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Einen vollkommenen Ablaß kann man jeden Tag gewinnen |
Einen
vollkommenen Ablass können wir an jedem einzelnen Tag im Jahr erhalten.
Der Empfang eines vollkommenen Ablasses befreit eine Seele vollständig
vom Fegefeuer!
Auch unsere Opfer, Leiden, Entsagungen, Unbequemlichkeiten
und Unannehmlichkeiten sind eine Hilfe.
Der Tod ist nicht das Ende des Lebens des
Menschen.
Diejenigen, die - wie wir sagen -„gestorben
sind", sind in Wirklichkeit am Leben. Sie sind nur in eine andere Welt
hinübergegangen. Der Tod des Leibes ist der Abschluss eines gewissen
Lebensabschnitts. Der Leib stirbt, die unsterbliche Seele hingegen lebt.
„Plötzlich befand ich mich an einem nebeligen,
mit Feuer gefüllten Ort, und dort waren viele leidende Seelen" (Heilige
Schwester Faustine)
Jemand, der Gottes Gebote bricht und in schwerer
Sünde stirbt und diese nicht bereut, bleibt aufgrund eigener Wahl
von Gott getrennt.
Die Qualität dieses überirdischen Lebens ist abhängig
von der Qualität des Lebens auf der Erde: Wie viel Gutes darin war,
und wie viel Böses.
Im Augenblick des Todes kommt die Zeit der Ernte. Manche erfreuen
sich in diesem Leben nach dem Grab an einem unaussprechlichen Glück,
andere erfahren den Schmerz der Reinigung als Folge ihrer Sünden,
und wir hier auf Erden können ihnen zu Hilfe eilen. Wiederum andere
leiden unaussprechlich und sind außerhalb der Reichweite von allen,
selbst Gott, der dem Menschen die Freiheit gegeben hat und der seine Wahl
respektiert, auch wenn ihre Folgen tragisch sein sollten.
Schwester Faustine schreibt in ihrem Tagebuch: „Als
Schwester Dominika in der Nacht gegen ein Uhr starb, kam sie zu mir und
sagte, dass sie gestorben sei. Ich betete inbrünstig für sie.
Am Morgen berichteten mir die Schwestern, dass sie nicht mehr lebe. Ich
entgegnete, mir sei das bekannt, weil sie bei mir war. Die Krankenschwester
bat mich, beim Anziehen der Toten behilflich zu sein. Als ich mit ihr allein
blieb, ließ mich der Herr wissen, dass sie noch im Fegefeuer leidet.
Ich verdoppelte die Gebete für sie, aber trotz allen Eifers, mit dem
ich immer für unsere verstorbenen Schwestern betete, irrte ich mich,
denn statt drei Tage für sie zu beten, wie die Regel vorschreibt,
opferte ich nur zwei Tage auf. Am vierten Tag ließ sie mich wissen,
dass sie von mir noch Gebet erwarte und es auch benötige. Sofort opferte
ich in ihrer Meinung den ganzen Tag und noch mehrere dazu, so wie es mir
die Nächstenliebe diktierte" (Tagebuch, 1382).
Es existieren viele Berichte über die Rückkehr aus „der
anderen Welt". „Verstorbene" zeigen sich nicht nur Heiligen, sondern auch
nichtreligiösen Menschen, und sogar Menschen, die nicht an ein Leben
nach dem Tod glaubten. (Jetzt glauben sie daran). Sie kommen zu ihren Nächsten
oder vollkommen Unbekannten. Manchmal scheinen sie mit einem besonderen
Ort verbunden zu sein. Sie klopfen an die Tür oder erscheinen plötzlich
trotz verschlossener Türen. Manchmal sieht man sie deutlich wie zu
Lebzeiten, ein anderes Mal ist ihre Gestalt trüb und verschwommen.
Die einen machen den Eindruck, sie seien fröhlich und glücklich,
andere leiden. Die einen schweigen, andere bitten um Gebet oder um eine
heilige Messfeier. Die Ungläubigen fragen: „Was wissen wir schon von
einem Leben nach dem Tod? Ist denn jemals jemand von dort zurückgekehrt?"
Ja, viele kamen zurück.
Christus lehrt uns durch seine Kirche, dass wenn der Mensch in Freundschaft
mit Gott stirbt und für seine Sünden, die er während seiner
irdischen Pilgerschaft unglücklicherweise begangen hat, Genugtuung
geleistet hat, er dann im Augenblick des Todes zum ewigen Leben mit Gott
übergeht. Das Wort Gottes sagt: „Was kein Auge
gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen
ist: Das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben" (1 Kor
2,9). Wenn der Mensch vereint mit Gott stirbt, aber für seine
Sünden nicht Genugtuung geleistet hat, dann geht er im Augenblick
des Todes, nach dem Gericht, ins Fegfeuer, um dort - einen biblischen Vergleich
verwendend - alles bis auf den letzten Heller zu bezahlen. Er ist erlöst
und wird in Zukunft, nachdem er für seine Sünden gesühnt
hat, in den Himmel eingehen. Der heilige Gregor schrieb: „Der Geist, der
den Leib verlassen hat, kann nicht am Göttlichen Leben teilnehmen,
bevor das reinigende Feuer nicht die Flecken entfernt, die ihm anhaften."
„Und die Sühne, die der Priester während der Beichte aufgibt?"
- wird jemand fragen. Diese Sühne ist meist symbolischer Art und eher
als Aufmunterung zur Genugtuung in eigener Regie zu verstehen.
Es existiert leider noch eine dritte Möglichkeit: Jemand, der
Gottes Gebote bricht und in schwerer Sünde stirbt, ohne sie zu bereuen,
bleibt aufgrund eigener Wahl von Gott, der Quelle der Liebe, der Wahrheit
und der Schönheit auf Ewigkeit getrennt.
Das
Fegefeuer
Einige Heilige (die selige Anna Katharina Emmerich, die heilige
Katharina von Genua, die heilige Birgitta von Schweden, der heilige Stanislaus
Papczynski und andere) erhielten die Gnade, das Fegefeuer zu sehen. Schwester
Faustine nahm ihr Schutzengel dorthin. Und so beschreibt sie dieses Ereignis:
„In dieser Zeit fragte ich Jesus, für wen ich
noch beten solle? Jesus erwiderte mir, er würde mir in der nächsten
Nacht zu erkennen geben, für wen ich beten solle. Ich erblickte den
Schutzengel, der mir befahl, ihm zu folgen. Plötzlich befand ich mich
an einem nebeligen, mit Feuer gefüllten Ort, und dort waren viele
leidende Seelen. Diese Seelen beten sehr inbrünstig, doch ohne Wirkung
für sie selber, nur wir können ihnen zu Hilfe kommen. Die Flammen,
die um sie brannten, berührten mich nicht. Mein Schutzengel verließ
mich keinen Augenblick. Ich fragte die Seelen, welches ihr größtes
Leiden sei. Übereinstimmend antworteten sie mir, ihr größtes
Leiden sei die Sehnsucht nach Gott. Ich sah die Gottesmutter, wie sie die
Seelen im Fegefeuer besuchte. Die Seelen nennen Maria »Stern
der Meere«. Sie bringt
ihnen Linderung. Ich wollte mehr mit ihnen reden, doch mein Schutzengel
gab mir ein Zeichen, zu gehen. Wir gelangten hinter die Tür dieses
leidvollen Kerkers. Ich vernahm eine innere Stimme, die sagte: »Meine
Barmherzigkeit will das nicht, aber die Gerechtigkeit befiehlt es«.
Seit dieser Zeit pflege ich einen engeren Umgang mit den leidenden Seelen"
(Tagebuch, 20).
Wie sehr leiden die Seelen im Fegefeuer? Der heilige Augustinus
war davon überzeugt, dass man einen Tag des Leidens im Fegefeuer mit
tausend Tagen Leidens auf Erden vergleichen kann. Ein anderes Mal rief
er: „Eilt diesen hilflosen Seelen zu Hilfe, deren Qualen unvergleichbar
größer sind als alles, was man im Leben erleiden kann." Ähnlich
stellte der heilige Anselm fest, dass die kleinste Strafe im Fegefeuer
viel schmerzlicher ist als die größten Leiden auf Erden. Und
wie lange dauert das Fegefeuer? Es gibt keine offiziellen Aussagen des
Lehramtes der Kirche darüber. Der große Theologe und Heilige
Robert Bellarmin schrieb: „Es ist sicher, dass die Leiden im Fegefeuer
zehn und sogar zwanzig Jahre dauern können, und ich wage zu behaupten,
dass sie sogar hundert und tausend Jahre dauern."
Die Wahrheit über die Gemeinschaft der Heiligen erinnert uns
daran, dass wir, die wir (noch) auf Erden leben, in der Lage sind, unseren
Nächsten, die im Fegefeuer leiden, zu helfen. Es liegt in unserer
Macht, ihre Leiden zu lindern und zu verkürzen oder sie sogar ganz
aus dem Fegefeuer zu befreien. Sie selbst können sich nicht mehr helfen.
Im Augenblick des leiblichen Todes endet unwiderruflich die Zeit, unser
Leben zu bessern und für unsere Sünden Genugtuung zu leisten.
In diesem Zusammenhang verwundern die Worte des heiligen Stanislaw Papczynski
und ähnliche Aussagen vieler anderer Heiliger nicht: „Es gehört
zur höchsten Art der Liebe, sich bei Gott für die Befreiung der
Seelen einzusetzen, die sich in den Flammen des Fegefeuers befinden (...).
Gottlos und herzlos ist derjenige, den ihre Leiden nicht rühren und
der den Leidenden keine Hilfe leistet, obwohl er dies tun könnte."
„Eilt diesen hilflosen Seelen zu Hilfe, deren Qualen unvergleichbar
größer sind als alles, was man im Leben erleiden kann."
Wie
soll man helfen?
Aufweiche Art und Weise können wir den Seelen im Fegefeuer
helfen? Die größte Hilfe ist die Heilige Eucharistiefeier, die
man in der Intention der verstorbenen Person bestellt, also das Opfer Christi
selbst. Auch unsere Opfer, Leiden, Entsagungen, Unbequemlichkeiten und
Unannehmlichkeiten sind eine Hilfe, wenn wir sie Gott bewusst für
die Seelen aufopfern. Ähnlich verhält es sich mit unseren guten
Werken, Gebeten, Fasten, Almosen. Schwester Faustine opferte für Schwester
Dominika den „ganzen Tag", d. h. alle ihre Gebete, Arbeiten, Leiden, alles
Gute, was sie an diesem Tag getan hatte.
Eine große Hilfe für die Seelen sind Ablässe. Sie
sind eingeteilt in teilweise und vollkommene Ablässe. Wenn man den
ersten Ablass gewinnt, dann führt dies zur Milderung oder Verkürzung
der Leiden im Fegefeuer. Wenn man einen vollkommenen Ablass gewinnt, befreit
man jemanden aus dem Fegfeuer. Welch ein Schatz ist dies! Das Leiden ist
beendet! Der Beginn eines vollkommen glücklichen Lebens ohne Ende.
Jesus sagte zur Schwester Faustine: „Diese Seelen
werden von Mir sehr geliebt. Sie leisten Meiner Gerechtigkeit Genugtuung.
Es steht in deiner Macht, ihnen Linderung zu bringen. Nimm aus dem Schatz
Meiner Kirche alle Ablässe und opfere sie auf für sie ... O,
würdest Du ihre Qualen kennen, du würdest ununterbrochen geistige
Almosen für sie opfern und ihre Schuld an Meine Gerechtigkeit abtragen"
(Tagebuch, 1226).
Ablässe
Jesus gab Petrus eine Macht, die man auch die »Schlüsselgewalt«
nennt: „(Mt 16,19). Ein vollkommener Ablass ist der Erlass aller Fegefeuerstrafen.
Die Kirche nimmt durch die „Schlüsselgewalt" aus der Schatzkammer
der Verdienste Christi und der Heiligen ein geistiges Gut und bestimmt
es als Sühneleistung für Sünden, für die jemand auf
Erden nicht vollkommen Genugtuung geleistet hat. Der Papst erläutert,
auf welche Art und Weise jeder Gläubige diese Schatzkammer öffnen
kann, um daraus zu schöpfen. Und dies ist die wichtigste Instruktion
für uns:
Um einen vollkommenen Ablass zu erlangen, ist ein frommes Werk notwendig.
Entgegen dem, was immer behauptet wird, kann man einen vollkommenen Ablass
nicht nur ein paar Mal im Jahr, sondern sogar täglich erlangen. An
vier fromme Werke, die wir jeden Tag tun können, ist ein Ablass gebunden.
Es handelt sich um folgende Werke: eine halbe Stunde lang das Allerheiligste
Sakrament anbeten, eine halbe Stunde lang in der Heiligen Schrift lesen,
das Beten eines Teils des heiligen Rosenkranzes, also fünf Geheimnisse
(man muss dies in der Kirche oder in der Kapelle tun, oder wenn wir außerhalb
der Kirche beten, dann mit einer weiteren Person zusammen beten), das Beten
des Kreuzweges. Wir müssen eines dieser Werke tun.
Die Bedingung, um einen vollkommenen Ablass zu erlangen, ist die
sakramentale Beichte und der Empfang der hl. Kommunion. Nach einer Beichte
kann man mehrere Ablässe gewinnen.
Zum Dritten soll man ein frei gewähltes Gebet in der Intention
des Papstes beten (wir müssen die Intention nicht kennen). Es reichen
ein Vater unser und ein Gegrüßet seist Du Maria.
Darüber hinaus soll jedwede Bindung an die Sünde, sogar
an die lässliche, ausgeschlossen werden.
Wenn eine dieser Bedingungen fehlt, bekommt der Gläubige einen
Ablass, aber nicht einen vollkommenen, sondern nur einen teilweisen. Leider
sind wir an verschiedene Sünden gebunden, zum Beispiel an Zeitverschwendung,
Klatsch, ans Geldausgeben für verschiedne Dummheiten etc. Wir
wissen, welche Sünden wir bei der Beichte ständig oder oft bekennen
müssen. Dies kann bedeuten, dass wir daran gebunden sind. Mit jeder
Sünde, und besonders mit jeder schweren Sünde sollten wir einen
entschiedenen Kampf aufnehmen. Bemühen wir uns um vollkommene Ablässe
und warten wir nicht so lange, bis wir selbst vollkommen werden. Der Kampf
mit unseren Schwächen zeugt von unserem guten Willen, was der Herrgott
sicherlich mitberücksichtigen wird. Wenn uns jemand zehntausend Euro
für eine geringe Arbeit geben wollte und schließlich nur neun-
oder achttausend gibt, weil wir nicht vollkommen disponiert waren, dann
hätten wir ebenfalls Grund, uns zu freuen und zu danken.
Es gibt auch noch andere Möglichkeiten, vollkommene Ablässe
zu gewinnen, sie betreffen jedoch nur bestimmte Tage im Jahr. Ich möchte
den Blick darauf richten, wie man sie am einfachsten und immer zugänglich
erhalten kann.
Hier nun eine praktische Illustration dessen, was weiter oben gesagt
worden ist. Jemand geht täglich zur Heiligen Messe. Er möchte
jeden Tag den vollkommenen Ablass gewinnen, um nicht das große Gut
zu verschwenden, welches sich in seinem Verfügungsbereich befindet.
Er kommt also zehn Minuten früher zur Kirche oder bleibt zehn Minuten
länger nach der Messe, um den Barmherzigkeitsrosenkranz zu beten.
Der Barmherzigkeitsrosenkranz ist eine religiöse Praktik, die mit
einem vollkommenen Ablass verbunden ist (nur in Polen). Während der
Heiligen Messe empfängt er die hl. Kommunion (nach der Beichte, wenn
diese notwendig ist) und schließlich, auf dem Nachhauseweg, betet
er das Vater unser und Gegrüßet seist Du Maria in der vom Papst
vorgegebenen Intention. Und das ist alles, was man tun muss. (Bedenken
wir, dass man für die Seelen schon allein den Kirchgang aufopfern
kann, und die Mühen, die damit verbunden sind; manchmal regnet es,
manchmal ist es kalt, und es wäre angenehmer, zuhause zu bleiben.
Man kann die hl. Kommunion aufopfern und die ganze Teilnahme an der Heiligen
Messfeier, die das wichtigste Gebet ist. In vielen Kirchen betet man den
Rosenkranz, betet donnerstags das Allerheiligste Sakrament an, am Freitag
betet man den Kreuzweg. Das sind auch Praktiken, an die ein vollkommener
Ablass gebunden ist.
Jemand, der nur sonntags zur Heiligen Messe geht, könnte auf
die oben genannte Art und Weise vorgehen, d. h. den Barmherzigkeitsrosenkranz
beten und die erforderlichen Gebete und die hl. Kommunion empfangen. Oder
er kann ein anderes Werk wählen, beispielsweise eine halbe Stunde
lang zu Hause über die liturgischen Texte des Tages meditieren - und
sich auf diese Weise auf die Heilige Messe vorbereiten. Wenn man eine halbe
Stunde lang die Heilige Schrift liest, dann ist daran auch ein vollkommener
Ablass gebunden. Oder: Morgens beim Gottesdienst die hl. Kommunion empfangen
und in den Intentionen des Heiligen Vaters beten, und abends gemeinsam
mit der Familie den Rosenkranz beten.
Man darf die Intention des Ablasses nicht vergessen sowie die Aufopferung
desselben für eine konkrete Person: für einen eben verstorbenen
Verwandten oder Nachbarn u.a., oder auch allgemeiner, beispielsweise für
die Verstorbenen aus der Familie, für verstorbene Freunde, für
Seelen, an die nicht einmal die engsten Verwandten denken, für Kriegsopfer
oder ganz allgemein für Seelen im Fegefeuer. Am besten tut man es
durch die Vermittlung Mariens. Sie weiß, wer unserer Hilfe am nötigsten
bedarf: „Ich möchte einen vollkommenen Ablass gewinnen, und durch
Deine Hände, Muttergottes, opfere ich ihn Gott auf für die Seelen
im Fegefeuer. Ich bitte, dass die durch Dich auserwählte Seele durch
den Ablass aus dem Fegefeuer erlöst wird."
„Meine
Heiligen"
Denken wir zum Schluss an noch eine wichtige Sache. Indem wir den
Seelen im Fegefeuer helfen, verschaffen wir uns Freunde im Himmel. Erlöst
durch unser Wirken, sind sie bei Gott. Die Heiligen vergessen ihre Wohltäter
nicht. Wir werden gewaltige Fürsprecher in ihnen haben. Der hl. Pater
Pio sagte: „Wir müssen für die Seelen im Fegfeuer beten. Es ist
unglaublich, was sie für unser geistiges Gut tun können, aus
Dankbarkeit für diejenigen auf Erden, die an das Gebet für sie
denken." Der heilige Johannes Maria Vianney stellte fest: „Oh, wenn man
wüsste (...), welche Gnaden man auf ihre Fürsprache erlangen
kann, wären sie nicht so sehr verlassen." Die heilige Katharina von
Bologna wiederholte oftmals: „Häufig war es so, dass ich das, was
ich durch Heilige im Himmel nicht bekommen konnte, sofort erhielt, nachdem
ich mich an die Seelen im Fegfeuer wandte."
Woher kommt diese Wirksamkeit der Bewohner des Fegefeuers? Sie kommt
daher, dass wir eine Bindung zu ihnen aufbauen, indem wir ihnen helfen.
Ich habe dieser konkreten Person in einer für sie ungewöhnlich
schweren Situation geholfen. Ich hab sie aus großen Leiden erlöst.
Denken wir nur daran, wie dankbar wir denjenigen sind, die uns geholfen
haben, obwohl wir sündig und schwach sind. Die Heiligen sind weder
sündig noch schwach, und ihre Dankbarkeit ist vollkommen, wie alles
im Himmel. Mit dem hl. Antonius, dem hl. Stanislaus oder dem hl. Joseph
habe ich eine ganz andere Beziehung. Was habe ich Gutes für sie getan?
Ich erwarte etwas von ihnen. Ich bin einer von vielen Bittstellern. Dagegen
habe ich „meinen Heiligen", obwohl ich sie nicht vom Namen her kenne (eines
Tages werde ich sie sehen und kennenlernen), etwas Wichtiges gegeben. Es
verlangte zwar keine große Mühe meinerseits, aber für sie
war es von unschätzbarem Wert. Ich habe zuerst geholfen, und nun bitte
ich selbst, weil ich in Not bin. Zweifellos werden sie in dieser Angelegenheit
eifrig Fürbitte bei Gott halten.
Der Herrgott hat sichtbare und unsichtbare Dinge geschaffen. Es
wird uns empfohlen, mit den Augen des Herzens „nach dem Unsichtbaren [auszublicken]"
(2 Kor 4,18), worüber Er sagt, dass es existiert. Wenn wir dies tun,
werden wir Menschen sehen, die unbedingt Hilfe benötigen und dabei
manchmal durch ihre Nächsten vernachlässigt werden, die nur auf
das schauen, was für die Augen sichtbar ist. „Selig
die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden" (Mt 5,7) - dieses
Versprechen gibt uns Jesus selbst. Seien wir barmherzig zu den Seelen.
Tun wir für sie das, was wir wollen, dass man auch für uns tut,
wenn wir selber diese Welt verlassen. Jemand hat es einmal sehr schön
ausgedrückt: Wie ein Stein, der in die Höhe geworfen wird, wieder
auf die Erde fällt, so kehren auch unsere Gebete zu uns zurück.
(Quelle: Jan Bilewicz
in: "Liebt einander!", Nr. 3- 2016, S. 26-30, Kloster St. Gabriel, 99894
Leinatal/Altenbergen) - LINK:
liebt-einander.org