Die Beichte fristet - zumindest
in vielen Ländern des Westens - eine Art Schattendasein im Leben
vieler Katholiken. Das Heilige Jahr lädt dazu ein, dieses heilende
Sakrament (wieder) zu entdecken. Der Katechismus der Katholischen
Kirche sagt (Art. 1423-24): „Man nennt es (die Beichte) Sakrament der
Umkehr, denn es vollzieht sakramental die Umkehr, zu der Jesus aufruft,
den Schritt der Rückkehr zum Vater, von dem man sich durch die Sünde
entfernt hat. Man nennt es Sakrament der Buße, weil
es einen persönlichen und kirchlichen Schritt der Umekehr, der Reue und
Genugtuung des sündigen Christen darstellt. Man nennt es Sakrament der Beichte,
denn das Geständnis, das Bekenntnis der Sünden vor dem Priester, ist
ein wesentliches Element dieses Sakramentes. Dieses Sakrament ist auch
ein Bekenntnis im Sinn der Anerkennung und des Lobpreises der
Heiligkeit Gottes und seines Erbarmens gegenüber dem sündigen Menschen. Man nennt es Sakrament der Vergebung,
denn durch die sakramentale Lossprechung des Priesters gewährt Gott
dem Beichtenden Verzeihung und Frieden (OP, Absolutionsformel). Man nennt es Sakrament der
Versöhnung, denn es schenkt dem Sünder die versöhnende Liebe Gottes:
,Lasst euch mit Gott versöhnen, (2 Kor 5,20). Wer aus der barmherzigen
Liebe Gottes lebt, ist bereit, dem Ruf des Herrn zu entsprechen: ,Geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder!' (Mt 5,24)." Auch der große Kirchenlehrer
Augustinus von Tagaste in Nordafrika (t430), der sich auf das
inständige jahrelange Gebet seiner hl. Mutter Monika hin bekehrt hatte
und Priester geworden war, empfahl seinen Zuhörern die Beichte (ev.
Jo. 12,13): „Wer seine Sünden bekennt, wirkt schon
mit Gott zusammen. Gott klagt deine Sünden an; wenn auch du sie
anklagst, schließt du dich Gott an. Der Mensch und der Sünder sind
gewissermaßen zwei Dinge: Wenn vom Menschen die Rede ist, so hat Gott
ihn gemacht; wenn vom Sünder, so hat der Mensch ihn gemacht. Zerstöre
das, was du gemacht hast, damit Gott rette, was er gemacht hat... Wenn du das, was du gemachst hast, zu
verabscheuen beginnst, beginnen deine guten Werke, weil du deine
schlechten Werke anklagst. Das Bekenntnis der schlechten Werke ist der
Beginn deiner guten Werke. Du tust die Wahrheit und kommst ans Licht." Der junge Journalist Georg Dietlein
(*1992) machte als Begleiter von Firmlingen gute Erfahrungen damit, sie
zur Beichte zu begleiten. In seinem Buch "Die Liebe leben" schreibt er
über die Beichte: „Gott möchte uns alles vergeben. Er bedient sich hierfür seiner Kirche; der Priester leiht
Gott gleichsam sein Ohr. Alles, was wir dem Beichtvater bekennen, wird
allein von Gott gehört. Der Priester hingegen wird das, was wir in der
Beichte gesagt haben, wieder vergessen. Außerdem verpflichtet ihn das
Beichtgeheimnis, selbst unter Todesgefahr über alles Stillschweigen zu
bewahren, was er in der Beichte erfahren hat. Einige werden sich die Frage stellen,
ob der ,Umweg' über einen Priester denn überhaupt notwendig ist, ich
kann Gott meine Sünden doch auch einfach so bekennen! Zu Beginn der hl.
Messe spreche ich ja ohnehin das Schuldbekenntnis ... Sünde hat etwas mit meiner Beziehung zu Gott zu tun. Ich habe deshalb gesündigt, weil ich ihn nicht genug geliebt habe. Wenn wir
in einer Beziehung zu einem Menschen uns etwas zuschulden haben kommen
lassen, dann werden wir diese Schuld auch nicht allein vor uns und
unserem Gewissen bekennen und bereuen. Wir müssen uns entschuldigen,
auch wenn wir bereits wissen, dass man uns alles verzeihen wird! Genauso ist es bei Gott. Gott wird uns
alles, was wir an Dummheiten vollbringen, vergeben. Wenn wir es ernst
meinen, werden wir uns dafür bei ihm entschuldigen. Im Sakrament der Beichte kommt noch
das Element der Buße hinzu. Der Priester gibt uns beispielsweise auf,
nach der Beichte ein bestimmtes Gebet zu sprechen, mit dem wir zeigen,
dass wir wirklich bereuen und dass uns unsere Sünden leidtun.
Bußgebete oder -werke sind keine Strafe, sondern oftmals ein
Fingerzeig des Heiligen Geistes, der uns hilft, die Sünde künftig zu
meiden und im Guten standhaft zu sein. Das Sakrament der Versöhnung ist
gleichsam der Versuch Gottes, uns fehlbare Menschen wie Kleinkinder,
die sich von der Hand des liebenden Vaters, der liebenden Mutter
losgerissen haben, wieder aufzufangen. Die offenen Beichtstühle
unserer Zeit sind den ausgebreiteten Armen des Vaters bzw. der Mutter
vergleichbar, die ihr Kind liebevoll zurückerwarten. Gott freut sich darüber, dass wir
unsere Schuld bereuen und den Mut haben, unsere Fehler vor ihm zu
bekennen: ,So wird im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen
Sünder, der umkehrt, als über 99 Gerechte, die es nicht nötig haben
umzukehren (Lk 15,7). Als Dank für diesen Mut verlassen wir
den Beichstuhl nicht ohne Geschenke: Gott schenkt uns wieder die
ungetrübte Einheit mit ihm (...)." Aus: Georg Dietlein, Die Liebe leben S. 171ff (Quelle: "Maria - das
Zeichen der Zeit", Nr. 213, S. 6 - 7, 2025, Hrsg. Rosenkranz-Aktion e.V., Jestetten)
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