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 Sakrament der Krankensalbung ist ein geistlicher Beistand für Schwerkranke,
der oft zur Heilung führt!
Die letzte Ölung:
Geistlicher Beistand für Schwerkranke, ist ein heiliges Sakrament, das oftmals zur vollständigen Heilung von Krankheiten führt!
Die sakramentale Besiegelung von Bartosz Tokarski

In der Tat, das Sterben des Christen ist, mehr als nur etwas Tröstliches, es ist etwas Heiliges; es ist mehr als eine bloße Unabwendbarkeit, es ist die wahre Krönung und Vollendung seiner wunderbaren und geheimnisvollen Einheit mit Christus, und der Herr gießt über das Sterben seiner Glieder den vor den Menschen zwar verborgenen, vor Gott aber offenbaren Glanz und Wohlgeruch seines eigenen Opfertodes aus. Daß die Welt, die „uns nicht kennt", auch von der Herrlichkeit unseres Sterbens nichts weiß, kann nicht verwundern und sollte uns überhaupt nicht beunruhigen. Daß aber getaufte Glieder Christi, Teilhaber seiner Herrlichkeit, davon kaum etwas wissen, das ist schmerzlich. Ihre Augen sollten durch die Schleier des für alle geltenden Gesetzes die für sie verwandelte Bedeutung erkennen, sonst geben sie weder Christus noch sich selbst noch Gott die Ehre, die ihm gebührt, und loben ihn nicht mit jenem vor staunender Anbetung bebenden Überschwang, der wahrhaft würdig und recht ist. Damit wir dies alles aber nicht für zu gewagt halten ob der Größe und Schönheit, die uns darin zufällt, und damit unser Glaube, je größer und herrlicher das ist, was wir glauben sollen, um so zuversichtlicher sei, hat Gott uns in der Weisheit und dem Reichtum seiner Gnadenordnung ein Zeichen und Unterpfand gegeben, das uns von seiner Seite aus die Bestätigung aller unserer Hoffnungen gibt, eine sakramentale Besiegelung dieser unserer Christushoffnung im Sterben: die Krankenölung oder Letzte Ölung. Damit haben wir bereits die Hauptwirkung dieses Sakramentes angedeutet, die wir noch mehr herausheben wollen, weil sie ansonsten gern - aber zu Unrecht - im Hintergrund gelassen wird.

Die wichtigste Gnadenwirkung aller Sakramente
Alle Sakramente teilen uns ihre ihnen eigenen Gnaden dadurch mit, daß sie uns auf eine besondere Weise mit Christus, der Quelle aller Gnaden, verbinden. So setzt sich in jedem Sakrament das Mysterium des Gottmenschen fort, in dem eine geschaffene und sichtbare Natur zum Gefäß und Vermittler der unsichtbaren Gnade wird, und zwar derart, daß nicht nur das sakramentale Zeichen eine Ähnlichkeit mit der gottmenschlichen Natur Christi erhält, sondern daß der empfangende Mensch selbst wieder an dem sakramentalen Geheimnis Christi teilhat, so daß es im Grund eben nur ein einziges sakramentales Christus- oder Gottmensch-Geheimnis gibt. Dieser geheimnisvolle Leib, der durch die Sakramente auferbaut wird, ist die Gnade schlechthin, er ist das Ziel jeder Gnade. Und die Funktion jedes Sakramentes ist es, uns in Christus einzugliedern, in ihm zu erhalten, das Leben der Gnade zu vermehren, wiederherzustellen und zu vollenden.
Die Sakramente bewirken also - ihrer Vielzahl und der jeweiligen Situation des Menschen entsprechend, der der Gnade bedarf - vielerlei Gnaden - zuletzt aber doch nur diese eine Gnade, die alle anderen in sich enthält, ihr Ursprung und ihr Ziel ist: die Vereinigung mit Christus, dem Haupt. Vom Menschen aus gesehen kann man es auch so ausdrücken: Die Sakramente bringen das Glied Christi jeweils mit der Seite des „Reichtums Christi" in Verbindung, die es jetzt gerade benötigt und auf die es als Glied Christi auch einen Anspruch hat. Welcher Art ist nun die besondere Christusvereinigung beim Sakrament der Letzten Ölung? Muß sie uns nicht mit dem sterbenden Christus vereinigen?

Todesleiden Christi und Herrlichkeit
Alle Sakramente weisen eine bedeutungsvolle Beziehung zum Tod und zur Auferstehung Christi auf, bei einigen tritt sie bereits beim sakramentalen Zeichen in Erscheinung, so z. B. bei der heiligen Eucharistie, die deshalb auch „das Gedächtnis des Leidens Christi" genannt wird; ebenso bei der Taufe, weil der Christ darin „in den Tod Christi eingegliedert wird"; sie ist darüberhinaus auch bei den anderen Sakramenten vorhanden, nur ist sie nicht überall auf den ersten Blick zu erkennen. Wenn nun schon diese Sakramente den Gläubigen in so starke Beziehung zum Leiden und Sterben Christi bringen, wie viel mehr muß es dann der Fall sein bei dem Sakrament, das dem Glied Christi nun helfen soll, sein ganzes Leben durch sein Sterben in Christus hinein zu vollenden.
Und doch sehen die großen Theologen des Mittelalters, ganz in Übereinstimmung mit den früheren Zeugnissen, in dem sinnfälligen Zeichen der Heiligen Ölung nicht eigentlich das Leiden Christi ausgedrückt, sondern die Herrlichkeit! „Durch die Salbung werden wir mit dem auferstandenen Christus in eine Gestalt gebildet, denn sie wird dem Abscheidenden gegeben im Zeichen einer Bestreichung (gleichbedeutend mit Salbung) mit der künftigen Herrlichkeit, wenn alles Sterbliche von dem Auserwählten abgestreift wird", sagt der heilige Albertus Magnus. Ähnlich lauten sehr viele Stimmen der großen Kirchenlehrer (nachzulesen bei Kern, De sacramento extremae iunctionis, 1907). In einem der allerältesten Zeugnisse über die Heilige Ölung (Euchologium des Serapion) sind beide Gedanken miteinander verbunden; nachdem dort ziemlich ausführlich die Kraft Gottes wider mancherlei böse Krankheiten auf das Öl herabgerufen wurde, schließt das Gebet: „damit verherrlicht werde der Name dessen, der für uns gekreuzigt wurde und auferstand, der unsere Krankheit und Schwäche auf sich nahm: Jesus Christus, der auch kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten."
Hierbei müssen wir uns vor Augen führen, daß es in Christus kein Nacheinander mehr gibt, daß, so, wie er in seinen Gliedern noch seine Passion fortsetzt, er auch im Himmel lebt und herrscht in Herrlichkeit, und daß weiter, je mehr ein Glied in die Passion eingeht, desto näher es auch der Herrlichkeit ist. Dieser Zusammenhang zwischen Passion und Herrlichkeit, Leiden und Glorie ist das Gesetz Christi und seiner Glieder. „Mußte nicht Christus dies leiden und so in seine Herrlichkeit eingehen?" (Lk 24,26) „Wir müssen mit ihm leiden, um auch mit ihm verherrlicht zu werden." (Rom 8,17) Und wie der hl. Lukas und der hl. Paulus bezeugt auch der hl. Johannes diesen Zusammenhang: Nach dem Weggang des Verräters: „Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht" - weil jener jetzt unmittelbar die Passion beginnen läßt; und doch wieder im nächsten Vers: „Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, so wird Gott auch ihn verherrlichen in sich." (Joh 13,3 lf)
Wie ist das zu verstehen: „Jetzt ist er verherrlicht", und darauf „Gott wird ihn verherrlichen"? Für den Gläubigen, der ganz aus dem Glauben, ganz aus Christus lebt, ist es so wie für Jesus selbst: Nicht bloß trotz des Leidens, sondern gerade im Leiden hat er schon die Herrlichkeit. Und derselbe Johannes, der den Herrn schon vor seinem Sterben (mit dem Auge des Glaubens) in der Herrlichkeit sieht, sieht ihn auch später in der Herrlichkeit mit den Zeichen des Leidens! „Ich sah mitten vor dem Thron und den vier Wesen und mitten vor den Ältesten ein Lamm stehen: wie geschlachtet"! (Oflfb 5,6) Das ist eines der Kennzeichen des gottmenschlichen Geheimnisses, an dem von Christus her auch der Gläubige teilhat: die seltsame Gleichzeitigkeit und Gegenwärtigkeit der in dieser Welt auseinanderliegenden Zustände.

Salbung - Heiliger Geist - Herrlichkeit
Mit Christus, dem Sieger und Vollender, der gerade durch sein Leiden den Triumph erstritt, wird das Glied Christi vereinigt. Diese Verbindung wird nun aber hergestellt und die besondere Gnade des Sakramentes angedeutet: durch die Salbung! Salbung ist aber immer das Zeichen des Heiligen Geistes und der Herrlichkeit. Was aber hat nun der Heilige Geist für eine besondere Beziehung zu diesem Sakrament? Das Sterben Christi hat den Charakter eines Opfers, nicht durch den äußeren Vorgang, sondern durch die innere bewirkende Kraft, die Gesinnung, die das äußere Tun und Erleiden beseelt und bestimmt. Darüber sagt der Hebräerbrief: „Christus hat sich durch seinen ewigen Geist zum Opfer dargebracht." ( (Hebr 9,14). Der Heilige Geist war also gleichsam das Opferfeuer, in dem „das Fleisch der Sünde" verzehrt wurde, nicht die Leiblichkeit überhaupt, sondern das Fleisch der Sünde, wie der Apostel sagt. Was daraus hervorging aber, ist etwas ganz Geistliches, Verklärtes, Verwandeltes: der Leib der Herrlichkeit. Dem Gliede Christi ist der Heilige Geist zu demselben Zweck gegeben. Auch er ist „dem Fleische nicht mehr schuldig, nach dem Fleische zu leben; wenn ihr nämlich nach dem Fleische lebet, werdet ihr sterben; wenn ihr aber die Triebe des Fleisches durch den Geist ertötet, werdet ihr leben" (Rom 8,12f). Christsein, Christus angehören, im Geiste leben, seine Laster und Lüste ans Kreuz geschlagen haben und immer wieder ans Kreuz schlagen, ist also ein und dasselbe. „Die aber Christus Jesus angehören, haben ihr Fleisch mit seinen Leidenschaften und Gelüsten ans Kreuz geschlagen. Wenn wir im Geiste leben, so wollen wir auch im Geiste wandeln " (Gal 5,24f). ,, Brüder, bringt euren Leib als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer dar." (Rom 12,1).
Wir finden also in der Heiligen Schrift beides hinreichend bezeugt, daß nicht bloß das Sterben des Christen, sondern sogar sein Leben ein fortwährendes Opfer ist, und daß es der Heilige Geist ist, durch den er ein Opfer zu sein vermag. Nun wundert es uns nicht mehr, daß die Vollendung des Opfers auch in einer besonderen Weise dem Heiligen Geist zukommt.
Hören wir darüber z. B. den heiligen Bonaventura. Von einem Wort zum anderen wird uns die Heilige Ölung größer und herrlicher erscheinen! „Es gibt Sakramente", sagt er, „die haben ihr Vorbild und Gleichnis schon im Alten Bund, z. B. Taufe und Opfer. Es gibt aber Sakramente, die ausschließlich dem Neuen Bund eigen sind: Firmung und Ölung; hier wird die Gnade des Heiligen Geistes angezeigt, gemäß der einer zum Kämpfer bestimmt wird (Firmung), auf daß er für Christus zu sterben wagt, und zum König (Ölung), damit er in das himmlische Königreich eingehen kann als das ihm zukommende Reich." Wie ganz anders stellt sich hier dieses Sakrament dar im Gegensatz zu der Auffassung vieler Christen, bei denen schon das Wort „Letzte Ölung" ein beengendes Gefühl hervorruft! Sie ist vielmehr ein sehr feierliches Sakrament! Sie ist eine Art Weihe! Wie schade eigentlich, daß wir in der deutschen Sprache für dieses Sakrament einen anderen Ausdruck haben als für die anderen „Salbungen". Bei Salbung denken wir an Könige und Priester - und mit Recht! Die Hände des Priesters werden gesalbt, Schulter und Hüften wurden gesalbt, die Stirn des Soldaten Christi wird gesalbt, der Scheitel des Täuflings wird gesalbt. Wir sollten auch bei der letzten, krönenden Salbung nicht anders denken und empfinden.
Wenn die Kirche in ihrer feierlichsten Lehrentscheidung, die sie über dieses Sakrament gefällt hat, es „die Vollendung des ganzen christlichen Lebens" nennt, so tut sie es nicht nur im Sinne unseres Ausdruckes der „letzten" Ölung, sondern im Sinne der ganzen Überlieferung, die darüber einhellig und anders empfindet als wir in unserer Zeit. Heute noch betet der Bischof bei der Weihe des heiligen Öles am Gründonnerstag: „Durch deine heilige Segnung möge jedem, der mit diesem Öle himmlischer Heilung gesalbt wird, Schutz des Geistes und des Leibes zuteil werden.... Du hast ja damit gesalbt die Priester, Könige, Propheten und Märtyrer"! Und Scheeben sagt (Mysterien des Christentums, S. 494), man dürfe die Heilige Ölung nicht bloß als Ergänzung der Buße verstehen, sondern auch als Vollendung der Firmung, und die letztere Seite sei als die vorherrschende zu betrachten!

Sakrament der Vollendung
Zwei Worte kehren bei den großen Theologen, besonders beim heiligen Thomas bei der Behandlung der Heiligen Ölung immer wieder, die miteinander die Vollkommenheit ihrer Gnadenwirkung ins hellste Licht rücken: Die Gnaden-„fülle" und das „vollendete Heil", „so daß nichts in ihm zurückbleibt, was die Seele beim Weggang aus dem Leib am Empfang der Herrlichkeit hindern könnte. ... Es gibt ja tägliche Sünden, von denen der Mensch bei seinem Heimgang durch dieses Sakrament gereinigt werden muß, damit sich nichts in ihm findet, das dem Empfang der Herrlichkeit im Wege stünde. ... Daraus wird offenkundig, daß dieses Sakrament das letzte ist und gewissermaßen die Vollendung (consummativum, der Ausdruck des Tridentinums!) der ganzen geistlichen Heilung, und dadurch wird der Mensch gleichsam zur Teilhabe an der Herrlichkeit bereitet" (Summe gegen die Heiden IV, c.73).
Es taucht immer wieder auf: Die Heilige Ölung ist die letzte und unmittelbare Vorbereitung auf die Herrlichkeit - auch des Leibes. Duns Scotus lehrt: „Da der Mensch nicht im Zustand der Herrlichkeit sein und nicht in die Seligkeit eingehen kann, wenn er noch läßliche Sünden hat, so war es angemessen, daß Gott, der den Menschen nie ohne ein entsprechendes Mittel zum Heil ließ, ein Sakrament anordnete, das wirksam und unmittelbar und gänzlich im Empfänger die restliche Nachlassung aller läßlichen Sünden bezeichnet, wodurch er in das unzerstörbare Heil des ewigen Lebens eingeführt werden konnte."
In einem Bußbuch, das wahrscheinlich aus dem 8. Jahrhundert stammt, heißt es: Diese Salbung muß sich jeder Gläubige, sofern er kann, zu erlangen suchen; denn es ist geschrieben (!), daß derjenige, der diese Disziplin hat, dessen Seele sei nach ihrem Heimgang so rein wie die eines Kindes, welches gleich nach der Taufe stirbt." Die Sprache ist zwar unbeholfen, aber das Zeugnis, das noch weiter zurück auf eine uns unbekannte Schrift hinweist, wird in seinem Wert dadurch nicht im mindesten beeinträchtigt.
Hören wir dazu noch einen Theologen der Ostkirche, den Bischof Stephan: „Unser Leib hat wegen der innigen Verbindung mit der Seele Anteil sowohl an der Heiligung der Seele durch die göttliche Gnade als an ihrer Befleckung durch die Sünde.... Deswegen wird im Mysterium der Taufe und Firmung nicht bloß die Seele, sondern auch der Leib mit dem unauslöschlichen Siegel des Heiligen Geistes gezeichnet. ... Was nun die nach der Taufe begangenen Sünden betrifft, so wird durch die Buße die Seele gereinigt, aber noch nicht der Leib. Diesem Zweck dient das Mysterium des heiligen Öles. Wer mit Glauben sich ihm zuwendet, wird rein und unschuldig an seinem Leibe so wie er aus dem Taufwasser und der Besiegelung mit dem Heiligen Geiste in der Firmung hervorgegangen war, gänzlich rein von jeglicher Sünde, Flecken und Unreinheit, heil von den Wunden und Schwächen der Sünden. ... Diese unsichtbare Heilung ist sichtbar vor Gott, seinen Engeln und Heiligen."
(Quelle: St. Athanasius Bote, Nr. 3/2019, S. 9-12, Mainburg)   -  LINK: athanasius.de
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