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 Die Güte des Hl. Joseph
 
Hl. Joseph,Das Beispiel Jesu Christi, der, als er auf Erden lebte, den hl. Josef so hoch verehrte und ihm gehorsam war, sollte hinreichen, um alle Herzen mit Andacht zu diesem großen Heiligen zu entflammen.
Von dem Augenblick an, da Gott den hl. Josef zu seinem Stellvertreter erwählt hatte, betrachtete ihn unser Heiland immer wie sei­nen eigenen Vater, ehrte ihn als solchen und gehorchte ihm dreißig Jahre lang" (hl. Kir­chenlehrer Alfons M. von Liguori, +1787).
P. Benedikt Stolz OSB (+1986), der lan­ge Jahre im Hl. Land lebte und wirkte, berichtet von einem Erlebnis der Rosen­kranz-Schwestern mit dem hl. Josef (die Gründung dieser Kongregation geht auf Visionen der Gottesmutter und des hl. Josef zurück. Die Schwestern wirken im Nahen Osten, u. a. in Gaza, unter den Ärmsten):
 
Eine Gebetserhörung von 1904

Die Genossenschaft der Rosenkranz­schwestern in Palästina besteht nur aus einheimischen Schwestern. Sie sind sehr arm, weil sie keine Beziehungen zum Aus­land haben. Die Stifterin, (die 2015 hei­liggesprochene) Sr. Alfonsine Danil Ghattas, lebte mehrere Jahre mit einer jüngeren Schwester namens Franziska in einem kleinen Kloster zu Betlehem. Von dem We­nigen, das sie hatten, gaben sie den Armen und unterhielten sechs Waisenkinder in ihrer ärmlichen Niederlassung. Dennoch waren sie glücklich, dort ein armes Leben führen zu dürfen, wo das göttliche Kind­lein in einem Stall von einer armen Jung­frau geboren worden war.
Wie St. Josef einst für die Heilige Familie sorgte, so nahm er sich auch dieser armen Schwestern an. Sie hatten ihn ja zu ihrem besonderen Beschützer erwählt und nah­men stets zu ihm ihre Zuflucht, wenn Hun­ger und Not Einzug halten wollten. So auch vor dem Josefsfest im Jahr 1904, als sie fast nichts mehr zu essen hatten. Sie begannen eine Novene zu Ehren der sieben Schmer­zen und Freuden des hl. Josef.
So kam der Vorabend des Festes, un noch immer war die Hilfe ausgeblieben. Alle Vorräte waren aufgezehrt, die Schwes­tern wussten nicht, was sie den Kindern am anderen Tag vorsetzen sollten. Doch die Mutter Oberin mahnte zum Vertrauen auf den Nährvater Jesu und sagte: „St. Josef wird uns nicht verlassen, er wird helfen."
Es war bereits dunkel und regnete in Strömen. Da hörten die beiden Schwestern ein leises Klopfen an der Tür. Sie eilten zur Pforte und öffneten. Siehe da! Welch freu­dige Überraschung! Ein Fremder stand vor der Tür mit einer großen, schweren Last auf dem Rücken. Liebenswürdig sagte er: „Das ist für eure Waisenkinder!"
Die Schwestern fassten Mut, als sie hörten, dass der Fremde ihnen etwas gebracht hat­te. Sie öffneten auch den zweiten Türflügel, um den guten Mann einzulassen. Der starke Regen durchnässte die Schwestern, als sie ihm die Last von den Schultern nahmen. Es handelte sich um eine Abaje (Beduinenman­tel), in die Früchte und Gemüse eingepackt waren.
Doch wie sonderbar: Das Gemüse, die Abaje, ja, sogar der Kumbas, das lange Ge­wand des Fremden, war vom Regen völlig unberührt geblieben! Nun boten ihm die Schwestern einen Stuhl an, damit er sich etwas ausruhe, doch der Fremde lehnte dankend ab. Inzwischen waren die Wai­senkinder herbeigeeilt und bewunderten die vielen Obst- und Gemüsearten, die der Mann gebracht hatte. Da gab es Möhren, Salat, Spinat und anderes. Alle faßten mit an und trugen den kostbaren Schatz mit Sr. Franziska in die Küche.
Nachdem sie alles ausgepackt hatten, faltete die Schwester die Abaje zusammen. Dabei fiel ihr die außerordentliche Schön­heit des Gewandes auf. Es war ganz neu, überhaupt nicht zerknittert, von goldgelber Farbe. „Es ist eigentlich schade", dachte sie bei sich, „dass man in einen so herrlichen neuen Stoff Gemüse verpackt." Beschmutzt war die Abaje jedoch nicht, denn alles Obst und Gemüse war peinlich sauber zugerich­tet.
Mutter Maria Alfonsine blieb bei dem Fremden, ohne ein Wort mit ihm zu wech­seln. Sie blickte voll Verwunderung auf den großen, hageren Mann mit den so freundlichen Gesichtszügen. Er schien kein Araber zu sein, denn seine Hautfarbe war hell. Der reine Kumbas war mit bläulichen Streifen durchwirkt und wurde von einem breiten, himmelblauen Gürtel festgehalten.
Nun kam Sr. Franziska mit der gefalte­ten Abaje zurück und überreichte sie dem Fremden. Dieser zog sie jedoch nicht über, wie man es aufgrund des strömenden Re­gens erwartet hätte, sondern legte sie über den Arm. Auf die Frage, ob sie ihm etwas bezahlen sollten, antwortete er: „Nein, ich danke." Er grüßte die Schwestern und Kin­der freundlich, dann verschwand er in die dunkle, regnerische Nacht.
Sobald sich die Tür hinter ihm geschlos­sen hatte, blickten sich die beiden Schwes­tern staunend an und riefen wie aus einem Munde: „Das war der hl. Josef!" Sie bedau­erten nun, den Fremden nicht nach seinem Namen gefragt zu haben, um ganz sicher zu sein. Sie zweifelten aber keineswegs da­ran, dass St. Josef ihnen aus ihrer Not ge­holfen hatte.
Am folgenden Tag erkundigten sich die Schwestern bei ihren üblichen Wohltätern, ob sie die reichen Gaben geschickt hätten. Alle verneinten.
Eine ganze Woche aßen die Schwestern und die Waisenkinder von den Gaben des hl. Josef. Mutter Alfonsine pflegte dabei zu sagen: „Eßt, Kinder, von den Früchten des Paradieses, die uns der hl. Josef gebracht hat!" Sr. Franziska versicherte, dass sie un­ter den Früchten eine gefunden habe, die es in Palästina nicht gebe und die sie weder zuvor noch jemals danach gesehen habe. Es sei eine grüne, kartoffelähnliche Frucht gewesen, von süßem Geschmack. Gekocht und ungekocht habe sie köstlich gemundet.
Alle waren dem hl. Josef zutiefst dankbar.
Aus: Isenegger/Holböck, Verehrt den hl. Josef! S. 223ff
(Quelle: "Maria - das Zeichen der Zeit", Nr. , Hrsg. Rosenkranz-Aktion e.V., Jestetten)   -  Miriam-Verlag


 

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