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Fatima und der Luciani-Papst 

Papst Luciani regierte nur 33 Tage und ging als der „lachende Papst" in die Geschichte ein. Das kurze Pontifikat dieses frommen und klugen Hirten (26. August - 28. September 1978) bleibt unvergessen.
Seine tiefe Marienfrömmigkeit führte ihn wiederholt zu den großen Wallfahrtsorten. So suchte er Lourdes, Loreto, Pompeji und schließlich auch Fatima auf ... Hier fand er die Quelle der Hoffnung, Maria, die demütige Magd des Herrn, die ihm zeitlebens das Vorbild seines priesterlichen und bischöflichen Handelns gewesen ist. In dieser Grundhaltung suchte Kardinal Luciani im Jahr 1977 auch die Gnadenstätte in Fatima auf. Am 10. Juli 1977 konzelebrierte der Kardinal bei einer großen Messe in der Cova da Iria in Fatima die hl. Messe. Am nächsten Tag besuchte er das Karmelitinnen-Kloster in Coimbra. Auch in der dortigen Kapelle wurde zunächst die hl. Messe gefeiert. Danach kam es zu der Begegnung mit Schwester Lucia ...
Für uns heute von großem Interesse sind die Puncta, die Luciani aus dem Geschehen in Fatima „als zu deutende Zeichen der Zeit" für die ganze Kirche, ja für alle Gläubigen, herausliest. Aufgrund dieser Betrachtungspunkte wird deutlich, wie tief und präzise der Kardinal die Botschaft von Fatima erfasst hat. Jeder Punkt soll nun kurz vorgestellt und kommentiert werden, da ihr geistlicher Wert für die Kirche bis heute unermeßlich ist:

Erstens: Die eigenen Sünden sühnen, vermeiden, den Herrn noch einmal zu beleidigen."
Die Notwendigkeit der klaren und offenen Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld! Sühne! Sühneleiden! All das sind Kategorien, die in der heutigen Verkündigungspraxis nahezu verschwunden sind. Wir müssen wieder neu lernen, uns dessen bewusst zu werden, welch großen Schaden die Sünde anrichtet, welche Vergiftung, welche seelische Innenwelt- und Umweltverschmutzung die Sünde mit sich bringt. Stattdessen erleben wir heute eher den Trend, den Schmutz der Sünde zu kaschieren: Ist doch alles nicht so schlimm! Und: Da ist ja noch die Prägung usw. usw. Nein: Fatima, ja das Evangelium, fordert uns demgegenüber auf, die Sünde zu erkennen und zukünftig zu meiden. Dies ist eine lebenslange Aufgabe, ja ein lebenslanger Kampf. Und in diesem Kampf hilft uns nur eins: das Gebet. Darauf weist uns der nächste Punkt hin:

Zweitens: Beten. Das Gebet ist das Kommunikationsmittel mit Gott, doch heute haben die Kommunikationsmittel unter den Menschen (Fernsehen, Radio, Kino, Presse) dreist die Vorherrschaft übernommen und scheinen das Gebet völlig auslöschen zu wollen; ceci tuera cela (dieses wird jenes töten), sagt man; und das scheint sich zu bewahrheiten. Nicht ich, sondern Karl Rahner hat geschrieben: Auch im Innern der Kirche setzt sich die ausschließliche Beschäftigung des Menschen mit den vergänglichen Dingen durch und das ist keine legitime Entscheidung mehr, sondern Apostasie und totaler Niedergang des Glaubens.
Hier spricht wieder der kluge Hirte. Nicht er, nein, ein mitunter kritisch zu sehender moderner Theologe unserer Zeit wies schon auf die Gefahr der Zersetzung hin, die aus der Anthropozentrierung und der damit einhergehenden Verweltlichung der Kirche folgen kann. Heute müsste man sicher noch klar und deutlich die Gefahr des Internets hinzufügen. Luciani hätte diese sicher auch genannt. Wie viele Stunden verbringen wir ohne Mühen und oft kritiklos mit diesen Medien, anstatt uns im Gebet an Gott zu wenden? Ich glaube, dass ein jeder von uns an dieser Stelle in die Gewissenserforschung gehen muss. Aber Luciani belässt es nicht bei der allgemeinen Aufforderung zum Gebet. Nein, nun wird er ganz konkret: Fatima verlangt von uns das immer wiederkehrende und treue Beten des Rosenkranzes.

Hören wir also Punctum 3:
Drittens: Rosenkranz beten. Der Syrer Naaman, oberster Heerführer, verschmähte das schlichte Bad im fordan, zu dem Elisa ihm riet. So mancher gebärdet sich wie Naaman: ,Ich bin ein großer Theologe, ein reifer Christ, der die Bibel in vollen Lungen einatmet und aus jeder Pore Liturgie schwitzt, und ihr ratet mir zum Rosenkranz?' Dennoch, auch die fünfzehn Geheimnisse des Rosenkranzes sind Bibel und auch das Vaterunser und das Ave Maria und das Gloria Patri Bibel und Gebet in einem und daran labt sich die Seele. Eine Bibel, die einzig aus Liebe zur Forschung studiert wird, könnte die Seele mit Hochmut erfüllen und sie verdorren lassen: Nicht selten haben Bibelforscher den Glauben verloren."
Das schlichte Bad des Gebetes, das von allem Hochmut befreit, ist der Rosenkranz! Hier haben wir wieder den großen Lehrer der wahren Demut, der humilitas. Der Rosenkranz ist für ihn gleichsam eine berührbare und „betbare" Heilige Schrift. Dieses Gebet, seit Jahrhunderten bewährt im Leben unzähliger Heiliger und Märtyrer, vermag uns vor allem Hochmut und Stolz zu bewahren. Dieses Gebet verhilft uns, die Worte der Heiligen Schrift in ihrem Kerngehalt, ohne Arroganz, im Herzen zu bewegen. Hierdurch werden wir ganz marianisch.

Als letzten Punkt betont er die Notwendigkeit, sich der Existenz der Hölle immer bewusst zu sein:
Viertens: Die Hölle existiert und man kann hinabfallen. In Fatima hat die Madonna dieses Gebet gelehrt: "Jesus, verzeih uns unsere Sünden! Bewahre uns vor dem Feuer der Hölle! Führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die deienr Barmherzigkeit am meisten bedürfen." -  'Es gibt viele wichtige Dinge auf dieser Welt, doch nichts ist wichtiger, als sich durch ein gottgefälliges Leben das Paradies zu verdienen. Nicht Fatima sagt das, sondern das Evangelium: "Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?" (Mt 16,26)."
Die Möglichkeit des ewigen Verderbens besteht! Ganz reell! Das ist für Luciani noch eine klare Selbstverständlichkeit gewesen. In der heutigen Verkündigung wird über die Letzten Dinge fast gar nicht mehr und wenn, dann in einer Verharmlosung gesprochen, die frei nach dem Karnevalslied „Wir kommen alle alle alle in den Himmel, weil wir so brav sind" den Menschen eine Fiktion vorgaukelt, die von der Botschaft Jesu eben nicht gedeckt ist. Wir müssen endlich wieder dahin, klar und deutlich über die Möglichkeit der ewigen Verdammnis zu sprechen. Ja, hierzu gehört auch die Notwendigkeit, sich das Paradies zu verdienen! Die guten Werke! Das alles war für Luciani völlig selbstverständlich. Zudem hebt er hier abschließend hervor, daß Fatima eben keine Sonderlehre ist. Die Botschaft von Fatima ist für ihn ganz klarer Ausfluß der Heiligen Schrift: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!" (Mk 1,15).

Diese vier Punkte sind das große Vermächtnis Albino Lucianis an die Kirche unserer Tage. Diese vier Punkte laden uns ein, in die Exerzitien zu gehen. Ein jeder wird nochmals neu aufgerüttelt durch diese klaren Worte. Hier ist die Klarheit und Wahrheit des Evangeliums spürbar, auch wenn es wehtut. Diese Punkte zeigen klar und deutlich, dass Papst Johannes Paul L, bei allem Humor und bei aller sichtbaren Freundlichkeit, ein zutiefst ernsthafter Mensch war. Seine Frömmigkeit war nicht abgehoben oder exklusiv. Nein, dieser Mann stand mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Erde, aber immer mit der klaren Blickrichtung zum Himmel, dem letzten Ziel all unserer Pilgerschaft.

(Quelle: "Fatima ruft" Heft 2/2019, S. 10-12, Kisslegg   -   LINK: fatima-aktion.de)



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