Die
blinde Amerikanerin Patricia Devlin (*1953) leidet unter chronischen
Schmerzen. Sie wurde von Gott und seinen Engeln über den Wert des
Leidens, das aufgeopfert und zu Gebet werden kann, belehrt. In ihrem
Tagebuch beschreibt sie, wie sie einen Moment der Passion mystisch
miterlebte:
Eines Abends hatte ich Selbstmitleid (...). „Es ist schon schlimm
genug, blind und deshalb langsam zu sein", klagte ich Gott, „aber
dieser Schmerz dazu ist so lähmend!"
Mein lieber Engel sagte: „Unser Herr und König hat jeglichen Schmerz
erduldet, den du und alle anderen Menschen jemals erlitten haben, und
zwar sowohl durch euch als auch aufgrund Seiner Liebe zu euch, und auch
gewissermaßen direkt während Seiner Passion, die nicht nur durch das
verursacht wurde, was Ihm von den Folterknechten zugefügt wurde,
sondern auch durch jedes je verübte Böse, durch allen je erlittenen
Schmerz infolge der Sünden der Grausamkeit oder der Unterlassung."
Ich war noch immer in meiner Klagehaltung und hatte den Nerv, ihm zu
antworten: „Aber Er weiß nicht, was es heißt, blind zu sein!" (...) Da
erlebte ich Folgendes: Plötzlich stand ich mit meinem lieben Engel am
Rand einer staubigen Straße voller Steine, Schutt, Dreck und Löcher.
Überall waren lärmende Leute. Da nahte unser hl. Herr (...) Seine Arme
waren hinten zusammengebunden. Um den Leib und durch die Arme waren
auf grausame Weise dicke Seile geschlungen, mit denen das Kreuz auf
Seinem Rücken befestigt war. Das Kreuz war lang und schwer, ca. 1,5
mal so groß wie unser Herr. Sein Gesicht war bedeckt von frischem und
geronnenem Blut.
Plötzlich stolperte Er. Ohne Worte gab mir mein Schutzengel zu
verstehen, dass Er stolperte, da Er ein Loch auf dem Weg nicht gesehen
hatte, weil so viel Blut von der Dornenkrone in Seine Augen getropft
war. Er konnte die Augen wegen des Blutes, das Er nicht abwischen
konnte, kaum offen halten. Er war buchstäblich geblendet von Seinem
eigenen Blut. Ich wollte vor lauter Scham über meine egoistische
Äußerung aufschreien und weinte (...)
In der Karwoche 1991 sagte mein Engel: „Longinus, der Hauptmann,
der für die Ermordung unseres Herrn verantwortlich war, ist im Himmel.
Durch Gnade wurde er nach dem Tod und der Auferstehung unseres Herrn
ein Christ. Longinus verließ die Armee und starb in Rom als einer der
Ersten für unseren Herrn und Gott. Er möchte, dass die Menschen wissen, dass er nur darauf wartet, Fürsprache für sie einzulegen. Mein
Engel fügte noch an, dass Longinus besonders für uns heute und alle
beten wolle, die glauben, ihnen könne niemals vergeben werden. Aus: Patricia Devlin, Das Licht der Liebe, S. 279ff (Quelle: "Maria - das
Zeichen der Zeit", Nr. 213 - 2025, S. 14, Hrsg. Rosenkranz-Aktion e.V., Jestetten)
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