Die Barmherzigkeit und die Gerechtigkeit Gottes

Ehe Ich als gerechter Richter komme, öffne Ich weit die Tür Meiner Barmherzigkeit. Wer durch die Tür Meiner Barmherzigkeit nicht eingehen will, muss durch die Tür Meiner Gerechtigkeit [1146]
Schwester Faustyna erkannte das Geheimnis der Barmherzigkeit Gottes auch in der Bestimmung des Menschen zur ewigen Seligkeit. Gott hat ihr in seiner Güte und Barmherzigkeit die Gnade gewährt, die Schönheiten und das Glück der himmlischen Herrlichkeit schauen zu dürfen, das denen bereitet ist, die ihn lieben und ihm vertrauen.
Eine weitere Begebenheit, die Schwester Faustyna in ihrem Tagebuch berichtet, ist der Aufenthalt im Reinigungsort (Fegefeuer), wo sie die leidenden Seelen sah, die für ihre Sünden der Gerechtigkeit Gottes genugtun, was eine weitere Gabe der Barmherzigkeit Gottes ist. Diese Seelen sind voller Hoffung, denn sie wissen, dass sie Gott eines Tages schauen dürfen. Ganz anders verhält es sich mit dem Ort der ewigen Qualen, die Hölle genannt wird. Schwester Faustyna wurde auf Geheiß Gottes durch einen Engel in die Abgründe der Hölle geführt, um den Menschen davon Zeugnis zu geben, dass sie existiert und mit verdammten Seelen bevölkert ist, die furchtbare Qualen erdulden, die ewig dauern.

Blick in den Himmel: „Heute war ich im Geiste im Himmel und schaute die unbegreiflichen Schönheiten und das Glück, das uns nach dem Tod erwartet. Ich sah, wie alle Geschöpfe unentwegt Gott Ehre und Ruhm erweisen. Ich sah, wie groß das Glück in Gott ist, das sich auf alle Geschöpfe ergießt, sie beglückt und wie aller Ruhm und alle Ehre aus der Beglückung zur Quelle zurückkehren. Sie dringen ein in die Tiefen Gottes, das innere Leben Gottes betrachtend - des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes - das sie niemals begreifen oder ergründen werden. Diese Quelle des Glücks ist in ihrem Wesen unveränderlich, jedoch immer neu, sprudelnd mit Beglückung für alle Geschöpfe. Jetzt kann ich den heiligen Paulus verstehen, der gesagt hat: ,Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehört, in keines Menschenherz ist es gedrungen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben' (l Kor 2,9). Und Gott gab mir eines zu erkennen, was in seinen Augen unendlichen Wert hat - es ist die Liebe Gottes, Liebe, Liebe und nochmals Liebe; mit einem einzigen Akt reiner Gottesliebe ist nichts zu vergleichen. (...) Die große Herrlichkeit Gottes, die ich erkannte, wird von den himmlischen Geistern gepriesen, je nach der Stufe der Gnade und der Ränge, in die sie eingeteilt sind. (...) 0 mein Gott, wie leid tun mir die Menschen, die nicht an das ewige Leben glauben; ich bete so sehr für sie, damit auch sie von einem Strahl der Barmherzigkeit ergriffen werden und Gott sie an sein väterliches Herz drücken möge" [777-780].

Im Fegefeuer: Am Anfang ihres Ordenslebens, während einer kurzen Krankheit, fragte Schwester Faustyna Jesus, für wen sie noch beten solle? Jesus erwiderte mir, er würde mir in der nächsten Nacht zu erkennen geben, für wen ich beten solle. Ich erblickte den Schutzengel, der mir befahl, ihm zu folgen. Plötzlich befand ich mich an einem nebligen, mit Feuer erfüllten Ort, und an ihm viele leidende Seelen. Diese Seelen beten sehr innig, doch ohne Wirkung für sie selber; nur wir können ihnen zu Hilfe kommen. Die Flammen, die um sie brannten, berührten mich nicht. Mein Schutzengel verließ mich keinen Augenblick. Ich fragte die Seelen, welches ihr größtes Leid sei. Übereinstimmend antworteten sie mir, ihr größtes Leiden sei die Sehnsucht nach Gott. Ich sah die Gottesmutter, wie sie die Seelen im Fegefeuer besuchte. Die Seelen nennen Maria ,Stern der Meere'. Sie bringt ihnen Linderung. Ich wollte noch mehr mit ihnen reden, doch mein Schutzengel gab mir ein Zeichen, zu gehen. (...) Ich vernahm eine innere Stimme, die sagte: ,Meine Barmherzigkeit will das nicht, aber die Gerechtigkeit verlangt es.' Seit dieser Zeit pflege ich einen engeren Umgang mit den leidenden Seelen" [20].

Abstieg in die Hölle: „Heute wurde ich durch einen Engel in die Abgründe der Hölle geführt. Das ist ein Ort großer Oual; seine Fläche ist fürchterlich groß. Die Arten der Oual, die ich sah, sind folgende: Die erste Oual, die die Hölle ausmacht, ist der Verlust Gottes; die zweite - der unablässige Gewissensvorwurf; die dritte - dass sich dieses Los niemals mehr verändert. Die vierte Oual - das Feuer, das die Seele durchdringt, ohne sie zu zerstören; das ist eine schreckliche Oual; es ist ein rein geistiges Feuer von Gottes Zorn entzündet. Die fünfte Oual - ist die ständige Finsternis und ein furchtbar stickiger Geruch. Obgleich es dunkel ist, sehen sich die Teufel und die verdammten Seelen gegenseitig; sie sehen alles Böse anderer und auch ihr eigenes. Die sechste Oual - ist die unablässige Gesellschaft Satans. Die siebte Oual - ist die furchtbare Verzweiflung, der Hass gegen Gott, die Lästerungen, Verfluchungen und Schmähungen. Das sind Qualen, die alle Verdammten gemeinsam erleiden, doch das ist noch nicht das Ende. Es gibt noch besondere Qualen für die Seelen, nämlich Qualen der Sinne  womit die einzelne Seele gesündigt hat, damit wird sie auf furchtbare, nicht zu beschreibende Weise gepeinigt. Es gibt fürchterliche Höhlen und Abgründe der Peinigung, wo sich eine Oual von der anderen unterscheidet. Angesichts dieser entsetzlichen Pein wäre ich gestorben, hätte mich nicht die Allmacht Gottes erhalten. Der Sünder soll wissen, dass er mit dem Sinnesorgan, mit dem er sündigt, die ganze Ewigkeit lang gepeinigt werden wird. Ich schreibe darüber auf Gottes Befehl, damit keine Seele sich ausreden kann, dass es die Hölle nicht gibt, oder auch, dass dort niemand war und man nicht weiß, wie es dort ist. Ich, Schwester Faustyna, war auf Gottes Geheiß in den Abgründen der Hölle, um den Seelen zu berichten und zu bezeugen, dass die Hölle existiert. Jetzt kann ich darüber nicht reden, denn ich habe Gottes Befehl, das schriftlich zu hinterlassen. Die Teufel hatten einen großen Hass auf mich, aber durch Gottes Befehl mussten sie mir gehorchen. Was ich niedergeschrieben habe, ist ein karger Schatten der Dinge, die ich sah. Eines konnte ich bemerken, dort sind meistens Seelen, die nicht an die Hölle geglaubt hatten. Als ich zu mir kam, konnte ich mich vom Schrecken darüber nicht erholen, wie sehr die Seelen dort leiden. Daher bete ich noch inniger um die Bekehrung der Sünder. Ohne Unterlass flehe ich um Gottes Barmherzigkeit für sie. 0 mein Jesus, ich will lieber bis zum Ende der Welt Oualen erleiden, als Dich mit der kleinsten Sünde beleidigen" [741].
Dieses persönliche Zeugnis der jetzt Heiligen verdient umso mehr Beachtung als es in keiner Weise den Lehren der Kirche widerspricht: "Die Lehre der Kirche besagt, daß es eine Hölle gibt und daß sie ewig dauert. In der Todsünde sterben ohne diese bereut zu haben und ohne die barmherzige Liebe Gottes anzunehmen bedeutet, durch eigenen freien Entschluß für immer von ihm getrennt zu bleiben" (KKK 1035, 1033)
(Die Nummern beziehen sich auf die betreffenden Abschnitte im "Tagebuch der Sr. Faustina" (Parvis) bzw. wie angegeben aus dem KKK.)
(Quelle: aus: "Verehrung der Göttlichen Barmherzigkeit"   -   mit Imprimaatur!)



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