht er mir, ihn auch dort zu finden, wo er sich zu verhüllen scheint: in meinem konkreten Leben. Mein Leben kann nicht an ihm vorbei zu Wahrheit und Fülle gelangen, denn dieses Kind ist der wunderbare Ratgeber, starke Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.
Jesus in der Krippe schenkt mir die Gnade, die Zärtlichkeit des Vaters im Himmel wieder neu zu erfahren. So will er auch meine Sehnsucht nach seiner Wiederkunft erneuern. Denn wäre Christus tausendmal geboren, und nicht in mir, ich bliebe doch in alle Ewigkeit verloren (nach Angelus Silesius).
Liebst du mich? (vgl. Joh, 21,16)
 

(Quelle: mit schriftlicher Erlaubnis von: REGNUM CHRISTI  -  Legionäre Christi, Köln)



Bete jeden Tag den  Rosenkranz!
Bete täglich auch den Rosenkranz zur Göttlichen Barmherzigkeit!


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